Mit dem Seesegelklassiker Nordseewoche (22. bis 25. Mai) rückt über Pfingsten der Hochseesport rund um Helgoland ins Rampenlicht. Während parallel bei der Brassfahrt in der Lübecker und Mecklenburger Bucht die Shorthanded-Liebhaber im Einsatz sind, steht im Nordseerevier der Mannschaftssport mit größeren Crews im Mittelpunkt. Das gilt sowohl fürs klassische Wettfahrtprogramm der Nordseewoche als auch die Meisterserie.
Bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) der Seesegler werden die Offshore-Titel und Medaillen in diesem Jahr im Rahmen der Nordseewoche vergeben. Drei anspruchsvolle Rennen stehen für die Meistersegler auf dem Programm:
Die Spannung wird sich im Verlauf der IDM Seesegeln von Anfang bis Ende der Nordseewoche wie ein Krimi steigern, weil sich auch die Gewichtung der Ergebnisse in den drei Wettfahrten von Rennen zu Rennen steigert. Die Resultate beim Sundowner der Early Bird Serie von Cuxhaven nach Helgoland werden mit dem Faktor 1,25 multipliziert. Die Ergebnisse beim Capitell-Cup werden mit 1,5 multipliziert, bevor die Punkte für die Leistungen im XL-Finale beim Pantaenius Rund Skagen Race sogar verdoppelt werden.
Damit ist auch klar, dass die Entscheidungen erst mit dem letzten Zieldurchgang fallen dürften. Das IDM-Feld ist mit 16 Booten in der Nordsee – und am Ende der Langstrecke auch in der Ostsee – klein, aber fein. Als frischgebackener und souveräner Baltic-500-ORC-Gesamtsieger startet Jonas Hallberg mit seiner neuen JPK 10.50 “Hinden” in die Seesegelmeisterschaft “Offshore”.
Mit an Bord der Rakete “Hinden” sind Jonas Hallbergs Baltic-500-Mitstreiter Jonas Hiller sowie Luca Meyer und Luca Leidholdt, die im Baltic 500 gerade noch mit ihrer Dehler 30OD im Doppel-Einsatz waren und jetzt ihre Kräfte mit dem “Doppel-Jonas” bündeln. Die “Hinden” ist dann die Meisterfavoritin, wenn die IDM-Bedingungen die kleineren Boote beflügeln.
Unter den großen Booten gehören dem erweiterten Favoritenkreis mindestens Henri de Bokays Elliot 52 SS Rafale”, Daniel Baums Tison-48-Einzelbau “Elida” und die Carkeek 47 “Störtebeker” mit Skipperin Katrina Westphal an. Auch weitere Große könnten über eine stark bestrittene Langstrecke in die Medaillenränge fahren. Wenige Tage vor dem ersten IDM-Startschuss zum Sundowner am 22. Mai um 20 Uhr ließen die Prognosen einen möglicherweise sehr flauen “Sundowner”-Auftakt erahnen.
“Rafale”-Navigator Robin Zinkmann erklärte: “Für Freitagabend sah es zuletzt nach sehr wenig Wind aus. Mal sehen, wie segelbar das wird. Wir starten mit der Strömung, treiben alle raus. Wenn es sehr wenig Wind gibt, dann ‘treiben’ die kleineren Boote wie wir. Da müssen wir hoffen, dass es nicht zu schweinisch wird und wir uns noch im Mittelfeld platzieren können.”
Bessere Bedingungen ließen die Prognosen zur Wochenmitte für den Capitell-Cup rund Helgoland erhoffen. Noch bessere möglicherweise für das Pantaenius Rund Skagen Race, auch wenn diese mittelfristigen Vorhersagen noch unsicher waren. Im Idealszenario für den 510 Seemeilen langen Langstreckenklassiker könnte sogar der seit 26 Jahren nicht geknackte Rekord von Dr. Klaus Murmanns “Uca” (43 Stunden, 46 Minuten) in greifbare Nähe rücken.
Dieses günstige Szenario könnte dann eintreten, wenn sich die schnellsten Yachten im Pantaenius Rund Skagen Race nach dem Start am 25. Mai gegen 16.30 Uhr maximal schnell aus dem bislang für den Starttag vorhergesagten Hoch befreien und die möglicherweise später bis zu 30 Knoten starken Winde im Skagerrak optimal nutzen können. Erste frühe Routings einiger Crews hatten zumindest die Chance auf solche Bedingungen gezeigt.
Die Seesegelfelder der Nordseewoche 2026 zeigen bei der 91. Auflage auch neben der Seesegel-Meisterschaft die ganze Vielfalt des Offshore-Segelsports hierzulande. Ob treue Dauerbrenner oder professionell organisierte Regattateams, Vereinsmannschaften, Familien-Crews und ehrgeizige Newcomer: Sie alle zusammen werden die Regatta prägen, gegeneinander segeln und miteinander auf dem Roten Felsen feiern. Insbesondere Club-Teams dient die Nordseewoche auch der Ausbildung und der Nachwuchsförderung.
Zu den bekannten Stammteilnehmern zählen in diesem Jahre beispielsweise die Nissen 31 „Ballerina 2“ von Berend Beilken, Carsten Burfeinds IMX-40 „Morran“, Michael Haackes X-35 „Maxima“ und viele mehr. Gerechnet werden darf mit reichlich Sonne. “Da können die Baltic-500-Segler ihre Knochen aufwärmen”, sagte Robin Zinkmann mit einem Augenzwinkern und erinnerte damit an die gerade erst zu Ende gegangene, in diesem Jahr phasenweise sehr kalte Ostsee-Zweihandprüfung, denen die Nordsee-Herausforderungen womöglich deutlich wäremere Temperaturen entgegenzusetzen hat.
Neu ist bei der 91. Edition die “Nordseewoche Line Honours Trophy”. Sie belohnt die schnellste Yacht nach gesegelter Zeit („Elapsed Time“) über sämtliche Wettfahrten der Deutschen Offshore-Meisterschaft. Die Langstreckenregatta erhält dabei eine doppelte Gewichtung. So soll der besondere Charakter des Offshore-Segelns doppelt unterstrichen werden. Die neue Trophy richtet sich insbesondere an leistungsstarke Offshore-Teams und ergänzt die klassische Meisterschaftswertung um eine zusätzliche sportliche Dimension.
Der Preis wird als ewiger Wanderpreis vergeben und ausschließlich im Rahmen einer auf der Nordseewoche ausgetragenen Deutschen Offshore-Meisterschaft verliehen. Mit der Einführung der „Nordseewoche Line Honours Trophy“ unterstreicht die Regattagemeinschaft Nordseewoche ihren Anspruch, die Serie als bedeutende Plattform für hochklassigen Offshore-Segelsport weiter auszubauen und langfristig als Austragungsort der Deutschen Offshore-Meisterschaft zu etablieren.

Freie Reporterin Sport