Baltic 500Zweihand-Härtetest – ”Der Feind aller wird die Kälte sein”

Tatjana Pokorny

 · 14.05.2026

Das längste Boot im Baltic 500 zog am Start zunächst schnell weg: die Shogun 50 "Fantastic 4" mit Peter Bolvig und Jakob van Ohlen.
Foto: Baltic 500
Am Morgen noch strahlend blauer Himmel, traumhafte sattgelbe Rapsfelder ringsherum, eine herrliche Brise in der Strander Bucht und viele namhafte Offshore-Asse im Einsatz: Das Baltic 500 hat am Himmelfahrtstag verheißungsvoll begonnen. Doch hält diese achte Edition des deutschen Zweihandklassikers von und nach Strande für seine Herausforderer auch eine ganz andere Seite des Seesegelsports bereit: es wird windig und vor allem bitterkalt!

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Die achte Auflage des Baltic 500 ist gestartet. Am Vatertagsmorgen ging es um 10 Uhr für 48 Boote und ihre Zweihand-Crews auf den 500-Seemeilen-Kurs. Wer den Start beobachtet hat, wird nicht gleich an XL-Herausforderungen gedacht haben. Es ging vergleichsweise sanft und mit viel Vorfreude an Bord der ganz unterschiedlichen Boote los in der Strander Bucht.

Kältetest für 96 Aktive

Was die achte Auflage des inzwischen zum Klassiker gereiften Rennens besonders machen wird? “Es wird auf jeden Fall ein Kältetest”, sagt Co-Veranstalter Rasmus Töpsch, der das Baltic 500 einst mit Cord Hall ersonnen hat und mit dem Team vom Yacht Club Strande (YCS) ausrichtet. Ins Rennen geschickt haben Wettfahrtleiter Cord Hall und sein Team die Flotte in diesem Jahr zur anfänglichen Entzerrung des Feldes zunächst auf eine halbe Meile Kreuz.

Nach der Meldung einer Reihe namhafter Crews wie Mathias Müller von Blumencron mit Boris Herrmanns Co-Skipperin Cole Brauer auf der J/V 43 “Red 2”, haben sich für die Flotte auch noch Last-Minute-Änderungen ergeben. Sehr kurzfristig ist Imoca-Segler Andreas Baden für den verletzten Sebastian Ropohl auf dessen Class 40 “Cantaloop 40” eingesprungen. Badens Imoca-Klassenfreund Szabolcs Weöres kam noch dazu.

Die Kälte wird die größte Challenge sein.” Mathias Müller von Blumencron

Andreas Baden berichtete: “Ich durfte kurzerhand eine Class40 übernehmen, weil der Skipper verletzungsbedingt ausgefallen ist. Montagmorgen hat Szabi seine Teilnahme bestätigt. Dienstag haben wir das Boot geholt. Und jetzt ist Start. Die größte Herausforderung für uns wird es sein, das Boot heil über den Parcours zu kriegen. Das sollte machbar sein. Es soll ein gutes Rennen mit gutem Wind werden. Das Routing sagt: 2 Tage, 12 Stunden.”

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Baden ist wie Weöres erstmals im Baltic-500-Einsatz. Das Rennen führt die Flotte via Fehmarnbelt, nach Kopenhagen hoch, einmal rund um Anholt und dann an Langeland entlang zurück nach Kiel. Baden, der nach wie vor für eine eigene Imoca-Kampagne wirbt, sagt: “Ich kenne das Revier gut von anderen Regatten. Wir freuen uns, so ein schönes Schiff zu haben. Es tut mir für Sebastian natürlich irre leid. Wir sind sehr motiviert und werden ein paar schöne Race-Tage haben.”

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Dreikampf um die Line Honours im Baltic 500?

Mit Arnt Bruhns ist inzwischen auch der frühere Whitbread-Weltumsegler und Mitstreiter von Wolf Scheder-Bieschin auf dessen “Red 2”-Schwesterschiff “Vineta” bekannt. Die beiden Racer sind als Co-Favoriten auf die Line Honours gestartet. Im Kampf um die schnellste gesegelte Zeit ist aber auch stark mit der noch längeren dänischen Shogun 50 “Fantastic 4” zu rechnen. Peter Bolvig und Jakob von Ohlen haben zum Auftakt zunächst schnell die Führung übernommen.

Im Feld von sechs Dehler 30OD werden Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich auf “Power Play” die Messlatte sein. Siehe auch unsere Vorschau. So lief es dann auch gleich nach dem Start. Knapp hinter ihnen eröffneten Luca Meyer und Luca Leidholdt auf “Play Harder” das Baltic 500 als Zweite ihrer Division. Spannend wird es im Kampf um den berechneten ORC-Sieg zugehen. Da dürften die Entscheidungen erst im weiteren Rennverlauf fallen.

Hier zählt Jonas Hallbergs neue, gerade erst überführte JPK 10.50 “Hinden” zu den Co-Favoriten. Der Skipper segelt sie im Baltic 500 mit Jonas Hiller. Zu hören war etwa, dass die JPK 10.50 laut Messbrief nur etwa ein Prozent schneller sein muss als eine Dehler 30OD. Die für den gastgebenden Yacht Club Strande segelnde JPK 10.50 wird schwer zu schlagen sein. Andererseits sind Jonas und Jonas mit dem neuen Boot erstmals im Regattaeinsatz.

Knackiges Segelvergnügen und als Feind die Kälte

“Vor uns liegen eigentlich ganz tolle Segelbedingungen. Wir sollten in einem System mit Winden aus Süd- oder Südwest bleiben, mal bei zehn oder auch mal bis 30 Knoten. Der Feind für alle wird die Kälte sein. Nachts geht es auf drei bis sechs Grad runter”, sagte “Om”-Skipper Stefan Voss, der das Rennen mit dem zweimaligen Weltumsegler und America’s-Cup-Teilnehmer Tim Kröger vom Norddeutschen Regatta Verein bestreitet. Die Archambault 35 von Stefan Voss wurde 2008 gebaut und startet für den Yachtclub Lanballigau.

Ihre Crew weiß, was Tim Kröger sagt: “Die JPKs und andere werden uns downwind entfleuchen, am Ende des Tages könnten wir mit guter Abwind-Performance konsolidieren.” Auch Kröger hält fest: “Es geht gegen den Uhrzeigersinn über die volle Distanz. Wir segeln Richtung Fehmarnsund und durch den Öresund nach Kopenhagen. Dann rund Læsø und zurück durch den Großen Belt bei voraussichtlich relativ viel Wind auf die Nase, wenn es wieder nach Süden geht. Und sehr viel Strom gegenan…”

Erst kommt der Spaßfaktor, dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Faktor Mensch wird auf dem heftigeren Rückweg mitentscheidend sein.” Tim Kröger

Wie ehrgeizig die Flotte das Baltic 500 eröffnet hat, war am Start zu sehen. Lagen bei der Premiere 2019 noch Minuten zwischen den unterschiedlich ehrgeizigen Startern, so ging es an diesem Vatertag doch deutlich enger zu. “Bewundernswert finde ich, dass sich auch zwei Minis ins Rennen trauen”, sagte Rennleiter Cord Hall kurz nach dem gelungenen Auftakt ohne Frühstarter. Abgerechnet aber wird erst im Ziel das die meisten Teams zwischen Samstagabend und Sonntag erreichen sollten.

Rückblick aufs Baltic 500 im vergangenen Jahr, als Melwin Fink und Lennart Burke mit 2 Tagen, 6 Stunden, 7 Minuten und 56 Sekunden einen neuen Rennrekord aufgestellt hatten:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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