Breehorn 55 im TestRuhig, robust und reif für die Weltreise

Michael Good

 · 09.10.2026

Klassische Linien, ein kurzer Kajütaufbau und ein markantes Pilothouse. Die Breehorn 55 aus Holland sieht gut aus und segelt auch so.
Foto: Breehorn
​Sicher, robust, vertrauenerweckend. Mit der Breehorn 55 aus Friesland muss man nicht zwingend bis ins Eismeer segeln. Aber man könnte. Test einer Ausnahmeyacht.

Themen in diesem Artikel

Leinen los und nichts wie weg! Den Alltag an Land zurücklassen. Kurs auf exotische Ziele nehmen, auf Abenteuer fernab der Zivilisation. Kaum ein Segler, der nicht irgendwann davon träumt. Glücklich die, die ihren Traum wahr werden lassen. Die suchen dann irgendwann nach einem geeigneten Schiff. Robust muss es sein, sicher und seetüchtig auch in hohen Breiten. Und groß genug, um darauf lange Zeit leben zu können. Flott vorankommen sollte so ein Schiff überdies, damit sich lange Ozeanpassagen nicht ewig hinziehen.

In dieses anspruchsvolle Profil hinein ist die neue Breehorn 55 konstruiert worden. Gebaut wird sie bei der gleichnamigen Werft im friesischen Woudsend. Der kleine Betrieb fertigt mit einer Handvoll Mitarbeiter nur wenige Boote im Jahr. Die 55er ist jetzt das Flaggschiff des Programms und zugleich in mehrfacher Hinsicht ein Novum für Breehorn. Erstmals hat die Werft einen Rumpf aus Aluminium mit einem Deck aus glasfaserverstärktem Kunststoff kombiniert. Ein Materialmix, auf den beispielsweise auch die französische Werft Allures bei ihren Blauwasseryachten setzt.

Der Alurumpf ist für Breehorn eine Ausnahme. Er wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Käufers realisiert. Der gehört offenbar zur eingangs beschriebenen Zielgruppe und möchte mit seinem neuen Schiff in naher Zukunft um die Welt segeln, inklusive Abstechern in anspruchsvolle Reviere jenseits der Barfußroute.

Gefertigt wird der Aluminiumrumpf bei Jachtbouw Folmer. Die niederländischen Leichtmetall-Spezialisten schweißen auch Rümpfe und Kaskos für andere Werften und Marken. Breehorn könnte die 55er ebenso vollständig aus GFK bauen wie alle übrigen Yachten ihrer fein abgestuften Modellpalette zwischen 31 und 48 Fuß.

Schlanker Rumpf und ungewöhnlicher Materialmix

Die Konstruktion der knapp 17 Meter großen Langfahrtyacht stammt wieder aus dem Büro Simonis Voogd Design. Sie bleibt der typischen Formensprache der friesischen Werft treu: Ein schräger Steven, das klassische Yachtheck und die ausgewogenen Proportionen prägen den betont traditionellen Auftritt. Gleichzeitig fällt der Rumpf für ein modernes Fahrtenschiff dieser Größe vergleichsweise schlank aus. Das Verhältnis von Länge zu Breite liegt bei rund 3,5 und damit weit über dem normalen Streckungswert von 3,0. Eigenständig wirkt auch die Gestaltung des Aufbaus. Das Vorschiff ist eben, das Kajütdach erhebt sich erst hinter dem Mast. Darauf sitzt wiederum ein kompaktes, deutlich abgesetztes Pilothouse. Diese Kombination verleiht der Breehorn 55 ihre markentypische Silhouette, wie man sie schon von der kleineren 44er und auch der 48er kennt.

Der Kiel ist direkt mit dem Aluminiumrumpf verschweißt. Die hohle Struktur wird mit Blei ausgegossen und dauerhaft versiegelt. Mangels Luft und Licht ist damit die von vielen Alubooteignern gefürchtete Elektrolyse kein Thema. Trotz des gemäßigten Tiefgangs von 2,20 Meter erreicht der Ballastanteil rund ein Drittel des Gesamtgewichts von etwa 22 Tonnen. Das ist vergleichsweise viel, angesichts des schlanken Rumpfs samt seiner geringeren Formstabilität jedoch erforderlich.

Nach der Anlieferung des Rumpfs erhält dieser oberhalb der Wasserlinie eine aufgespritzte Schaumisolation. Sie soll Temperaturunterschiede ausgleichen, die Bildung von Kondenswasser verhindern und damit auch in kalten Revieren für ein angenehmes, trockenes Klima unter Deck sorgen.

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Konventionelles Rigg für lange Seeschläge

Passend zum klassischen Auftritt bleibt auch das Riggkonzept der Breehorn 55 betont konventionell. Der Mast von Seldén mit kräftigem Profil wird von zwei Salingspaaren abgestützt. Der Segelplan ist hoch, dabei aber vergleichsweise schlank geschnitten. Am Wind arbeitet die 55er mit einem konventionellen Großsegel und einer großen, weit überlappenden Genua. Zur serienmäßigen Ausstattung gehören außerdem ein Kutterstag und eine Stagfock. Damit erhält die Breehorn 55 bereits ab Werft eine für lange Schläge auf hoher See beliebte und bewährte Segelgarderobe.

Der Segeltest auf dem IJsselmeer

Für den Test vor Makkum zeigt sich das IJsselmeer von seiner besten Seite. Es weht mit vier bis fünf Beaufort und die Wellen erreichen etwa einen Meter Höhe. Mit Großsegel und Genua läuft die Breehorn 55 hart am Wind konstant 7,2 Knoten. Mit halbem Wind steigt die Geschwindigkeit auch ohne zusätzliches Vorsegel auf 8,0 Knoten. Dabei vermittelt die stäbige Friesin einen ausgesprochen ruhigen und stabilen Eindruck. Sie zieht mit hoher Kurstreue durch die kurzen Wellen und lässt sich kaum aus dem Rhythmus bringen.



Temperamentvoll oder sogar agil wirkt sie hingegen eher nicht. Das hohe Gewicht und die vergleichsweise gestreckte Konstruktion mit dem ausgeprägten Kielsprung machen sich deutlich bemerkbar: Die Breehorn reagiert in den Manövern behäbig und benötigt etwas Zeit, um nach einer Wende oder Halse wieder volle Fahrt aufzunehmen. Wie sich das Schiff in langer Dünung auf offener See verhält, lässt sich nach dem Test auf dem geschützten IJsselmeer nicht beurteilen. Der schräg abfallende Bugsteven und das schlanke Vorschiff lassen jedoch ein ruhiges und weiches Einsetzen in die Welle vermuten.

Kursstabil, aber ohne redundante Steuermechanik

Am Steuerrad hinterlässt die Breehorn 55 einen sehr ausgewogenen Eindruck. Sie lässt sich angenehm leicht führen, ohne dabei gefühllos zu wirken. Ein geringer, aber gut wahrnehmbarer Ruderdruck vermittelt ausreichend Rückmeldung. Dank ihrer hohen Kursstabilität verlangt die Yacht nur wenige Korrekturen am Rad, eine Eigenschaft, die auch dem Autopiloten zugutekommt. Er muss unterwegs seltener eingreifen und benötigt entsprechend weniger Strom. Insbesondere während langer Etappen ist das klar von Vorteil.



Die Jefa-Steueranlage arbeitet mit einem durchgehenden Kabelzug, der die beiden Räder und den Quadranten verbindet. Damit ist leider keine Redundanz gegeben, falls die Steuermechanik mit einem Defekt ausfallen sollte. Sicherheiten bietet in dem Fall nur der Autopilot, der direkt auf die Ruderwelle angreift und bei einer technischen Panne die Steuerung auch dauerhaft übernehmen kann. Darüber hinaus ist die Steueranlage aus dem Cockpit nur mühsam erreichbar.

Komfortables Handling auf Knopfdruck

Der Eigner des Testschiffs hat besonderen Wert auf ein möglichst komfortables Handling gelegt. Entsprechend lassen sich auf dem Schiff sämtliche Trimmfunktionen auf Knopfdruck bedienen. Zu diesem Zweck wurde das Boot unter anderem mit einem Rollmast ausgestattet. Aufgrund der höheren Anfälligkeit für Defekte sind Rollmasten ansonsten bei Langfahrtseglern eher nicht die erste Wahl.

Unabhängig von der individuellen Ausstattung werden die Schoten von Großsegel und Genua beziehungsweise Stagfock über jeweils eigene, großzügig dimensionierte Andersen-Winschen im Cockpit gefahren. Auch für die Backstage zur Stabilisierung des Riggs unter Stagfock stehen eigene Dichtholer zur Verfügung.

Sämtliche Fallen und Trimmleinen werden beim Testschiff dagegen direkt am Mast bedient. Dabei zeigt sich die Werft hinsichtlich der Anordnung der Beschläge und der Führung der Leinen flexibel. Das Deckslayout lässt sich weitgehend an die Wünsche jedes Eigners anpassen.

​​Im Cockpit fällt das knappe Stau­raum­angebot auf. Lediglich unter den zwei Sitzen für den Steuermann befinden sich kleinere Fächer. Auf klassische Backskisten unter den Duchten verzichtet die Werft dagegen bewusst. Für den anspruchsvollen Einsatz auf hoher See ist das nachvollziehbar, weil große Öffnungen im Cockpit stets auch ein Risiko für eindringendes Wasser darstellen. Fender und andere sperrige Dinge finden stattdessen in der großen und tiefen Segellast im Vorschiff Platz


Die Breehorn 55 im Detail

Für lange Törns: Der Segelplan ist konventionell, er wird um ein Kutterstag ergänzt. Hohe Individualität: Das Layout unter Deck kann der Kunde nach seinen Wünschen weitestgehend selbst festlegen.Foto: YACHTFür lange Törns: Der Segelplan ist konventionell, er wird um ein Kutterstag ergänzt. Hohe Individualität: Das Layout unter Deck kann der Kunde nach seinen Wünschen weitestgehend selbst festlegen.

Technische Daten der Breehorn 55

  • ​Konstrukteur: Simonis Voodg Design
  • ​CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 16,67 m
  • Wasserlinienlänge: 14,20 m
  • Breite: 4,78 m
  • Tiefgang: 2,20 m
  • Masthöhe über WL: 23,45 m
  • Theoretische Rumpfgeschwindigkeit: 9,2 kn
  • Gewicht: 22,0 t
  • Ballast/-anteil: 7,25 t/33 %
  • Großsegel: 76,0 m²
  • Rollgenua (106 %): 68,0 m²
  • Stagfock: 33,0 m²
  • Spinnaker: 180,0 m²
  • Maschine (Yanmar): 81 kW/110 PS
  • Kraftstofftanks (Alu): 2 x 600 l
  • Frischwassertanks (PVC): 2 x 400 l

Rumpf- und Decksbauweise​

Rumpf aus seewasserbeständigem Aluminium im S-Spant, mit dem Kiel verschweißt. Das Deck ist aus GFK (Sandwich mit Schaumkern) im Vakuum­infusionsverfahren gebaut.

Motorisierung

Die Einbaumaschine von Yanmar mit 110 PS Leistung bleibt der Standard ohne Alternativen. Dazu kommen ein Wellenantrieb und ein Dreiblatt-Faltpropeller ab Werft. Auch ein einziehbares Bug­strahl­ruder gehört zum Lieferumfang.

Rigg und Segel

Breehorn rüstet seine 55er mit einem kräftigen Zweisalings-Rigg von Hersteller Seldén mit einem Kutterstag aus. Ein Satz Offshore-Segel (Groß, Genua, Stagsegel) gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Der Rollmast wie beim Testschiff ist eine Option.


In Teil 2: Wie gut funktionieren Pilothouse, Wohnräume und Technikzugang auf langen Reisen?


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Ist hohe Kursstabilität für eine Langfahrtyacht wichtiger als Agilität in Wenden und Hafenmanövern? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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