Schon gesegeltLinjett 36 beim YACHT-Test in den Stockholmer Schären

Hauke Schmidt

 · 06.05.2026

Breite Laufdecks und innen liegende Püttinge sorgen für gute Begehbarkeit.
Foto: YACHT / Nils Günter
Bei traumhaften Segelbedingungen und eisiger Kälte konnten wir die neue Linjett 36 im Heimatrevier ausgiebig testen. Erste Eindrücke von den Segeleigenschaften der edlen Schwedin.

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Die Linjett 36 gehört zu den spannendsten Neuvorstellungen aus Schweden – neben der Hallberg-Rassy 370, die wir im letzten Herbst getestet haben. Beide Boote werden wir auf der Ancora Yachtfestival in Neustadt sehen können. Die 36 ist die kompaktere Ausführung der Linjett 39, die 2023 von der internationalen Jury als Europas Yacht des Jahres in der Kategorie Fahrtenyachten ausgezeichnet wurde. Mit elf Metern Länge über alles liegt sie rund einen Meter unter der größeren Schwester, übernimmt aber deren Konzept als einfach zu handelnder Performance-Cruiser mit exzellenter Bauqualität.

Druckvolles Segeln

Das Revier rund um die Rosättra-Werft nördlich von Stockholm ist geprägt von engen Fahrwassern, wechselnden Windverhältnissen und zahlreichen Inseln. Bei unserem Testschlag herrschten Windgeschwindigkeiten zwischen zwölf und 22 Knoten mit starken Drehern und Böen. Unter Gennaker erreichte die Linjett 36 bei 15 bis 16 Knoten Wind konstant zwischen 7,5 und acht Knoten, in stärkeren Böen kletterte die Logge auf über neun Knoten, und der Topspeed lag bei 10,2 Knoten. Allerdings hatte es da auch so weit aufgefrischt, dass die meisten Segler den Gennaker längst per Knopfdruck weggewickelt hätten. Auf der Kreuz lief das Boot mit einem Reff im Großsegel und der 110-Prozent-Fock zwischen 5,7 und sechs Knoten bei einem Wendewinkel von etwa 80 Grad.

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Sicheres Steuerverhalten

Besonders auffällig ist, wie gutmütig die Linjett 36 auf dem Ruder liegt. Das Blatt liefert genau den nötigen Druck, um praktisch blind an der Windkante entlangzusegeln. Zudem hat es sehr guten Griff im Wasser, und man verliert nie die Kontrolle. Selbst bei zu viel Krängung lässt sich das Boot sauber auf Kurs halten. Gleichwohl kündigt sich nahes Unheil deutlich an. Die direkte Steuerung überträgt die Vibrationen sich ablösender Wirbel auf beide Räder, wodurch sie fast wie ein Spurhalteassistent im Auto ruckeln, sobald man sich dem Strömungsabriss nähert – noch bevor man aus der Bahn fliegt. Damit ist die Linjett 36 äußerst einfach zu steuern.

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Durchdachtes Handling für klein Crew

Alle Schoten, Fallen sowie Trimm- und Reffleinen laufen innerhalb des Aufbaus an zwei Stopperbatterien an den Süllrändern zusammen und lassen sich auch vom Steuerstand aus bedienen – ein Konzept, das die Werft konsequent von der größeren 39 übernommen hat. Als erstes Modell der Linjett-Reihe ist die 36 serienmäßig mit einem fest angebauten Bugspriet ausgestattet, der nicht nur als Ankerhalterung dient, sondern auch das Setzen von Gennaker oder Code Zero ermöglicht. Der Seldén-Elektro-Furler erwies sich als bequeme Lösung für schnelles Ein- und Ausrollen.

Die Achterkammer ist komfortabel und bietet viel Kopffreiheit.
Foto: YACHT / Nils Günter

Hochwertige Verarbeitung

Typisch für Linjett ist der edle Innenausbau, der standardmäßig in Mahagoni ausgeführt wird. Auf Wunsch sind aber auch Eiche oder andere Hölzer erhältlich. Da die Werft alles selbst und vor Ort fertigt, lässt sich das Design des Interieurs stark individualisieren. Layoutvarianten gibt es dagegen keine. Standard sind zwei komfortable Kammern und ein Bad mit abgetrennter Dusche. Dazu gibt es viel Stauraum in Schränken und Schapps sowie eine sehr große Backskiste, die auch von innen zugänglich ist. Außerdem eine Segellast, die neben Fendern auch Code Zero und Gennaker aufnimmt. Der Grundpreis liegt bei 4,22 Millionen Schwedischen Kronen, das entspricht nach aktuellem Kurs rund 389.000 Euro netto beziehungsweise 463.000 Euro brutto.

Wer sich selbst ein Bild von der Linjett 36 machen will, kann ein Schwesterschiff des Testbootes auf dem Ancora Yachtfestival in Neustadt besichtigen.


TECHNISCHE DATEN LINJETT 36:

  • Konstrukteur: Linjett Design Team
  • Rumpflänge: 11,00 m
  • Gesamtlänge mit Bugspriet: 11,50 m
  • Länge Wasserlinie: 10,20 m
  • Breite: 3,66 m
  • Tiefgang: 1,95 m
  • Gewicht: 6,8 t
  • Ballast: 2,85 t
  • Masthöhe über Wasserlinie: 17,50 m
  • Motorisierung: Einbaudiesel Yanmar 40 PS/Saildrive
  • Kapazität Treibstoff: 150 l
  • Kapazität Frischwasser: 300 l
  • Bauweise: Vakuum-Infusion, Divinycell-Schaumkern, Vinylesterharz
  • Rigg: Seldén Aluminium
  • Bugspriet: Serienmäßig fest angebaut (ca. 50 cm)
  • Ausstattung: Genua 107-110 % oder Selbstwendefock
  • CE-Entwurfskategorie: A-Ocean
  • Preis: 4.220.000 SEK (ca. 389.000 € netto / 463.000 € brutto)

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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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