Janek Struchholz
· 12.10.2026
Ein Bootseigner der Marina Wieltsee stellte am Donnerstagabend fest, dass seine Beneteau Antares elf nicht mehr an ihrem Liegeplatz lag. Auf Rückfrage bestätigte der Hafenmeister, dass er das Boot nicht verlegt hatte. Damit war schnell klar, dass es von Unbekannte entwendet worden war.
Mithilfe eines an Bord befindlichen iPads gelang es dem Eigner, den Standort seines Bootes zu ermitteln. Gegen 20 Uhr machten sich daraufhin Geschäftsführer Stefan Kern und der Hafenmeister der Marina Wieltsee mit einem Boot auf die Suche nach dem vermissten Schiff.
Als die Hafenverantwortlichen das entwendete Boot erreicht hatten, fanden Sie neben dem vermissten Boot aus ihrer Marina, noch ein weiteres. Eines lag auf einer Steinmole, das andere Trieb führerlos auf der Weser herum. Die Verantwortlichen sicherten die Boote vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Täter die Motoren bereits fachgerecht demontiert.
Nach den Angaben aus der Marina handelte es sich in dem einen Fall um zwei Außenborder mit jeweils 300 PS und einem Gewicht von jeweils etwa 450 Kilogramm. An dem zweiten Boot hatten die Täter den unter Wasser verbauten Antrieb des Motors abgeschraubt. Die Schiffe wurden zwischenzeitlich an eine sichere Stelle geschleppt. Eine sofortige Überführung in den Hafen war wegen der Dunkelheit nicht möglich.
Wie unbemerkt und professionell die Täter arbeiten, zeigt ein weiteres Detail: Nur zwei Boxen entfernt, schlief während der Entführung des Bootes aus der Marina, ein anderer Eigner an Bord. Er merkte nichts von dem Diebstahl. Die Täter haben sowohl beim Abschleppen als auch bei dem Ausbau der Motoren sehr sauber gearbeitet. An dem Boot, von dem die beiden Außenborder gestohlen wurden, waren abgesehen von den fehlenden Motoren keine Beschädigungen festzustellen.
Geschäftsführer der Marina Wieltsee, Stefan Kern, vermutet, dass die Täter über sehr gute Ortskenntnisse verfügen. Nach seiner Einschätzung müssen sie aus der Region stammen oder zumindest mit dem weitläufigen Hafengelände und den örtlichen Gegebenheiten sehr gut vertraut sein.
Zusätzlich sorgen weitere Vorfälle für Unruhe. Kern zufolge wurden in jüngster Vergangenheit wiederholt Drohnen über der Marina gesichtet. Ob diese Beobachtungen mit den Diebstählen zusammenhängen, ist nicht geklärt. In der Marina besteht jedoch der Verdacht, dass das Gelände und die dort liegenden Boote gezielt ausgespäht worden sein könnten.
Ein Streifenwagen aus Achim kam noch am Donnerstag Abend zum Wieltsee. Die Einsatzkräfte unterstützten nach Angaben der Marina bei der Sicherung eines der Boote. Die Spurensicherung nahm ihre Arbeit am folgenden Freitagmorgen auf.
Bereits nach den vorausgegangenen Fällen hatte die Polizei erklärt, dass mögliche Zusammenhänge geprüft würden. Eine belastbare Aussage zu einer gemeinsamen Täterschaft gab es zunächst nicht. Auch auf die erneute Anfrage von YACHT online gab es keine konkreten Aussagen zu Tätern oder Ermittlungsstand. Verantwortliche am Wieltsee gingen dagegen schon damals von einer zusammenhängenden Serie aus.
Der jüngste Fall dürfte die Sorgen der Bootseigner und Hafenverantwortlichen weiter verstärken. Denn das Gewicht der gestohlenen Außenborder und die saubere Demontage sprechen erneut für eine vorbereitete Tat – und für Täter, die genau wissen, wie und wo sie vorgehen müssen.
Der erneute Diebstahl ist kein isolierter Vorfall, sondern der inzwischen vierte Fall innerhalb von drei Monaten am Wieltsee. Wie YACHT online berichtete hatten bereits im August Unbekannte vier Sportboote von ihren Liegeplätzen entfernt, die Motoren auf einem benachbarten See demontiert und die Boote anschließend führerlos zurückgelassen. Im September sank ein weiteres Motorboot, nachdem daran Schläuche zerschnitten, Ventile geöffnet und Motorteile gestohlen worden waren. Wenig später wurden zwei Boote aus der Marina Wieltsee entwendet, ihrer Außenborder beraubt und auf der Weser zurückgelassen. Insgesamt waren damals mindestens sieben Boote betroffen.
Der aktuelle Fall weist deutliche Parallelen zu dieser Serie auf. Wieder wurden Boote aus dem Hafen gebracht, außerhalb der Marina ihrer Antriebe beraubt und anschließend zurückgelassen. Mit den beiden nun betroffenen Schiffen steigt die Zahl auf mindestens neun.
Welche Maßnahmen gegen Bootsdiebstahl haltet ihr in einer Marina für sinnvoll – und was hat sich an eurem Liegeplatz bewährt?

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