Liebe Leserinnen und Leser,
wer sich bei Hafenbetreibern umhört, bekommt oft von unzufriedenen Kunden zu hören. Wie wir gerade für unsere Liegeplatz-Umfrage. Vielen Liegeplatzinhabern an der Ostseeküste sind die Preise schon jetzt viel zu hoch. Ich kann dieses Gemoser nicht verstehen. Wir werden in Zukunft sogar noch mehr für einen Liegeplatz bezahlen müssen – und das ist auch gut so.
Denn die Yachthäfen in Deutschland stecken längst in einer Infrastrukturkrise. Vielerorts ist die Liste lang: Poller müssen erneuert, Steganlagen vor Hochwasser geschützt und Sanitäranlagen renoviert werden. Als wäre das nicht genug, müssen Häfen in die Digitalisierung investieren und gleichzeitig steigende Personalkosten decken. Die regionalen Folgen der Ostseesturmflut und folgenden Instandsetzungen kommen erschwerend dazu. Alles soll im besten Fall nachhaltig, zukunftssicher, umweltschonend und möglichst schnell umgebaut werden.
Zwar kämpft nicht jeder Hafen mit denselben Herausforderungen. Allein die Folgen der Sturmflut haben nicht alle Standorte gleichermaßen getroffen und nicht jeder Hafen muss sich stärker vor Sturmereignissen schützen. Auch staatliche Fördergelder werden nicht gleichmäßig ausgeschüttet. Doch ein Problem betrifft alle Hafenbetreiber: Die Kosten steigen massiv an. Im Zuge unseres Liegeplatzreports habe ich mit mehreren Hafenbetreibern gesprochen. Philipp Mühlenhardt, Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH, sprach von einer Kostensteigerung von über 30 Prozent für strukturelle Erneuerungen in seinen Häfen in Kiel.
Wenn man auf der einen Seite einen Sanierungsstau in den Häfen hat, auf der anderen Seite aber drastisch steigende Preise für Instandhaltungsmaßnahmen sieht, muss man kein Mathematiker sein, um das Ungleichgewicht zu erkennen. Gerade kleine Marinas, Segelvereine oder privat geführte Yachtclubs haben schon jetzt oft Mühe, ihre Projekte voranzubringen. Hier ist man häufig von spendierfreudigen Mitgliedern abhängig, um tatsächlich etwas zu verändern.
Wir müssen als Segler künftig bereit sein, mehr Geld für Liegeplätze auszugeben, wenn wir in Zukunft nicht immer häufiger auf marode Stege oder Sanitäranlagen treffen wollen. Die Häfen müssen Renovierungen schon heute teils über Jahre hinauszögern. Auch Philipp Mühlenhardt betonte im Interview diesen Punkt. Auch in Kiel müssen künftig wohl „kleinere Brötchen“ gebacken werden. Während die Kosten für einen Hafen um über 30 Prozent stiegen, wurden die Preise für einen Liegeplatz in Kiel nur um 12 Prozent erhöht. Das ist eine Rechnung, die auch für andere Hafenbetreiber schon heute nicht mehr aufgeht.
Große Betreiber versuchen zunehmend, einen Teil ihrer Verluste durch ein besseres Serviceangebot wieder einzuholen. Sie bieten dafür vielseitige Leistungen an, vom Riggen bis zum Winterlager. Kleineren Häfen bleibt diese Option oft verwehrt. Es fehlt an Platz oder der nötigen Infrastruktur. Oft gibt es auch schlicht kein Personal für solche Projekte. Staatliche Fördergelder, die Entspannung in die Lage bringen könnten, gehen zudem häufig im Dickicht aus Förderrichtlinien und Antragsverfahren unter. Sie erreichen längst nicht alle Häfen im gleichen Maße und sind zum Teil schlicht nicht umfassend genug.
Wenn wir die Vielfalt an Marinas in der Ostsee für die Zukunft erhalten wollen, vom kleinen Verein an der Schlei bis hin zur großen Marina in Kiel oder Rostock, werden wir einfach tiefer ins Portemonnaie greifen müssen.
Bei der Schmerzbewältigung hilft vielleicht ein Blick über den Tellerrand. In Kroatien zahlt man für eine Zwölf-Meter-Yacht in beliebten ACI-Marinas oft über 10.000 Euro pro Jahr. Dort liegen die Tagespreise im Sommer teilweise weit über 100 Euro. An der Ostsee leben wir im Vergleich dazu noch in einer Wohlfühloase. Selbst wer sein Wohnmobil auf einen ordentlichen Stellplatz stellt, zahlt pro Nacht oft mehr als wir für unseren Platz inklusive Wasser und Strom.
Wir sollten also aufhören zu jammern.
David Ingelfinger
YACHT-Volontär
Umfrage beendet
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