MeinungVom Ankern und Anstand

YACHT

 · 04.07.2026

Meinung: Vom Ankern und Anstand
YACHT-Woche – Der Rückblick

Liebe Leserinnen und Leser,

​die Bucht ist ein Traum. Türkisfarbenes Wasser, sanft geschwungene Ufer, ein paar Bäume als Windschutz. Und das Beste: Sie ist noch erfreulich leer. Nur zwei Handvoll Yachten liegen vor Anker, schön verteilt, jeder mit seinem eigenen kleinen Reich.

Der Perfekte Moment

Wir motoren langsam hinein, schauen uns um, finden unseren Platz. Schöner Abstand zu den Nachbarn, gute Wassertiefe, windgeschützt. Der Anker fällt, die Kette rasselt, wir geben ordentlich Länge. Der Anker beißt beim ersten Versuch. Alles paletti.

Die Klamotten sind schneller ausgezogen als man "Badeleiter" sagen kann. Das Wasser hat Badewannentemperatur, der leichte Windhauch sorgt dafür, dass es unter Deck nicht zu stickig wird. Genau dafür sind wir hergekommen. Raus aus dem überfüllten Hafen, rein in die Stille. Die Freiheit, einfach von Bord zu springen, wann immer einem danach ist. Ohne Publikum, ohne Nachbarn, die einem zuschauen.

Abendessen im Cockpit, nochmal schwimmen, dann ein Sundowner. Sternenhimmel. So muss Segeln sein. Und dann, gegen neun Uhr abends, kommt sie. Eine Yacht, geschätzte 40 Fuß. Die Bucht ist immer noch zu 60 Prozent leer. Dutzende freier Stellen. Hunderte Meter Platz ringsum.

I più letti

1

2

3

4

5

Aber nein. Sie motort zielstrebig genau in die Lücke zwischen uns und dem nächsten Lieger. Keine 25 Meter von unserem Bug entfernt fällt der Anker. Ich sitze im Cockpit und starre ungläubig hinüber. Rundherum: Platz ohne Ende. Aber es musste genau diese Stelle sein. Als gäbe es unsichtbare Parkplatzmarkierungen auf dem Wasser. Manchmal frage ich mich, ob Yachten magnetisch sind. Oder ob es so etwas wie einen maritimen Herdentrieb gibt.

Kennt ihr das auch?

Im Hafen ist es ja noch verständlich – da geben Pfähle und Stege die Organisation vor. Aber in der Bucht muss man sich selbst organisieren, sich arrangieren. Und gerade deshalb sollte man anderen – und sich selbst – den Freiraum gönnen, für den man überhaupt rausgefahren ist.

Abstand ist Anstand

Beim Abstand zum Nachbarlieger spielen zwei Aspekte eine Rolle. Der erste ist rein technisch-physikalisch: der notwendige Schwojkreis. Der Radius entspricht dabei in etwa der Länge des gesteckten Ankergeschirrs. Der Schwojkreis einer anderen Yacht ist verbotenes Terrain, denn selbst wenn es gerade passt, kann sich der Wind ändern. Im Sommer schläft er abends oft ein oder dreht mit der Umkehrthermik. Dann schwoien die Boote nicht mehr alle ordentlich in eine Richtung, sondern bewegen sich unkontrolliert. Boote, die vorher parallel lagen, können plötzlich kollidieren.

Wer seinen Ankerplatz wählt, sollte mitdenken: Nach einem Winddreher kann der eigene Anker plötzlich unter dem Boot des Nachbarn liegen. Dann kommt man nicht mehr ran.

Rein rechnerisch mag der Abstand also ausreichen – die Schwojkreise überlappen sich nicht, keine Kollisionsgefahr. Alles im grünen Bereich. Aber dann kommt der zweite Aspekt: Privatsphäre und Ungestörtheit. Und genau dafür ist man ja überhaupt vor Anker gegangen. Wenn man plötzlich praktisch Reling an Reling mit dem Nachbarn liegt, der einem ins Cockpit guckt, jedes Gespräch mithört und bei der Morgentoilette am Heck quasi mittendrin ist, hat man die eigentliche Idee vom Ankern verfehlt.

Ehrlich gesagt: Uns ist das auch schon passiert. Wir haben einen schönen Platz gefunden, haben den Abstand vom Auge her für ausreichend gehalten. Und dann, als die richtige Kettenlänge draußen war, haben wir gemerkt: Oh, das ist jetzt doch ganz schön nah am Nachbarn. Technisch in Ordnung, aber eben auch: deutlich zu nah für ein entspanntes Ankererlebnis. Nochmal aufholen und neu ansetzen wäre die richtige Entscheidung gewesen, aber wir waren zu faul und haben es gelassen. Die Nacht war unruhig, mehrfach habe ich kontrolliert, ob der Abstand noch stimmt. Entspannt ist anders, das hat unser Nachbar sicher auch so gesehen.

Klar, im Mittelmeer zur Hochsaison, wenn die Buchten so überfüllt sind, dass mit Fendern geankert wird, sieht das anders aus. Da hat man keine Wahl. Aber hier auf der Ostsee, wo die Buchten selbst im Hochsommer noch erfreulich leer sind, ist genug Platz für alle da. Man sollte ihn auch allen zugestehen.

Wenn eine Bucht zu 60 Prozent leer ist, gibt es schlicht keinen Grund, sich auf die verbleibenden Bereiche zu konzentrieren, wo bereits andere liegen. Außer natürlich, man hat ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Gesellschaft. Dann aber bitte vorher fragen: "Stört es euch, wenn wir hier ankern?"

Anker ordentlich einfahren – auch das ist Rücksicht

Doch Abstand allein reicht nicht. Zur Ankeretikette gehört auch, dass jeder dafür sorgt, dass sein eigener Anker wirklich hält. Klingt selbstverständlich? Ist es leider nicht.

Ich habe schon oft beobachtet, wie eine Yacht den Anker fallen lässt – und dann war's das. Man hört es schon am viel zu kurzen Rasseln der Kette: Da wurde gerade mal das Doppelte der Wassertiefe gesteckt. Der Anker liegt bestenfalls auf dem Grund, wurde aber nicht ordentlich eingegraben. Für einen Badestopp mag das reichen. Für eine Nacht? Definitiv nicht.

Was dann passiert, wenn es nachts auffrischt, ist vorhersehbar: Die Yacht geht auf Drift, treibt nach Lee – direkt auf die nächsten Ankerlieger zu. Im schlechtesten Fall löst das eine Kettenreaktion aus.

Ich bin der Letzte, der der Crew einer auf Drift gehenden Yacht nicht hilft, aber wenn es aus mangelnder Sorgfalt praktisch vorsätzlich passiert, fehlt mir das Verständnis. Wer ankert, trägt Verantwortung, für sich selbst und alle anderen in der Bucht. Das gehört zur Seemannschaft dazu. Ausreichend Kette stecken, den Anker mit der Maschine ordentlich eingraben und kontrollieren, ob er hält.

Wenn der Anker nicht beim ersten Versuch beißt: Aufholen und nochmal neu ansetzen. Mag lästig sein, besonders wenn ringsum schon andere Crews gemütlich im Cockpit sitzen. Aber es ist die einzig richtige Vorgehensweise.

Und dann der Lärm

Als wäre das dichte Ankern nicht schon genug, kommt am nächsten Morgen die nächste Überraschung. Halb sieben, die Sonne steht noch flach über dem Horizont. Absolute Stille in der Bucht.

Und dann: BRUMMMMMM!

Das Nachbarboot – genau, der 40-Fußer von gestern Abend – lässt den Diesel an. Nicht zum Aufbruch, nein. Damit die Crew warm duschen kann. Ich habe nichts gegen eine ordentliche Dusche an Bord. Aber muss das ausgerechnet sein, wenn der Rest der Bucht noch im Halbschlaf liegt? Wie wäre es mit Schwimmen gehen oder Kaltwasserwäsche? Oder einfach eine Stunde später? Partyzeit? Nicht für alle.

Apropos Lärm, ein bisschen Jazz beim Sundowner, chillige Beats beim Abendessen – alles gut. Doch dabei sollte man eines bedenken: Auf dem Wasser trägt Schall unglaublich weit. Was an Land mit dem ganzen Zivilisationslärm als völlig normale Lautstärke durchgeht, ist in der Ankerbucht oft schon zu viel. Spätestens wenn die Sonne untergegangen ist, sollte die Lautstärke auf Zimmerpegel sinken – oder die Musik wandert nach unten in den Salon.

Ich erinnere mich an einen Sommerabend in der dänischen Südsee. Wunderschöne Bucht, kristallklares Wasser, Traumkulisse. Und eine Crew, die offenbar den Rest der Welt von der Potenz ihrer Cockpit-Lautsprecher überzeugen musste. In Dauerschleife lief eine Mischung aus Kölner Karneval und Ballermann-Hits. Inklusive Mitsing-Versuchen. Das war... speziell.

Was bleibt?

Am Ende ist es wie überall, wo Menschen zusammenkommen: Ein bisschen Rücksicht macht das Leben für alle angenehmer. Die schönen Momente vor Anker sollte man genießen. Man muss nur darauf achten, dass man sie nicht für sich selbst oder andere kaputt macht.

Hauke Schmidt

YACHT-Redakteur

Was nervt beim Ankern am meisten?
Zu dichtes Ankern .
Lärm (Musik, Generator, Morgen-Diesel).
Beibootrennen zwischen den Ankerliegern.
Die Unsicherheit, ob der Anker hält.

Umfrage beendet


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Nuova puntata del podcast

Come le donne prendono il comando – con Annette Kilch

yacht/00-vorlage-podcast-artikel-teaserbild-2026-2-3_e151702bf738aae90fc9f399758ef3d7

Lui al timone, lei alle cime: su molti yacht questa ripartizione dei ruoli è ancora all’ordine del giorno. Non perché le donne non ne siano capaci, ma perché troppo spesso non hanno fiducia nelle proprie capacità. Nella puntata 92 di YACHT – il podcast sulla vela, Annette Kilch parla con il conduttore Timm Kruse di ciò che effettivamente impedisce alle donne di assumersi responsabilità a bordo e di come lo scetticismo possa trasformarsi in vero entusiasmo al timone.


Maltempo

Affondati diversi yacht – La tempesta devasta i porti degli Stati Uniti

yacht/dsc-5224-2_d49a878d4e5040268ce51f8897fb2ec5

Domenica (27 settembre) una tempesta ha strappato alcune imbarcazioni dai loro ormeggi nel porto di Marblehead, negli Stati Uniti. Diverse imbarcazioni si sono incagliate o sono affondate.


Oyster 36M

La nuova ammiraglia con le linee di Frers

yacht/oyster-36m-36-metre-sailing-superyacht-exterior-gallery-3-resampled_6d25fe5afcbc77e53aae613beb9d30c4

Oyster Yachts amplia la propria gamma di modelli verso l’alto: il nuovo Oyster 36M è uno sloop di 36 metri con linee progettate da Frers Naval Architecture. L'ammiraglia della flotta è pensata per coniugare il comfort di un superyacht con le esigenze delle lunghe traversate in mare aperto, lasciando agli armatori ampia libertà nella scelta della disposizione interna, dell'equipaggiamento e del piano velico.


MOB al Silverrudder 2026

Quasi troppo tardi – cosa si è saputo dopo il salvataggio

yacht/100241241_6e2c6d647d93cf4818e47a7ccde9b076

Durante la Silverrudder 2026, un velista è caduto in mare durante la notte. Ecco cosa si è saputo in seguito sul drammatico salvataggio: ne parlano i compagni di viaggio e i soccorritori.


Incidente in mare

Una barca a vela in acciaio si è arenata al largo di Skagen

yacht/825268128-1501288404944675-8726469908212718634-n_864c92ea2470a463d9d846189f61c7e4

A tre miglia nautiche al largo di Skagen, una barca a vela in acciaio è incagliata sulla sabbia, mentre le onde si infrangono contro la murata. Quello che segue è una corsa contro il tempo con pompe, cavi di traino e un elicottero.


Route du Rhum

Tanti nomi illustri e la prima regata in solitaria di Herrmann con “Malizia 4”

yacht/tora-01-00-260908-glb-mlz-20_eca6e5d909a898df9a5ee571446b684f

Per Boris Herrmann e la nuova “Malizia 4” è iniziato il prossimo conto alla rovescia. Il 1° novembre prenderà il via la Route du Rhum, con la partecipazione di numerose personalità di spicco del mondo della vela d’altura.


Impianto elettrico

Aggiornamento del firmware per il Victron Orion XS, che ora in caso di emergenza ricarica anche in senso inverso

yacht/victron-professional-75_2e68dedae40eb1b7016c6aaa60a7221b

Il firmware 1.15 trasforma il Victron Orion XS in una soluzione di emergenza in caso di batteria di avviamento scarica. Cosa può fare la funzione di ricarica e quali sono i suoi limiti.


First 36 Spirit

Navigare veloce, vivere in modo più semplice e risparmiare sul prezzo

yacht/first-36-spirit-renderings-11_6c294afafbdbffbc00a339c6cf12147a

Beneteau amplia la gamma First 36 con una terza variante: il nuovo Spirit punta su allestimenti più semplici e su un prezzo di ingresso più contenuto. La barca a vela planante festeggerà il suo debutto mondiale nel gennaio 2027 al salone nautico di Düsseldorf.


America’s Cup

Luna Rossa domina – Gli Azzurri conquistano la vittoria e si preparano alla Coppa

yacht/ac38-260927-ir209238_cf0f361daffe5b1b04edd338b0fe05bf

La Luna Rossa brilla luminosa sulla rotta dell’America’s Cup: il team italiano Luna Rossa ha vinto anche la seconda regata di qualificazione, stabilendo il punto di riferimento a Napoli.


Barca usata della settimana

La febbre delle regate con l’X-79

yacht/x-79-1-tr_95b48265bf83ed047f3993e51f65ad3e

L'X-79 è una barca da regata leggera che ha raggiunto lo status di icona. Veloce nelle regate con vento spaziale, reattiva al timone e sorprendentemente funzionale sottocoperta. A cosa devono prestare attenzione gli acquirenti e se vale la pena acquistare questa barca di seconda mano.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

common.NEWSLETTER_LANGUAGE_NOTICE

Condividi articolo:

Articoli più letti nella categoria Servizio generale