Unter den 21 Nominierten für den European Yacht of the Year 2027 bilden diese sieben Yachten die Gruppe bis 11,50 Meter Rumpflänge. Gemeinsam haben sie allerdings wenig. Die J/7 beschränkt sich konsequent auf den Segelspaß, der „Tricat 8.50“ bringt drei Rümpfe ins Spiel, und die Mojito 32 macht den breiten Scow-Bug zum Mittelpunkt ihres Konzepts. Am oberen Ende der Gruppe stehen drei sehr unterschiedliche Fahrtenyachten. Die Dufour 39 setzt auf viel Volumen und einen wandelbaren Ausbau. Linjett 36 und Hallberg-Rassy 370 verfolgen einen höheren Anspruch an Bauqualität, Segeleigenschaften und Komfort.
Bei den mittelgroßen nominierten Yachten treffen vielseitige Fahrtenkonzepte auf sportlichere Entwürfe. Unter den großen Kandidaten reicht das Feld schließlich bis zu besonders komfortablen und außergewöhnlichen Yachten.
Welche Kategorien für die Kandidaten gelten, legt die Jury erst nach der gemeinsamen Testwoche fest. Dann müssen auch jene Yachten auf dem Wasser überzeugen, von denen bislang nur Daten, Entwürfe und erste Eindrücke vorliegen.
Mit der J/7 stellt sich J Boats gegen den Trend zu immer größeren und komplexeren Yachten. Der 7,04 Meter lange Daysailer soll kein kleiner Fahrtenkreuzer sein, der möglichst viele Aufgaben irgendwie erfüllt. Er ist für ein paar intensive Stunden auf dem Wasser gebaut. Großes Cockpit, einfaches Rigg, wenig Technik.
Der Test der J/7 zeigte, wie gut diese Reduktion funktionieren kann. Das nur gut eine Tonne schwere Boot reagiert lebhaft und krängt in Böen früh, bleibt dabei aber kontrollierbar. Einhand erreichte es auf der Kreuz sechs Knoten. Die hochwertigen Laminatsegel des Testboots dürften zu diesem Wert beigetragen haben, denn serienmäßig liefert J Boats einfachere Dacron-Segel. Bemerkenswert ist, wie ausgewogen die J/7 allein unter Groß segelt. Sie lässt sich damit bei mehr Wind entlasten und sogar ohne Motor im Hafen manövrieren. Im 2,60 Meter langen Cockpit sitzen bis zu vier Personen bequem auf der Luvducht. Backskisten oder einen eigenen Stauraum für Außenborder und Gennaker gibt es allerdings nicht. Das Konzept ist schlicht, der Preis keineswegs klein. Die gute Grundausstattung und das überzeugende Verhalten auf dem Wasser relativieren ihn.
Saffier hat mit der „SE 28 Leopard“ ein eigenes Erfolgsmodell zu übertreffen. Die Vorgängerin „SE 27 Leisure“ gewann 2021 bereits den Titel European Yacht of the Year. Die Neue behält die Rumpflänge von 8,40 Metern, ist aber breiter und höher. Ein fülligeres Vorschiff, der negative Steven und ein um rund einen Meter gewachsener Mast lassen sie deutlich kraftvoller auftreten. Die Werft bietet eine ungewöhnlich breite Auswahl. Serienmäßig kommt die SE 28 Leopard mit Pinne und Selbstwendefock. Wer sportlicher segeln möchte, kann Genua, zusätzliche Winschen und ein Kohlefaserrigg bestellen. Auch zwei kleine Steuerräder sind erhältlich. Schoten, Fallen und Trimmleinen laufen bis zu den Steuerständen, sodass sich die Yacht einhand bedienen lässt.
Im Test der Saffier SE 28 Leopard lief sie bei 12 bis 15 Knoten Wind mit Selbstwendefock 6,2 Knoten hoch am Wind. Die gemessenen Wendewinkel von etwa 70 Grad sind für einen Daysailer dieser Größe beachtlich. Unter Gennaker näherte sich die Logge der Zehn-Knoten-Marke. Das füllige Vorschiff setzte selbst in rund einen Meter hohen Wellen weich ein. Unter Deck können bis zu vier Erwachsene schlafen. Spülbecken, Kühlfach und eine optionale Toilette erweitern das Einsatzgebiet in Richtung Weekender. Ein Hub- oder Schwenkkiel ist nicht vorgesehen. Zur Wahl stehen Festkiele mit 1,70 oder 1,30 Meter Tiefgang. Damit bleibt die Saffier weniger flexibel beim Slippen und Trailern, gewinnt aber ein klares, sportliches Profil.
Der Tricat 8.50 bringt die höchste Segeltragezahl aller 21 Nominierten mit. 52 Quadratmeter Segelfläche treffen auf nur 1,95 Tonnen Gewicht. Das verspricht Leistung, doch die französische Werft hat den Trimaran nicht als reines Sportgerät angelegt. Bis zu fünf Schlafplätze, eine geteilte Pantry, ein eigener Toilettenraum und mehr als 1,80 Meter Stehhöhe im Salon sollen ihn auch für längere Törns nutzbar machen.
Seine Schwimmer werden per Seilzug ausgeschwenkt. Im Segelmodus wächst die Breite auf 6,50 Meter, im Hafen sind es nur 2,95 Meter. Damit passt der Tri in eine übliche Box und kann mit einem geeigneten Zugfahrzeug getrailert werden. Schwerter und Ruderblatt lassen sich aufholen, wodurch der Tiefgang auf 45 Zentimeter sinkt. Auch unter Deck steckt der Tricat 8.50 voller Ideen. Die Niedergangstreppe lässt sich zum Sitz am Navigationstisch oder zum Lehnstuhl am Salontisch umbauen. Die ausgeklappten Schwimmer bringen weiteren Stauraum. Ob der Trimaran sein rechnerisches Potenzial kontrolliert und handlich umsetzt, muss der Test in Kürze zeigen.
IDB Marine baut mit dem Maxi 6.50 bereits einen erfolgreichen Mini-Transat-Racer mit Scow-Bug. Konstrukteur David Raison, der diesen Rumpftyp im Hochseesegeln mitgeprägt hat, übertrug die Idee gemeinsam mit Pierre Delion auf eine fast zehn Meter lange Performance-Yacht. Das Resultat ignoriert vertraute Schönheitsideale und setzt das Volumen dorthin, wo andere Yachten schmal zulaufen.
Im Test der Mojito 32 herrschten vor Concarneau 15 bis 20 Knoten Wind und mindestens zwei Meter Atlantikschwell. Auf der Kreuz zeigte der breite Bug die bekannten Nachteile der Scow-Form. Er setzte in kurzen Wellen hart ein, und der Wendewinkel blieb jenseits von 90 Grad. Trotzdem lief das Boot bei 50 Grad zum wahren Wind 6,7 Knoten. Die Doppelruder reagierten unmittelbar, das Deck blieb erstaunlich trocken. Viel Formstabilität und der tiefe Schwenkkiel lassen die Mojito 32 steif segeln. Ihre Stärken liegen vor allem auf halben und raumen Kursen. Das Cockpit ist für Ein- und Zweihandcrews ausgelegt, fast alle Funktionen sind auf kurzen Wegen erreichbar. Der elektrohydraulische Kiel reduziert den Tiefgang von 2,73 auf einen Meter. Mit optionalen Wattstützen kann die Yacht trockenfallen.
Das breite Vorschiff zahlt sich unter Deck aus. Dort liegt ein fast rechteckiges Doppelbett mit 1,60 Meter Breite. Salon, Nasszelle und Stauraum machen das Boot tourentauglich, die Pantry bleibt klein. Weniger überzeugend war die Verarbeitung der getesteten Baunummer. Einige Oberflächen, Kojenbretter und elektrische Installationen wirkten noch nicht so sorgfältig ausgeführt wie das übrige Konzept.
Die Modellbezeichnung lässt ein längeres Boot erwarten. Tatsächlich misst die Dufour 39 elf Meter am Rumpf und fällt damit noch in die 36-Fuß-Klasse. Mit 4,10 Metern ist sie allerdings ungewöhnlich breit. Das füllige Vorschiff und das breite Heck schaffen viel Platz, verleihen der neuen Felci-Konstruktion aber auch einen ausgesprochen kräftigen Auftritt. Dufour bietet drei Ausrichtungen an. Die Basisversion Easy erhält eine Selbstwendefock und lediglich zwei Winschen auf dem Kajütdach. Ocean bringt eine überlappende Genua und zusätzliche Winschen auf den Süllrändern mit. Die Performance-Ausführung ergänzt unter anderem größere Laminatsegel, Dyneema-Tauwerk und einen Achterstagspanner. Der Rumpf entsteht per Vakuuminfusion, das Deck im RTM-Verfahren.
Besonders wandelbar ist der Innenraum. Die „Dufour 39“ kann mit zwei oder drei Kabinen sowie ein oder zwei Nasszellen bestellt werden. Anstelle der dritten Kabine bleibt achtern eine große Backskiste. Für das Vorschiff stehen neben einer zweiten Nasszelle auch ein kleines Büro oder ein begehbarer Stauraum zur Wahl. Wie die Kombination aus hoher Verdrängung, breitem Rumpf, Einzelruder und vergleichsweise kleiner Standardbesegelung funktioniert, ist noch offen. Die Dufour 39 soll ein variantenreiches Fahrtenboot sein, das möglichst viele Wünsche zwischen einfacher Bedienung und sportlicherem Segeln abdeckt.
Beim Award wird jede Yacht für sich bewertet. Trotzdem führt bei der Linjett 36 kaum ein Weg am Vergleich mit der Hallberg-Rassy 370 vorbei. Größe, Herkunft, Zielgruppe und Qualitätsanspruch liegen eng beieinander. Die Linjett ist leichter und sportlicher gezeichnet, ohne beim Ausbau den nüchternen Komfort einer skandinavischen Fahrtenyacht aufzugeben. Der YACHT-Test der Linjett 36 zeigte, wie viel Temperament in der Schwedin steckt. Unter Gennaker lief sie bei 15 bis 16 Knoten Wind meist zwischen 7,5 und 8 Knoten, in den Böen wurden bis zu 10,2 Knoten gemessen. Trotz des einzelnen Ruderblatts blieb sie gut beherrschbar. Auf der Kreuz meldete die direkte Steuerung einen nahenden Strömungsabriss früh und deutlich zurück. Das Cockpit ist konsequent für kleine Crews eingerichtet. Sämtliche Schoten, Fallen sowie Trimm- und Reffleinen laufen zu den beiden Steuerständen. Der Rudergänger kann praktisch alle Aufgaben erledigen, ohne das Rad zu verlassen. Bei größerer Crew wird diese starke Konzentration der Leinen allerdings zum Nadelöhr.
Unter Deck verbindet die Linjett 36 viel Tageslicht mit einem sorgfältigen Holzausbau. Der zweite Teil des Tests beschreibt eine gut nutzbare Pantry, eine großzügige Vorschiffskammer und eine geräumige Nasszelle mit abtrennbarer Dusche. Beim Stauraum im Salon und beim Zugang zu den hinteren Kielbolzen bleibt Luft für Verbesserungen. Insgesamt wirkt die Yacht durchdacht und ungewöhnlich komplett.
Die Hallberg-Rassy 370 besetzt einen attraktiven Mittelweg. Sie bleibt kompakt genug für kleine Crews und Reviere mit kurzen Schlägen, bringt aber Stauraum, Solidität und Wohnkomfort für lange Passagen mit. Das Layout ist vor allem auf zwei Personen zugeschnitten, die gelegentlich Gäste mitnehmen. Unter Deck empfängt die Crew ein heller Ausbau aus europäischer Eiche. Die U-förmige Pantry nimmt viel Raum ein, bietet dafür große Arbeitsflächen und reichlich Stauraum. Im Vorschiff stehen ein 1,42 Meter breites Inselbett oder eine über die gesamte Rumpfbreite reichende Koje zur Wahl. Die Nasszelle fällt gemessen am übrigen Platzangebot eher durchschnittlich aus. Verarbeitung und technische Installationen liegen auf hohem Niveau.
Für den Test der Hallberg-Rassy 370 war der Wind zu schwach, um das volle Potenzial abzurufen. Mit Code Zero erreichte die Yacht bei acht Knoten Wind bis zu 6,6 Knoten auf halbem Kurs. Vor allem das Steuerverhalten überzeugte. Die Yacht lief auf der Kreuz stabil geradeaus, reagierte aber dennoch direkt auf kleine Ruderausschläge. Rollmast und elektrische Winschen vereinfachen die Bedienung. Einige Leinen enden allerdings an den vorderen Winschen und sind vom Steuerstand nur erreichbar, wenn der Autopilot übernimmt. Der Preis von mehr als einer halben Million Euro begrenzt den Kreis möglicher Eigner deutlich. Dafür leistet sich die Hallberg-Rassy 370 nur wenige ernsthafte Schwächen. Das direkte Aufeinandertreffen mit der leichteren Linjett 36 gehört deshalb zu den reizvollsten Paarungen dieses Jahrgangs.
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