Wer ein kompaktes Gebrauchtboot für Urlaubstörns mit kleiner Crew sucht, findet unter den Mittelcockpit-Yachten eine seltene, aber interessante Klasse. Der weit vorn angeordnete Steuerstand schafft achtern Platz für eine separate Schlafkabine und bietet zugleich guten Schutz vor Wind und Spritzwasser. Die Compromis 999 ist eine typische Vertreterin dieser Bauart und steht diese Woche im Mittelpunkt unseres Gebrauchtboot-Checks.
Die Compromis 999 bringt viel Raum auf etwas mehr als neuneinhalb Meter Länge unter. Mit 3,40 Meter Breite und knapp fünf Tonnen Verdrängung ist sie konsequent auf Wohnkomfort ausgelegt. Unter Deck verteilen sich eine große Sitzgruppe, die Pantry, ein Navigationsplatz, die Nasszelle, eine aus dem Salon erreichbare Achterkabine sowie eine zweite Kabine im Vorschiff.
In der Messe stehen rund 1,90 Meter Stehhöhe zur Verfügung. Der seitliche Durchgang nach achter ist allerdings stellenweise nur etwa 1,56 Meter hoch. Das Doppelbett der Achterkoje misst etwa 2,15 mal 1,40 Meter und kann dauerhaft als Eignerkoje genutzt werden. Jedoch ragt der Ruderkoker In den Fußbereich, vor allem große Segler sollten daher den Zugang und die Liegefläche ausprobieren. Die einst von der Werft angegebenen fünf bis sechs Schlafplätze sind eher als Maximalbelegung zu verstehen. Ihre Stärke spielt die Compromis als Fahrtenboot für zwei bis vier Segler aus.
Das tiefe Cockpit Ist nach vorne versetzt und schützt die Crew mit hohen Sülls und festen Scheiben vor Wind und Spritzwasser. Mit Sprayhood und Kuchenbude entsteht ein zusätzlicher, wetterfester Aufenthaltsraum. Die Plicht bleibt allerdings kleiner als bei einer vergleichbaren Achtercockpit-Yacht, und die hohe Silhouette macht sich beim Manövrieren bei Seltenwind bemerkbar.
Unter Segeln zeigt sie sich gutmütig aber wenig temperamentvoll. Rund 42 Prozent Ballastanteil und eine moderate Segelfläche sorgen für ein kontrollierbares Verhalten. Bei wenig Wind machen sich Gewicht, benetzte Fläche und Zuladung deutlich bemerkbar. Ein stark ausgerüstetes Testboot blieb bei Windstärken von rund zwölf Knoten hoch am Wind unter fünf Knoten Fahrt.
Legt der Wind zu, findet die Compromis 999 besser in ihren Arbeitsbereich und läuft ruhig und berechenbar. Die Möglichkeiten zum Segeltrimm sind begrenzt. Käufer konnten damals zwischen 1,25 und 1,50 Meter Tiefgang sowie einem 10,60 und einem 12 Meter langen Mast wählen. Für offene Küstenreviere ist der tiefere Kiel ausgelegt, das lange Rigg verspricht mehr Leistung.
Ein flacher Kiel erweitert dagegen den Einsatzbereich auf Binnen- und Flach-wasserreviere, das kurze Rigg reduziert Krängung und Lasten und erleichtert kleinen Crews die Bedienung. Ein Falt-oder Drehflügelpropeller ist sinnvoll, da ein Festpropeller die mäßige Leichtwindleistung zusätzlich bremst.
Vortrieb unter Maschine sorgt meist ein 27 PS starker Yanmar-Diesel mit Saildrive. Rund 150 Liter Frischwasser und 70 Liter Diesel genügen für übliche Urlaubstörns.
Ausgeprägte Serienmängel sind nicht bekannt. Bei Booten vor 1997 sind Laminatfeuchte und der Zustand des Unterwasserschiffs relevant, da erst danach der wasserbeständigere Vinylesterharz eingesetzt wurde. Frühe, direkt verschraubte Plexiglasfenster neigen eher zu Undichtigkeiten als die später in Alurahmen verbauten Scheiben.
Die von Frans Maas gezeichnete Compromis 999 wurde von der niederländischen Werft Zaadnoordijk von 1987 bis 2005 gebaut. Um 2000 wurde die Marke Compromis in C-Yacht umbenannt. 2014 entstand aus einem eingelagerten Rumpf sogar noch ein Einzelstück. Die lange Produktionszeit spricht für die Beliebtheit und die zeitlose Auslegung der niederländischen Mittelcockpityacht. Im Laufe der Jahre flossen jedoch verschiedene Änderungen in Bauweise und Ausstattung ein, sodass sich einzelne Exemplare je nach Baujahr und Eignerausbau deutlich unterscheiden können. Für Kaufinteressenten lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die jeweilige Ausführung und deren Vorgeschichte.
| Merkmal | Compromis 999 |
| Baujahre | 1989–2005 |
| Gebrauchtpreis | 37.000–60.000 Euro |
| Länge | 9,90 m |
| Breite | 3,40 m |
| Tiefgang | 1,25 m oder 1,50 m |
| Kiel | Finnenkiel oder Flachkiel |
| Verdrängung | 4.700–4.900 kg |
| Motor | Yanmar 3GM30, 27 PS |
| Besonderheiten | Zwei Kiel- und Riggvarianten für unterschiedliche Reviere und Nutzungsprofile. |
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