Liebe Leserinnen und Leser,
es könnte rundum schön sein. Die Tage werden wieder spürbar länger. Wenn die Sonne es schafft, sich gegen eine fiese dicke Wolkendecke durchzusetzen, wärmt sie zuweilen fast. Bootseigner konzentrieren sich auf die Restarbeiten des Winterlagers, denken schon an das immer näher rückende Auswintern. Charterer planen ihre Reisen. Und als wäre all dies noch nicht genug, birgt die boot Düsseldorf wieder das Potenzial, ein weiteres Glanzlicht zu setzen, den Kickoff zur kommenden Segelsaison.
Tatsächlich, wie ließe sich das Ende der dunklen Jahreszeit besser feiern als in der letzten Januarwoche? Dazu brauchen wir weder die längste Theke der Welt, noch die Narrenkappe: Am Rhein beschert uns die weltgrößte (trockene) Wassersportmesse Ausrüstung und Zubehör, irgendwas braucht man ja sowieso immer oder findet Dinge, von denen der Segler bis dato nicht wusste, dass sie vonnöten sind. Wir gucken nach aktuellem Equipment, informieren uns über neue Segel, kaufen frische Fallen und Schoten, aktualisieren Seekarten, Plotter, Elektronik, vergleichen, gucken, machen uns schlau.
Falls der Wunsch nach einem sonnensicheren Revier im Hirn rumgeistert, ab in die Charterhalle. Tauchen, angeln, Kanu fahren? Interessante Nebenbeschäftigungen, die das Leben mit dem Boot diversifizieren und bereichern können.
Und, ja, dann sind da natürlich die Boote. Das namensgebende Hauptthema der Veranstaltung, der Focus des seglerischen Interesses. Fahrtenyachten, Performance-Cruiser, Explorer, Blauwasserschiffe, Mehrrumpfboote, Jollen, Kleinkreuzer. Egal, ob tatsächlich ein Kaufinteresse besteht: Erstmal gucken, sich informieren, mitreden können, seinen Händler oder Werftvertreter treffen.
Aber was ist das in den Hallen 15 und 16, dem Nucleus des internationalen Bootsbaus? Fiese Lücken zwischen den Ständen, freie Flächen an den Hallenenden, Bavaria und Hanse sind nicht am Start. Was? Die beiden größten deutschen Werften, zwei der weltweiten Top-Five-Player, sind nicht auf der im Heimatlande stattfindenden und vor allem weltgrößten Messe dabei? Nö! RM Yachts, Garcia, Elan? Fehlanzeige! Sirius, Nordship, Faurby? No Show. Sitzbänke statt Cruisern, Plastikpalmen statt GFK-Booten, nackter Beton statt Booten aus Alu oder Sperrholz auf sauberem Teppich. Skandalös, enttäuschend, ernüchternd!
Der Auftritt sei zu teuer, hört man von Hanse und Bavaria, das müsse man erstmal reinverdienen und die alternative kleine Lösung mit wenigen Booten sei auch kein gutes Zeichen. Hausmessen, Showrooms und Direkteinladungen sollen alte Kunden binden und neue gewinnen.
Dunkle Wolken über der boot Düsseldorf?
Nein oder zumindest nicht wirklich. Wir entdecken neue Hersteller, wie Pure Yachts aus Kiel, überraschend ausgestellte Premieren wie die Maxus 31, klassische Kleinstkielboote von der Loire, beispielsweise. In Ermangelung der beliebten großen Marken sehen sich potenzielle Kunden für sie weniger bekannte Exponate anderer Hersteller an, üben schon mal auf der Messe die Untreue.
Fast breitet sich Trotz aus: Dann eben ohne die: „Ich habe den Eintritt bezahlt und lass mir die Freude an der Messe nicht nehmen“. An spannenden Booten können sich Besucher auch so satt sehen, Zeit mal eine Swan, Solaris oder Saffier anzuschauen, Contest, Amel oder Dragonfly, die neue XR 41 zu bewundern, Eagle, Black Pepper. Klar, schade, einige Werften und ihre Neuheiten fehlen, aber die Messe lass ich mir deswegen nicht verderben. Und die Ausrüstungshalle hat ohnehin nichts von ihrer Vielfalt, Innovationskraft und Markendiversität eingebüßt, im Gegenteil.
Spannend wird jedoch das nächste Jahr, bleiben weitere Aussteller der Messe fern? Aber in diesem Jahr gilt: Ab nach Düsseldorf, es lohnt sich.
Da stört nur, dass die Curry-Wurst mittlerweile sieben Euro kostet, ungefähr so viel wie ein Meter Dyneema-Fall.
Alles andere ist fein und einen Besuch wert. Wie immer.
stellv. YACHT-Chefredakteur
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