European Yacht of the Year 2027Sieben Nominierte zwischen Scow und Fahrtenkat

Jochen Rieker

 · 02.09.2026

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Die Kandidaten zwischen 11,50 und 15 Meter.
Foto: KI-generiert
​Sieben der Nominierten für den European Yacht of the Year 2027 Award messen zwischen 11,50 und 15 Meter. In diesem Feld trifft eine radikale Carbon-Scow mit C-Foils auf einen klassischen Seriencruiser, eine Aluminium-Blauwasseryacht und vier sehr unterschiedliche Fahrtenkatamarane.

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Auf dem Papier liegen diese sieben Kandidaten eng beieinander. Zwischen der kürzesten und der längsten Yacht stecken gerade einmal drei Meter. Trotzdem könnte die Gruppe beim European Yacht of the Year 2027 Award kaum unterschiedlicher ausfallen. Die „Skaw A“ überträgt Foiltechnik aus dem Hochseeregattasport auf eine luxuriöse Fahrtenyacht. Mit der „Sun Odyssey 455“ hält eine klassische Großserienyacht dagegen, während gleich vier Katamarane um den besten Kompromiss aus Wohnraum, Komfort und Segelleistung ringen.

Die Einteilung nach Rumpflänge dient vorerst nur der Übersicht. Welche Yachten später tatsächlich gegeneinander antreten, legt die Jury nach den gemeinsamen Testfahrten fest. Der erste Teil widmet sich den kompakten Kandidaten, im dritten folgen die größten Nominierten dieses Jahrgangs.


Skaw A: Eine Fahrtenyacht sprengt die Maßstäbe

Tourensegeln im Highspeed-Modus. In voller Fahrt sollen Geschwindigkeiten von über 20 Knoten möglich sein.
Foto: Skaw Sailing
Länge 11,95 m; Breite 4,87 m; Tiefgang 1,20 bis 3,50 m; Gewicht 6,0 t; Segelfläche 106 m²; Preis 2.142.000 Euro.

​Die Skaw A ist die außergewöhnlichste Kandidatin des Jahrgangs. Auf 11,95 Meter Rumpflänge kommt sie auf 4,87 Meter Breite. Der extreme Scow-Rumpf, die Carbonbauweise, der Schwenkkiel und optionale C-Foils übertragen Ideen aus dem Hochseeregattasport auf eine luxuriöse Fahrtenyacht. Bei sechs Tonnen Gewicht und 106 Quadratmetern Segelfläche erreicht sie eine Segeltragezahl von 5,7.

Die enorme Breite schafft unter Deck ungewöhnlich viel Platz für zwei Doppelkabinen, eine große Nasszelle und einen offenen Salon. Das geschützte Cockpit ist asymmetrisch aufgeteilt, die Bedienung konzentriert sich auf die Steuerbordseite. Ob sich das radikale Konzept der Skaw A auch von kleiner Crew sicher und kontrolliert segeln lässt, muss der Test zeigen. Mit mehr als zwei Millionen Euro setzt sie auch beim Preis eigene Maßstäbe.

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Nautitech 41 Type S: Leistung ohne Verzicht auf Wohnraum

Leistung und Sportlichkeit im Fokus. Die ausgeprägte Rumpfaufkimmung  sind bis zu den Bugen durchgezogen und sorgen für eine stark eingezogene,  schlanke Wasserlinie.
Foto: YACHT / Nils Günter
Länge 12,60 m; Breite 7,30 m; Tiefgang 1,44 m; Gewicht 9,6 t; Segelfläche 119 m²; Preis 539.070 Euro; Test.

Mit dem Nautitech 41 Type S tritt das neue Einstiegsmodell einer erfolgreichen Baureihe an. Der 12,60 Meter lange Katamaran wiegt 9,6 Tonnen und trägt 119 Quadratmeter Segelfläche. Seine Segeltragezahl von mehr als 5,2 ist für einen Fahrtenkatamaran beachtlich. Die beiden tiefen Steuerstände am Heck halten den Schwerpunkt niedrig und vermitteln direkten Kontakt zum Boot.

Im Test der Nautitech 41 Type S bestätigte sich das sportliche Potenzial bei leichten und mittleren Winden. Unter Deck stehen drei Doppelkabinen und zwei Nasszellen zur Verfügung. Der vordere Bereich des Steuerbordrumpfs lässt sich wahlweise als Kabine, Büro, Werkstatt oder zusätzlicher Stauraum ausbauen. So verbindet der Kat gute Segelleistungen mit einem variablen Fahrtenkonzept. Die Werft, die auf der Suche nach neuen Investoren ist, bietet mit ihm einen gelungenen Kompromiss aus Leistung und Volumen zum fairen Preis.


Leopard 43: Mehr Segelfläche für den Einstiegskat

Die südafrikanische Traditionswerft Robertson & Caine stellt im Herbst ihr neues Einstiegsmodell vor.
Foto: Leopard Catamarans
Länge 12,98 m; Breite 7,00 m; Tiefgang 1,50 m; Gewicht 14,7 t; Segelfläche 125,8 m²; Preis 712.810 Euro.

Der Leopard 43 ersetzt den bisherigen Leopard 42 und übernimmt dessen seitlich erhöhten Steuerstand sowie das direkt aus dem Salon erreichbare Frontcockpit. Robertson & Caine hat den Mast fast einen Meter verlängert und die Segelfläche gegenüber dem Vorgänger um rund zwölf Prozent vergrößert. Kürzere, aber tiefer reichende Kiele sollen vor allem die Eigenschaften auf der Kreuz verbessern.

Unter Deck stehen eine Eignerversion mit drei Kabinen und drei Nasszellen sowie eine Charterausführung mit vier Kabinen und vier Bädern zur Wahl. Die große Pantry und eine Navigation mit freier Sicht nach vorn zeigen, wie konsequent die Werft den Komfort ausgebaut hat. Ob der 14,7 Tonnen schwere Kat seine Segeltragezahl von 4,6 in entsprechende Leistung umsetzt, bleibt bis zum Test offen.


Sun Odyssey 455: Viel Platz, schwieriger erster Test

Charakterstarkes Design. Die markante Aufkimmung über der Wasserlinie und die großen Rumpffenster prägen die Optik.
Foto: Jeanneau/Qapture
Länge 13,74 m; Breite 4,49 m; Tiefgang 2,35 m; Gewicht 11,2 t; Segelfläche 103 m²; Preis 529.895 Euro.

Kaum ein Segment ist so umkämpft wie das der Großserienyachten um 45 Fuß. Denn sie sind als Charterboote ebenso begehrt wie als Eignerschiffe für Familien. Die Sun Odyssey 455 ersetzt bei Jeanneau gleich zwei Modelle, die Sun Odyssey 440 und die Sun Odyssey 490. Ihr Walkaround-Cockpit verbindet die Seitendecks stufenlos mit der Plicht, zwei Cockpittische halten den Weg zwischen Niedergang und Badeplattform frei. Unter Deck bietet die Yacht drei bis fünf Kabinen und eine ungewöhnlich große U-Pantry.

Beim YACHT-Test der Sun Odyssey 455 blieb die Basisversion bei leichtem Wind unter ihren Möglichkeiten. Einfache Dacron-Segel, ein fester Dreiflügelpropeller und eine offenbar fehlerhaft abgestimmte Ruderanlage erschwerten eine belastbare Bewertung. Deutlich besser schnitten Raumnutzung, Ausbau und Oberflächenqualität ab. Unter Segeln muss die Großserienyacht ihr tatsächliches Potenzial noch zeigen.


Allures Horizon 47: Geschützt auf große Fahrt

Die feste Windschutzscheibe und das Hardtop mit Cabrio-Dach schützen das Cockpit maximal gut.
Foto: Allures Yachting
Länge 14,25 m; Breite 4,70 m; Tiefgang 1,20 bis 3,10 m; Gewicht 15,0 t; Segelfläche 100 m²; Preis 984.270 Euro.

Die Marke, die das Segment der Aluminium-Blauwasseryachten vor 20 Jahren wiederbelebt hat, setzt mit der neuen Horizon 47 erneut auf Innovation. Sie kombiniert den Aluminiumrumpf mit einem leichteren GFK-Sandwichdeck. Ein erhöhter Salon, große Fenster und ein Rezess im hohen Schanzkleid verbessern Sicht und Lichteinfall. Das Cockpit liegt geschützt hinter einer festen Scheibe und unter einem Hardtop. Ein Integral-Schwenkkiel reduziert den Tiefgang von 3,10 auf 1,20 Meter, sodass die Yacht trockenfallen und flache Ankerplätze anlaufen kann.

Im Innenraum setzt Allures auf einen offenen Salon, eine große Pantry und verschiedene Ausbauvarianten. Achtern sind eine oder zwei Doppelkabinen möglich, alternativ bleibt Platz für Stauraum und Werkstatt. Die Allures Horizon 47 soll ein eigenständiges Blauwasserboot mit viel Schutz und Wohnkomfort sein. Wie sich die 15 Tonnen schwere Yacht mit 100 Quadratmetern Segelfläche bewegt, muss der Test klären.


Aquila 45 Sail: Der Motorkat-Spezialist setzt Segel

Die Rümpfe fallen vor allem im Vorschiff sehr voluminös aus. Hart abgesetzte Kimmkanten sorgen trotzdem für eine schlanke Wasserlinie
Foto: Aquila Boats
Länge 14,38 m; Breite 7,77 m; Tiefgang 1,56 m; Gewicht 16,2 t; Segelfläche 125,6 m²; Preis 756.250 Euro.

Nachdem sich Aquila zunächst mit Motorkatamranen einen Namen gemacht hat, folgt nun der Ausbau des Segelprogramms. Die Aquila 45 Sail bildet den Einstieg und setzt klar auf Wohnraum und Komfort. Der mächtige Kajütaufbau ist zugleich das schützende Süll der Flybridge. Eine feste Plattform zwischen den Rümpfen trägt das Frontcockpit und führt bis zu den Bugspitzen.

Zur Wahl stehen Ausbauten mit drei oder vier Doppelkabinen. In der Eignerversion belegt die Hauptkabine den gesamten Backbordrumpf, die Chartervariante bietet vier Kabinen mit eigenen Nasszellen. Ob die schlanken Wasserlinien des großzügigen Katamarans mit mehreren Außenbereichen trotz 16,2 Tonnen Gewicht für ansprechende Segeleigenschaften sorgen, wird die Jury auf den Testfahrten herausfinden.


Lagoon 47: Viel Raum und variable Kabinen

Die Rümpfe sind hinten auffällig breit. Die hydraulisch absenkbare Badeplattform ist optional und kann auch als Lager für das Beiboot dienlich sein.
Foto: Lagoon Catamarans
Länge 14,95 m; Breite 7,96 m; Tiefgang 1,25 m; Gewicht 18,0 t; Segelfläche 102 m²; Preis 809.200 Euro.

Weltmarktführer Lagoon präsentiert mit dem neuen Lagoon 47 ein imposantes Raumschiff. Neben der Plicht und der Flybridge gibt es ein Frontcockpit, das direkt mit dem Salon verbunden ist. Im Backbordrumpf liegen die Betten quer zur Fahrtrichtung. Der Raum zwischen den Gästekabinen kann als Stauraum, Büro oder zusätzliche Kammer mit zwei Einzelkojen und eigener Nasszelle ausgebaut werden.

Wohnfläche und Variabilität stehen beim Lagoon 47 im Mittelpunkt. Angeboten werden Versionen mit drei bis fünf Kabinen. Beim serienmäßigen Rollmast fällt die Segelfläche gemessen an 18 Tonnen Gewicht knapp aus. Im Test wird das Augenmerk auch darauf liegen, ob die überlappende Genua und das weit vorn stehende Rigg den schweren Fahrtenkat auch bei wenig Wind ausreichend antreiben.


Buchtipp

Blauwassersegeln kompakt richtet sich an Segler, die ein Boot nicht allein nach Raumangebot und Geschwindigkeit beurteilen wollen. Sönke und Judith Roever behandeln Schiffswahl, Rigg, Ausrüstung, Energieversorgung, Navigation, Sicherheit und den Alltag auf langen Reisen.


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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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