Liebe Leserinnen und Leser,
der Austausch mit Ihnen und der Branche ist nirgendwo intensiver, ehrlicher und direkter als auf einer Messe. Rund eine Woche nachdem die boot Düsseldorf ihre Pforten geschlossen hat, ist es an der Zeit, auf die neun Tage in der Rheinmetropole zurückzublicken.
Es bleibt ein positives Gefühl und es wirkt, als wäre der Sturm vorbei. Nach zwei Jahren, in denen die Branche wie ein Boot in der Dünung stampfte, atmet sie wieder durch. Doch wir müssen ehrlich sein – es ist kein rasanter SailGP-Start ins Goldene Zeitalter, sondern eher ein vorsichtiges Kräftesammeln. Die positive Stimmung, die in vielen Hallen – und nicht nur von mir - zu spüren war, lässt sich anhand des aktuellen Konjunkturbarometers des Verbands der Maritimen Wirtschaft (VMWD) und basierend auf Messe-Echos gut einordnen.
Für das Branchen-Barometer stellt der VMWD zahlreichen Unternehmen 18 Fragen zu Umsatz, Auftragslage, Verkaufspreisen und Trends. Für 2025 zeigt es: Stabilisierung! Die Gesamtwirtschaft mag holpern (Deutschlands BIP-Wachstum bei mageren 0,2 Prozent in 2025, aktuelle Prognosen für das BIP-Wachstum 2026 variieren je nach Institut zwischen etwa 0,8% und 1,5%), doch wir auf dem Wasser erholen uns.
Konkret: 38 Prozent der Unternehmen sehen ihre Lage stabil – ein Sprung von 24 Prozent im Vorjahr. Negative Meldungen sind geschrumpft, und der vorsichtige Aufwärtstrend fühlt sich echt an. Für mich als Industrie-Insider bedeutet das: Die Wassersportbranche ist resilient.
Woran das liegt? Das Geld ist vorhanden und investitionsstarke Kunden kehren zurück, besonders bei mittleren und großen Neubauten. Der Umsatz der Branche liegt bei beeindruckenden 6,3 Milliarden Euro jährlich – von Booten über Liegeplätze bis Charter.
Der Markt für gebrauchte Boote bleibt ebenfalls ein wichtiger Pfeiler. Bemerkenswert: Bei großen Segelyachten berichteten mehr als 30 Prozent der Händler von steigenden Umsätzen. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die sofortige Verfügbarkeit, die günstigeren Preise und der Vorteil, dass Käufer sich weder mit langen Lieferzeiten noch mit steigenden Kosten auseinandersetzen müssen.
Nun zur Messe – einer meiner Event-Höhepunkte des Jahres! Über 200.000 Besucher aus 110 Ländern, 1.500 Aussteller aus 68 Nationen, 1.000 Boote in den Hallen. Schnöde Zahlen, die sich jedoch erleben ließen. Besonders in den Segelboothallen 15 und 16 war es an den Wochenenden beeindruckend voll. „Wir hatten jeden Tag lange Schlangen von Interessenten vor unseren Booten, die zum Teil bis zu eine Stunde warten mussten, bis sie an Bord kamen“, erzählte Bavaria Yachts-Geschäftsführer Norbert Leifeld zufrieden nach den ersten vier Tagen.
Auch Maxim Neumann, Vice President bei Hanse Yachts zieht eine positive Bilanz. Nach zwei Jahren boot-Düsseldorf-Pause, stellte die Werft aus Greifswald wieder in Halle 16 aus. Lange Schlangen vor den ausgestellten Modellen zeugten vom großen Interesse der Messebesucher. „Wir haben dieses Jahr unser Flaggschiff Hanse 590, sowie die Hanse 460 und Hanse 360 mit nach Düsseldorf gebracht. Insgesamt sehen wir eine langsame, aber spürbare Stabilisierung des Marktes und blicken optimistisch auf die Saison 2026.“
Für Bootsenthusiasten wie mich besonders schön: Es gab eine aufregende Auswahl neuer Yachtmodelle und herausragenden Bootsbau zu sehen. Gleich zwei deutsche Werften – Woy Yachts von der Schlei und Pure Yachts aus Kiel – sicherten sich in ihren Kategorien den Bootsbau-Oscar „European Yacht of the Year“. Weiter so!
Neben den rein wirtschaftlichen Zahlen beobachtet der VMWD auch die demografische Entwicklung und behält die privat genutzten Boote im Blick. Den Zahlen des Verbandes nach ist das Durchschnittsalter der Bootseigner (Motor und Segel) seit 2015 um mehr als zwei Jahre auf über 62 Jahre gestiegen. Und die Zahl der von Privatpersonen genutzten Schiffe sank innerhalb eines Jahrzehnts auf rund 440.000, was einem Rückgang von etwa 40.000 entspricht.
Die Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte wird also sein, unseren Nachwuchs für den Wassersport zu begeistern. Wer in jungen Jahren die Begeisterung fürs Segeln und das Leben auf dem Wasser erlebt, bleibt meist dabei. Dabei helfen kann die richtige Ausbildung, Schleswig-Holstein macht’s vor: In einigen Landkreisen gehen Schulklassen segeln und Kids lernen den Spaß auf dem Wasser kennen. Eine wunderbare Vorstellung: Kinder an der Pinne, statt vor dem Bildschirm!
Martin Hager
YACHT-Chefredakteur
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