Weiterlesen bei YACHT: Wer Leinen an Bord besser beherrschen will, findet Grundlagen in Tauwerk, Hilfe für enge Manöver in Hafenmanöver und wichtige Sicherheitsregeln bei Küstengefahr in Legerwall.
Text: Nico Krauss; Aktualisierung: Antonia von Lamezan, 03.08.2026
Das Problem kann immer mal auftauchen: Bei einer Yacht in Fahrt und rund laufender Maschine, eingekuppelt in Voraus- oder Rückwärtsfahrt, versagt der Motor plötzlich den Dienst und geht abrupt aus. Ein Schockmoment, besonders wenn das Maschinenversagen während einer engen Passage, bei einem Hafenmanöver oder auf Legerwall vor der Küste passiert.
Vor dem erneuten Starten rattert die innere Checkliste zur Ursachenforschung durch den Kopf: Treibstoffzufuhr, Motorschaden, Elektrik? Der kurze Blick nach achtern bringt Licht in die jetzt anbrechende dunkle Stunde des Schiffsführers: Da liegt ein Tampen auf der Klampe und legt sich stramm über die Bordwand und weiter eng am Rumpf hinunter Richtung Wasserlinie, bis hinunter zum Propeller. Das lose Ende ist quasi angesaugt worden, um die Welle gewickelt und hat dann die Umdrehung des Propellers von 2.500 auf null gewürgt. Ungläubiges Staunen, Fluchen, Schuldzuweisungen, doch das bringt jetzt alles nichts. Im Gegenteil, die Sekunde der Wahrheit erfordert maximal schnelles Handeln: Umgebung checken, Seekarte sichten, Segel hoch und sich sofort aus einer möglichen Gefahrenlage frei segeln.
Der eigentliche Schaden am Antrieb lässt sich oft erst später beurteilen. Im Moment des Abwürgens können Wellen verbogen und Dichtungen zerstört worden sein. Dringen dadurch unbemerkt Seewasser ins Getriebe ein oder verbleiben geschmolzene Schnurreste hinter der Propellernabe, droht bei der Weiterfahrt ein schleichender Totalschaden am Getriebe. Für die Sicherheit an Bord zählt zunächst, dass die Yacht auch ohne laufende Maschine beherrschbar bleibt.
So wichtig und bequem ein gut funktionierender Jockel an Bord ist, die Segel sollten jederzeit klar zum Setzen sein, bis die Yacht angelegt hat oder der Anker sicher liegt. Die Vorbereitung auf ein Worst-Case-Szenario ist schlicht gute Seemannschaft.
Wer so weitere Schäden an Leib, Seele und Rumpf verhindert hat, kann von Können oder Glück sagen und in den nächsten Hafen segeln, sich erst mal an den Anker legen oder Schlepphilfe anfordern und sich dann voll auf das Desaster am Propeller konzentrieren.
Einen Versuch ist es dann wert: Motor auskuppeln und an der verursachenden Leine ziehen. Dazu muss diese natürlich noch an Deck zu greifen sein. Mit etwas Glück lässt sich der Propeller befreien und der Motor neu starten. Wenn das nicht funktioniert, wird ein eigener oder beauftragter Tauchgang nötig, um die festgezurrte Leine, das Netz oder die Plastikplane von Welle oder Saildrive zu lösen.
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