Aus dem offiziellen STatement: “Bis jetzt war es großartig, ein wirklich guter und beeindruckender Start … Aber man muss akzeptieren, dass man nicht alles kontrollieren kann. Segler und Team bleiben mit schweren Herzen zurück – das ANT ARCTIC LAB ist nun vorbei. Norbert ist gerade auf dem Rückweg nach Les Sables.... Nach schwerwiegenden Problemen mit der gesamten Navigationselektronik und den elektrischen Systemen musste Norbert gestern um 15:45 Uhr UTC umkehren. Derzeit funktionieren nur noch die Notfallsysteme. Der Rumpf und die Takelage sind unbeschädigt, und die notwendigsten Kommunikationsverbindungen sind möglich. Er kann sicher navigieren und dürfte im Laufe der nächsten Woche in Les Sables eintreffen..”
Der österreichische Segler Norbert Sedlacek, strebt mit dem Projekt ANT ARCTIC LAB eine nonstop und einhand gesegelte Weltumrundung durch alle fünf Ozeane ant. Die geplante Route führt von Les Sables-d’Olonne (dem Starthafen der Vendée Globe) bis in die Arktis rund Spoitzbergen, weiter um die Antarktis und zurück nach Frankreich. Das Projekt dient zugleich als Extremtest für ein nachhaltiges, weitgehend recycelbares Open-60-Boot.
| Versuch | Jahr | Verlauf | Grund des Scheiterns beziehungsweise der Verschiebung |
| 1. Versuch | 2018 | Sedlacek kehrte südlich von Irland um. | Mehrere technische Systeme beziehungsweise Ausrüstungsteile waren noch nicht einsatzbereit. Vordergründig waren die Probleme mit der Stromversorgung. |
| 2. Versuch | 2019 | Der Versuch endete ebenfalls vor der irischen Küste, nach etwa sieben Tagen. | Ein Sturm führte zu Problemen mit dem Vorsegel J1. Dabei wurden Vorstag, Rollanlage und Segel beschädigt, außerdem ging ein Segel verloren. Sedlacek schrieb zumindest einen Teil der Probleme einem eigenen Bedienungsfehler zu. |
| Geplanter 3. Versuch | 2020 | Der Start fand nicht statt. | Die Corona-Pandemie verhinderte die Durchführung. Zusätzlich musste sich Sedlacek einer Krebsoperation unterziehen. |
| 3. tatsächlicher Versuch | 2021 | Sedlacek kam bis in die Gewässer südöstlich von Island und bis etwa zum 63. Breitengrad. | Die Stromversorgung wichtiger Systeme wie Autopilot und Navigationselektronik ließ sich nicht zuverlässig sicherstellen. Aus Sicherheitsgründen brach er ab. |
| 4. Versuch | 2022 | Der Abbruch erfolgte wenige Tage nach dem Start, nahe der Südküste Irlands. | Bei rund 40 Knoten Wind und rauer See kollidierte das Boot mit einem unbekannten Gegenstand. Dabei brach die Befestigung des Steuerbordruders beziehungsweise die Ruderaufhängung. |
| 5. Versuch | 2023 | Der Versuch dauerte nur fünf beziehungsweise sechs Tage. | Nach einem Sturmtief vor Irland wurden Schäden am Neigekiel festgestellt. Betroffen waren der Kiel und dessen Elektronik. Eine Fortsetzung der geplanten Langfahrt erschien dem Team angesichts der arktischen und antarktischen Strecken nicht vertretbar. |
| 6. Versuch | 2026 | Sedlacek startete am 26. Juli 2026 erneut. Auf dem ersten Teilstück in Richtung Spitzbergen drehte er vor Island um. | Ausfall der Navigationselektronik und weiterer wichtiger Komponenten. |
Die sechs Anläufe von Norbert Sedlacek scheiterten nicht an einem einzigen, wiederkehrenden Defekt. Die Probleme lagen jeweils in unterschiedlichen Bereichen:
Gemeinsam ist den Versuchen, dass die Probleme jeweils in europäischen Gewässern oder kurz danach auftraten. Kein Anlauf führte Sedlacek bislang in die abgelegenen südlichen Ozeane.
1. Ein technisch extrem anspruchsvolles Versuchsschiff
Die „Innovation Yachts“ wurde nicht als konventionelleYacht gebaut, sondern als Versuchsträger. Sie soll gleichzeitig eine nonstop Weltumsegelung ermöglichen und die Belastbarkeit von Vulkanfasern, recycelbaren Verbundmaterialien, nachhaltigen Harzen sowie elektrischen Systemen beweisen. Damit wurden mehrere neue oder ungewöhnliche Technologien gleichzeitig unter Extrembedingungen eingesetzt.
2. Die Länge und Härte der geplanten Route
Die Route umfasst rund 32.000 Seemeilen und etwa ein halbes Jahr allein auf See. Sie führt durch die Arktis und das Südpolarmeer, also durch Regionen, in denen Reparaturen kaum möglich sind. Aus Sicht des Teams um Norbert Sedlacek ist es deshalb sinnvoller, bereits bei einem frühen, sicherheitsrelevanten Defekt umzukehren, statt das Boot später weit entfernt von jeder Hilfe zu gefährden.
3. Ein Entwicklungsprojekt, nicht nur ein Rekordversuch
Sedlacek versteht ANT ARCTIC LAB ausdrücklich als fortlaufenden Entwicklungsprozess. Nach jedem Abbruch wurden die betroffenen Komponenten analysiert, überarbeitet und verstärkt. In einem YACHT-Interview erklärte er sinngemäß, dass es keinen Sinn habe, mit einer nicht zuverlässig funktionierenden Stromversorgung oder einem beschädigten System auf eine 35.000- bis 40.000-Seemeilen-Reise zu gehen. Ziel sei nicht, das Boot spektakulär zu verlieren, sondern nachzuweisen, dass das Konzept dauerhaft funktioniert.
Beim sechsten Versuch 2026 ist die Faktenlage deutlich dünner als bei den früheren Abbrüchen. Bekannt ist nur:
Sicher sagen lässt sich bislang nur, dass auch dieser Anlauf vor dem Erreichen der eigentlichen Hochrisikogebiete beendet wurde. Der sechste Versuch reiht sich damit in eine Serie ein, in der technische Zuverlässigkeit und die Grenzen eines experimentellen Bootskonzepts die entscheidenden Faktoren waren.
Allein gegen den Wind – Nonstop in 343 Tagen um die Welt schildert Wilfried Erdmanns einhand und nonstop gesegelte Weltumsegelung gegen vorherrschende Winde und Strömungen. Im Mittelpunkt stehen Stürme, Einsamkeit, begrenzte Ressourcen und die psychischen Belastungen einer monatelangen Fahrt. Für den Artikel über Norbert Sedlacek liefert der Erfahrungsbericht eine anschauliche Perspektive auf die Anforderungen und Risiken eines solchen Langfahrtprojekts.
Yachtunfälle richtet den Blick stärker auf die Ursachen konkreter Havarien. Behandelt werden unter anderem Ruder- und Kielverluste, Kollisionen, schwere See, Strandungen, Notfallkommunikation und menschliche Fehlentscheidungen. Damit ergänzt der Titel die persönliche Expeditionsgeschichte um eine sachliche sicherheitstechnische Einordnung. Leserinnen und Leser können technische Ausfälle und operative Entscheidungen bei extremen Segelprojekten besser bewerten.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
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