Fahrtenkatamarane um 50 FußDiese fünf Modelle zeigen die Trends der Klasse

Michael Good

 · 03.08.2026

Was zählt, ist maximal viel Volumen 
und Varianz, auch beim Leopard 52.
Foto: Leopard Catamarans
Der Markt für seriengebaute Fahrtenkatamarane ist kleiner, als die starke Präsenz von Mehrrumpfbooten in Häfen, Charterflotten und auf Messen vermuten lässt. Geprägt wird das Segment vor allem von wenigen großen Marken. Fünf aktuelle Konzepte zeigen, wie unterschiedlich Werften die Balance aus Raumangebot, Komfort, Ausbauvielfalt und Segeleigenschaften lösen.

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​Bali 5.2

Viele Fenster, hohe Rümpfe und obendrauf eine Flybridge mit Bimini. Der Bali 5.8 ist sehr konsequent auf Volumen und Luxus gebürstet.
Foto: Bali Catamarans

Der Bali 5.2 setzt vor allem auf Volumen und Variabilität. Besonders auffällig ist die ungewöhnlich große Auswahl an Ausbauversionen in den sehr voluminösen Rümpfen. Möglich sind drei, vier, fünf oder sogar sechs Doppelkabinen, jeweils mit eigenem Bad. Zusätzlich können in den Bugbereichen noch kleinere Skipperkabinen mit eigener Toilette entstehen. Das ist in dieser Größenklasse ein außergewöhnlich breites Raumkonzept.

Charakteristisch für das Modell ist außerdem das Bali-Prinzip mit einem funktional verbundenen Cockpit- und Salonbereich. Innen und außen gehen ohne klassisches Kajütschott ineinander über. Dazu kommt das feste Vorderdeck statt Trampolin, das als großes Frontcockpit mit Sitz- und Liegeflächen genutzt wird. Auch auf der Flybridge schafft der Kat zusätzliche Aufenthaltsflächen, während der mittig platzierte Steuerstand alle wichtigen Trimmleinen in Reichweite hält.

Mit 15,32 Metern Rumpflänge, 8,16 Metern Breite und einem Leergewicht von 19,1 Tonnen positioniert sich der Bali 5.2 klar als großer Wohn- und Reisekatamaran. Er ist ab 1.134.070 Euro erhältlich.

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​Neel 52

Sportliche Haltung: Der Trimaran segelt am Wind mit etwas Krängung. Mit einer sehr kurzen Wasserlinie taucht der Rumpf in Luv deshalb fast immer aus
Foto: EYOTY/Ludovic Fruchaud

Der Neel 52 fällt im Umfeld klassischer Fahrtenkatamarane aus dem Raster, weil er als Trimaran auftritt. Für einen Überblick über große komfortorientierte Mehrrumpfboote ist er dennoch relevant, denn das Konzept kombiniert viel Wohnraum mit den seglerischen Eigenheiten eines Dreirumpfboots. Die Werft setzt beim neuen Modell auf ein komplett neu entwickeltes Konzept als Nachfolger des Neel 51.

Seine Stärke liegt in der Raumaufteilung. Der Salon wirkt wie eine Loftwohnung auf einer Ebene, ergänzt um eine abgetrennte Eignerkabine sowie verschiedene Ausbauoptionen in den Seitenrümpfen. Dort sind zusätzliche Doppelkabinen, Büro, Werkstatt oder Hauswirtschaftsraum möglich. Unter dem Salon kommt im Mittelrumpf ein weiterer Bereich hinzu, der je nach Bedarf als Kabine oder Stauraum genutzt werden kann.

Unter Segeln zeigt sich der Neel 52 vor allem auf raumen Kursen lebhaft. Im Test lief das Boot bei leichtem Wind mit großer Genua 6,4 Knoten, der Wendewinkel blieb mit 120 Grad allerdings eher mäßig. Dazu kommen ein gut zugänglicher Technikraum und eine hochwertige, nachhaltig orientierte Bauweise mit Flachsfasern, PET-Schaum und Kork in Teilen der Konstruktion. Mit einem Grundpreis von 1.612.450 Euro ist der Neel 52 deutlich im oberen Segment positioniert.


Lagoon 51

Hoch hinaus: Die Lagoon-typische  Flybridge wirkt mit dem festen Bimini  wenig ästhetisch, bietet aber eine zusätz­liche Sitzgruppe hoch überm Meer
Foto: EYOTY/A. Lindlahr
Der Fahrtenkatamaran Lagoon 51 in Bildern

Der Lagoon 51 versteht sich als komfortbetonter Fahrtenkatamaran mit sehr viel Wohnraum. Im Bericht wird er als schwimmendes Ferienhaus beschrieben, mit starkem Fokus auf Aufenthaltsqualität, großzügigem Innenausbau und großem Salon. Basis ist der Rumpf des früheren Lagoon 50, dazu kommen überarbeitete Badeplattformen und ein neu positionierter Mast.

Die Überarbeitung zielt vor allem auf mehr Raumgewinn im Innenbereich. Durch die neue Mastposition konnte der Salon offener gestaltet werden. Das Ergebnis ist ein heller Wohnbereich mit Panoramaausblick, zusätzlichem Sofa und vollwertigem Esstisch. Unter Deck sind vier bis sechs Kabinen möglich. In der Eignerversion nimmt eine großzügige Suite den gesamten Steuerbordrumpf ein. Verarbeitung und Materialanmutung sind für einen Großserienkat überduchschnittlich.

Seglerisch liefert der Lagoon 51 ordentliche Werte für ein so stark auf Komfort ausgelegtes Boot. Im Test segelte er bei zehn bis zwölf Knoten Wind am Wind rund 5,2 Knoten, auf halbem Wind 6,5 Knoten und mit Code Zero raumschots bis 7,4 Knoten. Kritisch bleiben die eingeschränkte Sicht vom exponierten Steuerstand auf der Flybridge und die Trennung des Rudergängers von der Crew im Cockpit. Preislich liegt der Kat bei rund 1,16 Millionen Euro Grundpreis, der Komfortpreis bei knapp 1,3 Millionen Euro.


​Fountaine Pajot Aura 51

Hohe Markenidentität:  Typisch für Fountaine Pajot sind die fülligen Rümpfe mit negativem Sprung und das markante Deckshaus
Foto: YACHT/Ludovic Fruchaud

Der Fountaine Pajot Aura 51 kombiniert hohen Wohnkomfort mit einem technischen Alleinstellungsmerkmal. Im Mittelpunkt steht das optionale Smart Electric-System, mit dem die Werft einen stärker elektrifizierten Antrieb samt intelligentem Energiemanagement einführt. Gespeist wird das System über Batterien, Generator, Solarpaneele und Rekuperation durch mitlaufende Propeller unter Segeln.

Im Test zeigte der Aura 51 mit den beiden 25-kW-Elektropods beachtliche Fahrleistungen unter Motor und sehr direkte Reaktionen beim Manövrieren. Die Batteriekapazität reicht für bis zu vier Stunden Fahrt bei reduzierter Leistung, der Generator erweitert die Autonomie deutlich.

Auch als Wohnboot bietet der Aura 51 viel Fläche. Der Salon ist offen und hell gestaltet, mit großer Wohnküche, zusätzlicher Barfläche und mehreren Layoutoptionen mit vier, fünf oder sechs Kabinen. Typisch für Fountaine Pajot bleibt die Aufteilung von Steuerstand und Arbeitsbereich an Deck, wodurch sich Segelbedienung und Zugang zur Flybridge gut organisieren lassen. Ein Schwachpunkt ist das geringe Steuergefühl der hydraulischen Anlage. Der Grundpreis liegt bei 1.136.450 Euro, Smart Electric kostet einen Aufpreis.


Leopard 52

Komfortable Plattform: Die hohen Rümpfe, große Fenster sowie zwei Lounge-Bereiche stehen für gemütliches Cruisen.
Foto: Leopard Catamarans
  • Hier lesen Sie den Test

Der Leopard 52 ersetzt das bisherige Flaggschiff Leopard 50 und bleibt der Linie von Robertson and Caine als robust gebauter, seriengefertigter Fahrtenkatamaran aus Südafrika treu. Neu ist, dass die Flybridge nun ohne Alternative zum Basisboot gehört, während unter Deck deutlich mehr Ausbauvarianten möglich sind als beim Vorgänger. Mit drei bis sechs Doppelkabinen und jeweils eigener Nasszelle richtet sich das Konzept sowohl an private Eigner als auch an den Chartermarkt.

Im Test vor Saint-Raphaël segelte der Leopard 52 auf der Kreuz mit 6,5 Knoten bei 50 Grad zum wahren Wind, mit Code Zero waren bei halbem Wind knapp 9 Knoten möglich. Positiv fielen auch die lebhaften Manövriereigenschaften auf, weniger überzeugend ist die schwergängige Steuerung mit wenig Rückmeldung. Zu den großen Stärken zählen die hochwertige Verarbeitung, die sehr sauber organisierte Technik und der attraktive Grundpreis von knapp 1,07 Millionen Euro brutto, zuzüglich Transportkosten ab Südafrika.


​Fazit

Die aktuellen Fahrtenkatamarane zeigen, wie breit sich das Segment inzwischen aufgestellt hat. Der Bali 5.2 setzt auf maximale Ausbauvielfalt, der Leopard 52 auf robuste Qualität und variable Nutzung, der Lagoon 51 auf Wohnkomfort, der Aura 51 auf technische Innovation beim Antrieb. Der Neel 52 ergänzt den Vergleich als eigenständige Trimaran-Alternative mit viel Raum und besonderem Fahrgefühl. Wer in dieser Größe nach einem Mehrrumpfboot sucht, bekommt heute also sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Was ist der beste Weg, komfortabel und langfristig auf dem Wasser zu leben und zu reisen?

Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!

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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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