Gebrauchtboot der WocheArietta 31 - Anfang einer Ära

Antonia von Lamezan

 · 11.10.2026

Die ersten Ariettas wurden Mitte der 1960er Jahre noch in klassischer Holzbauweise hergestellt. bevor das Modell später in Serie aus GFK gebaut wurde.
Foto: Kirchner & Mares
​Die Arietta 31 gehört zu den frühen Entwürfen von Olle Enderlein. Mit ihrem schmalen Rumpf, dem überhängenden Heck und dem Langkiel hat die 9,40 Meter-Yacht auch Jahrzehnte später noch einen unverkennbaren Charakter. Enderlein wurde später mit Konstruktionen für Hallberg-Rassy und andere skandinavische Werften bekannt. In der Arietta lässt sich bereits erkennen, was viele seiner Entwürfe auszeichnet: klare Linien, ausgewogene Proportionen und hohe Seegängigkeit.

Mit 9,40 Meter Länge und 2,70 Meter Breite und rund 6,70 Meter Wasserlinienlänge wirkt die Arietta 31, die nach dem Namen ihres Konstrukteurs auch als Olle Enderlein 30 gehandelt wird, nach heutigen Maßstäben auffallend schmal und schiffig. Der Fokus liegt nicht auf Wohnraum, sondern auf den Segeleigenschaften Das Boot ist ein Langkieler, das Ruder sitzt am hinteren Ende des Kielprofils und ermöglicht das elegante, überhängende Heck. Die Arietta ist toppgetakelt. Gebaut wurde der Rundspanter von 1964 bis 1978, zunächst in der Holzausführung aus Mahagoni auf Eichenspanten mit eisernem Kiel, später in GFK. Das Holzboot hat einen Tiefgang von rund 1,50 Metern und eine Verdrängung von etwa vier Tonnen.

Die ersten Arietta-Exemplare wurden ab 1964 bei Malö Yachts auf der schwedischen Insel Orust gefertigt. Die GFK-Serienproduktion übernahmen Borgs Plast und Comfortbåtar AB, später Fiskebäcks Båtvarv. Die Produktion lief bis 1978, insgesamt entstanden in allen Varianten rund 250 Exemplare.

Ein früher Entwurf von Olle Enderlein

Als die Arietta entstand, war Olle Enderlein noch längst nicht der Name, mit dem man später große skandinavische Fahrtenyachten verband. Der 1917 in Norrköping geborene Konstrukteur arbeitete zunächst als Ingenieur beim Motorenhersteller Archimedes in Göteborg. Mit 27 Jahren machte er sich als Yachtkonstrukteur selbstständig. Enderlein war selbst begeisterter Segler und Regattasegler und erprobte seine Entwürfe auf dem Wasser.

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Die Arietta gehört zu dieser frühen Phase seiner Laufbahn. Später folgten zahlreiche bekannte Konstruktionen, darunter die Rasmus 35 und die Monsun 31. Die Rasmus, 1967 vorgestellt, wurde 760-mal gebaut; von der Monsun 31 entstanden 904 Exemplare. 1984 kam mit der Hallberg-Rassy 382 schließlich sein letzter Entwurf für die Werft auf den Markt.

Auch zur Entstehung von Najad trug Enderlein federführend bei. Die erste Yacht der Werft war die von Olle Enderlein konstruierte Najad 34 und wurde ab 1971 ausgeliefert. Damit steht die Arietta zeitlich deutlich am Anfang einer langen Reihe skandinavischer Fahrtenyachten, die Enderlein prägte.



Aus unserer Gebrauchtbootstrecke:


Gutmütig auf Kurs, fordernd bei Manövern

Die Konstruktion bestimmt auch heute noch maßgeblich den Charakter der Arietta. Der lange Kiel verleiht dem Boot eine hohe Kursstabilität und sorgt für ein ruhigeres, weniger nervöses Verhalten als bei vielen modernen Yachten mit freistehendem Ruder und tiefem Flossenkiel. Gleichzeitig macht er die Yacht weniger agil.

Das zeigt sich besonders bei Manövern. Beim Wenden sollte die Arietta nicht zu viel Fahrt verlieren, der Langkiel verlangt nach einem gewissen Grundtempo und einem sauberen Manöver. Auch unter Maschine ist das Boot weniger direkt zu steuern als ein moderner Kurzkieler. Vor allem rückwärts braucht es Erfahrung und etwas Vorausplanung.

Wer schnelle Manöver, hohe Kreuzgeschwindigkeit und möglichst wenig Trägheit sucht, wird deshalb bei jüngeren Konstruktionen eher fündig. Die Arietta richtet sich an Segler, die den zuverlässigen Charakter eines traditionellen Langkielers schätzen und mit den Eigenheiten einer solchen Konstruktion umgehen können.

Holz ist Teil des Konzepts und Teil der Aufgabe

Wer den wahren Zustand des Klassikers ermitteln will, darf sich vom Glanz des Lackes nicht blenden lassen. Entscheidend ist der Blick hinter die Fassade, ein gezielter Klopftest bringt Klarheit: Während gesundes Holz hell klingt, morsche Stellen geben Pfriem oder Ahle nach. Besonderes Augenmerk gilt der Bilge sowie den Spanten und Kielbolzen, wo aufgestaute Feuchtigkeit schleichend das Material zersetzt.

Zudem lohnt ein genauer Blick auf Schrauben und Nieten, denn korrodierende Verbindungsmittel verfärben das umliegende Holz dunkel und verlieren ihren Halt. Da Süßwasser Fäulnis massiv beschleunigt, sind verdeckte Lecks an Deckssprüngen, Püttingen und Rumpfdurchbrüchen die größten Treiber verdeckter Schäden. Im Zweifel lohnt ein Gewissheit bringendes professionelles Gutachten.

Wer eine klassische Holzyacht kauft, sollte aber Freude daran haben, sich dauerhaft mit dem Erhalt des Schiffes zu beschäftigen. Vor dem Kauf ist eine gründliche Zustandsprüfung wichtiger als der erste Eindruck des Lackaufbaus.

Für die See konstruiert, nicht für den Salon

Auch unter Deck folgt die Arietta dem Prinzip, das den gesamten Entwurf bestimmt: möglichst viel Funktion auf vergleichsweise wenig Raum. Im Vorschiff befindet sich eine Doppelkoje, dahinter liegen WC und Stauraum. Die Holzbauweise ist unter Deck offen sichtbar, die Spanten liegen frei und unterstreichen auch innen den klassischen Charakter des Bootes. Der Salon bietet Sitzplätze, die sich zugleich als Schlafplätze nutzen lassen. Der Tisch kann zusammengeklappt werden, bei einigen Exemplaren ist er kardanisch aufgehängt.

Vier Schlafplätze sind damit grundsätzlich möglich. Das offene Raumkonzept, dass selbst in der Nasszelle kaum Privatsphäre schafft, die enge Pantry und der wenige Stauraum sprechen jedoch eher für eine Crew aus zwei Personen.

Auch die Tankkapazitäten des kompakte Boots fallen entsprechend überschaubar aus: 70 Liter Frischwasser und 40 Liter Diesel verlangen bei längeren Törns nach einer gewissen Planung.

Ein Klassiker für eine kleine Crew

​Die Arietta 31 ist kein Boot für Segler, die möglichst viel Wohnraum, hohe Geschwindigkeit und unkompliziertes Manövrieren suchen. Dafür gibt es heute zahlreiche jüngere Konstruktionen, die diese Anforderungen besser erfüllen.

Interessant ist sie für diejenigen, die den Charakter eines klassischen skandinavischen Fahrtenbootes schätzen: schlanke Linien, lange Überhänge, Langkiel und ein traditionelles Erscheinungsbild. Wer mit kleiner Crew unterwegs ist und Freude am Erhalt eines Holzboots hat, findet in der Arietta ein zuverlässiges Fahrtenboot mit ruhigem Fahrverhalten.

Arietta 31 auf einen Blick

  • Länge: 9,40 m
  • Breite: 2,70 m
  • Wasserlinie: ca. 6,70 m
  • Tiefgang: ca. 1,35 m bei der GFK-Serienversion; das Holzboot wird mit 1,50 m angegeben
  • Verdrängung: ca. 3,4 t bei der GFK-Serienversion; das Holzboot wird mit 4,0 t angegeben
  • Kiel: Langkiel
  • Rigg: Masthead-Sloop
  • Konstrukteur: Olle Enderlein
  • Bauzeit: ab 1964 bis 1978
  • Stückzahl: etwa 250
  • Bauweisen: zunächst Holz (Mahagoni auf Eichenspanten), später GFK
  • Kojen: vier

Pro und Contra

ProContra
+ Kursstabiles, gutmütiges Fahrverhalten− Wenig Fahrt bei leichtem Wind, begrenzte Leistung auf der Kreuz
+ Klassische Linien und eigenständiger Charakter− Langkiel erfordert Übung beim Wenden und Rückwärtsmanövrieren
+ Kompakter Grundriss für Törns mit kleiner Crew− Wenig Wohnraum und überschaubare Tankkapazitäten
+ Traditionelle Holzbauweise bei frühen Exemplaren− Holzboote verlangen sorgfältige Zustandsprüfung und laufende Pflege

Buchtipps

Pflege und Instandsetzung klassischer Yachten behandelt die laufende Pflege und Reparatur klassischer Boote. Beschrieben werden unter anderem Schäden an der Beplankung und an Beschlägen sowie Arbeiten während der Saison und im Winterlager. Für Interessenten an einer hölzernen Arietta liegt der Nutzen darin, typische Arbeitsbereiche besser zu verstehen. Ob ein bestimmtes Boot dort tatsächlich Schäden hat und wie aufwendig ihre Behebung wäre, muss weiterhin ein Befund vor Ort zeigen.

Bootskauf setzt vor der Entscheidung für ein einzelnes Schiff an. Der Ratgeber behandelt die Auswahl von Größe und Material ebenso wie Wertermittlung, Kaufabwicklung, Folgekosten und Risiken. Das ergänzt die technische Holzbootpflege um die wirtschaftliche Seite: Wer eine individuell gebaute Yacht kauft, sollte nicht nur den Angebotspreis, sondern auch den eigenen Zeitaufwand und mögliche Arbeiten nach der Übernahme beurteilen.


Ein echter Klassiker aus Mahagoni ist optisch ein Traum, erfordert aber ständige Hingabe. Für die Holzboot-Segler unter euch: Was gibt euch die Arbeit an Spanten und Lack zurück, was ein GFK-Schiff niemals bieten kann?


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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