Nach dem frostigen Segeltag empfängt uns der Innenausbau mit heimeliger Wärme – physisch, weil die Heizung läuft, und optisch durch den Farbton des Mahagoni-Furniers mit seinen perfekt abgestimmten Maserungsverläufen und dem makellosen Lack. Der schnörkellose, skandinavische Stil des Interieurs ist sehr gelungen. Wer möchte, kann aber auch europäische Eiche oder andere Holzarten wählen. Beim Grundlayout bietet die Werft keine Optionen, Details und das Design des Ausbaus sind jedoch stark individualisierbar.
Was neben der gediegenen Optik sofort auffällt: Zwei gegenläufig öffnende Decksluken, große Rumpffenster und die Fensterbänder aus gehärtetem Glas fluten den Innenraum mit Tageslicht. Nachteil der Fensterbänder: Es gibt abgesehen von den Luken und vier Pilzlüftern wenig Optionen, Frischluft unter Deck zu lassen.
Ohne Innenschale und direkt im Rumpf ausgebaut nutzt die Werft die Breite optimal aus. Verstärkt wird der Raumeindruck noch durch den vom Niedergang bis ins Vorschiff durchgehenden Fußboden, der nicht von Schotten oder Schwellen unterbrochen wird.
Der Salon bietet zwei komfortable Einzelkojen, wobei sich die Backbordseite zu einer Doppelkoje verbreitern lässt. Stauraum gibt es im Salon allerdings nur moderat: Auf jeder Seite ein großer Schrank mit zwei Türen, allerdings nicht besonders tief. Unter den Salonkojen ist nur backbords eine Schublade nutzbar – steuerbords sind Elektrik und die Victron-Smart-Lithium-Bordbatterie mit 200 Ah installiert.
Die beiden Wassertanks aus Edelstahl (insgesamt 290 Liter) befinden sich unter der Backbordkoje und unter den Bodenbrettern direkt über den Kielbolzen. Letzteres hat zur Folge, dass man zur Kontrolle der Kielbolzen den Tank entfernen müsste – nur die ersten zwei Bolzen sind direkt zugänglich.
Die Pantry ist vorbildlich gelöst. Die Doppelspüle mit sehr tiefen Becken verhindert, dass beim Segeln etwas herausfällt. Seewasser und Frischwasser sind vorhanden, daneben viel Arbeitsfläche aus Corian. Die Herd-Ofen-Kombination mit Grillfunktion gehört zur Serienausstattung, optional ist auch ein Induktionskochfeld verfügbar. Der große Isotherm-SP-Kühlschrank mit 75 Litern ist wassergekühlt und Serie.
Stauraum gibt es mehr als ausreichend: drei Schubladen, ein klassisches Topf- und Bratpfannenfach unter dem Herd, Hängeschränke mit klassischer Lochung und Stiftleisten, damit beim Segeln nichts durcheinanderfliegt. Dazu zwei Schiebetüren mit Stauraum hinter dem Herd. Die Stehhöhe beträgt 1,89 Meter. Besonders angenehm: Man hat viel Platz zwischen Niedergang und Pantryblock. Selbst wenn jemand am Herd steht, kann man noch gut in die Achterkajüte durchgehen.
Das Bad ist mit 1,82 Metern Stehhöhe vor der Toilette und 1,83 Metern im Duschbereich geräumig und gut nutzbar. Die Dusche lässt sich durch eine Falttür aus Plexiglas vom restlichen Bad trennen. Das Waschbecken aus Corian, kombiniert mit weißen GFK-Teilen und Mahagoni-Holz, schafft eine klassische Atmosphäre.
Die elektrische Toilette ist in Fahrtrichtung eingebaut, man kann sich zwischen Waschbecken und Schott einklemmen und sicher sitzen. Der Kopfbereich über der Toilette ist etwas begrenzt – größere Menschen könnten sich hier den Kopf stoßen. Der Fäkalientank aus Edelstahl fasst 105 Liter. Reichlich Stauraum gibt es durch Schränke und eine Schublade. Durch eine Klappe hinter der Toilette hat man Zugang zur großen Backskiste.
Die Vorschiffskammer ist sehr geräumig und hell. Zwei große Rumpffenster und die Decksluke lassen viel Licht herein. Die Stehhöhe am Eingang beträgt 1,81 Meter. Besonders angenehm: Statt einer klassischen Tür gibt es eine elegante Schiebetür zum Salon, die keinen Platz frisst.
Die V-Koje ist 2,14 Meter lang – deutlich über Gardemaß. Die Schulterbreite beträgt einzeln jeweils 77 Zentimeter, mit optionalem Einlegekissen ergibt sich eine Gesamtschulterbreite von beeindruckenden 1,94 Metern. Am Fußende ist die Koje immer noch 83 Zentimeter breit.
Steuerbords gibt es einen großen, tiefen Kleiderschrank, in dem man auch Hosen aufhängen kann. Backbords ein Ablagefach und einen Schrank mit Fächern, darunter zwei Schubladen. Umlaufend oben vier große Schapps mit Klappen. Unter der Koje ist viel Platz – die Deckel sind mit Scharnieren als Klappen ausgeführt, sodass man sie einfach hochklappen kann.
Die Achterkajüte bietet im Eingangsbereich eine Stehhöhe von 1,94 Metern. Die Koje ist im längsten Bereich 1,98 Meter lang mit einer maximalen Schulterbreite von 1,72 Metern. Allerdings ist diese Breite nicht vollständig nutzbar: Der Bereich zwischen Motor und Ruderkoker ist nur 1,69 Meter lang, der Fußbereich im Minimum 99 Zentimeter. Das heißt: keine vollwertige Doppelkoje, aber eine gute Koje für zwei Personen. Die Höhe über der Koje erleichtert das Einsteigen, durch Aufbaufenster, Cockpitfenster und großes Rumpffenster kommt viel Licht herein. Stauraum: ein kleiner Schrank, ein großes Regal über der Koje, eine Schublade unter der Koje. Der Rest unter der Koje ist nicht als Stauraum nutzbar – hier sind Boiler und Auspuffsystem installiert.
Die große Backskiste an Steuerbord fasst problemlos sperrige Gegenstände wie Bordfahrräder oder Beiboot, außerdem ist sie auch von der Toilette aus zugänglich und mit einer Kleiderstange bestückt. Die Idee dahinter: Da dort auch die serienmäßige Heizung installiert ist, lässt sich der Stauraum aufwärmen und als Trockenraum nutzen. Damit die feuchtwarme Luft entweichen kann, ist der Backskistendeckel so gestaltet, dass ein unsichtbarer Spalt entsteht.
Weiteren Stauraum bieten die beiden Steuersitze, wobei die Backbordseite die optionale Heckankerwinsch und den Gaskasten aufnimmt. Schönes Detail hier: Das Compartment ist so gebaut, dass es sowohl 2,7-Kilo-Flaschen von Campingaz als auch die deutlich günstigeren 5-Kilo-Flaschen aufnimmt. Je nach Höhe der Flaschen kann ein Zwischenboden eingesetzt werden, damit Druckregler und Ventil erreichbar bleiben.
Zusatzsegel wie Code Zero und Gennaker braucht man gar nicht erst bis ins Cockpit zu schleppen. Sie lassen sich direkt am Bug in einer selbstlenzenden Segellast verstauen. Die Segellast ist so geräumig, dass sie neben den Segeln auch sechs Fender und die optionale Bugleiter aufnimmt; zudem sind Kettenstauraum und die verdeckt installierte Ankerwinsch von dort aus erreichbar.
Die Eberspächer-D4-Airtronic-Dieselheizung, die in der gesamten Yacht für Wärme sorgt, gehört zur Serienausstattung. Das 12-Volt-Bordstromsystem ist sauber und übersichtlich installiert. Die Victron-Smart-Lithium-Bordbatterie mit 200 Ah wird von einer 125-Ampere-Lichtmaschine geladen, die mit 220 bis 150 Ampere in zehn Minuten etwa zehn Prozent Ladung bringt. Lithiumakkus gehören zur Standardausstattung – ein klares Zeichen für die Modernität des Konzepts.
Der Yanmar-3JH40-Einbaudiesel mit 40 PS und Saildrive treibt die 6,8 Tonnen souverän an. Bei Maximaldrehzahl von 3.000 Umdrehungen erreichen wir 8,2 Knoten, bei entspannter Marschfahrt mit 2.300 Umdrehungen sind es 7,1 Knoten. Dabei bleibt es erstaunlich leise: Im Cockpit messen wir 71 Dezibel, im Salon 68 Dezibel. Selbst in der Achterkajüte, direkt über dem Motor, sind es nur 74 Dezibel. Im Vorschiff sinkt der Pegel auf angenehme 64 Dezibel.
Erwartungsgemäß ist die Linjett 36 kein Schnäppchen. Mit dem Grundpreis von 462.839 Euro liegt sie aber am unteren Ende ihrer direkten Konkurrenten. Dafür bekommt man eine gediegene Verarbeitung und eine sehr umfangreiche Serienausstattung. Auf der Höhe der Zeit, aber frei von modischen Trends dürfte die Linjett auch in zehn oder mehr Jahren noch eine gute Figur machen, was für guten Werterhalt spricht.
Stand 6/2026 wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.
Rosättra Båtvarv, Rosättra Varvsväg 57, 76176 Norrtälje/Schweden www.linjett.se
Aufwendige Sandwichbauweise
Solide Struktur
Wassertank über Kielbolzen
Sehr gutes Steuerverhalten
Gute Segelleistungen
Für kleine Crew optimiert
Genua möglich, Wanten innen
Exzellente Verarbeitung
Vorbildliche Pantry mit viel Stauraum
Innenraum gut genutzt
Hochwertige Beschläge
Lithiumakkus im Standard
Sehr saubere Installation
Segellast vorhanden
Wer sich für die Linjett 36 interessiert, sollte auch einen Blick auf andere hochwertige skandinavische Fahrtenyachten werfen.
Die Arcona 385 trägt sehr viel Segelfläche und ist sportlicher, sie bietet einen qualitativ sehr hochwertigen Ausbau und ist mit zwei oder drei Kammern zu haben.
An der aktuellen Rassy müssen sich die Premium-Fahrtenyachten messen. Sie bietet enorm viel Platz und segelt sehr gut. Preis und Aufpreise sind aber ebenfalls herausragend.
Die Saare 38.2 ist in unterschiedlichen Layouts zu haben und kommt mit noch umfangreicherer Grundausstattung als die Linjett, das relativiert den Grundpreis.
Die X 4.0 ist mit zwei oder drei Kammern zu haben. Stahlrahmen und getemperter Epoxid-Infusionsrumpf sorgen für eine stabile Struktur, die hohe Riggkräfte verträgt.

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