BlauwasseryachtenDiese fünf wollen ans Ende der Welt

YACHT

 · 13.10.2026

Boréal 56: Für schwere See und flache Ankerplätze.
Foto: Foto: Bertel Kolthof
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​Blauwasseryachten sollen sicher, seegängig und auf langen Etappen gut beherrschbar sein. Boréal 56, Kraken 58, Pure 49, Stem 50 und Breehorn 55 erfüllen diese Anforderungen auf sehr unterschiedliche Weise.

Wer eine Yacht für lange Ozeanpassagen oder abgelegene Reviere sucht, muss Prioritäten setzen. Die hier vorgestellten Blauwasseryachten bieten reichlich Stauraum, geschützte Arbeitsbereiche und eine robuste Konstruktion. Doch bei Kiel, Ruder, Segelleistung und Wohnkomfort gehen die Werften getrennte Wege.

Boréal 56: Für schwere See und flache Ankerplätze

Leichte Übung: 5 Beaufort auf der bewegten Nordsee pariert der 17-Meter-Kreuzer souverän.
Foto: Bertel Kolthof

Die Boréal 56 ist ein Aluminium-Explorer für Crews, die sich auch hohe Breiten und schwer zugängliche Reviere offenhalten wollen. Ihr Schwenkkiel reduziert den Tiefgang von 3,18 auf 1,20 Meter. Zwei seitliche Hilfsruder unterstützen das vergleichsweise kurze Hauptruder, verbessern die Kursstabilität und lassen sich bei Bedarf aufholen.

Im Test der Boréal 56 überzeugte die 20,5 Tonnen schwere Yacht vor allem in grober Nordseewelle. Bei fünf bis sechs Beaufort lief sie mit mäßiger Krängung stabil am Wind und verlangte nur geringe Korrekturen am Rad. Das verschließbare Doghouse bietet Schutz und einen nahezu ungehinderten Rundumblick. Schoten und Winschen sind so angeordnet, dass sich das Boot auch mit kleiner Crew bedienen lässt.

Unter Deck verbindet Boréal die bekannte Zweckmäßigkeit der Marke mit einem deutlich verfeinerten Ausbau. Große Kojen, Handläufe, Schlingerleisten und ein geräumiger Maschinenraum passen zum Langfahrtanspruch. Auffällig ist das enorme Stauraumangebot. Allein Vorpiek und Achterbereich nehmen zusammen mehr als zwölf Kubikmeter auf. Im Test fielen allerdings die bei Nässe mäßig griffigen Flächen auf den Cockpitsülls und die noch nicht optimal unterteilten Stauräume auf.

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Kraken 58: Passive Sicherheit im Mittelpunkt

Schwer und geschmeidig: Aufgewühlte See nimmt das Boot mit großer Gelassenheit.
Foto: Andreas Lindlahr

Während vier der vorgestellten Blauwasseryachten auf Aluminium setzen, besteht die Kraken 58 aus GFK. Der sogenannte Zero-Kiel ist Bestandteil des Rumpfs und nicht nachträglich untergeschraubt. Eine bis in die Kielsohle reichende Bodenstruktur nimmt die Lasten auf. Das Ruder wird von einem Vollskeg geschützt, drei wasserdichte Abteilungen begrenzen die Folgen eines Wassereinbruchs.

Der Test der Kraken 58 zeigt allerdings auch den Preis dieser konsequenten Auslegung. Mit 29 Tonnen Leergewicht und flächigen Anhängen ist die Yacht kein Temperamentsbolzen. Bei leichtem Wind erreichte sie an der Kreuz fünf bis sechs Knoten. Frischer Wind brachte vergleichsweise wenig zusätzlichen Speed. Dafür setzte die Kraken 58 bei bis zu zwei Meter hohen Wellen ungewöhnlich weich ein.

Das gut geschützte Mittelcockpit und der helle Deckssalon passen zum komfortorientierten Konzept. Die umfangreiche Ausstattung und der begehbare Maschinenraum erleichtern lange Reisen. Kritik ist an den teilweise knappen Kojen zu üben, dem steilen Niedergang und der beengten achteren Plicht. Im Hafen braucht die Kraken ebenfalls Umsicht. Rückwärts sprach sie im Test erst mit Fahrt auf das Ruder an, während das Bugstrahlruder das Vorschiff bei sechs Beaufort nicht sicher halten konnte.


Pure 49: Explorer mit ausgeprägten Racer-Genen

Der orangefarbene flache Pilotsalon und das naturbelassene Aluminium sowie die kantige Rumpfform machen die BM einzigartig
Foto: YACHT/Jozef Kubica

Die Pure 49 wendet sich an Segler, die Reichweite und Robustheit nicht mit behäbigem Verhalten gleichsetzen. Aluminiumrumpf, Carbonrigg, Fathead-Großsegel, Doppelruder und Pinnensteuerung ergeben eine Langfahrtyacht, deren technische Zutaten eher an einen Hochsee-Racer erinnern. Der Hubkiel lässt sich bis auf 3,20 Meter absenken und für flache Gewässer auf 1,30 Meter einholen. Zwei in den Rumpf integrierte Wasserballasttanks nehmen jeweils 750 Liter auf. Sie erhöhen die Stabilität unter Segeln und können vor der Wende auf die neue Luvseite umgepumpt werden. Doppelruder und lange Pinne bieten auch bei stärkerer Lage Kontrolle und direkte Rückmeldung.

Das Pilothouse schließt unmittelbar an das Cockpit an und schafft einen geschützten Arbeitsbereich. Unter Deck bleibt die Ausführung bewusst funktional. Installationen und Maschine sind gut erreichbar, sichtbare Aluminiumflächen erleichtern Kontrollen. Damit ist die Pure 49 weniger schwimmendes Landhaus als schnelles Reiseboot für Eigner, die Technik, Wartungsfreundlichkeit und Segelleistung höher gewichten als einen aufwendigen Möbelbau.


​Stem 50: Durchdachte Details und ruhiges Segelverhalten

Großzügige Cockpitgestaltung: Lange Bänke, ein supersolider Tisch und 
viel Stauraum zeichnen die Plicht aus.
Foto: Andreas Lindlahr

Stem Marine baut seit rund 40 Jahren Rettungs-, Patrouillen- und Feuerwehrboote. Diese Erfahrung zeigt sich bei der Stem 50 in einer aufwendig versteiften Aluminiumkonstruktion mit drei wasserdichten Schotten. Im Kielbereich stehen die Spanten nur 35 Zentimeter auseinander. Zwei getrennte Autopiloten und die Doppelruderanlage sind redundant ausgeführt. Blockiert eines der Ruder, lässt sich die Verbindung zwischen den beiden Quadranten lösen. Serienmäßig hat die Stem 50 einen Festkiel mit 2,40 Meter Tiefgang. Seine aus einem massiven Aluminiumblock gefräste Finne greift formschlüssig in den Kielkasten und trägt einen 3,4 Tonnen schweren Bleiballast. Wer einen variablen Tiefgang benötigt, kann stattdessen einen Teleskopkiel bestellen.

Das Cockpit ist auf eine kleine Crew zugeschnitten. Hauptwinschen innerhalb der Steuerstände erleichtern die Bedienung, während die Umlenkung der Schoten zusätzliche Last und Reibung erzeugt. Das optionale Hardtop bietet Schutz und lässt sich mit elektrisch versenkbaren Sprayhood-Fenstern kombinieren. Im Test störten die fast senkrechten Rückenlehnen und die bei Nässe zu schmalen Stufen zwischen Cockpit und Seitendeck. Im Test der Stem 50 liegt die Yacht sauber auf dem Ruder und lässt sich mit kleinen Korrekturen auf Kurs halten. Bei vier Beaufort erreicht sie hoch am Wind durchschnittlich 5,6 Knoten. Auf raumem Kurs sind acht Knoten und mehr möglich. Selbst bei Böen bis 30 Knoten und stärkerem Seegang bleibt ihr Verhalten ruhig und gut kontrollierbar.

Unter Deck verbindet die Stem 50 ihre solide Konstruktion mit einem hellen Eichenholzausbau und großen Fenstern. Praktische Details sind die als Wannen ausgeführten Aluminiumschapps, deren Inhalt beim Öffnen nicht herausfällt. Jede dieser acht Stauboxen ist für eine Last von bis zu 20 Kilogramm ausgelegt. Am getesteten Prototyp boten die längs eingebaute Pantry und die zu schmalen Achterkojen noch Raum für Verbesserungen. Auch der erhöhte Geräuschpegel unter Motor sollte mit einer besseren Abschottung des Maschinenraums reduziert werden.


​Breehorn 55: Klassischer Individualbau für lange Reisen

Klassische Linien, ein kurzer Kajütaufbau und ein markantes Pilothouse. Die Breehorn 55 aus Holland sieht gut aus und segelt auch so.
Foto: Breehorn

Die Breehorn 55 kombiniert einen Aluminiumrumpf mit einem in Sandwichbauweise gefertigten GFK-Deck. Ihr schlanker Rumpf, der angeschweißte Festkiel und das konventionelle Kutterrigg stehen für einen traditionellen Ansatz. Mit 22 Tonnen ist sie schwerer und weniger agil als die Stem oder Pure, vermittelt dafür viel Ruhe und Kursstabilität.

Im Test der Breehorn 55 lief sie bei vier bis fünf Beaufort hart am Wind konstant 7,2 Knoten. Mit halbem Wind standen acht Knoten auf der Logge. Wenden und Halsen erledigt die Yacht eher bedächtig. Am Rad bleibt sie ausgewogen und verlangt nur wenige Korrekturen. Die mechanische Steuerung besitzt allerdings keine vollständige Redundanz. Fällt der Kabelzug aus, bleibt der direkt auf die Ruderwelle wirkende Autopilot als Rückfallebene. Das wasserdicht verschließbare Pilothouse bildet einen geschützten Übergang zwischen Cockpit und Salon. Beim Testschiff war es mit zwei Sitzbänken und zentralem Tisch eingerichtet. Eine Doppelverglasung aus Echtglas sorgt für Aussicht, optional wären auch ein zweiter Navigationsplatz und eine Innensteuerung möglich.

Der Ausbau mit Teakmöbeln und dunkelblauen Polstern wirkt bewusst traditionell. Da Fenster im Aluminiumrumpf fehlen und die Öffnungen im Aufbau eher klein sind, bleibt es unter Deck vergleichsweise dunkel. Dafür lassen sich alle Aufbaufenster öffnen. Jeder Wohnbereich besitzt mindestens zwei Lüftungsmöglichkeiten. Käufer können die Aufteilung weitgehend selbst bestimmen. Eine der beiden Achterkabinen lässt sich etwa als Werkstatt, Büro, Umkleide oder begehbarer Stauraum ausbauen. Zwischen den Achterkammern verläuft ein 66 Zentimeter breiter Technikkanal für Maschine, Generator, Wassermacher und elektrische Installationen. Große Inspektionsöffnungen erleichtern Wartungsarbeiten.


Welche Blauwasseryacht passt zu welchem Reiseziel?

Die Boréal 56 empfiehlt sich für Crews, die extreme Reviere, flache Ankerplätze und maximale Praxistauglichkeit verbinden wollen. Bei der Kraken 58 stehen passive Sicherheit, weiche Bewegungen und hoher Komfort über der reinen Segelleistung.

Die Pure 49 ist das Gegenmodell für ambitionierte Segler, die auch auf langen Passagen aktiv steuern und schnell unterwegs sein möchten. Die Stem 50 verbindet solide Aluminiumkonstruktion mit einem hellen, wohnlichen Ausbau und unkomplizierten Segeleigenschaften. Die Breehorn 55 setzt auf klassische Linien, Individualisierung und eine ruhige Art des Reisens.

Die Entscheidung hängt deshalb weniger von der Bootsgröße als von der geplanten Route ab. Für hohe Breiten und flache Buchten sind variable Tiefgänge ein starkes Argument. Wer überwiegend Ozeane und tiefere Küstenreviere befährt, kann mit einem Festkiel Gewicht, Technik und Wartungsaufwand sparen. Performance, Wetterschutz, technische Redundanz und Wohnkomfort lassen sich bei keiner der fünf Yachten vollständig voneinander trennen.


Buchtipps

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Blauwassersegeln von Bobby Schenk richtet den Blick stärker auf die Anforderungen einer ausgedehnten Segelreise. Neben der Technik des Blauwassersegelns behandelt das Buch das Leben an Bord, technische Probleme, schwere Wetterbedingungen, Versicherungsfragen und die Kommunikation aus abgelegenen Revieren.


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