Auch nach der zweiten Yacht auf See führt weiter die J/V 43 “Red 2” das Feld bei der achten Edition des Baltic 500 an. Bei rund 120 Seemeilen bis ins Ziel rechneten die Veranstalter vom Yacht Club Strande mit der Zielankunft von “Red 2”-Skipper Mathias Müller von Blumencron (Norddeutscher Regatta Verein) und Co-Skipperin Cole Brauer (New York Yacht Club) am Samstagabend.
Ihr weiter dicht auf den Versen war am Samstagmorgen in der Kälteschlacht das Schwesterschiff “Vineta” (Norddeutscher Regatta Verein) mit Wolf Scheder-Bieschin und Arnt Bruhns vor der schwedischen Shogun 50 “Fantastic 4” mit Peter Bolvig/Jakob van Ohlen, der Solaris 50 “Faju” (Kieler Yacht-Club) mit Fabius Müller-Kauter/Aike Brahe und der Pure 49 “Gorre” (Sail-Lollipop Regatta Verein) mit Matthias Schernikau/Urs Kohler.
In der ORC-Gesamtwertung spielten in der zweiten Baltic-500-Halbzeit zuletzt die kleineren Boote ihre Stärken aus, zumal die Großen längst schon auf die Kreuz gegangen waren. Die Führung hatte zuletzt Jonas Hallbergs gerade erst nach Kiel überführte neue JPK 10.50 “Hinden” übernommen. Gemeinsam mit Jonas Hiller erlebt ihr Skipper die erste Regatta mit der Rakete, die von Beginn an als eine der ORC-Favoritinnen gehandelt worden war.
“Die Nacht war ruhig. Es gab keine weiteren Abbrüche. Ich zähle 32 aktive Crews. Das Feld schiebt sich jetzt natürlich zusammen, da die Großen vorne schon auf der Kreuz sind. Das relativiert sich später wieder, spätestens wenn der Wind heute Abend weiter rechts geht”, berichtete Baltic-500-Mitgründer und Wettfahrtleiter Cord Hall am Samstagmorgen. Und auch dies: “’Red 2’ müsste heute Abend drin sein. Mit Glück noch bei Tageslicht.”
Inzwischen haben offiziell 16 Zweihand-Crews das Baltic 500 aufgegeben. Die anderen kämpfen weiter. Das gilt auch für Baltic-500-Dauerbrenner Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthenrich, die ihren Bootnamen der Dehler 30OD “Play Harder” einmal mehr zum Programm machen. Eine Härte allerdings haben sie stark abgemildert, wie der Skipper in einer herrlichen kleinen Hommage von See beschreibt:
”Meiner Theorie nach ist es ab dem zweiten Spinnakerwechsel mit nassem Segel in Sachen Gewicht vorteilhafter, eine Heizung installiert zu haben, als mit unweigerlich kaltem Boot zu fahren. Deswegen bestreitet unser kleines Rennboot schon seine sechste Baltic 500 mit fast nonstop laufender Dieselheizung. Das Gerät wiegt wenige Kilogramm und verbraucht maximal einen Liter alle vier Stunden Vollastbetrieb. Das reicht, das Boot auch bei Außentemperaturen nahe dem Gefrierpunkt innen warm zu halten und vor allem, jedwede Nässe schnell zu trocknen.
Soll heißen: der nass geborgene Spi verliert schnell sein nicht unerhebliches Zusatzgewicht. Der große Willi Dehler prägte den passenden Satz hierzu: "Behaglichkeit schafft Siegen.” Das ist dem kleinen Boot schon vier Mal beim Baltic 500 gelungen. Die via Heizluft losgewordene Nässe und die zusätzlich gewonnene Kampfmoral mag eine Rolle gespielt haben.
Schon beim Auftakt war es ein Traum, mit nassen Klamotten nach ewigem Kampf auf dem Vorschiff unter Deck zu kommen und in kurzer Zeit wieder warm zu sein.” Oliver Schmidt-Rybandt
Bis zum Fehmarnbelt sah es gut aus. Wir lagen gut im Feld, hatten die Klassenkonkurrenz im Baltic 500 hinter uns und kamen prächtig voran. Die schnelleren Boote voraus bekamen den Dreher zuerst. Es war gut sichtbar, wie überall die Spinnaker geborgen wurden und danach die Flotte dicht geschotet mit Backbordkrängung weiter lief. Wir konnten den Dreher schon auf dem Wasser sehen, hatten die Dropline gelegt und das Genuafall klar. Noch 500 Meter, 400, 300 und dann: nichts.
Während die soeben noch dicht voraus fahrende Boote wegliefen, standen wir locker drei Stunden lang auf der Stelle, wurden vom Strom durch den Belt geschoben. Eine bodenlose Gemeinheit. Aber wie es manchmal ist: Mal hat man Pech und mal haben die anderen Glück. Der Abend verlief stressig. Segelwechsel, Wind zwischen 0 und 25 Knoten, Regen und schlechtes Vorankommen. Erst nachts konsolidierte es sich, ließ uns noch hier und da in kleinere Flautenlöcher fallen und mündete ab mittags in Champagnersegeln unter A2 bei herrlichem Sonnenschein. Die immer noch kalte Luft schmälerte den Spaß nicht.
Hatte ich schon die Heizung erwähnt? Die schalten wir am Abend wieder an und beglückwünschen uns erneut bei jedem Gang unter Deck. Kleine Ergänzung zur letzten Nacht: Nett, wenn es unter Deck warm ist. Schade, wenn man nichts davon hat. Ich habe zwischen 23 und 5 Uhr durchgesteuert…”
Viele Crews haben den Komfort einer Bordheizung im Baltic 500 nicht. “Salicornia”-Co-Skipper Arno Böhnert sagte: “Nee, leider haben wir keine Bordheizung, weil jemand von der Konfiguration her richtig schlau war und das Gewicht gespart hat. Ob er das jetzt gerade bereut? Ich denke schon. Ist das vielleicht das nächste Winterprojekt? Ich denke auch. Es wäre nicht wirklich schwer gewesen. Habe ich damals für unnötig erachtet. Tja, man lernt nie aus…”
Dennoch ist “der Spirit hoch an Bord”, sagte Arno Böhnert. Sein Fazit zur zweiten Baltic-500-Nacht auf See: “Letzte Nacht auf dem Weg nach Læsø waren relativ viele Gewitterzellen um uns herum. Da haben wir zehn Meilen vor Læsø gesagt: lieber safe than sorry. Wir haben den A2 runtergenommen, den A5 hoch. Am Ende wären wir vielleicht doch mit dem A2 durchgekommen. Das hat uns wohl zwei Meilen insgesamt gekostet. Hinter Læsø haben wir dann im Reach ein bisschen Kräfte gesammelt, das Schiff aufgeräumt und erstmal keine J0 gesetzt. Die hätten wir auch nochmal setzen können. Es waren aber mehr Power-Management und Keep-Your-House-Clean angesagt.”
Am Samstagmorgen war die Lage aus Böhnerts Sicht klar: “Wir sind jetzt hier auf dem langen Amwindgang unterwegs. ‘Mariejo’ direkt an uns dran. Es läuft soweit gut. Die Spirits sind high.” Nicht nur Arno Böhnert ist aufgefallen, dass inzwischen Jonas Hallbergs neue JPK 10.50 “Hinden” auffällig davonrauscht.
Böhnert sagte: “Was die JPK 10.50 jetzt abliefert, ist von einem anderen Stern. Also, wow, das ist echt eine Machtdemonstration! Gerade auf dem Kurs hier fährt die auf dem langen Amwindgang einfach weg. Das ist schon wirklich beeindruckend, setzt eine neue Benchmark. Und das natürlich auch noch in Verbindung mit dem Rennwert. Die wird auf jeden Fall gut gesegelt, aber der Rennwert ist schon krass.”

Freie Reporterin Sport