Das neue The Ocean Race Atlantic rückt jetzt schnell näher. In 30 Tagen schon fällt der Startschuss am 1. September in New York. Nach rund 3000 Seemeilen wird die Flotte ab 8. oder 9. September im Zielhafen Lorient erwartet. Dort gastieren die Ocean-Race-Macher zum insgesamt vierten Mal. Bei Rennen um die Welt war Lorient 2011/2012 ebenso ein Etappenhafen wie bei der folgenden Edition 2014/2015. Dazu hieß der Starthafen im Ocean Race Europe 2025 ebenfalls Lorient.
Im kommenden Monat stehen nun New York und Lorient als neues Transat-Duo im Rampenlicht. Sie sind Start- und Zielhafen des jüngsten Ocean-Race-Ablegers: The Ocean Race Atlantic. Das Rennen bringt viele Premieren. Zum einen das erste eigenständige Transat in der mehr als 50 Jahre währenden Ocean-Race-Geschichte, zum anderen die Chance, eine neue schnelle Referenzzeit für diese Transat-Passage von West nach Ost, von New York nach Lorient zu etablieren, die es so noch nicht gibt.
Um den traditionellen Transat-Rekord von Amerika nach Europa wird üblicherweise vom Ambrose-Leuchtturm zum Lizard Point, dem südlichsten Punkt von Großbritannien gesegelt. Auf dieser Strecke waren bislang Pascal Bidegorry und seine Crew auf dem Trimaran “Banque Populaire 5” 2009 mit 3 Tagen, 15 Stunden, 25 Minuten und 48 Sekunden die Schnellsten. Vergleichbarer mit den Imocas: Bernard Stamm holte hier 2001 mit drei Crew-Mitgliedern auf der Open 60 “Armor-Lux-foie Gras Bizac” in 8 Tagen, 20 Stunden und 56 Minuten im Nordatlantik einen Rekord, der immer noch Bestand hat.
Mit rund 2880 Seemeilen ist die klassische Rekordstrecke von der Startlinie bei Ambrose Light zum Lizard Point etwas kürzer als der jetzt anstehende Kurs von New York nach Lorient. Rund 3000 theoretische Seemeilen haben die sechs Crews im Ocean Race Atlantic abzugaloppieren. “Es ist in mancherlei Hinsicht ein Sprint”, sagt nicht nur “Malizia 4”-Skipper Boris Herrmann.
“In einem Rennen, das nur acht Tage dauert, kannst du niemals den Fuß vom Gaspedal nehmen”, weiß auch Oliver Heer einen Monat vor Rennstart. Wie die anderen Skipper und Skipperin Francesca Clapcich begrüßt auch Oliver Heer die im The Ocean Race Atlantic erstmals geforderte paritätische Crew-Konstellation von zwei Mönnern und zwei Frauen. “Die 50:50-Regel ist fantastisch!”, schwärmte der Schweizer Gründer und Skipper von Embrace The Challenge vom ersten Imoca-Rennen mit 100-prozentiger Mixed-Crew auf allen sechs Booten.
Dazu haben die Teams einen weiteren interessanten Rekord im Visier: die 24-Stunden-Bestmarke für Imocas. Die hält vor Beginn des Ocean Race Atlantic mit 641,13 Seemeilen ein Boot, das auch jetzt wieder dabei ist: Boris Herrmanns ehemalige “Malizia 3”, die ab 1. September von Francesca Clapcich als “11th Hour Racing ins Ocean Race Atlantic geführt wird, hatte die Distanz im vergangenen Ocean Race um die Welt am 26. Mai 2023 aufgestellt.
Offiziell anerkannt vom World Sailing Speed Record Council (WSSRC) wurde damals zwar nur der kurz zuvor aufgestellte 24-Stunden-Rekord von “Holcim PRB” mit 640,48 Seemeilen in 24 Stunden, weil die umgehend erfolgte Verbesserung durch “Malizia – Seaexplorer” unter einer Seemeile lag. In der Segelwelt jedoch gilt die Malizia-Leistung von 641,13 Seemeilen als Top-Leistung und Messlatte. Sie könnte im Ocean Race Atlantic vor allem von den beiden neuen Raketen “Malizia 4” oder auch “DMG Mori Global One” überboten werden.
Ich glaube absolut, dass da eine Chance ist, den 24-Stunden-Rekord zu brechen.” Boris Herrmann
Boris Herrmann wird versuchen, die Bestmarke mit Cole Brauer (USA), Justine Mettraux (Schweiz) und Julien Villion (Frankreich) anzugreifen. Ebenso weiß der Japaner Kojiro Shiraishi fürs anstehende Transat auf “DMG Mori Global One” mit Samantha Davies (Großbritannien), Nico Lunven (Frankreich) und Arisa Moriya (Japan) Imoca-Könner an seiner Seite. Geht mit den beiden neuen Raketen alles gut bei der Überführung, wird ein Spitzenduell unter der Überschrift “Blade vs. Bustle”, “Malizia 4” vs. “DMG Mori Global One” erwartet.
Ihre Chancen werden aber auch die etwas älteren, jedoch gut erprobten und überarbeiteten Imocas wie Francesca Clapcichs “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”), Paul Meilhats Team United by the Ocean (Ex-”Biotherm”) oder Oliver Heers “Embrace the Challenge” (Ex-”TeamWork - Team Snef”) suchen. Dauerbrenner Conrad Colman startet mit seinem Kiwi-Quartett auf der “MSIG Europe” von 2007 als Außenseiter ins Transat.
Wetterexperte Will Harris, der fürs Ocean Race Atlantic ins Team von Francesca Clapcich wechselt, bevor er seine Arbeit wieder an der Seite von Boris Herrmann im Team Malizia fortsetzt, sagte: “Man sollte das Rennen nicht unterschätzen. Es ist der Nordatlantik im September. Da kann man es mit wirklich starken Stürmen zu tun bekommen.” Im letzten Rennen um die Welt hat Harris auf der früheren “Malizia 3” auf dem Atlantik “die vermutlich intensivsten sieben Tage des gesamten Rennens” erlebt.

Freie Reporterin Sport
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