European Yacht of the Year 2027Die größten Kandidaten zwischen Tempo und Luxus

Jochen Rieker

 · 02.09.2026

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Die Kandidaten größer als 15 Meter.
Foto: KI-generiert
Bei den sieben größten Nominierten für den European Yacht of the Year 2027 Award treffen schnelle Katamarane auf elegante Performance-Cruiser und konsequente Langfahrtyachten. Trotz ähnlicher Abmessungen verfolgen die Kandidaten sehr unterschiedliche Konzepte.

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Jenseits von 15 Metern wird die Auswahl für den European Yacht of the Year 2027 Award exklusiv. Das günstigste Boot dieser Gruppe kostet rund 1,3 Millionen Euro, das teuerste mehr als 2,3 Millionen. Viel Geld allein bringt allerdings keine Punkte. Im Vergleich auf dem Wasser müssen die sieben großen Nominierten zeigen, ob ihre Bauweise, ihre Bedienung und ihr Segelverhalten zum jeweiligen Anspruch passen.

Unter den Kandidaten finden sich zwei leichte Performance-Katamarane, drei luxuriöse Fast Cruiser und zwei konsequent für die Langfahrt entwickelte Yachten. Die kompakten Nominierten zeigen, wie unterschiedlich moderne Segelkonzepte schon auf wenigen Metern ausfallen können. Bei den mittelgroßen Kandidaten treffen klassische Fahrtenyachten auf Scows und komfortorientierte Katamarane. Erst nach den Testfahrten wird sich zeigen, in welchen Kategorien diese unterschiedlichen Konzepte gegeneinander antreten.


Outremer 48: Leichtbau für lange Etmale

Schlanke Rümpfe, wenig Freibord dazu die Buge im Wavepiercer-Stil. Die Konstruktion des Outremer 48 ist klar auf eine gute Segelleistung ausgelegt.
Foto: Outremer Catamarans
Länge 15,10 m; Breite 7,56 m; Tiefgang 1,25 bis 2,10 m; Gewicht 10,5 t; Segelfläche 117 m²; Preis 1.416.100 Euro.

Outremer hat beim European Yacht of the Year eine bemerkenswerte Bilanz. Fünf Yachten der französischen Werft wurden bereits ausgezeichnet. Auch der neue Outremer 48“ setzt auf jene Mischung, die der Marke ihre Erfolge gebracht hat: schlanke Rümpfe, geringes Gewicht und ein kräftiges Rigg. Mit 10,5 Tonnen bleibt der 15,10 Meter lange Kat für sein Volumen sehr leicht. Flexible Schwerter sollen die Abdrift auf der Kreuz verringern, bis zu vier Tonnen Zuladung sind für lange Reisen vorgesehen.

Den Outremer 48 gibt es mit zehn mögliche Innenlayouts. Besonders flexibel ist die MFS-Kabine, deren Kürzel für „My Free Space“ steht. Sie kann als Gästekammer, Büro, Werkstatt, Kinderzimmer oder Stauraum dienen. Auch der Steuerstand lässt sich anpassen: Das Rad kann ins geschützte Cockpit geklappt werden, alternativ ist eine Pinne erhältlich. Wie schnell und handlich der Kat tatsächlich segelt, muss der Test zeigen.

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Swan 51: Ein letztes Projekt der Ferragamo-Ära

Augenschmeichler: Wie alle Swans ist auch die neue 51er ein schönes und besonders elegantes Schiff.
Foto: Nautor Swan
Länge 15,55 m; Breite 4,85 m; Tiefgang 2,45 m; Gewicht 18,0 t; Segelfläche 147,1 m²; Preis 1.725.500 Euro.

Leonardo Ferragamo gab die Swan 51 kurz vor seinem Rückzug als langjähriger Eigentümer von Nautor in Auftrag. Sie ersetzt die Swan 48 und bildet nun den Einstieg in eine Modellreihe, die erst bei 75 Fuß endet. Germán Frers zeichnete eine elegante Fahrtenyacht mit weit achtern stehendem Mast und ausgewogenem Segelplan. Unter Deck gibt es drei Kabinen, zwei große Nasszellen und einen aufwendig gefertigten Ausbau.

Im YACHT-Test kam die Swan 51 bereits bei rund zehn Knoten Wind gut in Fahrt. Auf der Kreuz wurden 6,1 Knoten und ein Wendewinkel von etwa 80 Grad gemessen. Mit Code Zero beschleunigte sie auf bis zu 8,3 Knoten und blieb dabei ausgewogen. Weniger gefielen die etwas schwergängige Steuerung und die flachen Cockpitsülle. Bauqualität, Ausstattung und technische Installationen entsprechen dagegen dem hohen Anspruch der Werft.


Amel 50.2: Langfahrtkonzept mit neuen Linien

Der ausgeprägte Decksprung und der negativ stehende Steven prägen die Silhouette der neuen Amel 50.2.
Foto: Chantiers Amel
Länge 15,79 m; Breite 4,99 m; Tiefgang 2,20 m; Gewicht 21,9 t; Segelfläche 135 m²; Preis 1.368.500 Euro.

Die Amel 50.2 folgt auf die erfolgreiche Amel 50, die bereits Europas Yacht des Jahres war. Trotz der vertrauten Grundidee handelt es sich nicht um eine einfache Modellpflege. Berret Racoupeau Yacht Design hat den Rumpf neu konstruiert, breiter gezeichnet und mit einem negativen Steven versehen. Das tiefe, von einem festen Hardtop geschützte Cockpit bleibt ebenso erhalten wie die zentrale Bedienung für eine kleine Crew.

Unter Deck bricht die Neue stärker mit ihrer Vorgängerin. Gerundete Möbel, lackierte Flächen und integrierte Handläufe prägen den offenen Salon. Auch die Eignerkammer im Heck, die Pantry und die Schalldämmung wurden überarbeitet. Die Jury wird auch testen, wie sich die neuen Rumpflinien auf Balance und Seeverhalten auswirken.


Ice 56: Aufwendiger Leichtbau aus Italien

Länge 16,90 m; Breite 5,10 m; Tiefgang 2,80 m; Gewicht 15,5 t; Segelfläche 177 m²; Preis 1.439.900 Euro.Foto: ICE YachtsLänge 16,90 m; Breite 5,10 m; Tiefgang 2,80 m; Gewicht 15,5 t; Segelfläche 177 m²; Preis 1.439.900 Euro.

Die Ice 56 ist als schneller Allrounder für Regatten und längere Reisen konzipiert. Unter den luxuriösen Performance-Yachten besitzt sie eine Sonderstellung. Die in Kleinserie gebaute Italienerin ist am aufwändigsten konstruiert: Carbon-Hybrid-Gelege werden mit Epoxidharz unter Vakuum laminiert. So entstehen sehr leichte und hochfeste Rümpfe. So bleibt die fast 17 Meter lange Yacht bei 15,5 Tonnen Gewicht. Mit 177 Quadratmetern Segelfläche bringt sie die höchste Segeltragezahl in diesem Segment mit.

Trotz des sportlichen Konzepts verzichtet die Ice 56 unter Deck nicht auf Komfort. Drei Kabinen haben jeweils ein eigenes Bad, zur Eignerkammer im Vorschiff gehört eine separate Dusche. Große Fenster bringen viel Licht in den Salon, im Heck ist eine Garage für ein Beiboot vorgesehen.


Solaris 55: Klare Linien, sportlicher Anspruch

Die Werft an der Nordadria, in deren modernen Fertigungshallen inzwischen auch die Yachten von CNB entstehen, gilt als Inbegriff qualitativ wie ästhetisch höchst anspruchsvollen Bootsbaus.
Foto: Solaris Yachts
Länge 16,90 m; Breite 5,00 m; Tiefgang 3,00 m; Gewicht 23,0 t; Segelfläche 182 m²; Preis 1.285.200 Euro.

Die Solaris 55 trägt die typische Formensprache der italienischen Werft: einen niedrigen Kajütaufbau, breite Decks und ein aufgeräumtes Cockpit. Konstrukteur Javier Soto Acebal hat dem Vorschiff mehr Volumen gegeben und die Kimmkanten über die gesamte Rumpflänge gezogen. Das soll den Auftrieb besser verteilen und vor allem auf raumen Kursen Vorteile bringen. Alle Leinen laufen verdeckt bis vor die Steuerstände, eine Selbstwendefock gehört zum Standard.

Unter Deck gibt es drei Doppelkabinen mit jeweils eigener Nasszelle und separater Dusche. In der Vorpiek kann anstelle der Segellast eine Crewkabine mit eigener Toilette eingerichtet werden. Der erste ausführliche Blick auf die Solaris 55 zeigt einen edlen, aber seegerecht angelegten Ausbau. Mit 23 Tonnen ist die Yacht deutlich schwerer als die gleich lange Ice 56. Ob sie dennoch ähnlich lebendig segelt, gehört zu den interessanten Fragen des Vergleichstests.


Windelo 55 Sport: Mehr Tempo für den Basalt-Kat

Länge 17,30 m; Breite 7,95 m; Tiefgang 1,25 – 2,95 m; Gewicht 12,3 t; Segelfläche 154 m2; 2.350.250 €.Foto: Windelo CatamaranLänge 17,30 m; Breite 7,95 m; Tiefgang 1,25 – 2,95 m; Gewicht 12,3 t; Segelfläche 154 m2; 2.350.250 €.

Windelo baut seine Katamaranrümpfe mit Basaltfasern und setzt bei der Energieversorgung stark auf elektrische Systeme und Solartechnik. Die Windelo 55 Sport basiert auf der Windelo 54, wurde für mehr Leistung aber deutlich verändert. Eine längere Wasserlinie, eine schärfere Bugform sowie tiefer reichende und neu profilierte Schwerter sollen für mehr Tempo sorgen. Mast und Bugspriet bestehen aus Carbon, Struktur und Ausbau wurden leichter ausgeführt.

Mit 12,3 Tonnen Gewicht und 154 Quadratmetern Segelfläche bringt der Kat gute Voraussetzungen für schnelle Etmale mit. Das für Windelo typische Konzept mit einem geschützten Steuerstand im vorderen Salon bleibt erhalten. Bei der Premiere des Windelo 55 Sport zeigten sich aber auch zentrale Änderungen zur Windelo 54, wie zum Beispiel ein Carbonrigg, optimierte Anhänge und eine aggressivere Rumpfform.


First 60: Mehr Temperament für das Flaggschiff

Elegante Schönheit. Die Konstruktion kommt von Roberto Biscontini Yacht Design in Zusammenarbeit mit Gestalter Lorenzo Argento.
Foto: Beneteau
Länge 17,60 m; Breite 5,30 m; Tiefgang 2,88 m; Gewicht 22,3 t; Segelfläche 189 m²; Preis 1.770.130 Euro.

Beneteau baut die First 60 auf der konstruktiven Basis der Oceanis Yacht 60 auf. Roberto Biscontini und Lorenzo Argento haben das Cockpit verändert und der Yacht ein leistungsstärkeres Rigg gegeben. Die Schotwinschen stehen frei auf eigenen Podesten und sind auch vom Steuerstand gut erreichbar. Sämtliche Leinen laufen verdeckt nach achtern, während das Gästecockpit weitgehend frei bleibt.

Das Standardrigg erreicht eine sportliche Segeltragezahl von 4,9. Wer noch mehr Leistung wünscht, kann sich für ein Performance-Rigg mit rund einen Meter höherem Kohlefasermast entscheiden, das entsprechend mehr Segelfläche bietet. Unter Deck bietet die Yacht drei große Doppelkabinen mit jeweils eigenem Bad und separater Dusche. Die Pantry nimmt die gesamte Schiffsbreite ein, im Heck liegt eine Garage für ein bis zu 3,20 Meter langes Beiboot.


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Luxus, Langfahrt oder Tempo: Welcher der sieben Kandidaten trifft Ihren Geschmack? Diskutieren Sie mit.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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