Das Wetter war an diesem 2. Mai ein starker Verbündeter von Lennart Burke und Melwin Fink. Bei strahlendem Sonnenschein und in milder Brise brachten die beiden Globe40-Co-Skipper ihre Class40 “Meganisi” über die Elbe in den Sandtorhafen. Der Traditionsschiffhafen der Stiftung Hamburg Maritim verbindet im Herzen der Hansestadt Tradition und Moderne.
An diesem Samstag war die Moderne mit Zukunft zu Gast im 1866 eröffneten Sandtorhafen: Zwei junge Segelprofis, deren Traum von der ersten Weltumseglung zwar mit dem Salingsbruch zu früh geplatzt war, die aber trotzdem nie aufgegeben haben und das Abenteuer Weltumseglung im Globe40 2028 noch einmal angehen wollen. Mit ihrer symbolischen Schlussparade auf der Elbe, bei der sie von Familien, Freunden, Projektartnern und Fans auf Begleitbooten flankiert wurden, setzten sie jetzt das finale Ausrufenzeichen ans Ende ihres XXL-Abenteuers mit Höhenflügen und Tiefschlägen.
Die letzte Etappe des Zweihand-Rennens um die Welt hatten Lennart Burke und Melwin Fink bereits am 17. April als Dritte im Start- und Zielhafen Lorient beendet. In der Globe40-Gesamtwertung war nach einigem Tauziehen mit Jury und Wettfahrtleitung Platz acht geblieben, obwohl sich die jungen Deutschen mit ihren Auftaktleistungern trotz drei verpassten von insgesamt sieben Abschnittswertungen rechnerisch Platz sechs verdient hatten.
Die Regelwächter hatten sich mit ihrer Auffassung und Regelergänzung durchgesetzt, dass kein Boot mit verpassten Etappen im Klassement besser dastehen dürfe als eines, das alle Etappen bestritten hat. Die berechtigte Diskussion zu dieser Einschätzung ist aber Schnee von gestern. Die Globe40-Endergebnisse sind hier nachzuschauen. Der 2. Mai stand an diesem Wochenende im Zeichen zweier junger Segler, die den Globe40-Zielhafen Lorient und den Heimathafen Hamburg mit starker Nehmer- und Wiederaufstehmentalität erreicht haben.
Vor allem diesen Kampfgeist haben die Gäste der Willkommensparty in Hamburg gefeiert. Viel Beifall gab es bei der Einfahrt in den Sandtorhafen und beim Anlegen der Class40. “Das ist hier für mich viel mehr Zieleinlauf, Ankommen und Feiern als alles zuvor. Man kann alles von sich abfallen lassen”, sagte Lennart Burke auf dem Dock im Sandtorhafen, nachdem die “Meganisi” festgemacht war.
Die Menschen hier sind heute für uns gekommen. Wir sind hier in unserer Heimat. Das ist ein sehr schöner Abschluss.” Lennart Burke
Rund dreieinhalb Jahre nach dem Zusammenschluss der beiden früheren Mini-Transat-Segler zum Team Next Generation Sailing blieb zwar der Traum von der vollendeten Weltumseglung für Burke und Fink im ersten Anlauf unerreichbar. Und doch hat das Duo, das in Hamburg und Kiel die Werften Next Generation Boating und Next Generation Yachting betreibt, ein weiteres wichtiges Kapitel in der gemeinsamen Karriere unter dem Teamnamen Next Geenration Boating Around the World erhobenen Hauptes schließen können.
Was bleibt, sind die “so vielen verschiedenen Eindrücke eine solchen Rennens”, sagte Lennart Burke im Sandtorhafen. Als außergewöhnliches Revier hat sich ihm La Réunion ins Gedächtnis gebrannt. Und das gleich aus zwei Gründen: Der Finalthriller der zweiten Etappe, in dem Team Germany noch Rang zwei erobert hatte, zählte zu den sportlichen Höhepunkten des deutschen Globe40-Einsatzes. “Das bleibt für immer unvergesslich!”, sagt Lennart Burke.
Sein Team hat das Zweihand-Rennen um die Welt mit zwei zweiten und zwei dritten Rängen trotz der drei fehlenden Etappenwertungen nicht ohne Stolz beendet. “Auf der ersten Etappe hätten wir auch Erste werden können, wenn wir unseren Kite nicht verloren hätten”, erinnerte Burke an den verheißungsvollen ersten Globe40-Aufschlag der nächsten Generation im Herbst 2025.
Dazu kam die Insel La Réunion selbst, die Burke und Fink ausführlich kennenlernten – der Revierhöhepunkt ihrer Weltreise unter Segeln. “Du hast diese tolle Infrstruktur aus Europa, aber du bist trotzdem im Paradies. Die Insel ist so vielseitig. Durch die Höhenunterschiede hast Du so viel unterschiedliche Vegetation. Und dann ist da diese kulturelle Vielfalt, in der alle friedlich miteinander leben. Ein so schönes Miteinander. Es ist wirklich ein Paradies”, schwärmte Burke noch in Hamburg.
Erst 27 und 24 Jahre alt, ist mit Lennart Burke und Melwin Fink auch in Zukunft zu rechnen. Die Härten nach dem Bruch im Rigg am ersten Advent, die Reparatur-Odyssee, finanzieller Druck, der Zeitstress und die Wiederauferstehung haben aber in den vergangenen Monaten parallel zur Fernverantwortung für die eigenen beiden Werftbetriebe auch viel Kraft gefordert. “Noch ist deshalb das neue Projekt nicht angeschoben, aber wir möchten wirklich sehr gerne das Globe40 in zwei Jahren noch einmal bestreiten”, sagte Burke und huldigte damit auch der dreijährigen Segelpartnerschaft und Freundschaft mit Melwin Fink.
Sein Rückblick fällt ehrlich aus: “Wir sind total blauäugig in dieses Projekt gegangen. Wir hatten einfach die Erfahrung nicht. Auch kein Riesenbudget. Aber jetzt wissen wir, wie wir es besser machen können.” Auf diesem Kurs lebt auch der Traum vom zukünftigen Eigenbau einer Class40. Die Weichen für ein weiteres Globe40-Projekt sind gestellt.
Ob und wann der Startschuss zum Neuaufbruch fallen kann, wird die Arbeit des Teams Next Generation Boating Around the World im weiteren Jahresverlauf und 2027 zeigen. Zunächst genossen das Team und die Fans am Abend die Premiere von Teil 2 der Doku “All In Good Times” in den Hamburger Zeise Kinos, die bald auch bei YouTube zu sehen sein wird. Zu Teil 1 geht es hier.

Freie Reporterin Sport