Liebe Leserinnen und Leser,
bald ist wieder Kieler Woche, und als Wahl-Kieler habe ich ein bisschen Bammel. Nicht vor dem Millionenpublikum, das in Kiels Straßen Europas größtes Volksfest feiert, auch nicht vor dem Segelmeer, in das sich die Kieler Förde verwandelt. Ich gehöre zur Gruppe derer, die sich über diese Abwechslung freuen – über kostenlose Konzerte, Live-Übertragungen der Regatten, den Flair und das finnische Bier auf dem internationalen Markt.
Mein Problem ist anderer Natur: Mein Segelboot liegt im Olympiahafen Schilksee, dem Epizentrum des seglerischen Rummels. Tausende Boote, Jollen, Kielboote und die dazugehörigen Ribs fluten tagelang den Sportboothafen. Dafür braucht es Platz, und ich gehöre zu jenen Auserwählten, die während der zehn Tage ihren Dauerliegeplatz räumen müssen.
Man kann das blöd finden. Schließlich zahlt man die reguläre Miete und muss zusätzlich den Aufwand betreiben, das Boot zu verholen. Einen halben Tag hin, einen halben Tag zurück. Aber ehrlich gesagt stört mich das nicht.
Fairerweise muss man nämlich sagen: Diese Regelung wurde frühzeitig kommuniziert. Nicht nur zu Saisonbeginn, sondern schon beim Vertragsabschluss Anfang des Jahres. Man könnte sagen: Man weiß ja, worauf man sich einlässt.
Das war im Winter. Seither sind Monate vergangen. Und schon seit Wochen stehen diese Schilder unübersehbar auf dem Vorplatz des Olympiahafens. In roten Lettern kündigen sie die Vorbereitungen an und ab wann man wo die Parkplätze nicht mehr nutzen kann. „Achja, ist ja bald wieder Kieler Woche", denke ich – und schon Millisekunden später ist das Thema in den Weiten meines Hirns verschwunden.
Doch nun wurde es ernst. Mich auf einen schönen Törn nach Feierabend freuend, fuhr ich auf meinen angestammten Parkplatz. Und wie sollte es rund eineinhalb Wochen vor Eröffnung sein: Er war gesperrt. „Mist", entfuhr es mir, „ist ja bald wieder Kieler Woche." Und plötzlich war es wieder da, dieses bislang erfolgreich ignorierte To-do: Ich muss ja noch meinen Liegeplatz räumen!
Aber wohin? Auch darauf hat mein Vertrag eine Antwort. Es liegt in meiner Verantwortung, mich darum zu kümmern. Im Winter war es noch so leicht zu sagen: Kein Problem. Nun stelle ich mir erneut die Frage nach dem Wohin.
Doch auch hier gibt es eine eingespielte Praxis. Schließlich ist das Thema nicht neu. Seit Mai kann man sich beim Hafenmeister auf einer Liste eintragen – Boot, Name, Telefonnummer. Sollte im Einzugsgebiet der Sporthafen GmbH während der Zeit ein passender Platz frei sein, meldet man sich.
Ein super Service, der im letzten Jahr auch einwandfrei geklappt hat. Zwei Wochen vor dem Stichtag bekam ich den Anruf, und so ging es nach Wellingdorf. Das Fazit: Netter Hafen, nette Leute und wieder eine neue Ecke von Kiel kennengelernt.
Doch bald bricht die letzte Woche an, bevor ich räumen muss, und der erhoffte Anruf blieb bislang aus. Ich warte also weiter, werfe bange Blicke auf den Kalender, während innerlich der Druck wächst: Wird es in diesem Jahr klappen? Was, wenn nicht? Wo gehe ich dann hin? Kiel ist voll, Eckernförde weit weg und Maasholm schlecht mit den Öffis zu erreichen.
Doch auch hier gilt am Ende: Ruhig Blut mit den jungen Pferden. Auf die Hafenverwaltung ist Verlass. Heute Morgen kam der Anruf. Endlich! Es geht nach Stickenhörn. Super, denke ich, dort wollte ich schon immer mal liegen. Und so schnell, wie die Sorgen aufzogen, sind sie wieder vergangen. Was bleibt, ist die Vorfreude – schließlich ist endlich wieder Kieler Woche!
Fabian Boerger
YACHT-Redakteur
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