Unije gehört zum Archipel rund um Lošinj und ist bei Seglern als ruhige Ankerdestination bekannt. In der Nacht zum 19. Juli wurde die Potkujni-Bucht jedoch zum Schauplatz einer Massenhavarie. Gegen 3:45 Uhr zog nach Augenzeugenberichten eine Nevera aus Nordwest über die Bucht, die Böen von bis zu 60 Knoten brachte. Innerhalb von Minuten rissen demnach Bojen aus dem Ankergrund, Anker hielten nicht. Mindestens ein Katamaran und ein Segelboot gerieten auf Felsen, in Augenzeugenberichten ist von vielen weiteren Booten die Rede. Wie viele Boote insgesamt betroffen sind, ist nach aktuellem Stand nicht bestätigt.
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die Nevera ist ein für die kroatische Adria typisches Phänomen: ein thermisch ausgelöster Gewitterwirbelsturm, der schlagartig und lokal kaum vorhersagbar einsetzt. Er kommt stets aus westlicher Richtung und erreicht in seiner Kernspur Windgeschwindigkeiten bis in den Orkanbereich, dauert aber meist nur 15 bis 45 Minuten. Wer eine solche Front an Bord erlebt hat, beschreibt das Einsetzen als beinahe augenblicklich – was Ankerwachen und eine vorbereitete Crew umso entscheidender macht, wie eine Nevera mit 60 Knoten in Kroatien zeigt, den ein Seglerpaar im Sommer 2025 vor Rovinj erlebte.
Bewohner der Insel halfen der betroffenen Crews laut übereinstimmenden Berichten in der Nacht, Verletzte sind aus der Bucht bislang nicht gemeldet.
Unabhängig von den Ereignissen auf Unije geriet südlich von Kap Kamenjak eine Segelyacht mit österreichischer Besatzung in Seenot und erlitt Schiffbruch. Drei Personen wechselten nach vorliegenden Berichten auf eine Rettungsinsel und wurden anschließend geborgen. Ob der Vorfall in direktem Zusammenhang mit dem Sturmsystem der Nacht steht, ist noch nicht offiziell bestätigt. Die Yacht sollte abgeschleppt werden.
An Land richtete das Unwetter auf Lošinj und in der Umgebung von Nerezine erhebliche Schäden an. Campingplätze wurden verwüstet, Bäume entwurzelt. Zur Zahl der Verletzten an Land liegen noch keine abschließenden amtlichen Angaben vor.
Ankerbuchten im kroatischen Inselgebiet bieten oft kaum Schutz vor westlichen Winden. Dreht der Wind auf eine auflandige Richtung und reißt dabei Bojen oder Anker aus, wird selbst eine vermeintlich sichere Bucht zur Falle – wie Strandungen auf Legerwall entstehen und wie sie sich vermeiden lassen, erklärt ein Ratgeber auf yacht.de.
Für die Sommersaison 2026 gilt: Die Wetterlage in der Kvarner Bucht und entlang der dalmatinischen Küste sollte auch bei stabilen Hochdruckwetterlagen täglich neu bewertet werden. Die Nevera kündigt sich in Standardwettermodellen oft nur unzuverlässig an.
Wart ihr in dieser Nacht in der Kvarner Bucht auf dem Wasser oder habt ihr die Schäden vor Ort gesehen? Berichtet in den Kommentaren von euren Erfahrungen.

Chefredakteur Digital
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.