AbenteuerWeltumsegelung auf vier Metern: Yann Quenet ist am Ziel!

Abenteuer: Weltumsegelung auf vier Metern: Yann Quenet ist am Ziel!Foto: Olivier Montlahuc

Unglaublich, aber wahr: Der Franzose hat seine große Reise vollendet und die Bretagne auf eigenem Kiel wieder erreicht. Interview mit einem wahren Minimalisten

Wo immer Yann Quenet den Anker fallen lässt oder die Leinen übergibt, stößt er auf eine Mischung aus Staunen, Faszination, Bewunderung und Kopfschütteln. Kein Wunder angesichts seines Bootes und der Reise, die er damit unternommen hat. Um die Welt – damit? Der 53-jährige Franzose aus dem bretonischen Saint-Brieuc ist mit einer Nussschale um die Welt gesegelt, die kürzer ist als eine 420er-Jolle – nämlich genau vier Meter lang.

Quenet hat seine „Baluchon“ selbst gebaut in seiner Werft für Mikro-Boote daheim in Frankreich, um sich damit den Traum einer Reise um die Welt zu erfüllen. 2019 ist er losgesegelt, immer gen Westen.

Seit gestern hat er es nun geschafft und den Hafen von Trébeurden in seiner bretonischen Heimat erreicht. Die YACHT hat schon vor seiner letzten Etappe mit dem sympathischen Ausnahmesegler über das nahende Ende seines unglaublichen Abenteuers gesprochen.

YACHT: Ihre Reise stößt in den sozialen Medien auf großes Interesse. Auf Facebook haben Sie beinahe 5.000 Follower, und in Frankreich kennt Sie mittlerweile fast jeder Segler. Überrascht Sie das?

Yann Quenet: Ja, ich bin überwältigt! Eigentlich bin ich nämlich ganz für mich allein losgesegelt und nicht davon ausgegangen, dass sich irgendjemand für das interessiert, was ich mache. Die Leute wollen ja tendenziell immer größere und noch größere Schiffe. Aber nein, es wirft offenbar Fragen bei den Leuten auf, wenn da so ein Typ wie ich mit so einem kleinen Schiff unterwegs ist.

Gefällt Ihnen diese Aufmerksamkeit?

Ja, das ist doch nett. Für mich ist es vor allem eine Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, die ich sonst nie getroffen hätte. Das mag ich sehr. Da ist auch niemand, der mir dumm kommt oder meine Reise kritisiert, sondern ich werde immer sehr herzlich empfangen. Es ist die große Überraschung dieser Reise, so viele Bekanntschaften zu schließen. Ursprünglich wollte ich sie nur zum Vergnügen machen, weil ich Lust darauf hatte. Mein Boot ist aber längst die Eintrittskarte dafür geworden, Menschen zu treffen und kennenzulernen.

Sie legen meist eine lange Strecke zurück und bleiben dann auch wieder lange an einem Ort. War das so geplant?

Na ja, das hängt ja auch immer von der richtigen Saison zum Weitersegeln in den nächsten Hafen ab. Wenn ich länger an einem Ort bleibe, gibt es außerdem bessere Möglichkeiten zu arbeiten und die Reisekasse wieder ein wenig aufzufüllen. Auf Réunion konnte ich zum Beispiel in einer Segelmacherei arbeiten. Ich bin aber auch nicht immer nur von A nach B gesegelt.

Wie meinen Sie das?

In Südafrika habe ich mein Boot auf einen Anhänger gestellt und damit das Land von der Küste des Indischen Ozeans bis zur Atlantikküste durchquert. So konnte ich auch etwas vom Landesinneren sehen – ganz so, wie ich es schon in Australien vorhatte.

Haben Sie das auch gemacht, um die anspruchsvolle, durchaus gefährliche Passage ums Kap der Guten Hoffnung zu umgehen?

Genau! Aber ich habe auch große Lust, Länder zu erkunden. Mit dem kleinen Schiff auf dem Trailer geht das ganz gut. In Richards Bay habe ich es aus dem Wasser geholt. Dann bin ich damit bis nach Kapstadt gefahren. Das sind etwa 1.800 Kilometer. Das kann man auch segeln, aber es muss nicht unbedingt sein. Die Option auf der Straße war für „Baluchon“ und mich sicherer und besser.

Leben Sie bei Ihren Landaufenthalten auch auf dem Boot, oder nehmen Sie sich auch mal ein Zimmer oder Apartment?

Nein, dafür habe ich gar kein Geld. In den letzten drei Jahren habe ich auf „Baluchon“ gelebt, Tag und Nacht. Ich war auch seit meinem Aufbruch nicht zum Heimatbesuch in Frankreich.

Wie ist es Ihnen auf See ergangen? Gab es schlimme Zwischenfälle?

Auf dem Indischen Ozean hatte ich unglaublich viel Wind und große Wellen. Eine, die nicht aus der gleichen Richtung wie alle anderen kam, hat mich kurz nach der Abfahrt Richtung Südafrika umgeworfen. Ich bin zwar nicht gekentert, aber der Mast hat sich mehrfach aufs Wasser gelegt. Glücklicherweise ist nichts passiert, doch es war schon beeindruckend. Es war wie ein brutaler Schock, alles flog im Boot umher, und ich hing kurz unter der Decke.

Wie haben Sie reagiert, als das passiert ist?

Meine Grundregel lautet, dass ich das Innere des Bootes auf See nicht verlasse. Ich war also sicher im Schiff. Das hat sich dann von allein wieder aufgerichtet. Das einzige Segel kann ich bedienen, indem ich meinen Kopf aus der Luke stecke. Dann ziehe ich eine Leine – fertig. Das geht ganz einfach.

Was machen Sie, wenn Sie in Starkwind oder Sturm geraten – nehmen Sie das Segel ganz weg, oder lassen Sie noch etwas stehen?

Ein ganz kleines Stückchen bleibt stehen, ungefähr in T-Shirt-Größe, um noch manövrieren zu können.

Und wie steuern Sie? Viele Langfahrtsegler bekommen ja früher oder später Probleme mit dem elektrischen Autopiloten. Funktioniert Ihrer?

Nein, nach Neukaledonien gab es Probleme mit der Elektrik. Die ist auf dem Wasser ja doch sehr anfällig. Also habe ich angefangen zu basteln und eine Windfahne fürs Boot gebaut – aus Materialien, die insgesamt weniger als 20 Euro gekostet haben. Sie funktioniert wunderbar. Seitdem steuert diese kleine Windfahne mein Schiff. Es ist ein ganz einfaches System, das darüber hinaus dazu beiträgt, Strom zu sparen.

Sind Sie noch zufrieden mit dem selbst gebauten Boot?

Ja. Mit denselben Mitteln, also mit einem Budget von etwa 4.000 Euro, würde ich noch einmal das gleiche Boot bauen. Mit etwas mehr Budget würde ich einige Änderungen vornehmen.

Welche wären das?

Ich würde eine einfachere Mastlegevorrichtung einbauen, einen Kiel, den ich aufholen kann, und insgesamt ein etwas leichteres Schiff fertigen. Es ist ein wenig schwer für seine Größe, und in den Flauten komme ich nicht so gut voran. Aber gut, ich habe günstige Materialien benutzt, also wurde es eben im Ganzen etwas schwerer.

Wissen Sie denn schon, was für ein Boot Sie als nächstes bauen wollen?

Ich habe zwei Projekte im Kopf. Ein Boot mit mehr als fünf Meter Länge – ein großes Schiff also (lacht). Damit würde ich gern nach Kanada segeln, in den Schnee und ins Eis. Auf der anderen Seite würde ich gern noch einmal ein Boot wie „Baluchon“ bauen, nur eben mit den angesprochenen Verbesserungen. Aber erst einmal muss ich nun ein wenig arbeiten und Geld verdienen. Mit welchem Projekt ich danach anfange, entscheide ich dann.

Welcher Ozean hat Ihnen am besten gefallen?

Der Pazifik in Polynesien, dort war es wirklich am schönsten. Von den Marquesas-Inseln habe ich schon als kleines Kind geträumt. Es sind mythische und aus der Zeit gefallene Inseln. Ich habe immer daran gedacht, dort einmal auf eigenem Kiel anzukommen. Das dann wirklich zu tun – das war ein Wahnsinnsmoment!

Und darüber hinaus, hätten Sie sich etwas anders – besser oder schlechter – vorgestellt?

Die ganze Reise war noch viel, viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. So viele Leute haben mich herzlich empfangen – das hätte ich nie gedacht. Ich dachte, ich mache eine Tour für mich allein. Die vielen Kontakte sind die wirklich große Überraschung dieser Reise.

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