Segeln, mehr nicht. Auf diese knappe Formel lässt sich die neue J/7 bringen – und das ist durchaus als Kompliment gemeint. J/Boats hat sein nunmehr kleinstes Modell nicht als schwimmenden Kompromiss angelegt, nicht als Mini-Kreuzer mit einem möglichst breiten Einsatzspektrum, sondern sehr bewusst als einfachen, technisch reduzierten Daysailer. Ein Boot für das kurze, intensive Segelvergnügen für zwischendurch oder nach Feierabend.
Hinter dem Grundgedanken der Werft steckt viel amerikanischer Pragmatismus. „Keep it short and simple“ kann als Leitsatz über dem neuen Projekt stehen. Die Standardversion der J/7 kommt entsprechend schlicht: ohne Bugspriet, ohne Gennaker, mit einfachem Aluminiumrigg, Dacron-Segeln und nur so viel Leinenwerk, wie es zum Segeln gerade mal braucht. Wer zusätzlich Sportlichkeit möchte, kann das optionale Gennaker-Paket mit einem festen Bugspriet als Extra mitbestellen. Es ist aber nicht Voraussetzung für das Konzept, eher dessen Erweiterung.
Während alle aktuellen Modelle von J/Boats in Lizenz von der Werft J Composites in Les Sables-d’Olonne an der französischen Atlantikküste entwickelt und gebaut werden, bleibt die J/7 zugleich eng an den amerikanischen Ursprung gebunden. Gefertigt wird sie deshalb sowohl in Europa als auch in Übersee.
Der Test findet beim Schweizer Händler am Zugersee statt. Die Bedingungen sind gut, aber nicht einfach. Acht bis zwölf Knoten Wind stehen auf dem See in der Zentralschweiz, durchzogen mit kräftigeren Böen bis 5 Beaufort und vielen Drehern. Die J/7 findet dazwischen eine überzeugende Balance. Sie reagiert lebhaft, nimmt Böen gelassen an und lässt sich leicht und agil an der Windkante führen. In den Böen krängt das Boot allerdings schnell und stark, was an der eher klassischen, aber markentypischen Rumpfform von Konstrukteur Alan Johnstone mit der schmalen Wasserlinie und dem achtern schlanken Heck liegen dürfte.
Mit Krängung hat das Boot aber keinerlei Probleme, es bleibt stabil auf Kurs und zeigt keine Anzeichen eines möglichen Kontrollverlusts. Unter Gennaker wird das Boot zu Testzwecken auf kleineren Winkeln ebenfalls etwas härter rangenommen. Auch davon zeigt sich die kleine J/7 gänzlich unbeeindruckt. Und die Performance kann sich ebenfalls sehen lassen. An der Kreuz und nur einhand gesegelt schafft das kleine Boot einen Speed von 6,0 Knoten auf einem Winkel zum wahren Wind von guten 40 Grad – eine solide Leistung. Allerdings darf nicht unerwähnt sein, dass sich der Schweizer Händler für sein Demo-Boot mit einem Satz hochwertiger Laminatsegel eingedeckt hat. Sie dürften die Leistung am Wind positiv beeinflusst haben. Im Standard wird die J/7 mit einem Satz einfacher Segel (Groß und Fock) aus weißem Dacron ausgeliefert.
Bei der J/7 steht der kurze Mast relativ weit vorne auf dem Schiff. Das hat guten Grund: Damit will Konstrukteur Alan Johnstone erreichen, dass das Boot auch nur mit dem Groß noch gut und kontrolliert segelbar ist, was bei viel Wind ein Sicherheitsfaktor und für Einhandsegler eine Erleichterung sein kann. Auch dies klappt im YACHT-Test erstaunlich gut. Das Boot erreicht nur mit Groß immer noch 4,4 Knoten hart am Wind, bleibt aber kontrolliert steuerbar. Auch das Beschleunigen aus dem Stand nur mit Groß ist problemlos. Das macht es einfach, auch ohne Motor im Hafen zu manövrieren.
Der Standard-Bleikiel bleibt relativ kurz und reicht nur bis 1,16 Meter Tiefe. Dafür ist der Ballast mit einem Anteil von 46 Prozent am Gesamtgewicht von über einer Tonne hoch. Dank des geringen Tiefgangs und des angehängten Ruderblatts ist das Slippen der J/7 über die Rampe problemlos möglich, der Transport auf dem Anhänger sowieso. Flexible Anhänge wie Hub- oder Schwenkkiele sind bei J/Boats generell kein Thema und werden auch optional nicht angeboten.
Zum Thema Daysailing gehört auch ein großes Cockpit mit reichlich Platz zum Genießen und Entspannen. Bei der J/7 sind die Duchten 2,60 Meter lang. Darauf können unterwegs bis zu vier Personen bequem nebeneinander in Luv sitzen. Dank Pinnensteuerung mit Ausleger hat der allein segelnde Steuermann im offenen Cockpit maximal viel unverbaute Bewegungsfreiheit. Er kann die Schoten für die Fock auf dem Kajütdach bedienen und auch die Fallen, die beim Testboot in der Schweiz allerdings als sinnvolle Sonderausstattung auf Fallenstopper seitlich vom Niedergang geführt werden. Beim Standard-Boot bleiben die Fallen vorne am Mast belegt.
Was an Deck fehlt, sind Stauräume für Fender, Festmacher oder zusätzliche Segel wie Gennaker oder Spinnaker. Die Duchten bleiben geschlossen. Backskisten sind gar keine vorhanden. Somit müssen sperrige Dinge offen unter Deck gestaut werden. Auch für den Außenbordmotor gibt es keinen ausgewiesenen Stauraum. Der Flautenschieber bleibt am Heck angehängt.
Mit einem Preis von knapp 55.000 Euro brutto inklusive der Segel und einer qualitativ guten Decksausstattung ist die J/7 ein attraktives und wettbewerbsfähiges Angebot.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!
J/Boats trifft das Konzept als kompromissloser Daysailer genau: wenig Ballast im Sinne von Ausstattung, dafür umso mehr Substanz beim Segeln.
Kompromisslose Ausrichtung
Stark reduziertes Boot
Wenig Stauräume an Deck
Solide Leistung am Wind
Volle Einhandtauglichkeit
Segelt mitunter rank
Hochwertige Grundausstattung
Ausgewogene Steuerung
Kein Hubkiel möglich
GFK-Sandwichkonstruktion aus E-Glas und Schaumkern, laminiert mit Vakuuminfusion.
J Composites, 85340 Les Sables-d’Olonne (Frankreich); www.jcomposites.eu
Der einfache, aber auch sportliche Daysailer aus Holland wird mittlerweile von RS Sailing in England gebaut und vertrieben. Die Konstruktion kommt von Simonis Voogd und ist mit einem Hubkiel ausgestattet. Hier lesen Sie den Test.
Einfach ausgestattetes Vielzweckboot aus der Neptun-Werft in Deutschland. Im YACHT-Test überzeugt das Boot mit gutmütigen Segeleigenschaften. Auch gibt es nun eine Variante mit Übernachtungsmöglichkeit. Den Test lesen Sie hier.
Hübsches Crossover-Boot aus Holland. Mit dem vollständig aufholbaren Schwenkkiel ist das Boot leicht zu slippen und einfach aus dem Trailer zu transportieren. Unter Deck können zwei Personen schlafen. Lesen Sie hier den Test der Pointer 22.
Sie war das erste Serienboot der Daysailer-Experten von Saffier Yachts in Holland und wird in modifizierter Form immer noch gebaut. Der knuffige, robuste Kraftzwerg hat auch mit Wind und Wellen keine Mühe. Den Test lesen Sie hier.
* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 55.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 600 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 Millionen Euro.
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