MeinungLohnt es sich überhaupt, Eigner zu sein?

YACHT

 · 16.12.2023

Meinung: Lohnt es sich überhaupt, Eigner zu sein?
YACHT-Woche – Der Rückblick

Themen in diesem Artikel


yacht/bullseye-yacht-woche-johannes-2000x500_c06a220bc62570db6052501485b47389

Liebe Leserinnen und Leser,

der Adventskalender leert sich langsam, und Weihnachten steht vor der Tür. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr liegen diesmal besonders arbeitnehmerfreundlich, sodass mit wenigen Urlaubstagen viele Tage Freizeit zu bekommen sind.

Die Zeit der Besinnlichkeit … und für viele Menschen auch eine Zeit der Besinnung. Die Tage „zwischen den Jahren“ sind für mich immer ein guter Zeitpunkt zu rekapitulieren, was das vergangene Jahr gebracht hat und zu reevaluieren, was sich im nächsten Jahr verändern soll.

Vor zwei Jahren haben wir unseren Liegeplatz ins Mittelmeer verlegt und das neue Revier dank zweier Elternzeiten (von sechs und zwei Monaten) auch sehr zu schätzen gelernt. Bevor unsere Kinder in die Schule kommen, wollten wir die gemeinsame Zeit noch einmal richtig nutzen. Den Kindern hat das Leben an Bord auch großen Spaß gemacht, und in den letzten Wochen fragten sie immer wieder: „Papa, können wir nicht mal wieder an Bord gehen und in ein anderes Land segeln?“ Da freut sich das Vaterherz natürlich. Die Sehnsucht nach der See ist bereits gepflanzt.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Doch im kommenden Jahr wird sich unser Sommerurlaub – wie für die meisten Menschen üblich – nur auf ein paar Wochen am Stück beschränken. Drei bis vier Wochen vermutlich.

Und angesichts der gerade gezahlten Liegeplatz-Rechnung für das Landlager unseres 36-Fuß-Katamarans frage ich mich natürlich: Lohnt es sich überhaupt, solch ein Boot in Griechenland zu halten, wenn man es doch viel zu selten nutzt?

Unser Fünf-Jahres-Plan beim Kauf des Bootes sah vor, Jahr um Jahr und Meile um Meile das Mittelmeer zu erkunden. Nächstes Jahr Sizilien, übernächstes Jahr Spanien, dann Portugal, bis wir in fünf Jahren in der Ostsee sind. „Und was dann?“, wurde ich schon oft gefragt, worauf ich meist mit „Dann fahren wir vermutlich wieder zurück“ geantwortet habe. Der Weg ist das Ziel. Obwohl es uns im Moment auch sehr reizt, mal wieder ein paar Jahre in der Ostsee zu liegen und das Boot vor der Tür zu haben, denn das hatten wir seit zehn Jahren nicht.

Aber auch, wenn unser Plan für uns noch immer plausibel und verlockend klingt, so muss ich doch ganz nüchtern eingestehen: Eigentlich lohnt es sich wirklich nicht, das Boot vier bis sechs Wochen im Jahr zu nutzen und es den Rest des Jahres an Land einzulagern. Chartersegeln wäre da viel sinnvoller.

Läge unser Boot an der Ostsee, würde das natürlich ganz anders aussehen. Dann, bin ich mir sicher, würden wir zumindest jedes zweite Wochenende an Bord verbringen. Am liebsten irgendwo in Dänemark, mit einem Opti für unsere beiden Jungs an den Davits. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Doch was tun – das Boot verkaufen und lieber chartern? In meinem YACHT-Gebrauchtboot-Webinar habe ich neulich unsere jährlichen Kosten für Liegeplatz, Versicherung, Wartung und Ersatz von Ausrüstung notiert – und bin einigermaßen überrascht gewesen, was unter dem Strich stand. Dafür könnte man tatsächlich drei bis vier Wochen im Jahr chartern. Und man hätte keine Arbeit mit dem Boot, denn nach der langen Standzeit kostet die Wiederinbetriebnahme natürlich auch eine Menge Zeit und Mühen. Damit wir im Sommer gleich einwassern können, werde ich vermutlich im April noch für vier oder fünf Tage zum Boot fliegen müssen, um es vorzubereiten. In diesem Jahr sind bei uns auch noch die Saildrive-Membranen dran, die getauscht werden müssen, wofür ich jeweils einen Tag brauche. Bei 30 Tagen Urlaub ist das viel.

Eigentlich darf man die Arbeit deshalb nicht auch noch hinzurechnen, sonst gibt es wirklich überhaupt keine Argumente mehr, ein Boot zu besitzen.

Die nächste Frage: Warum muss man denn überhaupt noch ein Boot besitzen? Der Sharing-Gedanke greift doch bereits seit Jahren um sich. Hier in der Hamburger Großstadt werden Autos und Fahrräder geteilt. Einen eigenen Schreibtisch hat in unserer Redaktion auch niemand mehr, wir haben nur noch Co-Working-Spaces. Man nimmt sich einen Schreibtisch, wenn man ihn braucht. Man teilt.

Doch was das Segeln angeht, wird nicht jeder mit dem Chartersegeln glücklich. Dabei geht es nicht allein darum, „keine verranzte Chartermöhre“ fahren zu wollen – es gibt ja auch genügend Vercharterer, die ihre Boote wirklich gut pflegen. Nach ein paar Stunden Flug auf ein frisch gewaschenes und oft schon verproviantiertes Boot zu steigen ist allemal angenehmer, als erst mal ein verstaubtes Boot wieder in Betrieb nehmen zu müssen, die Segel anzuschlagen und die Motoren auszuwintern.

Doch es gibt solche und solche Segler. Für mich – und vermutlich viele andere Eigner auch – geht es bei diesem Hobby nicht allein um das Segeln. Sondern um das Seglerleben als Ganzes. Ein Schiff zu unterhalten, es zu pflegen und zu warten ist für mich Teil des Erlebnisses. Auch wenn ich den ersten unserer wenigen Urlaubstage kopfüber im Maschinenraum stecke, das Deck schrubbe oder ein Wespennest aus der Backskiste entferne, dann könnte ich nicht glücklicher sein, würde ich bei einer Backstagbrise in den Sonnenuntergang segeln.

Das mag komisch klingen. Und das tut es selbst für mich. Aber um einen Vergleich zu bemühen, ist es beim Segeln doch wie bei den Betreibern von Modelleisenbahnen. Da gibt es die, die nur bauen, und andere, die nur fahren. Und manche, die sich an beidem erfreuen. Das sind wir.

An dem Sharing-Gedanken ist aber trotzdem etwas dran. Das hat mir zu denken gegeben. Deshalb haben wir bereits mehreren Freunden angeboten, im kommenden Sommer unser Boot zu leihen und das Mittelmeer zu genießen. Ist doch immer schön, wenn Dinge auch benutzt werden und nicht nur herumstehen, meinen Sie nicht?

Frohe Weihnachtszeit.

Johannes Erdmann,

YACHT-Redakteur

Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:


Draufklicken zum Durchblicken

Die Woche in Bildern:

Die harten Bedingungen haben ihre Spuren hinterlassen – das gerissene Segel von "Malizia – Seaexplorer"
Foto: Anne Beaugé / Retour à La Base

Lese-Empfehlungen der Redaktion:

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

La Solitaire du Figaro Paprec

Nico Lunven siegt, Boris Herrmann gratuliert

yacht/714792130-18551662174070849-1144572743152071785-n_b2ccd2ecce1d9f7c9079f77e55e32855

Finale im La Solitaire du Figaro Paprec: Boris Herrmanns langjähriger Navigator Nico Lunven hat das Rennen gemacht. Die Segelwelt huldigt dem Franzosen.


“Magic”

44-Meter-Vitters sucht neue Eignerfamilie

yacht/magic-10002026-vb5548777_bf5ffdc922f9b1c3375f4a629ba0baf4

Mit der 44 Meter langen „Magic“ lieferte Vitters ein hochbordiges Meisterwerk, das mit Ruhe und viel Raum überzeugt. Das sportliche Reichel/Pugh-Design entstand nach den präzisen Vorstellungen eines erfahrenen Seglers und sucht für 45 Millionen Euro einen neuen Eigner.


Amel 50.2

Ein neues Kapitel für die lange Fahrt

yacht/bildschirmfoto-2026-06-03-um-095409_004f23bc5c386149c3c530d86fad8839

Amel stellt die 50.2 vor: Der neue Blauwasserkreuzer folgt auf die erfolgreiche Amel 50, ist aber eine eigenständige Neukonstruktion von Berret-Racoupeau. Mit modernisierten Linien, überarbeitetem Cockpit und neuem Innenlayout bleibt sie dem Amel-Konzept treu: sicher, komfortabel und von kleiner Crew beherrschbar.


Klassiker

Wiederauferstehung der “Klaus Störtebeker III”

yacht/100137147_d7fb4b84226f2f1d37f3b46ceadf454c

Der gemeinnützige Verin Jadewind e.V. aus Oldenburg hat die Restaurierung der “Störtebeker III” fast abgeschlossen. Die Yacht soll künftig im Wilhelmshavener Museumshafen liegen und für Hochseereisen eingesetzt werden, auf denen traditionelle Seemannschaft vermittelt wird. Dafür werden segelbegeisterte Jugendliche gesucht.


​Grand Soleil Plus 80 LC

Neues Flaggschiff für lange Reisen

yacht/6-dji-20260520171639-0399-d-alta_16c85ed11d719a630bc3d4ce61eca937

Grand Soleil zeigt mit der Plus 80 Long Cruise ein neues Flaggschiff für Eigner, die große Distanzen unter Segeln zurücklegen wollen.


Fyn Cup 2026

Neuer Rekord und deutsche Erfolge

yacht/709407281-1583463400455648-7984058871174808655-n_ecf8fee9d1a2f4c2f4677d120b063549

Der Fyn Cup 2026 brachte den Crews stabile Westwinde und eine niedrige Ausfallquote. 212 von 220 gestarteten Booten beendeten die Regatta um Fünen.


Elektronik

Garmin Signal VHF 400/220 – UKW-Funkgeräte mit AIS, die keinen Splitter brauchen

yacht/garmin-marine-signal-vhf-funkgerat-mit-handmikrofon-c-garmin-deutschland-gmbh_193559135a82ec97877a3c4060b7e87c

Garmin bringt die Signal-Serie: UKW-Funkgeräte mit integriertem AIS-Transponder, basierend auf Vesper-Technologie. Drahtloses Handmikrofon ermöglicht flexible Installation.


SailGP

Dreier-Crash in New York, schwarzer Tag für Team Germany

yacht/rp1-0127-7_cac8b2d36d63cea5cd15166b18babece

Chaos, Crash und Bruch: Beim SailGP in New York lief so einiges aus dem Ruder. Auch für das Germany SailGP Team schmeckte der "Big Apple" eher sauer.


Kairos-Trimaran

Regatta-Speed mit Komfort für die Langfahrt

yacht/kairos-exterior-1_5e4b3a8c4164e6a7e57af8b6af03f8c1

Independent Catamaran baut eine neue Trimaranreihe aus Carbon und mit bis zu acht Kojen.



YACHT-Webinare

Einsteigerwebinare für jedermann. Jetzt anmelden!

yacht/laptop-an-bord-webinare-5156_508492bbd84a50c79856e2ffb7bca2d5Foto: N. Timm

Am 2. November ist unser umfangreiches Angebot interessanter Online-Fachvorträge zu den wichtigsten Themen rund ums Segeln gestartet. Lassen Sie sich von unseren Experten fit machen für die neue Saison. In einer Reihe von Webinaren vermitteln wir Praxiswissen und unsere Erfahrungen zu Themen, die gleichermaßen Einsteiger und Könner beschäftigen



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:

Meistgelesen in der Rubrik Special