Globe40Wiederauferstehung statt Weltumseglung – Burke/Fink im Ziel

Tatjana Pokorny

 · 17.04.2026

Glücklich und erleichtert: Lennart Burke und Melwin Fink haben am 17. April die Ziellinie der sechsten und letzten Globe40-Etappe vor Lorient passiert.
Foto: Jean-Marie Liot/Globe40
Ihr großes Ziel war die vollendete Weltumseglung im Globe40. Doch diese Hoffnungen hatte der Riggschaden auf Etappe drei nach Sydney früh platzen lassen. Aufgegeben haben Lennart Burke und Melwin Fink aber nie. Heute erreichten sie den Start- und Zielhafen Lorient als versöhnte Dritte der sechsten und letzten Etappe des Zweihandrennens um die Welt. Neue Pläne sind schon geschmiedet.

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​140 Tage haben Lennart Burke und Melwin Fink sich selbst, ihr Team Next Generation Boating Around the World und ihre Fans in Atem gehalten. Heute haben sie den Zielhafen Lorient in der Bretagne erreicht. Dort, wo der Rennstall von Boris Herrmanns Team Malizia gerade die neue “Malizia 4” finalisiert, kamen die jungen Meeresstürmer aus Hamburg am Freitag um kurz nach 17 Uhr als Etappe-Dritte ins Ziel.

Globe40: das rauschende Finale einer Mammutaufgabe

Zwei Tage zuvor hatte sich im Duell um den Gesamtsieg Team Crédit Mutuel (Frankreich) gegen Team Belgium Ocean Racing – Curium durchgesetzt. Für die jüngste Crew im Feld der acht Boote indessen blieb die Runde um die Welt dunvollendet. Ein Salingschaden hatte das Duo am 1. Advent im Indischen Ozean ausgebremst. Bis dahin lagen sie auf Platz zwei, hatten den Top-Favoriten stark Paroli geboten. Dann der Schock: er Bruch zwang sie zur Aufgabe der dritten und zwei weiterer Etappen.

Der Umkehr nach La Réunion und der Reparatur folgte die Überführung der deutschen Class40 in entgegengesetzter Richtung der Flotte via Kapstadt über den Atlantik nach Recife in Brasilien. So konnten sie die Schlussetappe noch bestreiten, das Rennen erhobenen Hauptes zu Ende bringen. Die Gesamtplatzierung fürs deutsche Team wird sich erst nach Ankunft weiterer Boote am Wochenende und der rechnerischen Umsetzung des Jury-Urteils zugunsten von Team Germany entscheiden.

Die letzten Meilen ihrer Mammutherausforderung erlebten Lennart Burke und Melwin Fink im Hoch. “Wir sind der Ziellinie mit großen Glücksgefühlen entgegen gefahren. Wir hatten eine letzte unglaubliche Nacht, sind Lorient im Schnitt mit 18 bis 20 Knoten entgegen gerauscht. Richtig krass war das!”, schwärmte der erst 24 Jahre alte Fink.

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Erst der Globe40-Höhenflug, dann der Fall und das Comeback

Zur nur teilweise geschafften Runde um die Welt sagte Fink: “Wir haben zwar ein paar Etappen auslassen müssen, doch wir sind zurückgekommen. Deswegen ist unsere Geschichte jetzt das Comeback, die Wiederauferstehung nach so einem Rückschlag.” Fink verwies auf “den verlorenen Spinnaker, den Salingbruch und auch die lange Zeit nicht gesicherte Finanzierung des Projekts”. Er erklärte: “Wir hatten viele Rückschläge, mussten aus allen diesen Momenten wieder zurückkommen.”

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Schmerzhaft war der anfängliche Höhenflug vor dem folgenden Bruch. Melwin Fink erzählt in der Filmdokumentation “All in” vom Wechselbad der Gefühle: “Nach den ersten Etappen war uns klar, dass wir dieses Rennen auch gewinnen, es aber mindestens auf dem Podium abschließen können. Diese Ziele sind uns genommen worden. Aber für uns war klar, dass wir das Rennen trotzdem aschließen wollen. Aufgeben war nie eine Option.”

So sieht es auch der 27-jährige Co-Skipper und Partner der Werftbetriebe Next Generation Boating in Hamburg und Next Generation Yacht in Kiel. Lennart Burke sagte kämpferisch: “Wir sind Melwin und Lennart. Wir geben niemals auf, stecken nie den Kopf in den Sand.” Er warf schon einen Blick in die Zukunft und sagte: “Wir werden diese offene Rechnung begleichen. Kap Hoorn wartet auf uns. Wir wollen gerne 2028 wieder ins Globe40 starten.”

Globe40-Comebackpläne für 2028

Die dann dritte Auflage des Zweihandrennens um die Welt würden Burke und Fink im Idealfall gerne mit einem Eigenbau angehen. Die Möglichkeiten dazu hätten sie in ihrem Betrieb. Die Ideen und Kontakte auch. Ein zweiter Anlauf käme für Burke wie Fink aber nur mit einer rechtzeitig und gut finanzierten Kampagne in Frage.

Wir wollen in jedem Fall nochmal ran. Aber anders. Der Aufbau einer neuen Kampagne bleibt im Fokus.” Melwin Fink

Die aktuelle Class40 wird bald schon von einer Überführungscrew nach Deutschland gebracht. Für den 2. Mai ist in Hamburg eine Willkommenfeier für das Team geplant. Zum Programm geht es hier. Hier wird die Class40 ebenso zu sehen wie vom 7. bis 9. Mai beim Ancora Yachtfestival in Neustadt. Dort wird das Boot an Steg T (Liegeplatz 19) liegen, bevor sie eine Ruhepause an Land bekommt. Lennart Burke und Melwin Fink wollen sich dann intensiv um ihre beiden Werftbetriebe kümmern, haben aber auch schon wieder sportliche Pläne.

“Wir werden jetzt erstmal mit anderen Crews auf IRC-Racern segeln: das Palermo Monte Carlo, das Rolex Middle Sea Race. Und ich werde noch das Aegean 600 mit einem Kunden zweihand segeln. Wir freuen uns auf diese Rennen, haben zur Abwechslung mal nicht so viel Verantwortung fürs Boot, können trotzdem Vollgas geben.” Im Globe40 waren Burke und Fink nach sehr guter Vorbereitung während des Rennens technisch oft auf sich gestellt und dadurch stärker belastet als andere Teams, die ihre Techniker in den Etappenhäfen hatten.

Schöne Erinnerung: die zusammengewachsene Globe40-Familie

In bester Erinnerung behalten Burke und Fink die zusammengewachsene Globe40-Segelfamilie. Melwin Fink erzählt: “Wir fanden alle Teams für sich sehr beeindruckend. Es kamen alle verstreut aus der ganzen Welt. Jeder hatte seine eigene Geschichte. Das ist beeindruckend, dass es alle so durchgezogen haben. Sehr inspirierend!”

Den besten Draht hatte Team Germany zu Les Bleus, zum “Crédit Mutuel”-Siegerteam, wie Melwin Fink gerne berichtet: “Die waren mega offen uns gegenüber. Wir haben viele Tipps von denen bekommen. Das war immer sehr cool. Sowohl vom technischen Team als auch von den Seglern.” Beim möglichen Comeback in zwei Jahren könnte das durchaus hilfreich sein.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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