Das First Ship Home hat den Kurs von Strande rund Læsø und zurück beim 8. Baltic 500 in 2 Tagen, 16 Stunden 38 Minuten und 51 Sekunden abgeritten: Mathias Müller von Blumencron, seine amerikanische Co-Skipperin Cole Brauer und die J/V 43 “Red 2” hatten sich damit die Line Hours bereits am sehr frühen Sonntagmorgen verdient. Sie waren nur rund 23 Minuten vor ihrer J/V 43-Schwester “Vineta” mit Wolf Scheder-Bieschin und Arnt Bruhns ins Ziel gekommen.
“Wir sind super zufrieden mit der Performance unserer Schiffe”, sagte Mathias Müller von Blumencron für beide Teams. “Es ist toll, wenn du ein Schiff nach modernen Kriterien kreierst und für raume Kurse konzipierst, das dann am Wind, bone-shaking, auch noch schnell fährt.” Das dabei Gerumpel zu ertragen ist, kennt der Skipper schon: “Wir verlieren bei solchen Kreuzen häufig unseren Windex. Jetzt auch wieder.”
Jedes Mal nach so langen Kreuzen muss ich einen neuen Windex installieren.” Mathias Müller von Blumencron
Der “Red 2”-Skipper ist ein Baltic-500-Fan. Bei der ersten Auflage 2019 war er der erste Herausforderer, der damals gemeldet hatte. Auch hatte er vor sieben Jahren seine Class40 “Red” mit Co-Skipper Martin Buck als Erster ins gebracht hatte. Seine Einschätzung nach dem insgesamt vierten Einsatz im Ostsee-Marathon: “Es ist eine so tolle Idee, ein so tolles Rennen! Cord Hall und Rasmus Töpsch machen das mit ihrem Team vom Yacht Club Strande so gut.”
Gut 32 Stunden nach “Red 2” hat am Montag um 10.39 Uhr das 29. und letzte Boot der Finisher-Flotte die Ziellinie passiert. Die Yardsticker Fabian Cohrs und Lea Heitmann vom Segelverein Finkenwerder Hamburg von 1965 haben ihre Zweihand-Prüfung im Baltic 500 mit der First 34.7 “Svea” bestanden. Das ist sehr bemerkenswert, weil es für Lea Heitmann die erste Regatta ihres Lebens war. Die ging sie gleich im XL-Format an.
“Fabian hatte mich im vergangenen Jahr gefragt, ob wir das einmal versuchen wollen. Wir dachten, wenn wir das schaffen, dann geht es auch danach weiter gut”, erzählte die unerschrockene Seglerin aus Hamburg lächelnd. Zum Rennen sagte die Regattaneueinsteigerin: “Die ersten Tage bis Helsingør waren ganz toll! Ich dachte noch: Was haben die nur alle, ist doch wunderschön! Dann folgte die Tortour bis Langeland. Mit Fische füttern…” Fabian Cohrs ergänzte: “Von Læsö bis zur Großen Beltbrücke ging es immer nur gegenan.”
Da war Moral gefragt.” Fabian Cohrs
Auf ihren 500-Seemeilen-Marathon hat Fabian Cohrs und Lea Heitmann ein Spruch von Tim Kröger begleitet, wie sie nach dem Rennen erzählten. Der zweimalige Weltumsegler und America’s-Cup-Segler aus Hamburg bestritt mit seinem Segelfreund Stefan Voss auf dessen Archambault A-35 auch seine Baltic-500-Premiere. Beim Skipper’s Briefing im Yacht Club Strande hatte Kröger zur in Aussicht gestellten Kälte und dem angekündigten ruppigen Rückweg laut festgestellt: “Dann kucken wir doch mal, wer hier zäh ist.”
Fabian Cohrs, der auch erst seit ein paar Jahren an Regatten teilnimmt und im vergangenen Jahr in sein erstes Silverrudder startete, es aber nicht beenden konnte, sagte nach dem Baltic 500: “Wir standen beim Skipper’s Briefing in der Nähe und haben dann die Aussage von Tim mit ins Rennen genommen.” Vor dem Start hatte das abenteuerlustige Mixed-Crew auch noch Bekanntschaft mit Lennart Burke und Melwin Fink gemacht. Die gerade vom Globe40 zurückgekehrten Jungprofis waren mit ihrem Team von Next Generation Yachting ein Partner des Baltic 500.
Vor dem Rennstart verteilten Burke und Fink im Hafen Schäkel an die Teilnehmer. Ihr Tech-Team hatte zuvor schon in nächtlichem McGyver-Einsatz geholfen, das Loch im Bug der Dehler 30OD “Fritzi” bis zum Baltic-500-Start zu flicken. Das war so gut gelungen, dass Dominic Stahl und Felix Aue das Baltic 500 als Dritte in der Dehler-Wertung beenden konnten.
“Lennart hat uns gefragt, wer unser größter Konkurrent ist”, erinnerte sich später Lea Heitmann. “Ich habe gesagt: wir selbst.” Wem sie das Baltic 500 nach der Ersterfahrung empfehlen kann? Sie denkt kurz nach und sagt: “Man darf kein Bedenkenträger sein. Muss man auch nicht, denn man könnte das Rennen ja jederzeit abbrechen. Da sind ja überall Häfen und es ist auch keine Schande. Ich könnte es jetzt jedem empfehlen, aber Tim hat schon recht: Man muss zäh sein.”
Mit dieser Einstellung zählten auch Lea Heitmann und Fabian Cohrs zu den glücklichen 58 Frauen und Männern in 29 Teams, die das 8. Baltic 500 beenden konnten. Sie alle bekamen ein weißes Finisher-Shirt, dass sie an ihren Einsatz erinnern wird.
Gewinner hat diese Edition trotz fast 40 Prozent Aufgaben viele: Natürlich die Line-Honours-Schnellsten auf “Red 2”, die fast ebenso schnellen Zweiten auf der J/V 43-Schwester “Vineta” und viele folgende Duos. ORC-Gesamtsieger wurde ein echter Baltic-500-Dauerbrenner: Jonas Hallberg räumte den großen Preis mit Jonas Hiller und der neuen JPK 10.50 “Hinden” souverän ab. Hallberg ist seit der gewonnenen Premiere 2019 in jede Auflage gestartet.
In diesem Jahr hatte sich der “Doppel-Jonas” auf “Hinden” im Baltic 500 über weite Strecken ein hübsches Duell mit Tobias Brinkmann und Sönke Boy auf der Pogo RC “Mariejo” geliefert. Beide hatten die Gewitterfronten bei Læsø erlebt, bevor die “Hinden” sich auf dem Rückweg absetzen konnte. Im Ziel wurden aus einer guten Stunde Vorsprung nach gesegelter Zeit rund zwei Stunden Vorsprung in der ORC-Berechnung. Diesen beiden ORC-Top-Booten folgten in der Handicap-Wertung “Red 2” und “Vineta” auf den Plätzen drei und vier.
Auf die ORC-Plätze fünf, sechs und sieben segelten beherzt und angriffslustig Arno Böhnert und Christian Heerman mit der First 36 “Salicornia”, Eike Claas Carmincke und Leif Thorge mit der MAT 1010 “Matchbox” und Matthias Schernikau mit Urs Kohler auf der Pure 49 “Gorre”. Der Flensburger Skipper Stefan Voss trieb die schlanke Archambault A-35 “Om” mit Tim Kröger auf ORC-Platz neun – das war Platz zwei in ORC 2 hinter der MAT wert.
Kröger sagte nach einer gesegelten Zeit von 3 Tagen, 8 Stunden, 33 Minuten und 32 Sekunden: “Das war ein intensives und forderndes Rennen. Es hatte alle Facetten, die ein Offshore Race bieten sollte: von viel Wind bis kaum Wind wurde alles geboten. Mir hat es viel Spaß gemacht, ein solches Rennen in einem kompetenten Team zu bestreiten.”
Zum Potenzial des Baltic 500 sagte Kröger: “Es spricht jeden an, der gerne Herausforderungen annimmt und lange Strecken auf See segelt. Ganz blauäugig sollte man da nicht reingehen, denn am Ende des Tages ist es natürlich ein Wettkampf. Ich wünsche den sehr engagierten Organisatoren und Gründern Cord Hall und Rasmus Töpsch, dass es sich auch international rumspricht, was für ein cooles Rennen das Baltic 500 ist!”
Das Gros der Teilnehmer sieht es ähnlich. Einige glänzten zusätzlich zum Segelkönnen auch mit Ideenreichtum. Etwa Steffen Müller und Jens Langwasser auf der Knierim 33 “Zephyr”. Das Duo trieb seinen schmucken Daysailer sehr flott über den Kurs, katapultierte sich in der ORC-Gesamtwertung in die Top-Fünf. Dass die Crew es während des Rennens sogar zweimal schaffte, sich mit Würstchen vom mitgeführten Gasgrill zu beglücken, dürfte eine in diesem Rennen einzigartige Leistung gewesen sein.
Die ‘Zephyr”-Crew ist richtig gut gesegelt, war die Quintessenz aus klein, ungemütlich und erfolgreich.” Rasmus Töpsch
Unvergessen bleibt auch die kleine Hommage, die Oliver Schmidt-Rybandt der Bordheizung seiner Dehler-30OD-Dauersiegerin “Powerplay” widmete. Eine gute halbe Stunde kam er vor Luca Mayer und Luca Leidholdt auf der Klassenschwester “Play Harder” wieder einmal Klassenbester ins Ziel. Bei den Yardstickern siegten York Ilgner und Andreas Sasse auf “Mona Lisa” vor der C&C 115 “Blue Chip” mit Michael Ueberall und Lars Pfeiffer. Manch anderer Crew jedoch war das Finish nicht vergönnt.
Für die beiden wagemutigen Minis war die Strecke mit Blick aufs Zeitlimit doch sehr lang. Zu lang. Auf “Pogoline” war dazu noch der Gennakerbaum gebrochen. Auf der Solaris “Faju” brach das Großfall. Die Crew auf der Shogun 50 “Fantastic 4” musste mit Riggschaden aufgeben.
Die beiden Imoca-Segler Andreas Baden und Szabolcs Weöres kämpften sich auf der Class40 “Cantaloop40” ohne Strom und Motor durch, wurden am Ende von den sehr verständnisvollen Veranstaltern zuvorkommend in den Hafen geschleppt. Andere drehten ab, als sie merkten, dass sie sich im Zeitmanagement verzockt hatten und Gefahr drohte, wichtige Termine zu Wochenbeginn zu verpassen.
Nicht nur Mathias Müller von Blumencron sieht viel Zukunftspotenzial für das Baltic 500: “Es waren echt viele erfahrene Leute dabei, die in der Offshore-Szene wie Timmy die großen Rennen fahren. Auch die internationale Beteiligung wächst. Cole sagte, dass sie das Rennen in der US-Offshore-Szene kennen. Es wäre verdient, wenn alle das Baltic 500 so richtig promoten.”

Freie Reporterin Sport