Baltic 500“Red 2” führt im Ostsee-Marathon, sieben Aufgaben bislang

Tatjana Pokorny

 · 15.05.2026

Spitzenreiter nach Tag eins im Baltic 500: Mathias Müller von Blumencron und Cole Brauer auf "Red 2".
Foto: Team Red 2
48 Boote waren an Himmelfahrt ins Zweihandrennen Baltic 500 gestartet. Sieben haben in den ersten 24 Stunden aufgegeben. Die Kälte, Materialbruch oder früh geschwundene Chancen auf eine Zielankunft im Zeitlimit haben bislang mehr als ein halbes Dutzend Doublehand-Crews zum Abbruch bewogen oder gezwungen. Die verbliebenen Teams aber setzen die anspruchsvolle Langstrecke mit viel Segellust und Entschlossenheit fort.

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Die Favoriten lagen nach der ersten Nacht vorne: Mathias Müller von Blumencrons J/V 43 “Red 2” führte das Feld bei der 8. Auflage des Bltic 500 am Morgen des 15. Mai an. Mit Boris Herrmanns Co-Skipperin Cole Brauer im Einsatz, hatte sich der Hamburger Skipper bei der Einfahrt in den Öresund wie auch Wolf Scheder-Bieschin und Arnt Bruhns auf der Klassenschwester “Vineta” für den “Schweden-Call” entschieden. Beide Crews waren zwischen der kleinen Insel Saltholm und der schwedischen Westküste in den Örseund eingefahren.

Anders entschieden sich die anderen “Großen” vorne im Feld: die Shogun 50 “Fantastic 4”, die Solaris 50 “Faju” und die Pure 49 “Gorre”, die Santholm an dessen Westküste passierten. Das Beste aus der Teilung an der Spitze machte “Red 2”, die 27 Stunden nach dem Start fünf Seemeilen Vorsprung vor “Fantastic 4” mit Peter Blovig und Jakob van Ohlen und sechs Seemeilen Vorsprung vor “Vineta” hielt.

Mit Power und Spirit von Cole Brauer: “Red 2” führt im Baltic 500

Für die “Red 2”-Crew war die erste Nacht “sehr entspannt”. Mathias Müller von Blumencron sagte: “Die Nacht haben wir genutzt, um Schlaf zu tanken für die zweite Hälfte.” Die für das Baltic 500 neu formierte Crew mit Cole Brauer läuft bestens. Der Skipper sagte: “Das Zusammenspiel funktioniert super, Cole hat so viel Erfahrung, ihre Power und ihr Spirit sind beeindruckend.”

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Freude hat der “Red 2”-Eigner auch an dem bisherigen Auftritt der beiden schnellen J/V 43er: “Es ist toll zusehen, wie unsere Schiffe - ‘Vineta’ und ‘Red 2’ - performen. Schließlich sind wir ja keine nackten Racer. Die zweite Hälfte wird tough, besonders für die kleineren Schiffe.” Zu den ersten sieben Rennaufgaben sagte Mathias Müller von Blumencron zu Beginn von Tag zwei im Baltic 500: “Wir können gut verstehen, wenn man sich das nicht antun möchte.”

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Lange vor der Öresund-Passage haben vor allem die mittleren und kleineren Boote im sehr diversen Baltic-500-Feld schon im Fehmarnsund den Kürzeren gezogen. “Für das Gros der Flotte war der Fehmarnsund die Hölle. Da hat es nur die vordere Gruppe geschafft, sich vom Acker zu machen”, berichtete der zweimalige Weltumsegler Tim Kröger von seiner ersten Baltic-500-Teilnahme als Co-Skipper auf der Archambault A-35 “Om” von Stefan Voss.

Erste Zieldurchgänge für Samstagnachmittag erwartet

Die nachfolgenden Teams quälten sich unter Gennaker bei wenig Südwestwind voran, während wenige Seemeilen vor ihnen die Großen im Südostwind davongaloppierten. Das Ungemach vom Donnerstag war am Freitag aber schon wieder Schnee von gestern. Viele Boote konnten ihre Positionen konsolidieren, wenngleich die Spitze enteilt war.

Am Freitagmittag sagte Tim Kröger: “Heute morgen haben wir uns nach Klintholm bei den Kreidefelsen sehr intensiv mit dem Routing auseinandergesetzt, sind ihm gefolgt. Das sah erst nicht so gut aus, doch dann konnten wir richtig Meter machen. Das Gleiche galt noch einmal bei der Faxe-Bugt. Doch die Reise ist noch lang. Wir fahren jetzt mehr oder minder ‘straight line’ in den Öresund, weil wir die Drehung gut hingekriegt haben. Unser Routing sagt aktuell ein Finish für Sonntagnachmittag voraus.”

Schon bis zu einem Tag eher rechnet die Wettfahrtleitung mit den ersten Booten im Ziel. Aber auch die haben noch einige Hürden vor sich. Auf der in den Top-Fünf segelnden Pure 49 “Gorre” hatten sich Matthias Schernikau und Urs Kohler bei Sonnenaufgang nach der ersten Nacht gefreut. Urs Kohler sagte am frühen Freitagmorgen: “Die Sonne geht auf. Und tatsächlich kann man die anderen noch sehen. Wir sind noch immer dran! Wir haben 13 Knoten Wind und fahren schon wieder neun Knoten.”

Imoca-Segler auf einer Class40: schweres Spiel in leichten Winden

​Etwas mehr zu kämpfen hatten zuletzt die Imoca-Segler Andreas Baden und Scabolcs Weöres auf der Class 40 “Cantaloop40”. Andreas Baden notierte am Freitagmorgen in einer Nachricht von Bord: “Wir sind gerade kurz vor Kopenhagen. Seit heute Nacht haben wir ganz leichte Winde, von anderthalb bis sechs Knoten, was nicht die Stärke dieses Bootes ist.”

Das erklärte der Kieler noch genauer: “Die Class40 ist ursprünglich für Vorwind-Atlantikrennen konzipiert, dadurch haben die Boote einen relativ breiten (4.5m) Rumpf mir flachem Unterwasserschiff. Das führt gerade bei so einem leichten Wind zu einer großen wasserbenetzten Fläche und damit mehr Widerstand. Das Boot klebt also quasi bei dem leichten Wind im Wasser. Ab heute Mittag soll der Wind aber zunehmen. Dann können wir die Stärken dieses Designs ausspielen und hoffentlich wieder gut Plätze gutmachen, die wir seit heute Nacht verloren haben.”

Zuletzt lag die “Cantaloop40” nach gesegelter Zeit auf Platz zwölf einen Rang vor der Archambault A-35 “Om” von Stefan Voss und einen Platz hinter der Knierim 33 “Zephyr” mit Steffen Müller und Jens Langwasser. Auf den Plätzen sechs bis zehn hatten sich die Pogo RC “MarieJo” mit Tobias Brinkmann und Sönke Boy, die neue JPK 10.50 mit Jonas Hallberg und Jonas Hiller, die First 36 “Salicornia” mit Arno Böhnert und Christian Heermann sowie die schwedische XP-44 “Xar” mit Rikard Roth und Lars Jörnvi und die dänische First 36 SE “The Beast” mit Jan B. Hansen und Per Cederberg platziert.

Hohe Leistungsdichte im Baltic 500

Arno Böhnert hatte bereits kurz nach dem Auftakt zum Baltic 500 vom Start berichtet: “Die erste Herausforderung war, dass es dieses Jahr nur eine Startgruppe mit einem Upwind-Start gab. Fast 50 Doublehand-Schiffe an nur einer Linie mit einer 0,5 Seemeile entfernten Luvmarke – ja, das wurde voll! Sehr voll! Wir hatten bei uns so einen halben Meter Abstand zwischen den Schiffen. Es hat alles gut geklappt. Es war eigentlich ein sehr schöner Start.

Es wird sehr sportlich, aber auch sehr fair gesegelt.” Arno Böhnert

Auch Böhnert sah früh die Kälte als größte Herausforderung im Baltic 500 in diesem Jahr. Er sagte: “Es wird verdammt kalt. Das mag sich lustig anhören. Doch es gilt, über Tage die Konzentration aufrecht zu halten und das durchzustehen, um dann nochmal das Letzte aus dem Schiff und aus dir rauszuholen. Und das muss man auch tun bei der Leistungsdichte, die hier unterwegs ist.” Zur Teilnehmerliste für das Baltic 500 geht es hier.

Der erfahrene Zweihandsegler Böhnert hielt fest: “Das Baltic 500 hat sich irre entwickelt. Wenn man sich nur anschaut, wie das Feld aufgestellt ist. Wie viele Schiffe in diesem Feld das Rennen mehrfach gefahren oder auch mit neuen Schiffen angetreten und auch sonst auf sehr hohem Doublehand-Niveau unterwegs sind, dann sieht man, dass die Veranstaltung sportlich echt ernst zu nehmen ist.”

Im Baltic-500-Intensiveinsatz: alle Segel oben

Am frühen Freitagnachmittag vermeldete “Salicornia”-Co-Skipper Arno Böhnert: “Es läuft gut. Wir haben ziemlich viele Segelwechsel hinter uns. Aus unserem Segelinventar hatten wir oben: den A 1.5, A 2, A 5 , J 0, J 1, den GS und das Spinnaker-Staysail. Wir haben nicht mehr viel, was noch hochgezogen werden kann. Aber ich glaube, die beiden anderen, die wir noch haben, die kommen noch.”

Es ist auf jeden Fall ein intensives Rennen. Es macht irre Spaß! Wir haben bestes Wetter.” Arno Böhnert

An Land verfolgen die Wettfahrtleitung und die Organisatoren vom Yacht Club Strande ihr Feld ganz genau. Rasmus Töpsch sagte nach der ersten Nacht: “Das beste Zitat bislang war die Botschaft der beiden Lucas (Red.: Luca Mayer und Luca Leidholdt auf der Dehler 30OD “Play Harder”). Die haben gesagt, die erlebten Regenfronten waren ein Fiebertraum. Insgesamt hat die Kälte sicher schon einen Tribut gefordert. Das auch der zweite Mini raus ist, ist schade, aber nachvollziehbar. Die hatten zu wenig Druck in der Hütte.”

Die Aussage bezieht sich darauf, dass das Zeitlimit für das Baltic 500 am 18. Mai um 12 Uhr abläuft und die kleinsten Boote im Feld nur geringe Chancen hatten, den Kurs im vorgegebenen Zeitrahmen zu schaffen. Eine besondere Erwähnung, so Baltic-500-Mitgründer Rasmus Töpsch, verdiene die “Hedda II”. Auf der JPK 10.30 liefere das Mixed-Team Juliane Hausmann (Spiekerooger Segelclub) und Jonathan Wille (Blankeneser Segel-Club) einen guten Kampf. Bis zur Aufgabe von Charlotte Schneider und Konrad Streit auf der Klassenschwester “Renterbank”, so Töpsch, “haben sich die beiden Boote auch schön beharkt”.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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