Das Baltic 500 hat sich längst zu einem beliebten Magneten für die deutsche Offshore-Szene entwickelt. Zunehmend haben auch internationale Starter das 500-Seemeilen-Zweihandrevier von und nach Strande im Visier. Boote aus Dänemark, Schweden und eine norwegische Crew sind dabei. Einst läutete auch die österreichische Globe40-Skipperin Lisa Berger ihre Offshore-Karriere im deutschen Norden ein.
In diesem Jahr ist die Amerikanerin Cole Brauer der weibliche Star der des Rennens, das Cord Hall und Rasmus Töpsch mit dem Team vom Yacht Club Strande ersonnen und zum Erfolg gemacht haben. Die Idee zum Einsatz von Cole Brauer hatte Boris Herrmann im Gespräch mit dem befreundeten Mathias Müller von Blumencron. Weil sein eigener Zeitplan in der heißen letzten Bauphase von “Malizia 4” den Baltic-500-Start nicht zulässt, schlug Herrmann seine Co-Skipperin als Mitstreiterin vor.
“Wir hatten uns schon länger über das Rennen unterhalten, aber bei Boris kommt es terminlich einfach gar nicht hin. Irgendwann sagte er dann ‘Hey, segel doch einfach mit Cole.’.” Der Initialzündung folgten ein Gespräch mit der 31-Jährigen und ihre Zusage für das Ostseerennen. “Die Idee des Baltic 500 ist eine so schöne. Dann der Einsatz von Cord und Rasmus, so stark, wie die das machen. Es wird mir eine Ehre sein, das Rennen mit Cole zu bestreiten”, sagte Mathias Müller von Blumencron.
Mit seiner J/V 43 “Red 2” könnten der Skipper und Cole Brauer bei passenden Windbedingungen auch den Streckenrekord angreifen. Die Bestmarke halten seit 2025 Lennart Burke und Melwin Fink, die an diesem Wochenende mit der Willkommensfeier im Hamburger Hafen den Schlussakt ihres Globe40-Abenteuers feierten. Mit ihrer Class40 hatten Burke und Fink den Kurs vor einem Jahr in 2 Tagen, 6 Stunden, 7 Minuten und 56 Sekunden abgaloppiert.
In diesem Jahr zählt nun “Red 2” zu jenen Geschossen im Feld, denen viel zuzutrauen ist. Das Rennen selbst hat sich seit seiner Premiere 2019 nicht laut, aber beharrlich zum beliebten Offshore-Klassiker für Zweihand-Crews entwickelt. 106 Seglerinnen und Segler zeugen mit ihren 53 Booten auf der Startliste vom Beliebtheitsgrad der anspruchsvollen Prüfung. Es sind drei mehr als das ursprünglich festgelegte Teilnehmerlimit. Der Ostsee-Marathon steuert auf eine neue Rekordbeteiligung zu.
Schon beim ersten Blick auf die Meldeliste wird deutlich, wie viel Erfahrung, Leidenschaft und Können sich für diese Herausforderung über Himmelfahrt versammeln. Die Veranstalter vermeldeten: “Mit Tim Kröger steht eine der prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Hochseesegelns am Start.” Der zweimalige Weltumsegler und America’s-Cup-Teilnehmer aus Hamburg blickt seiner Premiere entgegen.
“Cord Hall und Rasmus Töpsch hatten mit dem Baltic 500 eine super Idee. Ich habe lange schon mit einem Start geliebäugelt, aber es hat zeitlich nie gepasst. Jetzt klappt es mit einem Freund, Stefan Voss, auf dessen Achambault A 35. Ich freue mich riesig auf mein erstes Baltic 500. Endlich mal eine Zweihand-Langstrecke mit einem guten Mann an der Seite!“ Der Auftakt in der Strander Bucht wird am 14. Mai das Startssignal zu einer Herausforderung sein, die ebenso faszinierend wie fordernd ist.
Der Kurs führt seine Teilnehmer über rund 500 Seemeilen durch die abwechslungsreiche Welt der westlichen Ostsee. Es geht durch die vertrauten, aber doch immer aufs Neue schwer berechenbaren Gewässern der Kieler Förde, hinein in die engen und taktisch anspruchsvollen Passagen der dänischen Inselwelt. Es warten der Große Belt und spannende Küstenlinien, die je nach Wetterlage völlig unterschiedliche Gesichter zeigen können.
Die Route verlangt nicht nur Speed, sondern vor allem ein feines Gespür für den richtigen Moment: Wann lohnt sich der küstennahe Schlag, wann führt der Weg über offenes Wasser schneller ins Ziel? “Es sind diese Entscheidungen”, so Rasmus Töpsch, “oft getroffen in der Stille der Nacht oder unter dem Druck von aufziehenden Wettersystemen, die am Ende über Sekunden oder Stunden entscheiden können.”
Die Ostsee zeige sich dabei “traditionell unberechenbar”, so Töpsch. Schnelle Winddreher, kurze, steile Wellen und immer wieder Phasen, in denen Flaute zur Geduldsprobe wird, verlangen den Crews alles ab. Hinzu kommen die Besonderheiten der Region: enge Fahrwasser, dichter Schiffsverkehr und die Herausforderung, auch bei Dunkelheit und Erschöpfung stets die richtige Linie zu halten und die besten Entscheidungen zu treffen.
Rasmus Töpsch weiß: “Das Baltic 500 ist kein Rennen, das sich allein über Bootsspeed gewinnen lässt, auch wenn der natürlich hilft. Es ist ein Spiel aus Taktik, Ausdauer und mentaler Stärke, das sich über Tage hinweg entfaltet. Gerade darin liegt beim Blick auf die vielen Erstteilnahmen in diesem Jahr die wachsende Anziehungskraft. Das Baltic 500 spricht Menschen an, die mehr suchen als einen klassischen Wettkampf.”
Das Baltic 500 richtet sich an Seglerinnen und Segler, die die Balance zwischen sportlichem Ehrgeiz und dem Abenteuer auf See reizt.” Rasmus Töpsch
Mitgründer Rasmus Töpsch ist sicher:”Dass sich in diesem Jahr so viele Crews für den Start entschieden haben, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die den Offshore-Sport im Ostseeraum nachhaltig prägt. Die Baltic 500 schafft es, professionellen Anspruch und offene Zugänglichkeit in einer Form zu verbinden, die selten geworden ist. Wenn die Startsignale ertönen und sich die Flotte in Bewegung setzt, beginnt ein Rennen, das weit über die reine Platzierung hinausgeht.”
Das Konzept kommt an. Und der Blick auf die Meldeliste zeigt, dass in diesem Jahr bei Weitem nicht nur die Rekordjagd im Mittelpunkt steht. Die Baltic-500-Veranstalter rechnen mit “hochspannenden Rennen im Rennen”, etwa spannenden JPK-Duellen wie dem der beiden Duos Charlotte Schneider/Konrad Streit (JPK 10.30 ”Renterbandk”) und Juliane Hausmann/Jonathan Wille (JPK 10.30 “Hedda II”).
Bekannt starke Crews wie Arno Böhnert/Christian Heermann (First 36 “Salicornia”), Tobias Brinkmann/Sönke Boy (Pogo RC “MarieJo”) oder Jan Hansen/Per Cederberg mit der dänischen First 36 SE “The Beast” werden angreifen und sich voraussichtlich spannende Kämpfe liefern. Jonas Hallberg kommt mit Jonas Hiller und seiner neuen JPK 10.50 “Hinden”, die er an diesem Wochenende gerade durch den Englischen Kanal überführt.
Steffen Müller bringt seine Knierim 33 “Zephyr” mit Jens Langwasser an die Startlinie. Rikard Roth und Lars Jörnvi kommen mit der schnellen schwedischen XP 44 “Xar”. Als reines Frauen-Team sind Sonja und Hanne Jansch mit der Sea Quest 36 “Si No Fos” im Einsatz. Begeistert sind die Veranstalter auch darüber, dass mit sieben Booten ein überraschend großes Dehler-30-OD-Feld zusammengekommen ist.
Die Messlatte ist in dieser Klasse ist Powerplayer, Dauerbrenner und Instinktsegler Oliver Schmidt-Rybandt, der mit Clara Witthinrich angreift. Gut bekannte Konkurrenten sind hier Luca Mayer und Luca Leidholdt mit der “Playharder”. Die Dänen Peter und Anders Juul mischen mit “Sexy Beast” mit. Auch der Blick auf elf Yardsticker stimmt die Ausrichter froh. “Das sind so viele wie nie zuvor”, hält Rasmus Töpsch fest.
Das erste Ankündigungssignal zum Baltic 500 wird am 14. Mai um 9.55 Uhr in der Strander Bucht ertönen. Los geht es um 10 Uhr. Geschlossen wird die Ziellinie am 18. Mai um 16 Uhr, bevor am Abend im Yacht Club Strande Sieger und Finisher gefeiert werden.

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