Kap Hoorn28 Segel-Helden in die „Cape Horn Hall of Fame“ aufgenommen

Morten Strauch

 · 22.09.2022

Kap Hoorn: 28 Segel-Helden in die „Cape Horn Hall of Fame“ aufgenommenFoto: Christophe Favreau/PPL/GGR

Die International Association of Cape Horners (IACH) hat unter dem Vorsitz von Sir Robin Knox-Johnston und Jean-Luc Van den Heede die ersten 28 Seefahrer für die „Cape Horn Hall of Fame“ ausgewählt

Die Persönlichkeiten, allesamt historische und wegweisende Namen mit starken seglerischen Verbindungen zum berüchtigtsten Kap der Welt, werden nun für die Nachwelt in Frankreich auf der IACH-Ehrentafel in Les Sables-d’Olonne, dem Austragungsort der Vendée Globe, des Golden Globe Race und des Mini-Transat Ocean Race, verewigt.

Die Namen reichen von Kapitän Willem Schouten und Jacob Le Maire, die 1616 als Erste Kap Hoorn und somit eine Route westwärts durch den Pazifik zu den Niederländisch-Ostindischen Inseln entdeckten, über den finnischen Kapitän Verner Björkfelt, der den letzten kommerziellen Windjammer „Pamir“ kommandierte, der das Kap umrundete, bevor die Dampfschifffahrt 1949 die Segel verdrängte, bis hin zu Pionieren der Weltumsegelung in kleinen Booten wie dem argentinischen Segler Vito Dumas, dem Franzosen Marcel Bardiaux und dem Engländer Sir Francis Chichester.

Sir Robin Knox-Johnston, der erste Mann, der die Welt im Alleingang ohne Unterbrechung umsegelte, und der französische Kap-Hoorn-Veteran Jean-Luc Van den Heede, der zwölfmal das Kap Hoorn umsegelte, führen eine Reihe angesehener Experten an, die eine Vorauswahl für die Aufnahme künftiger Kandidaten treffen, über die die Mitglieder der IACH jedes Jahr abstimmen. Sowohl Knox-Johnston als auch Van den Heede sind im Vorstand der „Cape Horn Hall of Fame“ vertreten.

Die Kapitäne Willem Schouten und Jacob Le Maire machen sich 1615 von Texel aus mit ihren Schiffen "Hoorn" und "Eendracht" auf den Weg ins Unbekannte. Ein Jahr später werden sie das Kap südlich von Feuerland entdecken und es "Kap Hoorn" nennen.
Foto: Wikimedia Commons
Historische Bilder vom Kap Hoorn und einigen Segellegenden

Die ersten 28 Persönlichkeiten, die in der „Cape Horn Hall of Fame“ verewigt wurden

  • Willem Schouten (1567–1625), Niederlande: Entdecker von Kap Hoorn und den Tonga-Inseln. Sowohl seine Heimatstadt als auch eines seiner beiden Expeditionsschiffe hießen Hoorn, die somit zum Namensgeber des Kaps wurden.
  • Jacob Le Maire (1585–1616), Belgien: Entdeckte zusammen mit Willem Schouten das Kap Hoorn. Nach ihm wurde die Meeresenge benannt, die die Staaten-Insel und Feuerland trennt.
  • Vizeadmiral Robert Fitzroy (1805–1865), England: Kapitän des Forschungsschiffes „HMS Beagle“, auf dem er zusammen mit dem Evolutionsforscher Charles Darwin fünf Jahre um die Welt segelte.
  • Kapitän Verner Björkfelt (1900–1982), Finnland: Kommandierte den letzten kommerziellen Windjammer „Pamir“, der das Kap umrundete, bevor die Dampfschifffahrt 1949 die Segel verdrängte.
  • Kapitän TC Fearon (1813–1869), England: Hat 36-mal das Kap Hoorn umrundet, so oft wie kein Mensch mehr danach.
  • Kapitän Adolph Hauth (1899–1975), Deutschland: Hat 14-mal das Kap Hoorn umrundet, darunter viermal als Kapitän des Segelschulschiffes „Priwall“.
  • Kapitän Louis Allaire (1880–1949), Frankreich: Gründungsvater der „L’Amicale Internationale des Captaines au Long Curs Cap Horniers“, der Vorgänger-Organisation der heutigen „International Association of Cape Horners“.
  • Alan Villiers (1903–1982), Australien: Australischer Seemann, Historiker und Gründer der modernen Segelschule, der 47 Bücher über das Leben an Bord von Segelschiffen geschrieben hat.
  • Vito Dumas (1900–1965), Argentinien: Solo-Skipper, der inmitten des Zweiten Weltkrieges, lediglich mit den allernötigsten Bordmitteln ausgestattet, den Globus mit nur drei Landgängen umsegelte.
  • Marcel Bardiaux (1910–2000), Frankreich: Der erste Einhand-Segler, der in den fünfziger Jahren die Welt in westlicher Richtung, gegen die vorherrschende Windrichtung, umsegelt hat. Sein Buch „Aux 4 Vents del L’Aventure“ ist ein Klassiker der Segelliteratur.
  • Sir Francis Chichester (1901–1972), England: Wurde von der Queen zum Ritter geschlagen, nachdem er der erste Einhandsegler war, der die Welt 1966/67 über die drei großen Kaps umsegelte mit nur einem Stopp in Sydney.
  • Sir Alec Rose (1908–1991), England: Ebenfalls zum Ritter geschlagen, nachdem er den Globus 1967/68 mit zwei Stopps in 354 Tagen umrundete. Seine Yacht „Lively Lady“ dient heute noch als Trainingsboot für Segelschüler.
  • Sir Robin Knox-Johnston (1939–), England: Der erste Segler, der einhand nonstop um die Welt gesegelt ist und das erste Sunday Times Golden Globe Race in 1968/9 gewonnen hat. Seitdem vielfach ausgezeichnet. 1994 gewann er die Jules Verne Trophy für die schnellste Weltumsegelung.
  • Bernard Moitessier (1925–1994), Frankreich: Die französische Solosegler-Legende hatte beste Aussichten, das Sunday Times Golden Globe Race in 1968/69 zu gewinnen, brach aber im Südatlantik ab, um „seine Seele zu retten“, und segelte stattdessen ein zweites Mal ums Kap der guten Hoffnung, um schließlich auf Tahiti seinen Anker fallen zu lassen. Auch sein Buch „La longue route“ ist ein Klassiker der Segelliteratur geworden.
  • Sir Chay Blyth (1940–), Schottland: Der erste Einhandsegler, der nonstop in westliche Richtung, entgegen der vorherrschenden Windrichtung, gesegelt ist. 1973 gewann er mit einer Amateurcrew von Fallschirmspringern das Whitbread Round the World Yacht Race.
  • Ramon Carlin (1923–2016), Mexiko: Hat beim Whitbread Round the World Yacht Race 1973/74 die Segelwelt auf den Kopf gestellt, als er als mexikanischer Nobody gegen die internationalen Segelgrößen antrat und sensationell gewann.
  • Eric Tabarly (1931–1998), Frankreich: Wurde 1964 schlagartig weltberühmt, als er mit seiner Yacht „Pen Duick II“ das Observer Singlehanded Trans Atlantic Race in der Fabelzeit von nur 27 Tagen gewann. Zahlreiche Regattasiege und Auszeichnungen sollten folgen, bis der französische Nationalheld 1998 in der Irischen See über Bord ging und ertrank.
  • Cornelis van Rietschoten (1926–2013), Niederlande: Der einzige Skipper, der das Whitbread Round the World Yacht Race zweimal gewinnen konnte. 1977/78 noch als damals unbekannter Skipper, 1981/82 außerhalb der Konkurrenz, als seine „Flyer“ nicht nur das schnellste Schiff war, sondern auch beim gerechneten Handicap die Nase vorn hatte und nebenbei noch weitere Rekorde aufstellte.
  • Dame Naomi James (1949–), Neuseeland: Die erste Frau, die 1978 via Kap Hoorn solo um die Welt segelte und nebenbei Sir Francis Chichesters Rekord um zwei Tage unterbieten konnte. Wurde 1979 für ihre Leistung zur Dame Commander of the Order of the British Empire ernannt.
  • Kay Cottee (1954–), Australien: Sie war 1988 die erste Frau, die eine Solo-nonstop-Weltumsegelung vollbrachte. Mehrmals durchgekentert und einmal von Bord gespült, schaffte sie es nach 189 Tagen zurück nach Sydney.
  • Jon Sanders (1939–), Australien: Der Erste, der die Antarktis 1981/82 solo umrundete, und das gleich zweimal hintereinander inklusive eines Abstechers nach Plymouth, Großbritannien. Dieser Endlostörn wurde ins „Guinness-Buch der Rekorde“ aufgenommen. 1986 setzte er noch einen drauf und umrundete den Globus dreimal hintereinander nonstop.
  • Philippe Jeantot (1952–), Frankreich: Der ehemalige Tieftaucher gewann in den Jahren 1982 und 1986 die beiden ersten „BOC Challenge solo round the world yacht races“. 1989 erschuf er die Vendée Globe, bevor er 1990 die Katamaran-Marke Privilège gründete.
  • Titouan Lamazou (1955–), Frankreich: Segler, Künstler und Autor, der nach dem zweiten Platz der „BOC Challenge solo round the world yacht race“ 1986 die erste Vendée Globe im Jahr 1991 gewinnen konnte.
  • Sir Peter Blake (1948–2001), Neuseeland: Neuseeländische Segellegende, der das Whitbread Round the World Yacht Race, die Jules Verne Trophy und zweimal den America’s Cup gewinnen konnte. Wurde 2001 von Piraten auf dem Amazonas ermordet.
  • Dilip Donde (1967–), Indien: Der erste Inder, der die Weltumsegelung im Alleingang schaffte und nun andere indische Segler anleitet, ihm nachzueifern. Sein bekanntester Ziehsohn ist Abhilash Tomy, der aktuell sein zweites Golden Globe Race segelt.
  • Dee Caffari (1973–), England: Hat sechsmal die Welt umsegelt und war die erste Frau, die den Globus sowohl in West-Ost- als auch in Ost-West-Richtung solo umsegelt hat. Erfolgreich teilgenommen am Global Challenge Round the World Race 2004, der Vendée Globe 2009/10 und den Volvo Ocean Races 2014/15 und 2017/18.
  • Stan Honey (1955–), USA: Amerikas berühmtester Hochseenavigator, der u. a. an Bord der siegreichen „ABN Amro I“ beim Volvo Ocean Race 2005/06 war und einige Segel-Weltrekorde aufgestellt hat.
  • Jean-Luc Van den Heede (1945–), Frankreich: Stellvertretender Vorsitzender der „Cape Horn Wall of Fame“, hat zwölfmal das Kap Hoorn umsegelt – davon zehnmal solo – und das Golden Globe Race 2018/19 gewonnen. Dazu Spitzenpositionen bei verschiedenen Offshore-Regatten wie der Vendée Globe oder der Transat Jacques Vabre.

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