Die Eigner am Wieltsee kommen in diesem Spätsommer nicht zur Ruhe. Nachdem bereits im August die ersten Außenborder gestohlen wurden, hat sich aus den Vorfällen in den letzten Wochen eine Einbuchserie entwickelt. Wir haben die wichtigsten Ereignisse zusammen gefasst und mit der Polizei und Verantwortlichen der Vereine gesprochen.
Den Anfang der Serie machte ein Diebstahl in der Nacht zum 21. August 2026. Unbekannte entfernten vier Sportboote von ihren ursprünglichen Liegeplätzen am Wieltsee und brachten sie auf einen benachbarten See. Dort bauten sie die Motoren aus und entwendeten sie. Anschließend trieben die Boote führerlos auf dem Wasser. Die Polizei bezifferte den Schaden auf mehr als 40.000 Euro.
Die fest verschraubten Motoren wogen laut Oliver Reiners, Vorsitzender des Segelsportvereins Wiking, jeweils mindestens 250 Kilogramm. Das spreche für eine vorbereitete Tat, so Reiners. Wie die Täter ihre Beute aus dem Bereich des Sees abtransportierten, ist nach wie vor offen.
Am Freitag, den 11. September, rückten Feuerwehrkräfte erneut zum Wieltsee aus. An einem Vereinssteg war ein Motorboot gesunken (siehe Bildergalerie). Benzin und Motoröl traten aus und verbreiteten sich entlang der Anlage. Die Feuerwehr sicherten den Bereich mit saugfähigen Sperren und barg das Boot noch am selben Tag.
Später wurde bekannt, dass Unbekannte nach bisherigen Informationen in das Boot eingebrochen sind. Sie sollen Schläuche zerschnitten, Ventile geöffnet und Teile des Motors entwendet haben. Die Polizei geht davon aus, dass die Manipulationen das Sinken verursachten. Der gemeldete Schaden beträgt rund 45.000 Euro.
Im September folgte dann der bislang jüngste Fall. Zwischen 20 Uhr am Sonntagabend und 7.50 Uhr am Montagmorgen wurden zwei Motorboote von ihren Liegeplätzen im Yachthafen Marina Wieltsee entwendet. Die Täter demontierten die beiden Außenbordmotoren und ließen die Boote anschließend führerlos auf der Weser zurück.
Die offizielle Polizeimeldung nennt weder eine Schadenshöhe noch Angaben zu Fahrzeugen oder Fluchtrichtung. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf den Bereich des Wieltsees und der Marina Wieltsee. Gegenüber YACHT online erklärte der Polizeisprecher, die Täter hätten die Boote kurzzeitig weggeschafft. Die Außenborder seien „woanders demontiert“ und die Boote zurückgelassen worden.
Die bislang bekannten Fälle ergeben eine auffällige Häufung: vier betroffene Boote Ende August, ein gesunkenes und mutmaßlich manipuliertes Boot am 11. September sowie zwei weitere Boote Mitte September. Mindestens sieben Boote waren damit innerhalb weniger Wochen betroffen.
Trotz ähnlicher Tatobjekte und des gemeinsamen Ortes bleibt die Polizei zurückhaltend. „Zusammenhänge können da sein, aber das wäre jetzt auch zu früh, tatsächlich zu sagen, dass da ein Zusammenhang besteht“, sagte der Sprecher. Bei der Spurensuche tappt die Polizei derweil noch im Dunkeln.
Da gibt es noch kein Update und auch keinen Tatverdächtigen, den wir bislang ermitteln konnten.“
Auch das Verlegen der Boote bewertet die Polizei nicht als außergewöhnliches Täterschema. Der Sprecher verwies darauf, dass Diebstähle von Außenbordmotoren am Wieltsee schon in den vergangenen Jahren vorgekommen seien. Motoren seien dabei teils direkt am Steg demontiert worden, teils hätten Täter die Boote zuvor an einen anderen Ort gebracht.
Während die polizeilichen Ermittlungen noch laufen, bewertet Vereinsvorsitzender Reiners die Ereignisse hingegen durchaus als zusammenhängend. „Wir sind betroffen von einer offenbar aktiven Serie von Vorfällen mit einer Mischung aus Diebstahl und Vandalismus“, sagte er im Telefonat.
Die Vorfälle haben den Segelverein Wiking und seine Mitglieder nach Angaben des Vorsitzenden stark verunsichert. Zwar seien das Gelände bereits beleuchtet und die Stegtüren verschließbar. Die bisherigen Maßnahmen hätten die Serie aus Diebstählen und Vandalismus jedoch offenbar nicht verhindern können. „Wir sind als Vorstand und Mitglieder schon überrascht von der kurzen Intervallzeit zwischen den einzelnen Vorfällen“, sagt Reiners.
Nun prüft der Verein weitere Vorkehrungen. Im Gespräch sind unter anderem Videoüberwachung zur Abschreckung, Dokumentation und Alarmierung. „Es gibt jetzt Ideen, und auch Beratungsgespräche mit Unternehmen haben schon stattgefunden“. Eine sofortige Lösung ist allerdings schwierig. Das weitläufige Vereinsgelände liegt im Überflutungsbereich der Weser. Technische Anlagen müssten deshalb hochwassersicher oder demontierbar sein, außerdem seien Kosten und Datenschutzvorgaben zu berücksichtigen.
Der Vorstand will die Optionen zunächst strukturieren, Kosten ermitteln und sie den Mitgliedern bei der nächsten Jahreshauptversammlung zur Entscheidung vorlegen. Ziel sei es, zur Saison 2027 besser gerüstet zu sein.
Mit den übrigen Vereinen am Wieltsee steht der Segelverein Wiking nach eigenen Angaben bereits in engem Austausch. Im Herbst sollen gemeinsame Schutzmaßnahmen ausgelotet werden. „Wir werden sicherlich zusammenkommen, um auch gemeinsame Maßnahmen zu eruieren und dann vielleicht festzulegen“, sagte Vorsitzender Reiners. Die anderen Vereine seien derzeit zwar nicht betroffen. Das sei aus Sicht der Segelvereins aber keine Entwarnung für die Zukunft.
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