CharternDie 20 häufigsten Fehler beim ersten Segeltörn

Andreas Fritsch

 · 13.10.2022

Chartern: Die 20 häufigsten Fehler beim ersten SegeltörnFoto: YACHT/S. Reineke
Sommer, Sonne, Sonnenschein – doch beim ersten Chartertörn unterlaufen auch schnell die ersten Fehler

Dass bei unerfahrenen Crews nicht immer alles auf Anhieb klappt, ist nicht weiter verwunderlich. Manches Missgeschick kann man sich und seinen Mitseglern aber durchaus ersparen. Die 20 häufigsten Charterfehler – und wie Sie sie vermeiden

In diesem Artikel:


Charterfehler 1: ohne Erfahrung ein Boot gechartert

Nur mit dem „Sportbootführerschein See“ chartern zwar relativ wenige Kunden, doch auch frischgebackenen Absolventen des Sportküstenschifferscheins mangelt es manchmal einfach an praktischer Erfahrung als Skipper. Klar, es gibt immer ein erstes Mal. Aber wer noch nie ein Hafenmanöver mit einer Kielyacht gefahren ist, sollte darüber nachdenken, vor dem ersten Chartertörn ein Skippertraining zu besuchen. Das muss nicht gleich eine Woche dauern und teuer sein – auch ein Kompaktseminar über ein ver­längertes Wochenende kann schon viel bringen, wenn der Ausbilder gut ist. Solche Kurse gibt es je nach Standort oft schon für ein paar Hundert Euro.

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Charterfehler 2: zu großes Schiff ausgesucht

Eben erst den Schein gemacht, im Bekanntenkreis herumgefragt, und schon will ein ganzer Haufen Freunde mit auf Törn. Also muss mindestens ein Vier-Kabinen-Schiff mit möglichst vielen Bädern her. Da ist man dann aber ruckzuck bei deutlich über 45 Fuß Schiffslänge. Wenn es in der Hochsaison in den Häfen vieler Mittelmeerreviere eng wird, muss man so eine Yacht auch entsprechend in engen Boxengassen bewegen können. Mal eben das Schiff wegdrücken oder abhalten, wenn ein Manöver nicht ganz gelingt, funktioniert dann nicht mehr. Besser also, erst mal eine Nummer kleiner anfangen und unter 40 Fuß bleiben.

Mit kleineren Booten hat man es leichter im Handling und ist meist flexiblerFoto: Werft
Mit kleineren Booten hat man es leichter im Handling und ist meist flexibler

Charterfehler 3: billigsten Anbieter gewählt

Natürlich möchte niemand mehr Geld für seine Charter ausgeben als notwendig. Doch Vorsicht: Wer auf der Jagd nach dem billigsten Angebot ist, sollte bedenken, dass es da draußen Firmen gibt, die zwar äußerst günstig zu sein scheinen, dafür aber ihre Boote nicht immer ideal warten. Das Risiko, ein Schiff in schlechtem Zustand zu bekommen, das während des Törns Probleme bereitet, ist bei Billiganbietern höher. Besser der Charteragentur sagen, dass man Einsteiger ist und eine Firma sucht, die ihre Schiffe richtig gut wartet. Unterm Strich kostet das Boot dann vielleicht zwei-, drei- oder auch mal vierhundert Euro mehr. Doch der höhere Preis zahlt sich meist in Form eines unbeschwerten Segelurlaubs aus.


Charterfehler 4: kein Co-Skipper oder keine Crew mit Praxiserfahrung dabei

Eine klassische Situation: Einer hat den Schein, alle anderen Mitsegler an Bord sind Gelegenheitssegler, die allenfalls mal bei einem Freund auf dem See in der Nachbarschaft aufs Boot gehen. Als Anfänger ist es sinnvoll, sich wenigstens einen erfahrenen Mitsegler zu suchen, der bereit ist, den Skipper zu unter­stützen. Zum Beispiel, indem er mit ihm kniffelige An- oder Ablegemanöver zuvor abspricht. Auch die anfängliche Bootsübernahme nicht allein zu machen ist sinnvoll, zwei Augenpaare sehen schließlich mehr. Außerdem muss sich dann nicht einer allein sämtliche Details merken, etwa, wo was gestaut ist, wo sich Sicherungen befinden und anderes mehr. So schützt sich der Skipper vor Überforderung, gerade bei den ersten Törns, die er verantwortlich fährt.

Fender helfen hier wohl auch nicht mehrFoto: YACHT/B. Scheurer
Fender helfen hier wohl auch nicht mehr

Charterfehler 5: Mängel nicht ins Protokoll geschrieben

Beim Törnstart sind alle aufgeregt, wollen gleich los oder den Ort erkunden. Der Skipper macht derweil die Übernahme, musste vielleicht lange auf den Basismitarbeiter warten. Der erstellt dann schließlich das Übergabeprotokoll. Zwar fehlen ein paar Dinge an Bord oder funktionieren nicht zu hundert Prozent, doch der Skipper erachtet sie als nicht zwingend notwendig. Oder es liegen optische Schäden an Schiff oder Ausrüstung vor, und der Basisleiter winkt ab, dass sie bekannt seien und von der Vorgängercrew stammen. Wer das nicht ins Protokoll aufnimmt, hat später einen schweren Stand, wenn er das Boot zurückbringt. Führt dann ein anderer Basismitarbeiter die Übergabe durch und moniert die Schäden, kann es zu unschönen Streitigkeiten kommen und teuer werden. Daher: vorhandene Ausrüstung notieren, Rumpf und Deck checken und Defekte und Schäden ins Protokoll schreiben. Letzteres unbedingt vom Basismitarbeiter gegenzeichnen lassen und in Kopie mitnehmen.


Charterfehler 6: keine Crew-Einweisung gemacht

Schäden oder Probleme an Bord entstehen oft durch Fehlbedienung der Crew. Daher alles erklären, etwa die Funktion von Toilette und Fäkalien­tank. Auch, welche Seeventile wann geschlossen werden sollen. Zeigen, wie Ankerwinsch und Bugstrahlruder funktionieren und wo deren Extra-Sicherungen sitzen. Auf Besonderheiten beim Reff eingehen und davor warnen, dass eine E-Winsch bei unvorsichtiger Bedienung ein Segel schnell zerreißen kann. Klarmachen, dass ein im Segelbetrieb laufender Kühlschrank die Batterien leersaugt. Kurz, ein Check-in für die Crew muss sein. Die Kunst liegt darin, in aller Kürze alles Notwendige so zu erläutern, dass es die Crew versteht.

Mit unerfahrener und nicht eingewiesener Crew führt stärkerer Wind schnell zu unnötigem StressFoto: YACHT/A. Fritsch
Mit unerfahrener und nicht eingewiesener Crew führt stärkerer Wind schnell zu unnötigem Stress

Charterfehler 7: nicht über die Eigenheiten im Revier informiert

Der Traum vom gemütlichen Sommertörn im Mittelmeer ist reizvoll, verleitet aber dazu, sich vor der Buchung oder dem Törn nicht gut genug mit den lokalen Gegebenheiten zu beschäftigen. In manchen Revieren gibt es auch im Hochsommer teils tückische Winde, wie den Mistral an der Côte d’Azur, den Meltemi in der Ägäis oder die Bora in Kroatien. Die Häfen sind manchmal anders, als man es bei der Ausbildung gelernt hat. Plötzlich muss man sich mit Muringleinen vertraut machen oder in griechischen Häfen mit dem Einsatz des Bug­ankers. Dazu kommt, dass die Marinas in der Sommersaison auf den Balearen oder in Teilen Kroatiens oder Italiens schnell rappelvoll sind. Wer nicht bis zum frühen Nachmittag da ist, schaut dann in die Röhre. Wer früh oder spät im Jahr bucht, muss sich auf Schlechtwetter-Perioden einstellen. Infos dazu findet man in Revierführern oder auf Revierseiten im Internet (z.B. www.yacht.de/chartern). Die sollte man tunlichst nicht erst bei Törnstart vor Ort lesen.


Charterfehler 8: sklavisch Törnplan durchziehen und keinen Plan B haben

Viel Planung ist gut, aber man muss auch flexibel bleiben. Zeigt sich während des Törns, dass die beabsichtigte Route nicht zu schaffen ist, weil das Wetter zu schlecht wird oder der Wind ausbleibt, muss der Skipper zumindest eine grobe Idee haben, was die Alternativen sein könnten. Mit unerfahrenen Seglern in schlechtes Wetter zu segeln oder den Törn so zu planen, dass man gegen Ende viele Meilen womöglich gegen den Wind knüppeln muss und eine verspätete Rückgabe riskiert, ist keine gute Idee. Das aber setzt voraus, dass man das Wetter vor Ort täglich im Auge behält! Überlegen Sie schon im Vorfeld oder während des Törns, welche Ausweichrouten sich anbieten. Das gilt auch für die Ankunft in Häfen oder Buchten spät am Tag in der absoluten Hochsaison. Sind die dann überfüllt, ist es oft beruhigend, wenn man noch einen Plan B in petto hat, der einem nur einige wenige Zusatzmeilen abverlangt.

Flaute – und jetzt?Foto: YACHT/A. Fritsch
Flaute – und jetzt?

Charterfehler 9: Bedürfnisse der Mitsegler ignorieren

Der eine will einen faulen Badeurlaub, der andere viel und sportlich segeln. Der Nächste möchte abends ins Restaurant, der andere lieber an Bord kochen. Manche wollen mit der Törnplanung und den Manövern so wenig zu tun haben wie möglich, die anderen gern so viel es geht teilhaben; sie sind gefrustet, wenn der Skipper sie aus seinen Überlegungen und Entscheidungen ausschließt. Da ist also Fingerspitzengefühl gefordert. Erkundigen Sie sich vor dem Törn, wer was erwartet. Und zwischendurch auch mal fragen, ob es aus Mitseglersicht gut läuft. Manchmal staut sich da sonst Ärger auf, der gegen Ende der ersten Woche dann unschön geballt zum Ausdruck kommt und für schlechte Stimmung an Bord sorgt. Ein Boot ist bekanntlich wie ein soziales Brennglas, eigene Macken und die der anderen fallen wegen des engen Zusammenlebens mehr ins Gewicht als zu Hause.

Auch über Badepausen muss gesprochen werden, schlechte Stimmung ist ansonsten programmiertFoto: 1. Klasse Yacht
Auch über Badepausen muss gesprochen werden, schlechte Stimmung ist ansonsten programmiert

Charterfehler 10: alles allein machen wollen

Gerade Einsteiger überfordern sich bei ihren ersten Törns, indem sie sich unnötig viele Aufgaben an Bord selbst aufbürden: Seeventile beim Segeln geschlossen? Funk angestellt? Luken dicht? Wassertanks noch gut gefüllt? Fäkalientanks gelenzt? Noch genug Sprit im Außenborder-Tank? Es gibt so viele kleine Aufgaben an Bord, die gerade für Einsteiger manchmal in der Menge zu viel sind. Darum: Delegieren Sie kleinere Jobs, vor allem, wenn die Mitsegler auch relativ unerfahren sind. Jeder schließt die Luken in seiner Kammer, einer checkt beim Auslaufen alle Ventile, ein anderer schaut täglich nach dem Stand des Wassertanks. So fühlen sich auch alle als nützliches Mitglied an Bord. Für Skipper-Einsteiger kann eine Checkliste für die tägliche Kontrolle hilfreich sein: Wettervorhersage, Tanks, Batteriespannung, Logbuch-Eintrag und anderes mehr. Es braucht seine Zeit, bis das in Fleisch und Blut übergeht.


Charterfehler 11: Manöver unzureichend durchgesprochen

Beim An- oder Ablegen, aber auch bei Manövern unter Segeln passieren die meisten Fehler, weil nicht jedem in der Crew seine Rolle bewusst ist. Das beginnt ganz simpel damit, dass der Skipper sagt, welches Manöver gefahren wird, also etwa Anlegen mit dem Heck und Muringleinen. Es müssen die einzelnen Positionen wie Übergeben der Heckleinen oder Aufnehmen der Muringleinen besetzt werden. Entscheidend bei Manövern mit Seitenwind: Welche sind die Luvleinen? Klarmachen, dass diese wichtiger sind und die Positionen vielleicht auch mit den erfahreneren Leuten besetzen. Liegen Handschuhe und Bootshaken für die Muringleine parat? Für den Skipper von Bedeutung: Wie wird der Wind beim Anlegen das Boot versetzen? Ist es sinnvoll, rückwärts in die Gasse zu fahren, weil Raum zum Wenden fehlt?

Anlegemanöver sollten gut durchgesprochen, bestenfalls zuvor auch gut geübt seinFoto: YACHT/B. Scheurer
Anlegemanöver sollten gut durchgesprochen, bestenfalls zuvor auch gut geübt sein

Charterfehler 12: nur schnell und schlampig geankert

Es ist einfach zu verlockend: Bei Windstille in die Bucht getuckert, Platz gesucht, Anker ausgebracht, 20, 30 Meter Kette gesteckt – und fertig! Die Crew hat es danach eilig, ins Wasser zu kommen. Sind alle von Bord, passieren gern drei Dinge: 1. Weitere Yachten kommen in die Bucht und legen sich direkt um das eigene Schiff herum. 2. Der Crew gefällt es so gut, dass man beschließt, über Nacht zu bleiben. 3. Gegen Abend wollen alle zum Restaurant am Strand. Oft ist die Folge, dass man nicht genug Kette gesteckt hat, weil man „nur kurz“ bleiben wollte oder den Anker nicht vernünftig eingefahren hat. Doch korrigieren und das Manöver neu fahren geht nun nicht mehr, weil sich zu viele andere Yachten in die Bucht gelegt haben. Geht man dann einfach abends in die Koje, kann nachts das böse Erwachen folgen: Der Wind dreht oder nimmt zu, und der Anker slippt. Machen Sie sich also einfach zur Gewohnheit: Wenn man ankert, dann so, als ob man bleiben wolle. Also das Boot zum Wind ausrichten, genug Kette stecken und das Eisen vernünftig einfahren.

Beim Ankern ist stets Vorsicht geboten, das erspart Stress und mögliche KostenFoto: YACHT/A. Fritsch
Beim Ankern ist stets Vorsicht geboten, das erspart Stress und mögliche Kosten

Charterfehler 13: Luken beim Segeln nicht geschlossen

Häufig verfängt sich etwa bei einer Wende eine Schot unter einem offenen Luk. Kommt Zug auf die Leine, kann es ausreißen. Und falls ein Crewmitglied auf das leicht geöffnete Luk tritt und eine Schot darunter liegt, kann durch die punktuelle Belastung der Rahmen verbiegen. Bauartbedingt ragen zudem auf manchen Yachten Luken deutlich über die Auflage des Rahmens hinaus. Treten Crewmitglieder auf die Ecken, können diese abbrechen. Das kann sogar geschehen, wenn das Luk geschlossen ist. Bei Törnbeginn die Crew auf die Problematik hinweisen.

Offene Luken bringen mehrere Probleme auf einmal mit sich, beim Segeln besser immer geschlossen haltenFoto: YACHT/M. Amme
Offene Luken bringen mehrere Probleme auf einmal mit sich, beim Segeln besser immer geschlossen halten

Charterfehler 14: mit dem Dingi im Schlepp gesegelt

Das Dingi war während eines Badestopps in Gebrauch, jetzt soll es nur noch in die nächste Bucht oder Hafen gehen. Da hat keiner Lust, das Beiboot wieder an Deck zu wuchten, Motor und Ruder zu verstauen und es festzubinden; also wird mit dem Beiboot im Schlepp gesegelt. Für Dingis mit einem massiven GFK-Boden samt verschraubter Schleppöse ist das auch kein größeres Problem. Doch gerade bei günstigeren Dingis mit weichem Boden und lediglich anvulkanisierten Schleppösen verhält sich das oft anders – die Ösen reißen aus, wenn zu viel Last auf sie kommt. Und das ist bei etwas Wind und Welle schnell der Fall. Zumal man selten die erste Crew ist, die das Beiboot derart fordert. Häufig sind die Ösen auch schon vom UV-Licht geschwächt. Besser das Dingi beim Segeln an Bord nehmen.

Dingi im Schlepp sieht nicht nur doof aus, sondern hat auch erhebliche NachteileFoto: Sunsail
Dingi im Schlepp sieht nicht nur doof aus, sondern hat auch erhebliche Nachteile

Charterfehler 15: Badeplattform (beim Anlegen) verzogen

Die absenkbare Badeplattform ist mittlerweile fast überall Standard. Oft ist sie auch dann heruntergeklappt, wenn die Yacht im Hafen am Steg oder an der Pier liegt. Während des Anlegens gehört sie allerdings zugeklappt, so ver­lockend es auch ist, sie als Absprunghilfe auf den Steg zu nutzen. Denn eine heruntergelassene Badeplattform ist empfindlich, sie kann zudem nicht gut abgefendert werden. Berührt der Skipper beim Manöver mit ihr die Pier, sind meist größere GFK-Schäden oder, noch schlimmer, verbogene Scharniere die Folge. Die sind eine teure Schwachstelle leider vieler solcher Konstruktionen.

Zum Übersteigen sind Badeplattformen im Hafen sehr praktisch, sofern sie erst nach dem Anlegen ausgeklappt werdenFoto: YACHT/ N. Krauss
Zum Übersteigen sind Badeplattformen im Hafen sehr praktisch, sofern sie erst nach dem Anlegen ausgeklappt werden

Charterfehler 16: Fäkalientank verstopft

Das kann jeden Törn verderben: Das Abwasser fließt nicht mehr ab, die Toilette ist blockiert. Häufige Ursache: Ein Crewmitglied – oder eines der Vorgängercrew – hat Papier, Zahnseide oder Hygiene-Artikel runtergespült. Das Er­gebnis: Der Tank ist verstopft. Zweite mögliche Ursache: Der Tank wurde zu selten geöffnet und zu wenig gespült. Sind viele Feststoffe im Tank und die Crew spült nur mit wenigen Pumpenhüben und lässt dann alles tagelang vor sich hin rotten, können die Leitungen ebenfalls verstopfen. Kommt man damit zur Basis zurück, sind oft 100 bis 300 Euro Gebühr fällig. Daher: Was nicht durch den eigenen Körper geht, kommt auch nicht in die Toilette, vor allem kein Toiletten­papier. Das wird getrennt in Müllbeuteln entsorgt. Müll­behälter stehen in jeder Nasszelle bereit! Und immer gut spülen – nach Benutzung sind 15 bis 20 Pumpenhübe nicht zu viel. Die Rohre zum Tank sind durch Einbauten und Schwanenhals oft über zwei Meter lang. Ferner den Tank häufig öffnen – weit draußen auf See oder zum Absaugen im Hafen.


Charterfehler 17: Muringleine nicht ausreichend gespannt

Bei wenig Wind angelegt, die Mitsegler übernehmen die Muring- und Achterleine, der Skipper fährt das Boot auf Abstand zum Übersteigen an die Pier. Dann lässt er den Vorschiffsmann die Muring durchholen und belegen. Achter­leinen fest. Fertig. Eben nicht! Kommt jetzt auf­landiger Wind auf oder ein vorbeifahrendes größeres Schiff sorgt für Schwell, ist noch so viel Reck in der Muring, dass das Heck gegen die Pier schlagen kann. Daher: Sind alle Leinen klar zum Belegen, das Boot noch einmal knapp eineinhalb bis zwei Meter nach vorn fahren. Muring belegen lassen und dann mit Maschine rückwärts ordentlich auf Spannung bringen, bis der Abstand zur Pier passt; erst jetzt be­legen. Dann kann die Crew auch entspannt im Restaurant sitzen bleiben, falls der Wind auffrischt.

Gut gespannte Leinen geben SicherheitFoto: YACHT/B. Scheurer
Gut gespannte Leinen geben Sicherheit

Charterfehler 18: zu dicht an Untiefen herangefahren

Eine Tücke der modernen Navigation ist, dass viele Segler denken, digitale Seekarten im Plotter seien so genau wie das Navi im Auto. Sie machen dann beim Umfahren einer Untiefe womöglich den Fehler, dass diese immer dichter herangezoomt und das Boot dann in einem auf dem Bildschirm passend aussehenden Abstand herumgesteuert wird – schon kracht es. Das kann zwei Gründe haben: Oft wurde so dicht hereingezoomt, dass die großzügig wirkende Distanz im Plotter real nur noch einem Abstand von 50 bis 100 Metern entsprach; häufig sind Steine und Felsen aber gar nicht so exakt in Seekarten vermerkt. Ein anderer Grund: Bei der Vermessung von Flachwasser-Bereichen unter etwa fünf Meter erfassen die hydrografischen Dienste längst nicht jeden Fels, da sie in solchen Gewässern ihr teures Equipment gefährden. Es ist also durchaus nicht jeder Stein in den Karten eingetragen! Bei einem Hinweis wie „große Steine“ sollte daher die Alarmglocke schrillen und man auf genug Abstand bedacht sein.

Moderne Technik will richtig bedient werden, kleine Fehler können hier große Folgen habenFoto: YACHT/K. Andrews
Moderne Technik will richtig bedient werden, kleine Fehler können hier große Folgen haben

Charterfehler 19: Rollsegel falsch bedient

Gern wird die Genua am Wind stark schlagend eingerollt – und das auch noch mit der Winsch. Wird zu eng gerollt, ist die Rollleine dann womöglich am Ende angekommen. Mit der Winsch reißt man sie aus dem Plastik­anschlag in der Refftrommel. Besser ist es, zum Bergen der Genua auf einen tiefen Raumkurs abzufallen. Dann ist so wenig Last auf der Schot und damit auf der Rollleine, dass man bequem per Hand das Segel rollen kann. Gibt es zu viel Widerstand, prüfen, ob die Leine vorn am Ende ist! Mit dem Groß gibt es andere Probleme: Hat es beim Einrollen stark geschlagen oder war zu lose, bilden sich Falten im Rollmast. Beim Ausrollen können die sich in der Nut an der Mastrückseite verklemmen. Zerrt man nun mit der Winsch, beklemmt sich alles immer fester. Entweder geht dann nichts mehr, oder die Crew zerreißt mit der Winsch das Unterliek. Daher: auf Amwind-Kurs gehen. Zum Reffen sollte der Niederholer nicht durchgesetzt sein. Schothorn kontrolliert fieren und zugleich langsam aufrollen, sodass das Segel wenig schlägt, aber auch nicht zu lose ist. So werden Falten vermieden.

Bilder wie dieses können vermieden werden, wenn mit Vorsicht und auf dem richtigen Kurs gerollt wirdFoto: YACHT/B. Scheurer
Bilder wie dieses können vermieden werden, wenn mit Vorsicht und auf dem richtigen Kurs gerollt wird

Charterfehler 20: vorab nicht ausreichend informiert

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