Gebrauchtboot der WocheCompromis 999 - kleine Langfahrerin

Antonia von Lamezan

 · 13.09.2026

Im Mittelcockpit sitzt die Crew bestens geschützt. Der hinter der Rudergängerbank platzierte Traveller hält die Großschot aus dem Cockpit heraus.
Foto: YACHT/M. Amme
Komfortabel, solide und für zwei bis vier Segler gemacht. Die Compromis 999 bietet als Gebrauchtboot viel Raum und ein geschütztes Cockpit, zeigt aber vor allem bei Leichtwind ihre Grenzen. Im Gebrauchtboot-Check erklären wir, welche Varianten interessant sind und worauf Käufer bei älteren Exemplaren achten sollten

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Wer ein kompaktes Gebrauchtboot für Urlaubstörns mit kleiner Crew sucht, findet unter den Mittelcockpit-Yachten eine seltene, aber interessante Klasse. Der weit vorn angeordnete Steuerstand schafft achtern Platz für eine separate Schlafkabine und bietet zugleich guten Schutz vor Wind und Spritzwasser. Die Compromis 999 ist eine typische Vertreterin dieser Bauart und steht diese Woche im Mittelpunkt unseres Gebrauchtboot-Checks.

Raum für lange Törns

Die Compromis 999 bringt viel Raum auf etwas mehr als neuneinhalb Meter Länge unter. Mit 3,40 Meter Breite und knapp fünf Tonnen Verdrängung ist sie konsequent auf Wohnkomfort ausgelegt. Unter Deck verteilen sich eine große Sitzgruppe, die Pantry, ein Navigationsplatz, die Nasszelle, eine aus dem Salon erreichbare Achterkabine sowie eine zweite Kabine im Vorschiff.

In der Messe stehen rund 1,90 Meter Stehhöhe zur Verfügung. Der seitliche Durchgang nach achter ist allerdings stellenweise nur etwa 1,56 Meter hoch. Das Doppelbett der Achterkoje misst etwa 2,15 mal 1,40 Meter und kann dauerhaft als Eignerkoje genutzt werden. Jedoch ragt der Ruderkoker In den Fußbereich, vor allem große Segler sollten daher den Zugang und die Liegefläche ausprobieren. Die einst von der Werft angegebenen fünf bis sechs Schlafplätze sind eher als Maximalbelegung zu verstehen. Ihre Stärke spielt die Compromis als Fahrtenboot für zwei bis vier Segler aus.

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Das tiefe Cockpit Ist nach vorne versetzt und schützt die Crew mit hohen Sülls und festen Scheiben vor Wind und Spritzwasser. Mit Sprayhood und Kuchenbude entsteht ein zusätzlicher, wetterfester Aufenthaltsraum. Die Plicht bleibt allerdings kleiner als bei einer vergleichbaren Achtercockpit-Yacht, und die hohe Silhouette macht sich beim Manövrieren bei Seltenwind bemerkbar.

Mehr Komfort als Tempo

Unter Segeln zeigt sie sich gutmütig aber wenig temperamentvoll. Rund 42 Prozent Ballastanteil und eine moderate Segelfläche sorgen für ein kontrollierbares Verhalten. Bei wenig Wind machen sich Gewicht, benetzte Fläche und Zuladung deutlich bemerkbar. Ein stark ausgerüstetes Testboot blieb bei Windstärken von rund zwölf Knoten hoch am Wind unter fünf Knoten Fahrt.

Legt der Wind zu, findet die Compromis 999 besser in ihren Arbeitsbereich und läuft ruhig und berechenbar. Die Möglichkeiten zum Segeltrimm sind begrenzt. Käufer konnten damals zwischen 1,25 und 1,50 Meter Tiefgang sowie einem 10,60 und einem 12 Meter langen Mast wählen. Für offene Küstenreviere ist der tiefere Kiel ausgelegt, das lange Rigg verspricht mehr Leistung.

Ein flacher Kiel erweitert dagegen den Einsatzbereich auf Binnen- und Flach-wasserreviere, das kurze Rigg reduziert Krängung und Lasten und erleichtert kleinen Crews die Bedienung. Ein Falt-oder Drehflügelpropeller ist sinnvoll, da ein Festpropeller die mäßige Leichtwindleistung zusätzlich bremst.

Vortrieb unter Maschine sorgt meist ein 27 PS starker Yanmar-Diesel mit Saildrive. Rund 150 Liter Frischwasser und 70 Liter Diesel genügen für übliche Urlaubstörns.

Mögliche Problemstellen

Ausgeprägte Serienmängel sind nicht bekannt. Bei Booten vor 1997 sind Laminatfeuchte und der Zustand des Unterwasserschiffs relevant, da erst danach der wasserbeständigere Vinylesterharz eingesetzt wurde. Frühe, direkt verschraubte Plexiglasfenster neigen eher zu Undichtigkeiten als die später in Alurahmen verbauten Scheiben.

Fast zwei Jahrzehnte produziert

Die von Frans Maas gezeichnete Compromis 999 wurde von der niederländischen Werft Zaadnoordijk von 1987 bis 2005 gebaut. Um 2000 wurde die Marke Compromis in C-Yacht umbenannt. 2014 entstand aus einem eingelagerten Rumpf sogar noch ein Einzelstück. Die lange Produktionszeit spricht für die Beliebtheit und die zeitlose Auslegung der niederländischen Mittelcockpityacht. Im Laufe der Jahre flossen jedoch verschiedene Änderungen in Bauweise und Ausstattung ein, sodass sich einzelne Exemplare je nach Baujahr und Eignerausbau deutlich unterscheiden können. Für Kaufinteressenten lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die jeweilige Ausführung und deren Vorgeschichte.

Daten

MerkmalCompromis 999
Baujahre1989–2005
Gebrauchtpreis37.000–60.000 Euro
Länge9,90 m
Breite3,40 m
Tiefgang1,25 m oder 1,50 m
KielFinnenkiel oder Flachkiel
Verdrängung4.700–4.900 kg
MotorYanmar 3GM30, 27 PS
BesonderheitenZwei Kiel- und Riggvarianten für unterschiedliche Reviere und Nutzungsprofile.

Buchtipps

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Welche Erfahrungen haben Sie beim Kauf eines gebrauchten Holzboots gemacht – und welche Stellen würden Sie bei der Besichtigung heute besonders genau prüfen?

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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