Liebe Leserinnen und Leser,
im Norden ist Winterzeit auch segelfreie Zeit. Die Boote stehen hoch und trocken. Aber mit dem Winterlager startet auch die Messesaison. Statt die Leinen wirklich loszuwerfen, werden nur in der Vorstellung die Segel gesetzt, Winterarbeiten geplant und schöne zukünftige Segeltage imaginiert. Und die beste Messe dafür hat gerade in Amsterdam stattgefunden: Die Maritim Equipment Trade Show, kurz Mets.
Es ist weltweit die größte Ausrüstungsmesse für den Wassersport. Richtig gehört, keine Boote, nur Ausrüstung. Statt riesigen Ständen mit Yachten, beschränken sich die meisten Hersteller auf eine zwei mal zwei Meter messende Box als Ausstellungsfläche. Davon passen etwa 1.600 in die insgesamt 12 Hallen des Messegeländes in der niederländischen Hauptstadt. Einige namhafte Hersteller leisten sich auch größere Stände. Aber kein Vergleich mit den riesigen Flächen wie zum Beispiel in Düsseldorf auf der boot. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass die Mets nur für Fachpublikum geöffnet ist. Vertreter der Hersteller, Händler, Werften und der Fachpresse füllen die Gänge.
Und obwohl keine normalen Besucher kommen, sind die Gänge an den drei Messetagen sehr gut gefüllt. Denn es gibt massenhaft Produkte zu sehen. Der Zeitpunkt ist nicht nur gut gewählt, weil er Ideen für Winterarbeiten liefert und zum Tagträumen, ob der Törns in der kommenden Segelsaison anregt, es stehen im Herbst auch viele neue Produkte kurz vor der Markteinführung für 2026. Und hier auf der größten Ausrüstungsmesse der Welt werden sie zum ersten Mal präsentiert. Für meine Kollegen und mich bedeutet das viele zurückgelegte Kilometer und unzählige Gespräche und Entdeckungen neuer Produkte. Denn die Messe bietet so viel Stoff, dass jedes Jahr ein großer Teil im Magazin mit neuen Ausrüstungsteilen gefüllt wird.
Für mich war es in diesem Jahr der 10. Besuch der Mets. Eigentlich schon der 11. wenn die Messe nicht einmal pandemiebedingt ausgesetzt hätte. Und ich habe das Gefühl, dass die Messe jedes Jahr wächst. Es sind immer mehr Hallen dazugekommen, zusätzliche Aussteller und Produkte. Entsprechend straff ist das Programm (die 10.000 Schritte bekommt man locker voll) und die Liste mit neuen Produkten füllt sich schnell. Dabei spielt vorrangig das berufliche Interesse die wesentliche Rolle bei der Auswahl fürs Heft, aber natürlich denke ich im Hinterkopf auch immer, ob dieser Beschlag oder jene Elektronik nicht auch etwas für mein Boot wäre.
Schnell wird aber klar, dass auch Menschen mit einem großen Bootsausrüstungsbudget hier schnell an finanzielle Grenzen stoßen. Dazu kommt, dass die Beschläge auch angeschraubt, die Elektronik verkabelt und die neuen Leinen eingeschoren werden müssen. Alleine die Zeit im Winterlager würde knapp, sollten auch nur ein Bruchteil der vielen neuen Produkte den Weg an Bord finden. Denn die Liste mit Winterarbeiten besteht für mich, wenn überhaupt nur aus einem kleinen Teil aus Neuanschaffungen. Der Großteil der Zeit geht in Wartung und Reparatur bestehender Technik.
Besonders bei einem Besuch auf der Mets wird schnell deutlich, wie komplex eine Segelyacht eigentlich ist. Wie viele unterschiedliche Produktgruppen wie Beschläge, Elektronik, Elektrik, Antriebskomponenten, Tauwerk, Segel, Sicherheitsausrüstung und Kleidung mit unzähligen Produkten in jedem dieser Bereiche zusammenkommen. Hier hilft nur eine strukturierte To-Do-Liste, damit man nicht den Überblick verliert. Dennoch machen mir die Arbeiten im Winter und Frühjahr Spaß, denn das Ziel ist immer im Blick: Eine schöne Segelsaison.
Und je mehr Sorgfalt im Winter in die Pflege der Bordtechnik fließt, desto weniger muss man in der Saison daran denken. Sie funktioniert dann einfach. Die Instrumente liefern die gewünschten Werte, die Segel lassen sich einfach Trimmen, die Kajüte kann abends gemütlich beleuchtet werden und aus dem Wasserhahn in der Pantry kommt klares, geruchsneutrales Wasser. Allein beim letzten Punkt findet sich auf der Messe eine ganze Wagenladung an Pumpen, Schläuchen, Filtern, Tankreinigern, Frostschutzmitteln, Wasserhähnen und Duschköpfen.
Jedes Jahr entdecken meine Kollegen und ich zwischen 60 und 80 neue Ausrüstungsgegenstände. Zur Vorstellung im Magazin sind meistens noch nicht alle verfügbar aber auf der boot in Düsseldorf beispielsweise schon zu sehen. So bieten die Neuheiten der Mets einen kleinen Blick in die Zukunft der Messesaison und steigert hoffentlich auch bei Ihnen die Vorfreude auf die kommende Saison.
Michael Rinck
YACHT-Redakteur
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