Breehorn 55 im TestIst sie das ideale Zuhause auf See?

Michael Good

 · 11.10.2026

Das Pilothouse ist rundum verglast. Hier sitzt man bequem zusammen mit mehreren Personen mit freier Sicht nach draußen.
Foto: Michael Good
​Eine Langfahrtyacht muss nicht nur sicher segeln. Wer über Monate oder Jahre an Bord lebt, braucht auch viel Komfort, geschützte Aufenthaltsbereiche, gut belüftete Kabinen und einen verlässlichen Zugang zur Technik. Im zweiten Teil des Tests zeigt die Breehorn 55, wie konsequent sich der Innenraum an individuelle Reisepläne anpassen lässt.

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​Im ersten Teil des Tests stehen Konstruktion, Rigg und Segeleigenschaften der Breehorn 55 im Mittelpunkt. Dabei zeigt sich, wie ruhig und kursstabil die Aluminiumyacht auf dem IJsselmeer segelt, aber auch, wo ihr hohes Gewicht und das Steuerungskonzept Grenzen setzen.


​Das geräumige Pilothouse bildet die Schnittstelle zwischen Cockpit und Wohnraum, eine Art Schleuse, wenn man so will. Der geschützte Bereich lässt sich wasserdicht verschließen und hält Nässe, Wind und Kälte ab. Beim Testschiff ist er mit zwei Sitzbänken und einem zentralen Tisch ausgebaut worden. Dank des umlaufenden Fensterbands mit Doppelverglasung aus Echtglas wird daraus ein heller Deckssalon mit viel Aussicht.

Auch bezüglich der Gestaltung des Pilothouses lässt Breehorn Käufern freie Hand. Denkbar wäre beispielsweise ein zweiter Navigationsplatz mit Innensteuerstand und guter Sicht in die Fahrtrichtung sowie in die Segel.

Traditioneller Ausbau mit wenig Tageslicht

Durchs Pilothouse führt der Weg über mehrere Stufen hinab in den eigentlichen Salon. Es ist eine Reise zurück in eine Zeit, als die schweren, dunklen, aber gleichermaßen auch sehr behaglichen und schiffigen Interieurs den Yachtbau prägten. Der robuste Ausbau der Breehorn 55 mit Teakholzmöbeln und dunkelblauen Polstern wirkt bewusst traditionell und vermittelt Wärme und Wohnlichkeit. Das kann man mögen, muss man aber nicht, Geschmackssache eben.

Und auch für diesen Punkt gilt: Die Werft könnte mit helleren Hölzern den Ausbau auf Wunsch moderner und luftiger gestalten. Auf dem Testschiff aber ist es unter Deck vergleichsweise dunkel, sowohl im Salon wie auch in den Kabinen. Im Aluminiumrumpf gibt es keine Fenster, und die Öffnungen im Aufbau fallen eher klein aus. Pluspunkt: Sämtliche Aufbaufenster lassen sich öffnen. Überhaupt hat Breehorn der Belüftung große Aufmerksamkeit gewidmet: Alle Wohnbereiche, einschließlich der Kabinen und Nasszellen, besitzen mindestens zwei Öffnungen und können daher querbelüftet werden.

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Der Käufer bestimmt das Kajütlayout

Das Kajütlayout im schlanken Rumpf bleibt klassisch. Die Eigner wohnen mit sehr großzügigen Platzverhältnissen im Vorschiff und freuen sich über ein ebenfalls sehr geräumiges Bad mit einer gut separierten Dusche. Zwei Achterkabinen können entweder mit Doppelbetten oder mit zwei Pullman-Kojen ausgestattet werden. Alternativ baut die Werft je nach Eignerwunsch eine der beiden Kammern hinten um in einen begehbaren Stauraum, eine Umkleide, eine Werkstatt oder auch in ein Büro. Heißt einmal mehr: Standard gibt es bei Breehorn nicht, vielmehr bestimmt der Käufer, wie seine Yacht aufgeteilt und ausgestattet wird.

Breiter Technikkanal zwischen den Achterkabinen

Zwischen den beiden Achterkabinen verläuft ein breiter, zentraler Technikkanal. Hier finden die Einbaumaschine, ein Generator und zusätzliche Aggregate wie etwa ein Wassermacher ihren Platz. Auch wesentliche Teile der elektrischen Installation und Stromverteilung laufen in diesem Bereich zusammen. Trotz der schlanken Rumpflinien ist der Technikkanal noch beachtliche 66 Zentimeter breit.

Große Inspektionsluken in den Achterkabinen gewähren einen guten Zugang zu den Installationen. Das zeigt sich vor allem beim Layout mit übereinanderliegenden Pullman-Kojen. Dann lassen sich die Zugänge vollständig öffnen, was Arbeiten an der Bordtechnik wesentlich erleichtert.

Der Preis für das individuelle Langfahrtkonzept

Yachten von Breehorn stehen nicht in dem Ruf, besonders günstig zu sein. Für den Grundpreis von knapp 1,77 Millionen Euro für die Breehorn 55 erhält der Kunde von den Bootsbauern aus Friesland jedoch ein durchdachtes, bestens ausgestattetes, tadellos gebautes und weitgehend schon langfahrttaugliches Gesamtpaket.

  • ​Grundpreis ab Werft: 1.461.440 €
  • Preis segelfertig: 1.461.440 €
  • Komfortpreis: 1.466.465 €
  • Garantie/gegen Osmose: 2 Jahre

​Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.

Der Preis lässt sich zudem schlecht einordnen, da vergleichbare Schiffskonzepte auf dem Markt rar sind. Segler, die über ausreichend Kapital verfügen und für ihre Langfahrtpläne auf Nummer sicher gehen wollen, werden das Geld aber bereitwillig investieren.


YACHT-Bewertung der Breehorn 55

Hohe Individualität: Das Layout unter Deck kann der Kunde nach seinen Wünschen weitestgehend selbst festlegen.Foto: YACHTHohe Individualität: Das Layout unter Deck kann der Kunde nach seinen Wünschen weitestgehend selbst festlegen.

​Robust gebaute Langfahrtyacht mit hoher Bauqualität und individuellem Konzept. Eher behäbig als sportlich am Wind, dafür bestens ausgestattet.

Konstruktion und Konzept

Hohe Individualität

Robuste Bauweise

Tiefes, sicheres Cockpit

Segelleistung und Trimm

Solide Segeleigenschaften

Perfektes Hochsee-Handling

Etwas träge in den Manövern

Wohnen und Ausbauqualität

Robuste Verarbeitung

Schiffiges Ambiente innen

Wenig natürliches Licht

Ausrüstung und Technik

Gut erreichbare Bordtechnik

Hochwertige Ausstattung

Wenig Stauraum im Cockpit


​Werft und Vertrieb

Breehorn, 8551ML Woudsend, Niederlande; breehorn.nl


​Die große Freiheit eine Nummer kleiner

Die neue Breehorn 45.Foto: BreehornDie neue Breehorn 45.

Mit einer neuen Breehorn 45 überführt die Werft in Woudsend das ultimative Blauwasserkonzept der Breehorn 55 mit dem Pilothouse in ein kleineres Format. Die Konstruktion stammt wie bei der 55er wieder von Simonis Voogd. Gegenüber den bisherigen 37- und 44-Fuß-Modellen fällt das Heck nun aber breiter aus. Damit sind auch beim kleineren Boot doppelte Steuerräder möglich. Dazu bauen die Holländer jetzt eine Heckklappe als Badeplattform schon im Standard ein.

Das Layout unter Deck wird im komprimierten Format von der größeren 55er übernommen. Im Vergleich zur älteren Breehorn 44 werden mit den neuen Rumpfformen auch die beiden Achterkabinen geräumiger ausfallen. Neue Wege geht Breehorn beim Antrieb: Die 45er erhält ein Hybridsystem mit einem Elektromotor und einem Generator zur Stromversorgung. Gefertigt wird die erste Breehorn 45 mit Rumpf und Deck aus GFK.

Die Baunummer eins ist ­offenbar schon auf Kiel gelegt. Auch nennt Werftchef Lars van den Berg bereits einen Preis: 585.150 Euro brutto ruft er auf.

Technische Daten der Breehorn 45

  • ​Rumpflänge: 13,80 m
  • Wasserlinienlänge: 11,72 m
  • Breite: 4,15 m
  • Tiefgang: 2,10 m
  • Gewicht: 14 t
  • Segelfläche am Wind: 101 m²

Buchtipps

Blauwassersegeln kompakt behandelt die Vorbereitung einer Langfahrt von der Wahl des Schiffs bis zum Alltag an Bord. Rigg, Segel, Ausrüstung und Energiemanagement gehören ebenso dazu wie Navigation, Sicherheit, Versorgung und Kosten. Wer eine Langfahrtyacht beurteilt, findet hier Fragen, die über Rumpf und Einrichtung hinausgehen und für den späteren Betrieb wichtig werden.

Die Yacht-Werkstatt richtet den Blick auf Arbeiten am vorhandenen Boot. Die Anleitungen der YACHT-Technik-Redakteure behandeln Pflege, Wartung und Reparaturen, darunter Dieseltank, Ruderlager, Salinge und Sandwich-Bauteile. Zum Thema Langfahrtyacht ergänzt das Buch damit die Reiseplanung um eine praktische Frage: Welche Arbeiten lassen sich an Bord erkennen, vorbereiten oder selbst ausführen?


Ist der dunkle, traditionelle Ausbau der Breehorn 55 zeitlos und wohnlich oder für eine moderne Langfahrtyacht nicht mehr zeitgemäß? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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