DeckssalonyachtScandi 42: Neues Ganzjahresboot aus Finnland

Alexander Worms

 · 06.12.2022

Die Scandi 42 zeigt für eine Deckssalonyacht ungewöhnliche Linien, wie...
Foto: YACHT/B.Kolthof
Test-Preview Scandi 42

Der Markt von Yachten mit erhöhter Sitzgruppe wächst um die Scandi 42, die sich durch ein niedriges Gewicht von der Deckssalonyacht-Konkurrenz abhebt

Eine Nische. So würde man das wohl nennen, worin sich die Scandi 42 bewegt. Ein großer Deckssalon, hochwertiger Ausbau, große Eignerkammer achtern, das mag man noch finden am Markt. Aber dann: dank sehr aufwändiger Vakuumbauweise extrem leicht und mit feinsten Segeleigenschaften ausgestattet. Die zumindest zeigt die Baunummer eins beim Leichtwindtest auf dem Hollandsche Diep. Eigner Östen Karlsson, gleichzeitig auch Inhaber der Werft, ist da auf dem Weg in die Karibik, wo er mittlerweile angekommen ist. Ein Blauwasser-Performance-Cruiser mit Deckssalon und Eignerkabine achtern. Wie gesagt: eine Nische im Segment der Deckssalonyachten.

Verlagssonderveröffentlichung

Der Werftgründer kommt von Nautor

Dass man bei Scandi offenbar weiß, wie man Boote baut – der Werftgründer war seinerzeit auch einer der berühmten fünf, die Swan verließen, um Baltic zu gründen –, beweist die 42 eindrücklich. Ein Beispiel dafür sind die Steuerstühle auf dem Süll achtern: drehbar, perfekt positioniert und einfach gemütlich. Oder der Ausbau innen: feine Oberflächen, alles mit Furnier auf Schaumkern, Stichwort Gewicht, und wirklich seetauglich. Der Deckssalon wirkt wie eine schützende Zeitkapsel. Die Rundumsicht ist tadellos. Auch steuern lässt sich die Scandi von hier. Nur um die Segel zu bedienen, muss man ins Cockpit, wie auf anderen Deckssalonyachten auch, wenngleich Fallen, Strecker und Schoten gleich am Niedergang aus der Sprayhood heraus bedient werden können. Das passt.

Die Konkurrenz der Scandi bei YACHT tv

Scandi 42: lebendig auch bei Leichtwind

Beim Segeln überrascht die Yacht übrigens erneut: Obwohl es gerade mal mit 7 Knoten weht und nur eine 100-Prozent-Genua installiert ist, fährt das Schiff. Übrigens: Andere Segel führt man auf dem Weg in die Karibik nicht mit. Das findet der Eigner unnötig. Leichter Ruderdruck stellt sich ein, und die Windkante lässt sich bestens bestimmen, 4,2 Knoten sind möglich, notabene mit einem voll ausgerüsteten Deckssalon-Fahrtenschiff. Klar, das funktioniert nur hoch am Wind und auf spitzen, raumen Kursen, tiefere Einfallswinkel übernimmt der Diesel. Stichwort Motor: Der kann mit 40 PS eher klein ausfallen, das geringe Gewicht macht es möglich. Die Installationen im Motorraum sind wirklich fein ausgeführt, die Akkus sind ausreichend, und die zweite Lichtmaschine sorgt für Saft.

Strongback statt Stahlrahmen

Ein paar Besonderheiten bringt die Deckssalonyacht Scandi übrigens mit: So ist der Schwarzwassertank in der Kielfinne untergebracht und umfasst 180 Liter. Borddurchführungen gibt es nur für den Saildrive, das Echolot, den Wärmetauscher des Kühlschranks und den Ausgang des Grauwassertanks. Der wird übrigens leer gepumpt. Der Rumpf ist innen nicht mit Topcoat, sondern mit PU-Lack gestrichen, sodass keine Gerüche entstehen und keine Styroldämpfe ins Schiff gelangen. Der Strongback wird ebenfalls im Vakuum laminiert und ist entsprechend fest mit dem Rumpf verbunden. Alle Möbelteile sind aus Schaumsandwich mit Furnieren gefertigt, nur die Schotten bestehen aus Multiplex. Eine leichte und sehr solide Bauweise. Eben Finnisch. Dass solcherlei aufwändige Bauweise nicht billig sein kann, dürfte klar sein. Los geht es bei rund 475.000 Euro. Das Testschiff mit einiger Blauwasserausrüstung und Carbonmast bringt es auf rund 100.000 Euro mehr.

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