Liebe Leserinnen und Leser,
das Überqueren des Atlantiks steht auf der Bucket List von vielen Seglern – auf meiner auch. Diesen Sommer werde ich zum ersten Mal über den Großen Teich segeln. Zusammen mit meinem Bruder. Ein Abenteuer, auf das ich mich riesig freue. Neben der grandiosen Natur, Zeit für Gespräche, eigene Gedanken und ganz viel Ruhe!
Ende Februar berichteten wir über den Start der Webserie „Mission Unknown: Atlantik“. Worum es dabei geht? Zehn Influencer um Jens „Knossi“ Knossalla segeln von den Kapverden in die Karibik. Auf zwei Booten in einer Art Wettfahrt. Der Teaser dazu reichte eigentlich schon aus, um dieses Reality-Trash-TV-Format zu verstehen und sofort zu versenken: aufgeblasene Dramatik, Geschrei und Kotzerei.
In einem Anflug von Langeweile habe ich es dann doch gewagt und einfach mal eingeschaltet. Vielleicht ist es ja wider Erwarten amüsant?
Meine persönliche Zusammenfassung: Auf Toyota-Pick-Ups, wie man sie aus den Bürgerkriegsszenarien dieser Welt kennt, werden die aufgedrehten Influencer zum Hafen in Mindelo verholt. Mit dabei sind „Affe auf Bike“, ein durchtätowierter „Willy Whey“ und ein Sprössling der Kelly Family. Alle lebenden Legenden in Zeiten von Internet und Reality-TV.
Bevor es auf die Boote geht, werden die Smartphones eingesammelt. Dafür gibt es für jede Person eine Action-Cam, um pausenlos filmen zu können. Jede Emotion soll schließlich eingefangen werden!
Bei der Vorstellung der Regeln für die Zuschauer (u. a. muss die Kraft des Windes genutzt werden) wird ein offensichtlich KI-generiertes Segelboot eingeblendet. Das Groß inklusive Baum ersetzt dabei das Vorsegel. Passatbesegelung mal anders, man lernt nie aus.
Der erste Segeltag beginnt mit Erbrechen und endet auch so. Der nächste ebenfalls. Jeder Auswurf wird gnadenlos gefilmt und auch tontechnisch bestens dokumentiert. Diese endlosen Szenen erinnern an die Surströmming-Verköstigungs-Videos auf YouTube. Je mehr gebrochen und gewürgt wird, desto heldenhafter die sich aufopfernden Protagonisten. Man freut sich regelrecht auf die Werbepausen. Ob sich Ben & Jerrys mit ihrem Eis inklusive Brownie-Stückchen im Nachhinein gut repräsentiert fühlen, ist allerdings fraglich.
Viel mehr passiert tatsächlich nicht. Ok, einmal bricht ein Schäkel oder es wird ein klitzekleines Loch im Segel entdeckt. Und „Knossi“ berichtet ernsthaft davon, wie er das erste Mal auf einem Schiff Stuhlgang verspürt. „Brutaler Wahnsinn“, „geisteskrank“, „Atlantik Du Wi(x)er“ … Freunde des vulgären Sprachgebrauchs kommen auf ihre Kosten. Der einzige Lichtblick ist eine junge Surferin, die den Törn sichtlich genießt und dabei auch sympathisch rüberkommt. Ansonsten Fremdschämen pur.
Mit zwei professionellen Skippern und einem „Onboard-Reporter” drängen sich je acht Personen auf die 44-Fuß-Yachten. Das ist in der Tat recht eng und mich würden keine zehn Pferde auf eines der beiden Schiffe kriegen. Wenn die Crews es tatsächlich bis nach Martinique schaffen, ohne dem Wahnsinn zu verfallen, dann wäre das tatsächlich eine Leistung.
Als sich irgendein blasser Influencer mal wieder die Frage stellt, warum er sich das eigentlich antut, gebe ich die Frage direkt an mich weiter und beende das Experiment. Aus. „Mission: Abgebrochen“
Fazit: Ich habe noch nie etwas abtörnenderes mit Segelbezug gesehen. Kein Nichtsegler wird sich je davon inspirieren lassen. Das ist gewollte Anti-Werbung für den Segelsport. Aber alles fein, denn Leute, die so etwas abfeiern, will ich nicht auf dem Wasser treffen - egal ob Atlantik oder Steinhuder Meer.
YACHT-Redakteur
Erst der Foil-Schaden, dann gebrochene Rumpfverstärkungen und nun ein Riss im Großsegel. Zwei neue Videos zeigen, wie Team Malizia den IMOCA vor der Route du Rhum repariert und weiterentwickelt.
Die Unterelbe verschlickt, Zeitfenster schrumpfen und Häfen werden schwer erreichbar. Mit flachen Booten und selbst gebauten Schlickmaschinen kämpfen Segler um ihr Revier.
Ein Drehflügelpropeller, der die Steigung während der Fahrt selbst verändert: Was Max Props Modell Max Bianchi beim Motoren und Motorsegeln leisten soll.
Seit mehr als 40 Jahren segelt die „Thor Heyerdahl“ durch die Weltmeere. YACHT-Redakteur Fabian Boerger erklärt, warum das Traditionsschiff relevant ist.
Ein Rettungsschwimmer befreit einen Segler aus einer teilweise überfluteten Yacht vor Kalifornien. Warum die Hurrikansaison 2026 zwischen Atlantik und Pazifik so unterschiedlich verläuft.
Fünf Blauwasseryachten, fünf Konzepte: Boréal 56, Kraken 58, Pure 49, Stem 50 und Breehorn 55 zeigen ihre Stärken und Schwächen auf Langfahrt.
Die Pegelstände im Zürichsee liegen unter dem bisherigen Niedrigwasserrekord. Weil seine Segelyacht im flachen Wasser festzusitzen und zu kippen drohte, ließ ein 65-jähriger Eigner sein Boot mit einem Helikopter ausfliegen. Die Aktion kostete rund 2000 Franken zeigt, wie sehr der außergewöhnlich niedrige Wasserstand die Schifffahrt inzwischen beeinträchtigt.
Erneut schlagen Diebe am Wieltsee zu: Sie entwenden zwei Boote und demontieren schwere Außenbordmotoren. Es ist bereits der vierte Vorfall innerhalb von drei Monaten.
Schmale Taille, Mahagonirumpf und elegante Überhänge: Die von Olle Enderlein entworfene Arietta 31 setzt auf ausgewogene Linien und Seetüchtigkeit statt auf maximalen Wohnraum. Als Vorläufer späterer skandinavischer Fahrtenboote ist sie heute ein interessanter Klassiker für Segler, die ein traditionelles, kompaktes Fahrtenboot suchen.
Pilothouse, Teakholzausbau und ein ungewöhnlich gut zugänglicher Technikkanal: So funktioniert die Breehorn 55 unter Deck und diese Kompromisse bleiben.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.