Christian Tiedt
· 13.05.2026
Die russische Marine zeigt erneut Präsenz in der westlichen Ostsee: Nach Medienberichten liegt der Zerstörer “Severomorsk” derzeit auf Position bei Fehmarn. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte die Berichte. Ein aktives AIS-Signal sendet das 163 Meter lange Kampfschiff nicht.
Die markante Silhouette der “Severomorsk” vor dem Fehmarnbelt steht nicht nur symbolisch für die großen Veränderungen im Ostseeraum in letzter Zeit, von Stör- und Sabotageaktionen auf russischer Seite bis hin zu erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffen.
Der “Besuch” ist keine Überraschung: Nach übereinstimmenden Einschätzungen von politischer, militärischer und wissenschaftlicher Seite, verfolgt die russische Führung mit dieser Form des Einsatzes gleich mehrere operative und strategische Ziele:
Zum einen soll im wahrsten Sinne Flagge gezeigt und Stärke demonstriert werden. Mit der Position vor Fehmarn geschieht das zwar in internationalen Gewässern, aber dennoch vor der Haustür gleich mehrerer NATO-Mitgliedsstaaten.
Seit dem Beitritt Finnlands und Schwedens zur Allianz als Reaktion auf die veränderte sicherheitspolitische Situation in Europa nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, ist Russland der einzige Ostseeanrainer außerhalb des Bündnisses.
Ein weiterer Grund dürfte der Schutz von Schiffen der russischen Schattenflotte sein. Deren Einsatz soll internationale Sanktionen gegen Russland umgehen. Gleichzeitig stehen die Schiffe auch unter Verdacht, an Sabotageaktionen beteiligt zu sein – etwa an der Beschädigung unterseeischer Datenkabel.
Der dritte Grund dürfte die Aufklärung sein. Auch die NATO, die mittlerweile alle Ostseeanrainer bis auf Russland umfasst, hat ihre Aktivitäten als Reaktion auf die neue sicherheitspolitische Lage ausgeweitet.
So operiert derzeit die ständige maritime Einsatzgruppe 1 der NATO in der Ostsee mit der deutschen Fregatte “Sachsen” als Flaggschiff. Das Kommando über den multinationalen Verband hat eine Britin: Commodore Maryla Ingham von der Royal Navy.
Auch wenn die ukrainischen Angriffe auf russische Schiffe und landseitige Infrastruktur im Raum St. Petersburg die ersten Kampfhandlungen auf der Ostsee seit 1945 darstellen, gehörte das Einsatzkonzept eines Vorpostens am Fehmarnbelt während des Kalten Krieges zur generellen Strategie der Sowjetunion und des Warschauer Pakts. Wahrgenommen wurde diese Aufgabe meist von Kampfschiffen der Volksmarine der DDR.
So wie die Taktik stammt auch die “Severomorsk” selbst noch aus der Zeit des Kalten Krieges: In Dienst gestellt wurde der knapp 7.000 Tonnen große Zerstörer im Jahr 1987. Wie es der damaligen Doktrin entsprach, ist er vergleichsweise schwer bewaffnet.
Seine Lenkflugkörper sind zum Einsatz gegen Seeziele vorgesehen, vorrangig gegen Unterseeboote. Er gehört zur russischen Nordflotte und ist in Severomorsk stationiert, einem Flottenstützpunkt an der Barentssee.
Auch für Segler und Sportbootfahrer nehmen die Kontakte mit militärischen Einheiten auf der Ostsee zu. Wie man sich in solchen Situationen verhalten sollten, lesen Sie hier.

Ressortleiter Reise