Linjett 36YACHT-Test der Linjett 36, Segeleigenschaften und Bauweise

Hauke Schmidt

 · 24.06.2026

Breite Laufdecks und innen liegende Püttinge sorgen für gute Begehbarkeit.
Foto: YACHT / Nils Günter
Die neue Linjett 36 gehört zu den spannendsten Neuvorstellungen im gehobenen Fahrtensegment. Schon in den ersten sieben Monaten verzeichnete die schwedische Werft 16 Bestellungen, mehr als eine Jahresproduktion. Wir haben die Linjett 36 in den Stockholmer Schären bei zwölf bis 22 Knoten Wind getestet. Erster Teil: Segeleigenschaften und Bauweise

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Rund 15 Jahre ist es her, dass wir erstmals mit der Rosättra Båtvarv in Kontakt kamen und die Linjett 37 testeten – ausgerechnet jenes Modell, das nun durch die neue Linjett 36 abgelöst wird. Damals war die älteste Yachtwerft Schwedens noch ein reines Ostschären-Phänomen. Obwohl die Crew um die Eignerfamilie Gustavsson bereits mehr als 35 Jahre Yachten unter dem Namen Linjett baute, kannte außerhalb der Schären rund um Stockholm kaum jemand die Schweden und ihre Boote. Das hat sich grundlegend geändert. Spätestens seit die Linjett 39 im Jahr 2023 als Europas Yacht des Jahres in der Kategorie Fahrtenyachten ausgezeichnet wurde, ist die kleine Werft aus Rosättra auch international im Gespräch. Die neue 36 soll nun nahtlos an diesen Erfolg anknüpfen.

Moderner und voluminöser aber immer noch zeitlos

Wie ihre große Schwester hebt sich das Konzept der Linjett 36 deutlich von den früheren Modellen ab. Die 36er bietet erheblich mehr Volumen und Platz an und unter Deck. Die älteren Linjetts waren filigraner, agiler und deutlich trimmempfindlicher, kurzum: Sie verlangten mehr seglerisches Können. Die modernen Konstruktionen verzeihen mehr und sind damit auch für weniger erfahrene Crews einfacher zu beherrschen. Davon konnten wir uns bei unserem Test der Linjett 36 in den Stockholmer Schären bei Wind zwischen zwölf und 22 Knoten überzeugen. Der eisige Nordwind und die unzähligen, bewaldeten Inseln sorgten für ausgeprägte Dreher und starke Böen.

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Temperamentvoll und Gutmütig

Um das Potenzial der Linjett 36 auszuloten, setzen wir als Erstes Groß und den rund 105 Quadratmeter großen Easy-Furl-Gennaker von UK Sailmakers – dank elektrischer Winschen und des im Bugspriet eingelassenen Elektrofurlers ein schweißfreies Manöver. Bei 15 bis 16 Knoten Wind zog uns das bunte Tuch mit 7,5 bis 8 Knoten nach Lee, in stärkeren Böen kletterte die Logge auf über 9 Knoten, und der Topspeed lag bei 10,2 Knoten. Sehr gute Werte für ein Boot mit derart viel Volumen. Allerdings hatte es da auch so weit aufgefrischt, dass die meisten Segler den Gennaker längst per Knopfdruck eingewickelt hätten. Erfreulich dabei: Die Linjett 36 zeigt sich extrem gutmütig. Obwohl sie mit einem einzelnen Ruderblatt ausgerüstet ist, kann man selbst in kräftigen Drückern jederzeit kontrolliert abfallen.

Erstklassiges Steuerverhalten

Auf der Kreuz wurde das angenehme Steuerverhalten der Linjett 36 noch deutlicher. Das tiefe Blatt liefert genau den nötigen Druck, um praktisch blind an der Windkante entlangzusegeln. Zudem hat es sehr guten Grip im Wasser, und man verliert nie die Kontrolle. Auch wenn die Krängung augenscheinlich zu groß ist, lässt sich das Boot sauber auf Kurs halten.

Gleichwohl kündigt sich nahendes Unheil deutlich an. Die direkte Steuerung überträgt die Vibrationen sich ablösender Wirbel auf beide Räder, wodurch sie fast wie ein Spurhalteassistent im Auto ruckeln, sobald man sich dem Strömungsabriss nähert – noch bevor man aus der Bahn fliegt. Damit ist die Linjett 36 äußerst einfach zu steuern.

Angesichts der Windstärke, die sich zwischenzeitlich bei rund 20 Knoten eingependelt hatte, war allerdings ein Reff im rund 42 Quadratmeter messenden X-Drive-Carbon-Groß angesagt. Die mit 107 Prozent leicht überlappende Fock kann zur Selbstwendefock eingerollt werden. Wir ließen sie voll stehen, womit die Linjett je nach aktueller Windstärke zwischen 5,7 und 6,2 Knoten lief. Die Wendewinkel lagen bei etwa 80 Grad, ein sehr guter Wert. Ein Blick ins Polardiagramm legt nahe, dass wir mit ein wenig tieferen Kursen sogar schneller nach Luv gekommen wären.

Trotzdem fällt positiv auf, dass die Linjett 36 im Gegensatz zu vielen anderen modernen Konstruktionen sehr hoch zu segeln ist. Dank der auf dem Aufbau geschoteten Fock sind kleine Anstellwinkel möglich, und der Rumpf ist trotz des Volumens erstaunlich widerstandsarm. Auch setzt er angenehm in die Welle ein, wie wir außerhalb der Schären erleben konnten. Dort stand eine etwa anderthalb Meter hohe Welle, durch die sich die Schwedin mühelos nach Luv arbeitete. Die überkommende Gischt schaffte es dabei selten nach achtern und wurde dort von der serienmäßigen Sprayhood sicher abgefangen. Lediglich als Rudergänger auf dem Seitendeck sitzend ist man etwas exponiert. Genießt dafür aber eine sehr gute Sicht nach vorne, auf die See und in die Segel, sodass man nahende Duschen rechtzeitig erkennt und sich wegducken kann.

Der Seldén-Alumast ist durchgesteckt und kommt standardmäßig mit reckarmer Dyform-Verstagung und einer unter Deck montierten Furlex. Optional lassen sich ein Carbonrigg oder ein Rollmast ordern. Die meisten Linjett-Kunden entscheiden sich aber für ein Alurigg mit konventionellem Einleinenreffsystem. Über die 48-fach untersetzte Achterstagstalje lässt sich das 9/10-Rigg gut trimmen. Heute unüblich: Die Püttinge sind weit nach innen versetzt, sodass sich auch eine überlappende Genua fahren lässt. Die Schienen dafür müssen allerdings wie das Segel optional geordert werden. Aus unserer Sicht ist die auf dem Testboot vorhandene Kombination aus Fock und Code Zero vielseitiger und in der Summe einfacher zu händeln als eine große Genua, die bei viel Wind gerefft werden muss.

Leicht und solide, dank 3D-gefrästem Schaumkern

In den Böen, die 27 Knoten erreichten, hätte ein zweites Reff im Groß nicht geschadet, denn auch wenn die Linjett 36 unter Kontrolle bleibt, nimmt bei übermäßiger Krängung zwangsläufig auch die Abdrift zu. Die von uns gesegelte Baunummer eins besitzt einen 2.600 Kilogramm schweren Bleikiel und einen Ballastanteil von rund 40 Prozent. Bei den folgenden Baunummern wurde der Laminataufbau in Rumpf und Deck derart optimiert, dass 250 Kilogramm Material eingespart werden konnten. Dieses Gewicht wurde dem Kiel zugeschlagen, sodass die Linjett 36 nun noch etwas steifer geworden ist.

Mit 6,8 Tonnen Verdrängung gehört die Linjett 36 zu den leichteren Vertretern ihrer Klasse. Zum Vergleich: Eine Hallberg-Rassy 370 bringt rund 7,6 Tonnen auf die Waage, eine Saare 38.2 liegt bei etwa 7,9 Tonnen. Eine etwas kürzere Hanse 360 ST gar bei rund 8,4 Tonnen, wovon nur 1,9 Tonnen im Kiel stecken.

Der Gewichtsvorteil der Linjett 36 entsteht durch die hochwertige Bauweise mit Vakuuminfusion und den Einsatz eines präzise vorgefrästen Schaumkerns. Dieser Service wird als Advanced Kit vom Divinycell-Hersteller Diab angeboten und wurde von der Werft auch bei den dort gebauten Shogun-Yachten verwendet. Durch dreidimensional gefräste Kernelemente entstehen kaum Hohlräume, die bei der Vakuuminfusion mit Harz gefüllt werden. Gegenüber einem herkömmlichen Schaumkern lassen sich so bis zu 60 Prozent Harz und entsprechend viel Gewicht einsparen. Gleichzeitig entsteht eine glattere Struktur, was die Oberflächenqualität des Laminats verbessert.

Die Kräfte von Rigg und Kiel werden von einer gut dimensionierten GFK-Bodengruppe aufgenommen. Einen Stahlrahmen besitzt die Linjett nicht. Um den Belastungen potenzieller Grundberührungen standzuhalten, sitzt der Bleikiel an einem an den Rumpf angeformten, stufenförmigen GFK-Stummel, was die Krafteinleitung gegenüber einem geraden Flansch deutlich verbessert und gleichzeitig einen tiefen Bilgensumpf ergibt.

Beim Deck der Linjett 36 setzt die Werft ebenfalls auf Schaumsandwich, allerdings als klassisches Handlaminat. Laut Aussage der Werft soll sich damit ein noch besseres Oberflächenfinish ergeben. Tatsächlich lassen die GFK-Verarbeitung und das Gelcoat keine Wünsche offen.

Ausgereiftes Einhand-Konzept

Das Cockpitlayout der Linjett 36 folgt dem von Linjett seit mehr als 20 Jahren genutzten Einhand-Konzept. Als eine der ersten Werften führten die Schweden konsequent alle Schoten, Fallen sowie Trimm- und Reffleinen zu direkt am Steuerstand platzierten Winschen. Über die Jahre und Modelle verfeinerten sie das System. In der aktuellen Ausführung laufen die Leinen mit vergleichsweise wenig Reibung durch einzelne Edelstahlrohre vom Mast beziehungsweise den Genuaschienen und dem Traveller durch das Cockpitsüll zu zwei 46er Winschen von Andersen und den entsprechenden Stopperbatterien. Pro Seite sind es zehn Lewmar-Hebelklemmen, sechs davon in großer Ausführung für 12-Millimeter-Leinen.

Damit lässt sich zwar wirklich alles an Bord setzen oder trimmen, ohne die beiden Räder zu verlassen, die extreme Konzentration erfordert allerdings Disziplin, konsequentes Ordunghalten und Sortieren. Dabei helfen die großen, in die Sülls integrierten Staukästen, indem sie überschüssiges Tauwerk schlucken.

Einen Nachteil dieses Layouts konnte auch Linjett nicht gänzlich ausmerzen: Bei größeren Crews bilden die Winschen ein Nadelöhr. Lediglich Manöver, die die Leinenbedienung auf beiden Seiten des Cockpits erfordern, profitieren von zusätzlichen Händen. Daran ändert sich auch nicht viel, wenn man die beim Testboot installierten Zusatzwinschen bestellt. Sie sind in erster Linie für die Gennaker- oder Code-Zero-Schoten gedacht, lassen sich aber dank der hinter den Stoppern montierten Organizer auch für die übrigen Trimmfunktionen nutzen. Auf dem Testboot waren sie allerdings etwas zu tief montiert, sodass der Einlaufwinkel zu flach war und es zu Überläufern kam. Bei den nächsten Baunummern der Linjett 36 soll das Problem behoben sein.

Insgesamt fällt die Beschlagsausrüstung durch eine sehr hochwertige Produktauswahl und eine gute Dimensionierung auf. Zudem ist die Werft flexibel, sodass auf Wunsch auch andere Winschen installiert werden können. Beispielsweise erhält ein im Bau befindliches Boot die neuen Elektrowinschen von Seldén, deren Furling-Funktion es ermöglichen soll, die Segel vollständig per Knopfdruck zu trimmen.

Komfortabel auf See und im Hafen

Die Plicht der Linjett 36 ist geräumig, fällt für einen aktuellen 36-Füßer aber eher klein aus, was kein Nachteil ist. Hier liegt der Fokus Linjett-typisch auf der Nutzbarkeit auf See statt im Hafen. So ist der Abstand der Sitzduchten so gewählt, dass man sich bei Lage gut in Lee abstützen kann und kein voluminöser Tisch als Raumteiler nötig ist. Der mobile Tisch ist schnell aufgebaut und bietet beim Essen bequem Platz für sechs.

Pfiffig dabei: Der Tisch ist asymmetrisch und die Platte lässt sich einklappen. Dadurch kann er stehen bleiben, ohne den Durchgang im Cockpit zu blockieren. Die Sitzflächen und der Boden sind serienmäßig mit Flexiteek belegt, was gut aussieht und rutschfest ist. Außerdem ist das Süll im vorderen Bereich vergleichsweise hoch und bietet eine angenehme Rückenlehne und guten Schutz. Die Sicht nach vorne ist ausgezeichnet, was einerseits am relativ flachen Aufbau liegt, zum anderen ist der Cockpitboden an den Steuersäulen leicht erhöht, wodurch man im Stehen mehr Überblick bekommt. Für den Steuermann ist die bequemste Sitzposition auf dem verbreiterten Cockpitsüll mit dem Rad zwischen den Beinen. So kann man sich bei Lage an der Steuersäule abstützen und hat guten Halt. Auf Wunsch lassen sich zusätzliche Fußstützen ordern. Die Sitzposition hinter den Rädern ist ebenfalls bequem, aber eher fürs Motoren oder Leichtwind geeignet, da es wenig Halt gibt und die Trimmfäden im Vorsegel prinzipbedingt außer Sicht sind.

Im zweiten Teil des Tests Linjett 36 geht es um den Ausbau unter Deck, und um den Wohnkomfort. Dazu die komplette Preisaufstellung, die YACHT-Bewertung sowie die Übersicht über die Konkurrenzboote, demnächst verfügbar.

Mit 17,50 Metern ist die Masthöhe noch moderat. Gut für Brückendurchfahrten. Form und Balancierung des Ruderblatts hat die Werft in Versuchsreihen optimiert. Der Bleiballast sitzt an einem stufenförmigen GFK-Stummel, was die Krafteinleitung verbessert.Foto: Yacht / N. CampeMit 17,50 Metern ist die Masthöhe noch moderat. Gut für Brückendurchfahrten. Form und Balancierung des Ruderblatts hat die Werft in Versuchsreihen optimiert. Der Bleiballast sitzt an einem stufenförmigen GFK-Stummel, was die Krafteinleitung verbessert.

TECHNISCHE DATEN LINJETT 36:

  • Konstrukteur: Linjett Design Team
  • CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 11,00 m
  • Gesamtlänge mit Bugspriet: 11,50 m
  • Länge Wasserlinie: 10,20 m
  • Breite: 3,66 m
  • Tiefgang/alternativ: 1,95 / 1,80 m
  • Masthöhe über Wasserlinie: 17,50 m
  • Gewicht: 6,8 t
  • Ballast/-anteil: 2,85 t/ 42 %
  • Großsegel: 41,9 m²
  • Rollgenua (150%): 42 m²
  • Motorisierung (Yanmar): 29 kW/40 PS, Saildrive
  • Kraftstofftank: 150 l
  • Frischwassertank (2): 290 l
  • Fäkaltank: 105 l

​Preise

Grundpreis ab Werft: 462.839 Euro
Preis segelfertig: 481.726 Euro
Komfortpreis: 514.810 Euro

(Alle Preise brutto, inkl. 19% Mehrwertsteuer. Die komplette Preisübersicht folgt in Teil 2)

​Rumpf- und Decks­bauweise

​Schaumsandwich mit Vinylester- harz, Vakuuminfusion. Deck: Schaumsandwich als Handlaminat.

​Motorisierung

Standard: Yanmar 3JM40 Common Rail Diesel (29 kW/40 PS), Saildrive, Drei-Flügel Faltpropeller.

Energieversorgung an Bord

Servicebatterien: 200 AH (LiFePo4) von Victron, Starterbatterie: 1 x 85 AH (AGM). Optional: wassergekühlte Spezial-Lichtmaschine mit drei Kilowatt Ladeleistung (7.900 Euro Aufpreis).

Werft

​Rosättra Båtvarv, Rosättra Varvsväg 57, 76176 Norrtälje/Schweden www.linjett.se

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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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