Baltic 500“Auf der Ostsee roch es nach Southern Ocean”

Tatjana Pokorny

 · 17.05.2026

Mathias Müller von Blumencron und Cole Brauer holten mit der J/V 43 "Red 2" die Line Honours im 8. Baltic 500.
Foto: Baltic 500
Die ersten beiden Boote im Baltic-500-Ziel haben die Nacht zum Tag gemacht: Die beiden J/V 43er “Red 2” und “Vineta” passierten die Linie vor Strande am sehr frühen Sonntagmorgen. Es folgte die Pure 49 “Gorre”. Beste Chancen auf den Gesamtsieg hat die neue JPK 10.50 “Hinden”, die am Sonntagvormittag als viertes Boote im Start- und Zielhafen Strande ankam.

Themen in diesem Artikel

Im Ostsee-Marathon Baltic 500 gibt es keine Gnade für Wettfahrtleitung oder Segler. Im Finale der 500-Seemeilen-Langstrecke wurde die Nacht zum Tag gemacht, als das First Ship Home am 17. Mai um 2.38 Uhr die Linie passierte. Mathias Müller von Blumencron und Cole Brauer trieben die J/V 43 “Red 2” im Dunkeln in Ziel.

Schon um 3.01 Uhr folgte ihr Schwesterschiff “Vineta” mit den befreundeten Wolf Scheder-Bieschin und Arnt Bruhns. Drei der vier ersten Segler im Ziel waren für den Norddeutschen Regatta Verein im Einsatz. Cole Brauer startet für den New York Yacht Club. Das Trio der schnellsten drei Finisher bei dieser achten Edition machte um 7.41 Uhr die Pure 49 “Gorre” mit Matthias Schernikau und Urs Kohler komplett.

Baltic 500: ruppige zweite Halbzeit im Ostseerennen

“Es roch auf der Ostsee nach Southern Ocean”, hielt Cole Brauer nach ihrer Baltic-500-Premiere lächelnd fest. Die amerikanische Class40-Weltumseglerin und Co-Skipperin von Boris Herrmann im Team Malizia hat zum ersten Mal an der Ostsee-Zweihandprüfung teilgenommen. Ihre Beschreibung entsprach den erlebten, vor allem auf dem Rückweg teilweise arg ruppigen Ostsee-Bedingungen.

Ein unendliches Gerumpel. Wir hoffen, dass uns das Schiff nicht auseinanderbricht.” Mathias Müller von Blumencron

Zu Belohnung für die gemeisterten Strapazen servierte das hochengagierte Veranstalterteam vom Yacht Club Strande den eingetroffenen Teams mitten in der Nacht ein warmes Chilli, während sich die Verfolger auf See noch dem Start- und Zielhafen entgegenkämpften und um jede Meile rangen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Nach dem Zieldurchgang der Pure 49 “Gorre” kam am Vormittag auch die Rakete des Rennens angestoben. Jonas Hallberg und Jonas Hiller sind mit ihrer neuen JPK 10.50 die Top-Favoriten auf den Sieg in der ORC-Gesamtwertung. “Die JPK ist wie von einem anderen Stern”, hatte während des Rennens nicht nur “Salicornia”-Co-Skipper Arno Böhnert beeindruckt festgehalten.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Man hat es schon im Cap Martinique und auch vorher gesehen: die JPK 10.50 ist eine Macht.” Cord Hall

Kein Wunder, dass “Hinden”-Eigner und Skipper Jonas Hallberg das Rennen mit “super viel Spaß” genoss. Auch seine Crew hatte der Kälte in diesem Rennen zu trotzen. “Die ersten Nächte war es noch gar nicht so kalt. Kalt ist es erst geworden, als wir ab Læsø auf die Kreuz gegangen sind. Da mussten auch wir dann auch mal Handschuhe und sowas anziehen.”

Erst Downwind-Genuss, dann Gewitter bei Læsø

Ohne Bordheizung unterwegs, behalf sich das ehrgeizige JPK-Duo anders, wie Hallberg schon zu Beginn der zweiten Rennhalbzeit berichtet hatte: “Wir versuchen immer regelmäßig die Batterien zu laden. Dann wird der Motor realitv warm. Das hält im Schiff so ein bisschen vor und funktioniert ganz gut als Heizungsersatz.”

Den Rennverlauf hatte Jonas Hallberg in der zweiten Hälfte der Zweihandprüfung so beschrieben: “Bis Læsø war ganz, ganz viel Downwind mit dem A2. Das hat super Spaß gemacht gegen die Pogo RC. Das war die ganze Zeit ein tolles Kopf-an-Kopf-Rennen. Kurz vor Læsø haben wir dann ein bisschen dumm aus der Wäsche geschaut. Da waren zwei relativ große Gewitterzellen. Aber zum Glück konnten wir zwischendurchmanövrieren. Das ging ganz gut.”

Zur seiner neuen, gerade erst nach Deutschland überführten JPK 10.15 sagte Jonas Hallberg: “Ich bin erstaunt, wie gut das neue Boot vor allem im Vergleich auch zu den anderen Schiffen auf der Kreuz performt. Wir sind selbst auch überrascht, freuen uns, dass es so gut fährt. Alles in allem: Wir sind hier sehr zufrieden, die Stimmung ist gut, wir geben weiterhin Gas.” Die “Hinden” – stark gesegelt und mit starkem Rennwert unterwegs – wird nach ORC voraussichtlich von keiner ihrer Verfolgerinnen zu schlagen sein. Hier geht es zum Tracking des laufenden Baltic 500.

Baltic 500: Verneigung vor allen Finishern

Baltic-500-Mitgründer und Renndirektor Cord Hall zog am Sonntagmorgen eine erste kurze Zwischenbilanz, sagte: “Ich bin hart beeindruckt, dass die hinteren Boote es so eisenhart durchziehen. Das ist wirklich aller Ehren wert!” Am Sonntagmorgen deutete alles darauf hin, dass 30 der ursprünglich 47 gestarteten Boote das Ziel erreichen können. “Es war kalt, windig und hat wohl auch ordentlich gescheppert. Es war wohl nicht einfach”, fasste Cord Hall die Reaktionen der Crews zusammen, die er von See empfangen hat.

Gleichzeitig stellten die Veranstalter fest, “dass sich offenbar viele Leute in diesem Jahr mit der Zeitplnung verzockt haben”. Das war auch daran zu erkennen, dass eine Reihe von Crews das Rennen ohne akute Not abgebrochen haben, weil die gut 500 Seemeilen dann doch deutlich mehr Zeit in Anspruch nahmen als sie sich hatten vorstellen können – oder wollen.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta