MeinungKommunikation – mangelhaft!

YACHT

 · 12.07.2025

Meinung: Kommunikation – mangelhaft!
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-pascal-2000x500_1c319ce1523f0a91400a88be18bdd2bf

Liebe Leserinnen und Leser,

wann haben wir verlernt, miteinander zu reden? Heutzutage schreiben die meisten Menschen lieber eine Mail oder tippen eine Kurznachricht ins Handy, statt den Adressaten einfach mal anzurufen.

Warum ist das so? Haben wir Angst vor unbequemen Nachfragen? Fehlt uns die Zeit für ausführlichere Gespräche, weil wir permanent unter Druck stehen? Selbst viele Ältere, die längst aus dem Berufsleben raus sind, hacken oftmals hektisch auf ihren Smartphones herum, statt die Wähltaste zu drücken. Ich verstehe es nicht.

Um wie vieles schneller lassen sich Fragen oder gar Probleme in einem direkten Gespräch klären! Um wie vieles persönlicher ist eine nette Plauderei, wenn man den Anderen am Ohr hat, statt mit ihm im Minutentakt vor kryptischen Kürzeln wimmelnde „Messages“ auszutauschen!

Schuld an dieser Entwicklung ist nicht die Technik, namentlich nicht das Handy. Es sind wir Menschen, die nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, es aus der Hand zu legen. Ich nehme mich selbst da nicht aus. Selbst beim gemütlichen Sundowner im Cockpit liegt das kleine Wunderding fast immer in Griffweite. Und mancher Abend vergeht mit stundenlangem Videoclip-Gegucke, statt mit einer guten Unterhaltung in geselliger Runde.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Auf der Strecke bleibt dabei inzwischen häufig die schöne Tradition des Klönschnacks. Den Nachbarlieger freundlich zu grüßen, nach dem Wohlbefinden und dem Woher und Wohin zu fragen, gehörte immer zum guten Ton im Hafen. Über diesen ersten Austausch hinaus die Gesprächsfäden weiter zu spinnen, über Boote, Gott und die Welt zu quatschen und darüber die Zeit zu vergessen – was gibt es Herrlicheres?!

Man mag das oldschool finden, ewig gestrig. Ich finde, es lohnt, das eigene Kommunikationsverhalten einmal selbstkritisch zu hinterfragen. Bisweilen hat unsere zunehmende Gesprächsverweigerung gar fatale Folgen. So beobachten Rettungskräfte, Berufsschiffer, Schleusen- und Brückenwärter beispielsweise länger schon, dass Segler nicht mehr über Funk ansprechbar sind.

Dabei hängt ein UKW-Funkgerät über fast jedem Navitisch (gleich neben dem Plotter, aber das ist ein anderes Thema). Zum Mikrofon indes greift kaum noch jemand. Allzu oft werden die Geräte nicht einmal eingeschaltet, um zumindest mitzubekommen, falls sich in der Nähe ein Notfall ereignet. Oder der Schleusenwärter Anweisungen zur Einfahrt in die Schleusenkammer geben möchte.

Wenn Segler auf das Thema angesprochen werden, winken sie oftmals ab. „Wer funkt denn heutzutage noch?“, heißt es dann. Und: „Das Handy ist doch viel praktischer!“ Das mag in vielen Fällen stimmen. Aber nicht in allen. Insbesondere, dass das Smartphone ein gleichwertiger Ersatz fürs Funkgerät sei, ist ein verbreiteter Irrglaube!

Erst dieser Tage war davon zu lesen, dass ein auf der Ostsee havarierter Segler nicht erreichbar gewesen ist. Er hatte in schwacher Brise mit dem Ausfall der Maschine und der Bordelektronik zu kämpfen. Da er den Zielhafen nicht zum verabredeten Zeitpunkt erreichte, alarmierten Angehörige die Seenotretter. Die mussten lange suchen, bis sie endlich ein schwaches Radarsignal empfingen, das sie zu dem Vermissten leitete. Hätte der ein Handfunkgerät genutzt, wäre die aufwändige Suche vermutlich deutlich abgekürzt worden.

Auch Berufsschiffskapitäne, etwa auf der Elbe, klagen, dass sie Segler in brenzligen Situationen nicht ansprechen können, weil diese schlicht auf dem Funkwege taub seien. Desgleichen die Verkehrszentralen. Die eigene Handynummer hat schließlich niemand groß im Segel stehen!

Nicht selten, so zeigt die Praxis, scheuen Segler vorm Funken zurück, weil ihnen schlicht die Routine fehlt. Verständlich, die Funkscheinprüfung liegt lange zurück, und so richtig praxisnah sind viele Funklehrgänge obendrein auch nicht.

Eine Ausrede darf das aber nicht sein. In der aktuellen YACHT-Ausgabe und auch hier auf yacht.de nehmen wir uns deshalb der Funkerei noch einmal ausführlich an. Im Fokus steht dabei, wie man mit ein paar Tricks und Kniffen ein gerüttelt Maß Funkroutine erlangt. Es lohnt, sich mit dem Thema auseinander zu setzen; im Zweifel ist es lebensrettend!

In diesem Sinne: „Over!“, nicht: „Out!“ – heißt, ich bleibe auf Empfang. Schreiben Sie mir Ihre Meinung zu dem Thema, ich bin gespannt.

Pascal Schürmann

YACHT-Textchef


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Wetterwissen

Starke Böen aus heiterem Himmel – Entstehung und Segel-Handling

yacht/hr310-2322-2000_bafe556aac67c98d99be38d7ca79bbd1

Böen übberraschen Segler aus heiterem Himmel – das Potenzial ist teilweise enorm. Wetter-Experte Dr. Michael Sachweh erklärt, wie und wo sie entstehen.


Wetter

Spektakuläre Wasserhose zieht über den Bodensee

yacht/538726274-1_5d7a63d50223d853a9c7130fb449bb10

Am Mittwochmittag hat sich über dem Bodensee bei Friedrichshafen eine gewaltige Wasserhose gebildet. Schiffe gerieten aber nicht in Not.


Eagle 46

Daysailer mit starken Segeleigenschaften ist echter Hingucker

yacht/100216828_d613b3eab3993e2d6f4b1eac9c6c5574

Mit ihren aufregenden klassischen Linien ist die Eagle 46 ein Blickfang. Die Grazie aus Holland kann mehr als nur schön sein. Sie ist eine Klasse für sich.


Vendée Globe

Malizia-Clip zum Stapellauf-Countdown – die Neue naht!

yacht/20260603-mlz4-borisvisit-ml-1_7066912291dcd1dcda6bcf327f470cf3

Im Countdown zum "Malizia 4"-Stapellauf: Am 6. Juli wird Boris Herrmanns Neue in ihr Element gekrant. Ein neuer Team-Clip zeigt den Endspurt in Lorient.


„Graceful“

​Bringt Putin seine Yacht in Sicherheit?

boot/275066212_81c7fbb4da2ab941bb85b3549daa19b6

Sie gilt als eine der geheimnisvollsten Superyachten der Welt – gebaut in Deutschland, genutzt vom mächtigsten Mann Russlands, und jetzt angeblich auf der Flucht vor ukrainischen Drohnen. Die eskortierte Passage der „Graceful" durch den Fehmarnbelt sorgt für viele Spekulationen.


Wettfahrten

So starten junge Crews und DIY-Segler ins Low-Budget-Racing

yacht/100221254_f034029fc80485a2b2579569262b9ba3

Zwei Beispiele, ein gemeinsamer Kern: Regattasegeln muss kein Hochglanzprojekt sein. Die „Sailing Generation“ und Runar Åsly zeigen, wie viel mit Eigenleistung, Teamgeist und überschaubarem Budget möglich ist.


Regatta-Projekt

Fastnet Race mit kleinem Budget

yacht/100221502_23315e8032253451a74717ab46da3e89

Fünf Segler, eine alte Farr-Yacht und ein klar umrissenes Ziel: das Fastnet Race. Wie ein Low-Budget-Projekt mit Gebrauchtsegeln, Eigenarbeit und viel Teamgeist tatsächlich bis zur Startlinie kam.


Besondere Leuchttürme

Þrídrangaviti - der Mount Everest der Leuchtfeuer

yacht/screenshot-2026-06-29-155837_4e93b3ecdb5c10b37997fae21daeed75

Besondere Leuchttürme: Kaum ein Leuchtfeuer ist schwerer zugänglich als Þrídrangaviti vor der Südküste Islands. Das klingt nach einer Herausforderung.


Gefahr

Zahlreiche Notfälle von der Ostsee bis zum Bodensee

yacht/026-06-28-gewitterboe-lasst-segelboot-kentern-seenotretter-retten-zwei-menschen-aus-der-ostsee_aa9b6816e5523155c5ffe508dd318691

Mehr 75 Menschen in Seenot: Die DGzRS ist am vergangenen Wochenende zu mehr als 30 Einsätzen ausgerückt. Welche Seenotfälle die Notrufe auslösten


Route du Rhum

Boris Herrmann startet solo ins legendäre Rhum-Rennen

yacht/b9a3072_9877b729a9218b02272b233ca67533d2

Die 13. Route du Rhum startet am 1. November vor Saint-Malo. Boris Herrmann ist zum dritten Mal dabei. Ins Rennen geht er mit seiner neuen "Malizia 4".



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service