Nach fünf Monaten Winterpause in einer Blockhütte in der Region Québec, Kanada, brachte Yann Quenet sein 4,30 Meter langes Boot „Baluchon" auf einem Trailer über die Rocky Mountains an die kanadische Westküste. Seit Anfang des Monats ist er wieder unterwegs – Kurs Westen. Sein Ziel: über Mexiko und Polynesien nach Australien und schließlich zurück nach Frankreich.
In einem aktuellen YouTube-Video berichtet Quenet von seiner Passage durch die Haro Strait südlich von Vancouver Island. Aufgrund fehlenden Windes lässt sich der Minimalist von der Strömung treiben oder wringt lange Strecken mit einem Paddel am Heck. Einen Motor hat die „Baluchon" nicht. 120 Seemeilen muss er zurücklegen, um die geschützten Gewässer von British Columbia zu verlassen und den offenen Pazifik zu erreichen. Dafür rechnet er mit vier bis fünf Tagen.
Ganz stressfrei ist die Überfahrt nicht:
„Man muss ständig aufpassen. Es ist wie in der nördlichen Bretagne: Du navigierst mit den Gezeiten, bist ein Spielball der Strömungen.”
Gestartet war Yann Quenet im Juni 2024 in der Bretagne. Über die Kapverden segelte er über den Atlantik nach Neufundland. Von dort fuhr er den Sankt-Lorenz-Strom hinauf bis nach Québec – ohne Motor, nur mit Wind und Strömung. Zwei Monate benötigte er für diese Etappe. Den Winter verbrachte er mit seinem Boot eingeschneit in einer Blockhütte.
Nun soll es über Mexiko und Polynesien nach Australien und weiter um die Welt gehen. In 40 bis 50 Tagen rechnet Quenet damit, Polynesien zu erreichen.
Yann Quenet ist kein gewöhnlicher Segler. Der autodidaktische Bootsbauer aus der Bretagne hat sich auf Kleinboot-Projekte spezialisiert und Anfang 50 seinen Job an den Nagel gehängt, um sein Leben dem Segeln auf Mikrobooten zu verschreiben.
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Seine Weltumsegler-Geschichte verlief dabei alles andere als gradlinig: Bei seinem ersten Versuch 2016 mit seinem selbstgebauten Boot „Skrowl" kenterte er rund 450 Seemeilen vor Madeira und wurde von einem Frachtschiff gerettet.
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Aufgeben war für Quenet keine Option. Er baute die „Baluchon", verbesserte Fehler der vorherigen Konstruktion und startete 2019 erneut. Nach drei Jahren gelang ihm die erste Weltumseglung. Über seine Erlebnisse schrieb er ein Buch, dass im Delius Klasing Verlag erschienen ist (hier erhältlich).
Nun ist er bereits zum zweiten Mal unterwegs.

Redakteur News & Panorama