Das Problem nimmt zu, da viele in den 1970er- und 1980er-Jahren gebaute GFK-Boote das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Anders als bei Metall- oder Holzbooten gestaltet sich die Entsorgung von glasfaserverstärktem Kunststoff aufwendig und teuer.
Während einige Länder auf staatlich organisierte Systeme setzen, bleibt die Verantwortung in anderen bei Hafenverwaltungen - oder die Allgemeinheit muss die Kosten tragen. Die unterschiedlichen Ansätze zeigen, wie verschieden europäische Länder mit dem wachsenden Problem verwaister Schrottboote umgehen.
Frankreich gilt europaweit als Vorreiter mit der einzig strukturierten Branche für die Freizeitboot-Entsorgung. Die 2009 gegründete Non-Profit-Organisation APER (Association pour la plaisance éco-responsable) hat nach eigenen Angaben seit 2019 über 13.000 Schrottboote demontiert und recycelt.
Von den zerlegten Booten konnten 74 Prozent wiederverwertet werden. Das System finanziert sich durch eine Umweltabgabe beim Erwerb neuer Boote. Rund 35 zertifizierte Entsorgungsunternehmen und der französische Segelverband FFVoile beteiligen sich an dem Projekt. Bootseigner können ihre schrottreifen Fahrzeuge kostenlos bei den zertifizierten Annahmestellen abgeben.
In Dänemark geht man mittlerweile rigoroser gegen schrottreife Boote vor. Neue Vorschriften erlauben Hafenverwaltungen, beispielsweise in Helsingør, Schrottboote unter Umständen zu entfernen. Die Abläufe sind klar definiert: Nach einer 14-tägigen Frist müssen Eigner einen Handlungsplan vorlegen. Geschieht das nicht, wird zwangsgeräumt – unabhängig davon, ob das Boot im Wasser oder an Land liegt. Die Hafenverwaltung trägt das finanzielle Risiko, denn ob die Eigner die angefallenen Kosten zurückzahlen, ist ungewiss.
In Großbritannien sind Schrottboote ebenfalls ein zunehmendes Problem. Die BBC berichtete kürzlich über eine Aktion in Cornwall, bei der zahlreiche Bootswracks aus Hafenanlagen, Marinas und Flüssen entsorgt wurden – sie blockierten die Verkehrswege. Die Kosten für die Räumaktion beziffert die zuständige Hafenbehörde mit 165.000 Pfund (rund 198.000 Euro).
Anders als in Frankreich existiert in Großbritannien kein organisiertes System zur Finanzierung der Entsorgung. Die Kosten fallen bei den Hafenverwaltungen an, eine Rückforderung bei den ehemaligen Eignern bleibt oft erfolglos.

Redakteur News & Panorama