Liebe Leserinnen und Leser,
über Monate war ich der Einzige in der Winterlagerhalle. Wochenende für Wochenende habe ich rund 300 Stunden geschraubt, geklebt, geschliffen, abgedichtet, geputzt und poliert, um das im Herbst spontan gekaufte Gebrauchtboot seeklar zu machen. Zugegeben, es ist etwas mehr als seeklar geworden. So wie es jetzt in der durchs offene Hallentor scheinenden Frühjahrssonne blitzt und blinkt, kommt es rein optisch eher einem veritablen Refit gleich. Allein das Aufpolieren des geschundenen und matten Gelcoats war ein echter Knochenjob, bringt aber auch eine enorme Befriedigung. Mit jedem geschafften Meter verwandelt sich das Boot weiter zurück zur stolzen Yacht. Womit auch die Vorfreude auf den ersten Törn wächst.
Damit bin ich nicht allein, plötzlich tauchen die anderen Eigner auf – und sind gleich wieder weg. Scheinbar kann man ein Boot auch an einem Wochenende saisonklar machen. Das ist mir in den letzten 30 Jahren noch nie gelungen und erscheint mir ob des aktuellen Projekts umso illusorischer. Klar, auf die Polierorgien hätte ich auch gern verzichtet, aber selbst ohne eine komplette optische Aufbereitung ist an einem älteren Boot doch immer etwas zu tun. Basteln die alle im Sommer?
Dann will man doch segeln und nicht schrauben, oder bin ich nur berufsbedingt zu pingelig? Jedenfalls erwische ich mich mit dem Näherrücken des Krantermins immer öfter dabei, nicht nur die Liste mit den noch ausstehenden Arbeiten zu checken, sondern auch die grün markierten, bereits erledigten Dinge noch einmal durchzugehen. Einerseits tut es gut zu sehen, was man alles geschafft hat, andererseits waren es so viele Baustellen, dass beim Kranen ein umfangreicher Check ansteht.
Beispiel gefällig? Alle Seeventile und Schlauchverbindungen im Bad und an der Maschine, der komplette Kühlwasserkreislauf nebst neuem Filter und Wärmetauscher, das Frischwassersystem von Einfüllstutzen über Tank und Boiler bis zur Cockpitdusche, die Seewasserpumpe für die Pantry, das Kraftstoffsystem und so weiter und so fort. Kaum ein Teil, das im Winter nicht abmontiert und durchgesehen oder ausgetauscht wurde.
Dazu kommen rund 570 Meter Tauwerk, die frisch gewaschen auf das Einscheren und Aufriggen warten. Nein, wir haben uns keinen Windjammer gekauft, aber wenn eh schon alles gewaschen werden muss, haben wir auch gleich die Durchmesser und Längen erfasst, um eventuell nötigen Ersatz besorgen zu können. Erstaunlich, was bei einem 37-Fußer zusammenkommt, wenn man Fallen, Schoten, Trimmleinen und Festmacher ausmetert.
Wie auch immer, es ist ein gutes Gefühl, wenn wieder alles zusammenfindet und sich die Kisten mit den abmontierten Beschlägen langsam leeren. Noch zwei Wochen bis zum Krantermin, Segel, Sprayhood und Achterstagspanner aus der Reparatur abholen, und die Segelsaison kann endlich beginnen. Dank der Vorbereitung hoffentlich ohne weitere Bastelarbeiten …
Wie sieht es bei euch aus, seid ihr Team “Refit” oder Team “Ein Wochenende”?
YACHT-Redakteur
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