Vendée Globe“Adieu an einen Giganten” – Charlie Dalin ist tot

Tatjana Pokorny

 · 11.06.2026

Hier hat er es geschafft: Charlie Dalin ist als Sieger der 10. Vendée Globe am Ziel seiner Träume und Arbeit.
Foto: Jean-Louis Carli/Alea/VG2024
Seine Familie, seine Freunde und Wegbegleiter, die Segelwelt und Frankreich trauern um einen ihrer Größten: Charlie Dalin ist tot. Der Vendée-Globe-Gewinner der letzten Auflage war ein Star des Offshore-Segelsports. Erst im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass Dalin seinen größten Sieg unter dramatischen Umständen errungen hatte.

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Den Kampf gegen den Krebs hat er jetzt verloren. Die Herzen seiner Familie, Freunde und Wegbegleiter sind an diesem Tag schwer. Der Sieger der Vendée Globe ist im Alter von 42 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Das hat am 11. Juni Dalins Familie der französischen Nachrichtenagentur AFP mitgeteilt. Seine Ehefrau Perrine Le Pape schrieb: "Mit tiefer Trauer geben meine Familie und ich den Tod meines Mannes Charlie Dalin bekannt, der nach langer Krankheit verstorben ist.” Gleichzeitig bat sie, die Privatsphäre der Angehörigen zu respektieren.

“Adieu an einen Giganten” titelt das französische Magazin Voiles et Voiliers an diesem 11. Juni und verneigt sich vor einem Segler, der in seinem Sport Großes geleistet hat. Trotz seiner seltenen Krebserkrankung, die Charlie Dalin erst nach seinem Vendée-Globe-Triumph im Herbst 2025 öffentlich gemacht hatte, war ihm der Gipfelsturm mit “Macif Santé Prévoyance” 2024/2025 gelungen. In seinem Buch “La Force du destin” (dt.: Die Macht des Schicksals) hatte er sehr offen über seine seltene Krebserkrankung berichtet.

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Dem Schicksal getrotzt: mit Krebserkrankung zum Triumph

Jetzt hat er den Kampf gegen den Krebs verloren, ist an diesem 11. Juni im Krankenhaus von Cornouaille gestorben. Es ist auch Schicksal, dass genau an diesem Tag sein Nachfolger Sam Goodchild zur Halbzeit im Vendée Arctique mit Charlie Dalins Vendée-Globe-Siegeryacht “Macif Santé Prévoyance” den Polarkreis passierte und die zweite Halbzeit einläutete. Dalin hatte das Projekt in Goodchilds Hände gelegt, war seinem Team als kluger Berater treu geblieben, solange er konnte.

​Seinen größten Sieg hatte Charlie Dalin bei der 10. Vendée Globe am 14. Januar 2025 nach 64 Tagen und 19 Stunden Rennzeit und einem Aufsehen erregenden Lauf errungen. Den 2017 von Armel Le Cléac'h aufgestellten Rekord hatte er dabei um fast zehn Tage unterboten. Es war ein doppelt süßer Triumph, denn Dalins Beziehung zur Vendée Globe war intensiv.

Im Herbst 2023 hatte Charlie Dalin erfahren, dass er an Krebs erkrankt war. Die Öffentlichkeit informierte er darüber nicht. Er kämpft gegen die Krankheit und wahrte dabei seinen Mut, hielt Kurs und bewies, dass Träume auch im Ringen mit dem Schicksal erreichbar sind. In seinem Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Didier Ravon entstanden war, berichtete der Skipper mit der glänzenden Erfolgsbilanz detailreich über seine Kindheit, seine ersten Regatten und natürlich über das Rennen seines Lebens und die zwei so unterschiedlichen Editionen, die er durch- und erlebte.

“Einer der schönsten Tage meines Lebens!”

Seine Triumphankunft im Januar 2025 hatte Dalin als “zweifellos einer der schönsten Tage meines Lebens” beschrieben. Er habe nach so vielen Jahren im Rennsport noch nie einen solchen Moment erlebt. Und sagte: “Seit vier Jahren träume ich von diesem Sieg – Erster im Ziel, Erster in der Gesamtwertung!“ Dieser sportlichen Vollendung war Dalins erste, erfolgreiche und doch unglücklich zu Ende gegangene Vendée Globe vorausgegangen. Auch bei der 9. Vendée Globe hatte Maestro Dalin vier Jahre zuvor das Ziel schon als Erster erreicht.

Doch waren damals mehrere Skipper, unter ihnen auch Boris Herrmann, an der Rettungsaktion für Kevin Escoffier im Dezember 2020 beteiligt. Die von der Jury später erteilten Zeitgutschriften sorgten dafür, dass Yannick Bestaven das Solorennen um die Welt mit rund zweieinhalb Stunden Vorsprung vor Dalin gewann. Dalin hatte den entscheidenden 27. Januar wie einen Tanz auf dem Vulkan erlebt: erst als Schnellster im Triumph in Les Sables-D’Olonne eingelaufen, dann doch noch überflügelt. Wie einen Schlachtruf hielt er danach vier Jahre fest: „Meine Geschichte mit der Vendée Globe ist nicht abgeschlossen!“

​Durchdacht, dynamisch und sehr durchsetzungsstark: Der 2025 zum Weltsegler des Jahres gekürte Charlie Dalin war ein Leuchtturm der Vendée Globe und des gesamten starken französischen Offshore-Segelsports. Für ihn war es 1992 Liebe auf den ersten Ritt, als er dem Segelsport bei einem Ferienkurs vor der Halbinsel Crozon in bretonischen Gewässern erstmals begegnete. Dort hatten seine Großeltern ein großes Ferienhaus für die ganze Familie gemietet, in der es keine Segler gab, bis Mutter Christine ihren Charlie spaßeshalber für einen Urlaubskkurs angemeldet hatte. Sie erinnerte sich intensiv daran, beschrieb die ersten Jollenerlebnisse gegenüber der Tageszeitung Ouest France als „Offenbarung für Charlie“, wie einen „Blitz“.

Aus Le Havre auf den Offshore-Gipfel

„Damals war es die große Freiheit, die mich am meisten begeistert hat“, sagte Dalin einmal selbst über die Anfänge seiner Eroberung einer neuen Welt aus Wind und Wellen. Der junge Charlie genoss, dass es beim Segeln keine Straßen oder vorgegebene Wege gab. Nur diese glitzernde Weite, in der man mit dem Wind offenbar überall hinkommen konnte. „Diese unsichtbare Kraft, die dich vorantreibt, war für mich magisch“, beschreibt der Mann aus dem Land der Wikinger und Seefahrer, was für ihn zum Lebenselixier wurde.

Die Mutter erkannte: „Sobald er auf dem Wasser war, blühte er auf. Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, habe ich ihn direkt beim Sport Nautique et Plaisance in Le Havre angemeldet.“ In seiner Geburtsstadt Le Havre in der Normandie, wo Dalin im vergangenen Sommer stolz das olympische Feuer durch die ihm so gut bekannten Straßen tragen durfte, hat die Dalin-Karriere begonnen – und nie wieder aufgehört. Schon dort fiel der junge Dalin ein paar Jahre später auf, weil er 420er gerne mal einhand aus dem Trapez segelte.

Seinen Eltern erklärt er das Segeln mit dem Besteck bei Tisch. Sein Zimmer wurde zum Hort für Plakate seiner Helden, Autogramme, Dokumente. Mit zunehmender Leidenschaft stromerte er an Le Havres Stegen der Transat-Jacques-Vabre-Boote herum. „Da habe ich mich alle zwei Jahre träumend zwischen den TJV-Booten wiedergefunden“; erinnert er sich. Er bewunderte diese Objekte seiner zunehmenden Begierde live im Radio, in Zeitungen und Segelmagazinen.

Schwere Herzen zum Tod von Charlie Dalin

Im Alter von zwölf Jahren hatte er erstmals eine Vendée Globe bewusst wahrgenommen. Der Zeitschrift Paris Match erzählte er: „Damals verfolgte man Rennen noch nicht auf die heutige Weise. Ich habe es vor allem nach den Zieldurchgängen verfolgt, als die Segler alle ihre Videokassetten abgaben, damit die Bilder im Fernsehen ausgestrahlt werden konnten. Ich habe nicht einmal gedacht, dass ich eines Tages dazu in der Lage sein würde.“ Und wie er das war! Dass er dabei einer so schweren Krankheit trotzen musste, war während seines letzten großen Solos um die Welt nicht bekannt.

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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