Stem 50 im TestAlu-Yacht ist robust, ruhig und erfreulich unkompliziert

Jochen Rieker

 · 09.08.2026

Großzügige Cockpitgestaltung: Lange Bänke, ein supersolider Tisch und 
viel Stauraum zeichnen die Plicht aus.
Foto: Andreas Lindlahr
Wie schlägt sich die Stem 50 auf dem Wasser, wie stimmig ist das Innenraumkonzept? Italiens neue Blauwasseryacht im Test und wo am Prototyp noch nachgebessert werden muss.

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Teil 1 zeigt Konzept, Bauqualität und die ungewöhnlichen Detaillösungen der neuen Aluminiumyacht.


​Mit 15 Tonnen Leergewicht und 18 Tonnen voll ausgerüstet liegt die Stem auf Augenhöhe mit der neuen Boreal 52 und der deutschen BM 50. Die Allures 51.9 und die Ovni 490 wiegen 15 Prozent mehr. Das und der recht großzügige Segelplan verhelfen der Aluminiumyacht aus Italien zu einer Sonderstellung im Blauwasser-Markt. Ihr Drei-Saling-Mast von Seldén ragt 21,80 Meter über die Wasserlinie. Im Vergleich zu den 24,90 Metern einer Hallberg-Rassy 50 ist er nicht besonders hoch. Doch die 72,9 Quadratmeter große Genua 1 der Stem gleicht dies mühelos aus.

Auch nach unten ist sie gut anpassbar. Das optionale Stagsegel als Alternative für schweres Wetter misst nur 21,9 Quadratmeter. Diese Fock lässt sich auf Wunsch über eine Selbstwende-Schiene schoten.


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Das Segeln mit dem Boot erwies sich als erfreulich unkompliziert. Die Stem 50 liegt sauber auf dem Ruder und ist gut ausbalanciert. Man kann sie mit minimalen Korrekturen auf Kurs halten. Hoch am Wind wendet sie über 90 Grad und erreicht bei 4 Beaufort eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,6 Knoten – nicht gerade überbordend temperamentvoll, aber überdurchschnittlich für das Blauwasser-Segment.

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Bei 50 bis 55 Grad zum wahren Wind kommt sie richtig in Fahrt, legt dann fast einen Knoten an Geschwindigkeit zu und fühlt sich deutlich wohler. Auf raumem Kurs erreichte sie mühelos 8,0 Knoten oder mehr und legte unter Code Zero bei 110 Grad wahrem Windeinfall auf 8,5 Knoten zu. Bei stärkerem Wind und Wellengang erreichte sie unter Genua und vollem Großsegel bis zu 10 Knoten, behielt dabei aber ihr ruhiges, seetüchtiges Verhalten bei.


Messergebnisse der Stem 50

Bild 1

Ruhiger Innenraum mit einigen Prototyp-Schwächen

​Dasselbe Gefühl der Unerschütterlichkeit überträgt sich auch unter Deck, wo es stets beruhigend still bleibt. Wenn man die Niedergangstreppe hinuntergeht, befindet sich die Navigation direkt vor einem, was eine einfache Kommunikation mit der Crew an Deck ermöglicht. Zwei Nasszellen auf beiden Seiten sind auf See äußerst praktisch, da man in triefendem Ölzeug keine langen Wege zurücklegen muss.

Vorne an Steuerbord liegt das U-förmige Sofa mit einem großen Salontisch, gegenüber die Kombüse. Die ist zwar großzügig bemessen, aber in Längsausrichtung konzipiert – eine unkonventionelle Wahl für eine Hochseeyacht, da auf Steuerbordbug nur die Maststütze Halt bietet. Große Deckshaus- und Rumpffenster sorgen für ein luftiges Gefühl, das durch eine Stehhöhe von 1,96 bis 2,01 Metern noch verstärkt wird. Und da die Stem durch zwei versenkte Fenster im vorderen Aufbau Sicht voraus bietet, kann man sicher von innen navigieren. Der Ausbau wirkt komfortabel und luxuriös, sieht dabei angenehm anders aus als auf Explorern üblich. Helles Eichenholz bildet einen schönen Kontrast zu den schwarzen Beschlägen und Rahmen.

Im Test fielen einige für Prototypen typische Mängel auf. Eine Lücke zwischen dem Niedergang und dem Maschinenraum beispielsweise verursachte einen überdurchschnittlich hohen Geräuschpegel im Salon, der bei einer Bootsgeschwindigkeit von nur 5 Knoten schon 70 Dezibel erreichte – während der 80-PS-Yanmar-Common-Rail-Diesel eine Reisegeschwindigkeit von 8 Knoten ermöglicht.

​Noch zu beheben sind die schmalen Kojen in den Achterkabinen. Sie sind auf Schulterhöhe nur 1,22 Meter breit. Die Werft plant, die Polster höher zu legen, eine Maßnahme, die auch für die vordere Kabine sinnvoll wäre, wo sich die Koje zu tief und eingeengt anfühlt.

Interessanter Neuzugang mit attraktivem Einstiegspreis

Auch wenn sie noch nicht so ausgereift ist wie vergleichbare Aluminiumyachten etablierterer Marken, ergänzt die Stem 50 das stetig wachsende Marktsegment der Explorer-Yachten auf interessante Weise. Sie ist die elegante und durchaus flotte Version eines Blauwasserboots, das sich auch für gelegentliche Ozeanpassagen empfiehlt – im Gegensatz zu robusteren Alu-Modellen für hohe Breitengrade, die ganz anders aussehen.

  • Grundpreis ab Werft: 1.176.910 €
  • Preis segelfertig: 1.210.230 €
  • Komfortpreis: 1.239.850 €
  • Garantie: 2 Jahre

Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.

Mit knapp 1,18 Millionen Euro im Grundpreis ist sie, relativ gesehen, recht preiswert. Man kann das als Einführungsangebot sehen, mit dem sich die Werft im Segelsektor etablieren will. Die beste Gelegenheit, die Stem 50 live zu erleben, bietet sich beim Yachting Festival in Cannes Anfang September, wo sie fraglos zu den viel beachteten Messepremieren zählen wird.


YACHT-Bewertung der Stem 50

​Ihr vom Explorer-Segment abweichendes Konzept und die Bauausführung machen die Stem 50 für Langfahrtsegler interessant, die Finesse statt Ex­treme suchen.

Konstruktion und Konzept

Erstklassige Alu-Bauweise

Hohe Sicherheit

/(-) Tief gehender Festkiel

Segelleistung und Trimm

Feinfühlige Ruderanlage

Mit Stagfock flexibler Segelplan

Angemessene Leistungswerte

Wohnen und Ausbauqualität

Variables Kajütlayout

Feine Holzarbeiten

Pantry ohne Halt

Achterkojen zu schmal

Ausrüstung und Technik

Hochwertige Komponenten

Umfangreiche Basisausstattung


Die Stem 50 im Detail

Beim Rumpf gibt es keine Varianz, aber der optionale Dodger und der Geräteträger bieten mehr Funktionalität. Stem hat drei Ausbau-Alternativen entwickelt, ist aber auch für Sonderwünsche offen. Die Genua ist Standard und kaum kleiner als der Code Zero. Die selbstwendende Stagfock erscheint dagegen fast als zwingend.Foto: YACHTBeim Rumpf gibt es keine Varianz, aber der optionale Dodger und der Geräteträger bieten mehr Funktionalität. Stem hat drei Ausbau-Alternativen entwickelt, ist aber auch für Sonderwünsche offen. Die Genua ist Standard und kaum kleiner als der Code Zero. Die selbstwendende Stagfock erscheint dagegen fast als zwingend.

​Segel

Die Stem kommt ab Werft ohne Segel. Groß und Genua in Hydranet Radial kosten 33.000 Euro, mit Stagfock und Code Zero sind es 58.000 Euro.

​Werft

Stem Marine, Strade Ghiaie 12/D, 43014 Medesano, Italien; www.stemmarine.it

Vertrieb

Direkt ab Werft


Zwischen Explorer, Fahrtenyacht und Performance-Anspruch setzt die Stem 50 eigene Akzente. Ist genau diese Mischung interessant oder am Ende zu kompromisshaft? Diskutieren Sie mit.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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