BordküchePerfekter Proviant-Plan für den Urlaubstörn. Plus: leckere Rezepte

Kristina Müller

 · 14.07.2022

Bordküche: Perfekter Proviant-Plan für den Urlaubstörn. Plus: leckere RezepteFoto: YACHT/N.Krauss

Wichtige Tipps zur Lagerung von verderblichen Lebensmitteln sowie leckere Rezepte für den Sommer wie Salate und einfache Gerichte

Die Leinen sind gelöst, der Hafen liegt achteraus. Die Segel blähen sich, endlich gurgelt Wasser am Rumpf. Der Törn beginnt. So sicher wie die Glücksgefühle, die damit bei der Crew aufkommen, werden sich auf vielen Fahrtenyachten die Gespräche bald einem der wichtigsten Themen an Bord zuwenden: dem leiblichen Wohl. Ist nicht schon Zeit für einen ersten Snack? Seeluft macht schließlich hungrig – immer! Und was soll am Abend gekocht werden? Oder soll es doch lieber ins Restaurant gehen?

Gut möglich jedoch, dass vielen Crews in Zeiten, in denen die Pandemie noch nicht überstanden ist, der Sinn nicht unbedingt nach einem Besuch in gut gefüllter Gastronomie steht und sie es vorziehen, an Bord zu kochen. Auch haben mancherorts die Preise auf den Speisekarten spürbar angezogen – ein weiterer Grund, neben guter Törn- und Urlaubsliteratur vielleicht auch ein Kochbuch in den Seesack zu packen und im Urlaub endlich mal ein paar neue Rezepte auszuprobieren.

Dennoch: Oft soll es schnell gehen nach einem langen Tag auf dem Wasser oder intensivem Landprogramm. Und egal ob eine flott zubereitete Mahlzeit auf See oder das spontane Menü vor Anker ansteht – um für alle Fälle gewappnet zu sein, ist gut sortierter und vielfältiger Proviant an Bord die Voraussetzung. Tipps zum richtigen Stauen frischer Zutaten sowie einige einfache Rezepte für die Sommerküche werden daher hier vorgestellt.

  Obstvorräte am Geräteträger einer Langfahrtyacht. Längst nicht immer ist so viel Platz zum Stauen vorhandenFoto: YACHT/ K. Müller
Obstvorräte am Geräteträger einer Langfahrtyacht. Längst nicht immer ist so viel Platz zum Stauen vorhanden

Gute Törnvorbereitung beginnt durchaus schon beim Einkauf. Streng genommen sogar schon beim Schreiben der Einkaufsliste und der Überlegung, was an Bord Platz finden kann – und wo. Die Fahrten- und Langfahrtseglerin Claudia Kirchberger, die sich auf das Thema Verproviantierung und Ernährung an Bord spezialisiert hat, rät in ihrem Buch nicht ohne Grund zum wohlüberlegten Einkauf. Damit verderbliche Vorräte länger halten – was nicht nur auf Langfahrt, sondern schon beim mehrwöchigen Sommertörn eine Rolle spielt –, sollten sie möglichst frisch und ungekühlt gekauft werden. Obst und Gemüse dürfen keine Beschädigungen zeigen.

"Viele frische Lebensmittel wie Eier, Obst und Gemüse sind direkt vom Hersteller, etwa vom Bauernmarkt, länger haltbar als bereits gekühlte Lebensmittel aus dem Supermarkt", so die Österreicherin.

Ferner wichtig für den Einkauf vor dem Törn: Am besten nur Lebensmittel wählen, von denen man weiß, dass man sie mag und wirklich verwenden wird. Es nützt nichts, die tollsten Zutaten dabeizuhaben, wenn man der Typ Spaghetti mit Tomatensoße ist und die große Proviantvielfalt mehr und mehr Staub in den Schapps ansetzt oder noch schlimmer: verdirbt. Kirchbergers Tipp: "Lege dir Rezepte zurecht, die einfach und zeitsparend sind."

Kirchbergers Tipp: "Lege dir Rezepte zurecht, die einfach und zeitsparend sind."

Große Umverpackungen werden am besten noch im Geschäft entsorgt. Sie nehmen nicht nur wertvollen Platz an Bord ein, sondern leiden auch besonders, wenn sie feucht werden.

Schaden kann es nicht, den großen Einkauf haltbarer Produkte wie Reis, Nudeln und Konserven schon ein bis zwei Wochen vor dem Törnstart zu erledigen. Dann muss kurz vor dem Auslaufen nur noch Frisches besorgt werden. Das große Verstauen wird somit ein wenig entzerrt, wenn der Proviant in mehreren Etappen an Bord kommt.

  Für alle Fälle: Konserven. Am besten trocken und tief im Boot lagern. Werden die Etiketten entfernt, Beschriften nicht vergessen. Neue Sorten besser probieren, bevor man in Mengen bunkert; Gläser dunkel und bruchfest stauenFoto: YACHT/ K. Müller
Für alle Fälle: Konserven. Am besten trocken und tief im Boot lagern. Werden die Etiketten entfernt, Beschriften nicht vergessen. Neue Sorten besser probieren, bevor man in Mengen bunkert; Gläser dunkel und bruchfest stauen

Sinnvoll ist dabei, dass alles seinen festen Platz hat. So greift man beim Nachtschlag auch im Dunkeln gezielt zum Schapp mit den Schokoriegeln und landet nicht versehentlich im Mehl. Auf größeren Schiffen mit wechselnden Crews sind Staupläne beliebt – vielleicht ist das, zumindest wenn bestimmte Lebensmittel einen neuen Platz bekommen, auch auf dem eigenen Boot eine Überlegung wert.

Utensilien, die beim Stauen helfen, sind Obst- und Gemüsenetze. Man findet sie als Netztaschen oder Einkaufsnetze im Handel. Ferner Gitterboxen und wiederverschließbare Kunststoffbehälter. Während des Törns sollte vor allem Frisches regelmäßig kontrolliert werden.

  Eier möglichst frisch und nicht gekühlt kaufen. Rundum mit Öl einreiben und im Karton aufbewahren. Alter Trick: einmal pro Woche umdrehenFoto: YACHT/ K. Müller
Eier möglichst frisch und nicht gekühlt kaufen. Rundum mit Öl einreiben und im Karton aufbewahren. Alter Trick: einmal pro Woche umdrehen

Obst richtig lagern

Netz oder Kiste ­­– so bleibt Obst lange frisch

  • Obstsorte / Lagerung / Haltbarkeit / Bemerkung
  • Ananas Obstnetz / Reife Früchte bis zu einer Woche
  • Äpfel Im Netz oder in belüfteter Kiste, ggf. einzeln in Küchen-/Zeitungs- oder Backpapier einschlagen / Mehrere Monate / Separat lagern, da sie Ethylen abgeben und anderes Obst/Gemüse schneller reifen lassen
  • Avocados Luftig und schattig im Netz / Reife Avocados wenige Tage; unreife und ungekühlte einige Wochen / Nicht unter sechs Grad lagern; separat aufbewahren, da sie Ethylen absondern
  • Bananen Kühl, trocken und dunkel, dann reifen sie langsam / Mehrere Wochen / Zur schnelleren Reifung befeuchten und in die Sonne legen
  • Birnen Obstnetz / Wenige Tage
  • Kirschen, Beeren Kühlung / Kaum haltbar, schnell aufbrauchen
  • Kiwis Obstnetz oder Kühlung / Wenige Tage
  • Limetten, Zitronen, Orangen In Kisten, Gitterkorb oder Obstnetz, ggf. einzeln in Alufolie einwickeln / Drei bis sechs Wochen (ca. zwei Monate in Alufolie) / Nicht im Kühlschrank oder mit Ethlyen absondernden Sorten zusammen lagern
  • Mangos Obstnetz / Reife Früchte einige Tage
  • Pfirsiche, Nektarinen In Küchenpapier wickeln, um Druckstellen zu vermeiden / Einige Tage
  • Pflaumen Dunkel und kühl / Einige Tage
  • Sternfrüchte Im Obstnetz / Zirka eine Woche
  • Wassermelonen Kühl und trocken; angeschnitten in der Kühlung / Unreif einige Wochen / Reif, wenn Unterseite gelb wird
  • Weintrauben Am besten gekühlt / Gekühlt eine Woche, ungekühlt wenige Tage

Gemüse dunkel und trocken lagern

  • Gemüsesorte / Lagerung / Haltbarkeit / Bemerkung
  • Blattgemüse, Salat In Papier gewickelt dunkel lagern / Maximal eine Woche / Kopfsalat mit Strunk nach unten
  • Blumenkohl In Papier oder Küchenrolle gewickelt im Gemüsenetz / Zirka eine Woche
  • Brokkoli In ein feuchtes Tuch eingeschlagen in der Kühlung / Kaum lagerfähig, schnell aufbrauchen
  • Fenchel Dunkel in Küchenpapier eingewickelt / Frische Knollen bis zwei Wochen
  • Ingwer In Papier eingewickelt, dunkel und luftig / Mehrere Wochen
  • Kartoffeln, Süßkartoffeln Kühl, trocken, dunkel; in Küchenpapier gewickelt oder in einer Sandkiste / Zirka zwei Monate / Ungewaschen halten sie am längsten; keimende Stellen nicht essen (Solanin)
  • Knoblauch, Zwiebel Luftig, trocken und separat, z. B. im Netz oder Gitterkorb / Mehrere Monate
  • Kohl Dunkel, luftig und trocken in offener Kiste; ggf. in Papier einwickeln, Rollen und Druckstellen vermeiden / Frische Köpfe mehrere Monate / Einmal gekühlt ohne Kühlung nicht mehr haltbar
  • Kohlrabi Im Netz oder in Papier gewickelt / Bis zu drei Wochen
  • Paprika, Peperoni Einzeln in Papier gewickelt / Ohne Kühlung ca. eine Woche
  • Porree, Lauch Im Gemüsenetz / Frisch und ungekühlt einige Wochen / Getrockneter Lauch ist sehr lange haltbar
  • Tomaten Luftig in offenen Kisten / Mehrere Wochen / Separat lagern, geben sehr viel Ethylen ab
  • Sellerie Lange haltbar in Sandkiste / Stangensellerie etwa eine Woche, Knolle monatelang
  • Zucchini In Papier einschlagen / Einige Tage / Regelmäßig kontrollieren

Leckere Rezepte für den Sommer

Salate, die satt machen

Foto: Maike Jessen
  • Kichererbsensalat mit Tomaten, Spinat und Schwarzkümmel (15 Minuten)
  • 1 TL Essig
  • 1 TL Senf
  • Salz
  • Pfeffer
  • 5 EL warme Gemüsebrühe
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Prise Zucker
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Dose Kichererbsen (400 g)
  • 150 g Kirschtomaten
  • 100 g Babyspinat
  • 3 Stiele glatte Petersilie
  • 1 TL Schwarzkümmel
  • Zubereitung: Essig, Senf, Salz, Pfeffer und Brühe verrühren. Knoblauch schälen und dazupressen. Mit Zucker würzen und das Öl in einem dünnen Strahl mit einem Schneebesen unterrühren. Kichererbsen abtropfen lassen. Tomaten waschen und halbieren. Spinat putzen, waschen und trocknen. Petersilie waschen, trocknen und die Blättchen hacken. Vinaigrette und alle Salatzutaten locker vermengen und eventuell nach Geschmack mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Schwarzkümmel bestreuen.
Foto: MAIKE JESSEN, Maike Jessen
  • Krabbensalat mit Ei und Gurke (20 Minuten)
  • 2 Eier
  • 1 kleine Bio-Salatgurke
  • 2 EL Schmand
  • Einige Tropfen Essig
  • 3 EL warme Gemüsebrühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • Zucker
  • 2 Stiele Dill
  • 150 g Krabben (gepult)
  • Zubereitung: Eier ca. 8 Minuten kochen. Gurke waschen, trocknen und längs halbieren. Kerne mit einem Teelöffel herauskratzen. Hälften in Scheiben schneiden. Eier abgießen, mit kaltem Wasser abschrecken und pellen. Schmand, Essig, Brühe, Salz, Pfeffer und Zucker verrühren. Dill waschen, trocknen, abzupfen und hacken. Alle Salatzutaten locker vermengen und eventuell nach Belieben mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eier halbieren und zum Schluss auf den fertigen Salat setzen.
Foto: Maike Jessen
  • Nudelsalat mit Mortadella, Basilikum und Artischocken (30 Minuten)
  • 150 g kurze Nudeln (z. B. Penne)
  • Salz
  • 6 eingelegte Artischocken­herzen (in Öl)
  • 1 Mini-Römersalat
  • 3 Stiele Basilikum
  • 3 Scheiben italienische Mortadella (dünn geschnitten)
  • 1 TL Essig
  • 1 TL Senf
  • Pfeffer
  • 5 EL warme Gemüsebrühe
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3 EL Olivenöl
  • Zubereitung: Nudeln nach Packungsanweisung in kochendem Salzwasser garen. Abgießen, mit kaltem Wasser abschrecken und abtropfen lassen. Artischockenherzen abtropfen lassen und kleiner schneiden. Salat putzen, waschen, trocknen und in Stücke zupfen. Basilikumblättchen abzupfen. Mortadellascheiben aufrollen und in Stücke schneiden. Essig, Senf, Salz, Pfeffer, Brühe und Zucker verrühren. Knoblauch schälen und zur Essigmischung pressen. Öl in einem dünnen Strahl mit einem Schneebesen unterrühren. Vinaigrette und Salatzutaten locker mischen und nach Belieben mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken.

Rezepte für eine Flamme

Foto: Maike Jessen
  • Curry-Kokos-Hähnchen mit Süßkartoffel (35 Minuten)
  • 1 große Süßkartoffel
  • 300 g Hähnchenbrustfilet
  • 2 EL Mandelkerne (mit Haut)
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • Salz
  • 1 TL Currypulver
  • 1 Dose Kokosmilch (400 g; ungesüßt)
  • 125 ml Gemüsebrühe
  • 1 EL Sojasoße
  • 3 Stiele Koriander oder Petersilie
  • Zubereitung: Süßkartoffel schälen und in kleine Würfel schneiden. Hähnchen waschen, trocknen und in ca. 1,5 cm große Würfel schneiden. Mandelkerne grob hacken und in einer Pfanne mit hohem Rand oder einem weiten Topf ohne Fett goldbraun rösten, bis sie duften. Aus der Pfanne nehmen. Öl in der heißen Pfanne erhitzen und das Hähnchen darin anbraten. Mit Salz würzen. Süßkartoffelwürfel zugeben und kurz mitbraten. Alles mit Currypulver würzen. Mit Kokosmilch und Brühe ablöschen. Aufkochen und ca. 10 Minuten köcheln lassen. Mit Sojasoße würzen. Koriander- (oder Petersilien-)blättchen abzupfen. Curry-Kokos-Hähnchen mit Mandeln und Koriander anrichten.
Foto: MAIKE JESSEN, Maike Jessen
  • Schinken-Makkaroni mit Frühlingszwiebeln (20 Minuten)
  • 200 g kurze Makkaroni (Kochzeit 7 Minuten); Alternativ: andere kurze dicke Nudeln mit 7 Minuten Garzeit
  • 150 ml Schlagsahne
  • Salz
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 150 g gekochter Schinken (in einer dickeren Scheibe)
  • Pfeffer
  • Einige Tropfen Weißweinessig
  • 35 g frisch geriebener Parmesankäse
  • Zubereitung: Nudeln in eine große Pfanne mit hohem Rand oder einen weiten Topf geben. Sahne, 500 ml Wasser und 1 TL Salz zugeben und bei starker Hitze aufkochen. Nudeln ca. 5 Minuten offen kochen, dabei gelegentlich umrühren. Inzwischen Frühlingszwiebeln putzen, waschen und in schräge Scheiben schneiden. Schinken fein würfeln. Frühlingszwiebeln und Schinken zugeben und unterrühren. Weitere 3 bis 5 Minuten offen kochen lassen. Nudeln mit Salz, Pfeffer und einigen Tropfen Essig würzen und mit Parmesankäse bestreuen.
Foto: MAIKE JESSEN, Maike Jessen
  • Grüne Erbsensuppe mit Minze und Räucherlachs (20 Minuten)
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 300 g grüne Erbsen (TK)
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 150 g Schlagsahne
  • Salz
  • Cayennepfeffer
  • 3 Stiele Minze
  • 2 Scheiben Räucherlachs
  • 2 Roggenbrötchen
  • Zubereitung: Zwiebel schälen und würfeln. Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel darin andünsten. Erbsen zugeben und mit Brühe ablöschen. Aufkochen und ca. 5 Minuten köcheln. Suppe fein pürieren, 100 g Schlagsahne zugeben und erhitzen. Mit Salz und Cayenne­pfeffer würzen. Minze waschen, trocknen und die Blättchen abzupfen. Die Hälfte der Minze fein hacken und unter die Suppe rühren. Lachs in Streifen schneiden. Suppe mit übriger Sahne, Minze und Räucherlachsstreifen anrichten. Dazu die Roggenbrötchen reichen.

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