Liebe Leserinnen und Leser,
Serienhersteller arbeiten gern, sagen wir mal, kreativ mit der numerischen Bezeichnung im Typennamen und gaukeln mehr Größe einer Yacht vor. Beispiel Dufour 37, das mittlerweile kleinste Boot der Flotte aus der französischen Großserienwerft. 37 Fuß sind 11,28 Meter. Das Boot misst in der Rumpflänge jedoch nur 9,99 Meter, damit wäre es lediglich ein 32-Fuß-Exemplar. Mit Bugspriet sind es 10,77 Meter, es fehlen immer noch 51 Zentimeter und obendrein: Der Stengel am Steven ist lediglich optional.
Oder die X 4.0, ebenfalls das kürzeste Boot im Fahrtenprogramm der dänischen Werft: Die sollte umgerechnet 12,20 Meter lang sein, der Rumpf kommt aber nur auf 11,50 Meter, erst mit Bugspriet sind es dann 12,09 Meter, immerhin. Man betrachte die Hanse 360, das jüngste Boot aus Greifswald: 10,60 statt 10,98 Meter, aber dafür kommt sie mit Bugspriet auf 11,18 Meter und ist dann sogar länger als die Bezeichnung in Fuß. Das mag zumindest verwirren und ist beileibe nicht neu; schon seit jeher stimmt der Namenszusatz nicht genau mit den Maßen überein. Oder man gucke auf die jüngste Elan. Die Slowenen haben unlängst ein modifiziertes Boot vorgestellt, die Impression 45. Wie sich herausstellt, ist das lediglich die bekannte Impression 43, nur standardmäßig mit Bugspriet. Die Crux: Der war an der 43er auch schon dran, zumindest optional. Elan bezeichnet die Maßnahme recht euphemistisch als Rumpfverlängerung.
Da stellt sich der geneigte Kunde oder Interessent die Frage: Ist das krasse Blenderei, aggressives Marketing oder lediglich eine gerechtfertigte Aufhübschung?
Sehen wir es locker: Die Zahl im Bootsnamen mag von der Bezeichnung in Fuß herrühren, ist aber nirgends als solche verbrieft, fixiert oder vorgeschrieben. Eine Vindö 40 bezieht ihre Zahl im Namen beispielsweise aus der Segelfläche, in guter skandinavischer Tradition wie Schärenkreuzer auch. Aufregen kann ich mich über die Zahlenspielerei jedenfalls nicht. Eigentlich.
Die Werften argumentieren mittlerweile mit dem großen Volumen. Eine 32 Fuß Yacht würde heute so viel Raum bieten wie eben früher ein 37-Fuß-Boot. Platz zum Stauen, breitere Kojen, größere Pantrys, einen großzügigeren Raumeindruck und obendrein mehr Innenraumhöhe. Alles Eigenschaften, die der Primärtugend einer Segelyacht kaum helfen, den Segeleigenschaften. Spötter reden gar von der Steh-Höhe am Wind.
Insofern mag nur vordergründig an der Argumentation der Werften was dran sein: Ein modernes Boot ist heute bei gegebener Länge größer als die vorhergehenden schmaleren Generationen, ja. Aber dies schlankerhand umzurechnen ist dann doch gewagt. Wo liegt beispielsweise der Vergleichsmaßstab in der Zukunft, sollten die Boote noch voluminöser werden? Mithin sind die modernen Bezeichnungen irreführend. Man muss dies als Kunde wissen und im Zweifelsfall den Taschenrechner bemühen beziehungsweise sich die tatsächliche Rumpflänge anschauen.
Das Thema Länge zwischen Dichtung und Wahrheit hat durchaus noch einen anderen Aspekt. Eine zu große Bezeichnung könnte überambitionierte Hafenmeister auf den Plan rufen. Der Eigner wird schließlich nach tatsächlicher Rumpflänge zahlen wollen, nicht nach dem größeren Marketing-Maß der Werft. Der Hafenmeister könnte auf einer höheren Zahlung bestehen. Wozu eine beliebte Anekdote über Piet Busch passt, den fast schon legendären früheren Hafenmeister von Damp. Der pflegte schon mal Eigner mit laufender Kettensäge vor dem Bug stehend zu erschrecken und der Ankündigung, das Boot auf die angegebene Größe stutzen zu wollen.
Das sollten die Werften ebenfalls erwägen.
stellv. YACHT-Chefredakteur
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