The Ocean RaceVolvo Ocean Race: Kurz vor Kap Hoorn: Die Teams kämpfen und trauern

Tatjana Pokorny

 · 27.03.2018

Volvo Ocean Race: Kurz vor Kap Hoorn: Die Teams kämpfen und trauernFoto: Sam Greenfield/VOR

Nach dem tragischen Unglück im Southern Ocean ringen die Crews bei der Ansteuerung von Kap Hoorn weiterhin mit den Elementen – und trauern um John Fisher

  Um ihn trauert die Segelgemeinde: John FisherFoto: Ainhoha Sanchez/VOR
Um ihn trauert die Segelgemeinde: John Fisher

Ein Tag und eine Nacht noch, dann werden die sechs führenden Boote im Volvo Ocean Race voraussichtlich am Donnerstag Kap Hoorn passieren und vom Südpazifik in den Südatlantik eintauchen. Es wird ihnen nach den dramatischen letzten Tagen wie ein Erbarmen vorkommen. Noch stehen rund 24 Stunden in stürmischen Bedingungen bevor. Auch die Hoorn-Passage selbst dürfte höchst anspruchsvoll werden. Die Windprognosen versprechen bis Donnerstag keine wesentlichen Erleichterungen für das Revier des größten Schiffsfriedhofs der Welt. Während die Mannschaften sich für die Rundung positionieren, trauern sie weiter um den im Southern Ocean über Bord gegangenen und vermissten John Fisher, für den es nach Einschätzungen der Experten schon am Dienstag keine Hoffnung mehr gab.

  Ein Blick auf die aktuellen und weiter höchst anspruchsvollen Windverhältnisse für die Crews bei der Ansteuerung von Kap Hoorn. Team Brunel führt die Flotte weiter an. Die Rundung ist für Donnerstag vorhergesagtFoto: VOR/Screenshot
Ein Blick auf die aktuellen und weiter höchst anspruchsvollen Windverhältnisse für die Crews bei der Ansteuerung von Kap Hoorn. Team Brunel führt die Flotte weiter an. Die Rundung ist für Donnerstag vorhergesagt
  Kyle Langford am Steuer für Bouwe Bekkings Team BrunelFoto: VOR
Kyle Langford am Steuer für Bouwe Bekkings Team Brunel

Als dienstältester Rekordteilnehmer fasste Team Brunels Skipper Bouwe Bekking die Gedanken vieler Segler und Fans in Folge des tragischen Unglücks gestern in seinem Blog zusammen.

"Wir sind zutiefst traurig über den Verlust von John Fisher, den wir als 'Fish' kannten. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und natürlich der Scallywag-Crew. Es gab keinen Moment, seit wir davon gehört haben, in dem ich nicht aufgewacht bin und an ihn gedacht habe. Meine Furcht, ein Crew-Mitglied zu verlieren, ist dadurch größer geworden. Wir reiten hier unten am Abgrund."

Der 54-jährige Niederländer hatte bereits am Dienstag beschrieben, mit welchen Kräften die Crews zu ringen haben. "Wir segeln in Bedingungen, in denen ich zu Hause Angst hätte, dass die Ziegel vom Hausdach fliegen. Und ja, uns hat es auch erwischt. Am frühen Morgen kam eine Bö mit 54 Knoten. Der Gennaker war noch oben. Es ist uns gelungen, das Boot auf den Füßen zu halten, das aber mit einem Puls von 190. Es gibt reichlich von diesen Sturmböen. Etwa alle halbe Stunde bekommen wir eine ab. Die meisten beinhalten etwa 5 Knoten mehr als die durchschnittlichen Winde. Heute Nachmittag hat uns eine schwarze Wolke 65 Knoten beschert – und ja, wir sind heftig abgeschmiert. Zum Glück waren alle angeleint. Weil sich das Ganze beim Wachwechsel zugetragen hat, standen zwei Leute bereit, um den Gennaker einzurollen, und los ging es wieder mit drei Reffs im Groß und dem kleinen Stagsegel – mit immer noch 25 Knoten Bootsgeschwindigkeit und mehr. Die Wasseroberfläche war komplett weiß. Beängstigend, ja, aber auch faszinierend."

  AkzoNobel im Southern OceanFoto: James Blake / VOR
AkzoNobel im Southern Ocean

Seine Crew bekäme wenig Schlaf, schrieb der Routinier: "Wir segeln durchweg mit Standby-Wachen. Das bedeutet, dass du eine Stunde nach deiner Wache noch in deiner vollen Segelbekleidung bleibst, dann für zwei Stunden in die Koje kannst und wieder eine Stunde vor deiner nächsten Wache in Bereitschaft bist. Wir freuen uns wirklich auf normales Segeln, ohne Sturmböen – sodass wir etwas Schlaf bekommen!"

Am frühen Mittwochmorgen haben die Veranstalter des Volvo Ocean Race außerdem berichtet, dass die Crew von Sun Hung Kai / Scallywag weiter auf nordöstlichem Kurs in Richtung chilenischer Küste segelt. Die angeschlagene Mannschaft hätte immer noch mit stürmischen Bedingungen zu kämpfen, erhielte aber alle nur erdenkliche Unterstützung der Rennleitung. Weitere Fakten über den Unfallhergang, bei dem John Fisher über Bord gegangen war und seitdem als vermisst gilt, soll es von der Rennleitung erst nach einem ausführlichen Debriefing mit dem Team Sun Hung Kai / Scallywag geben.

  An Bord von Mapfre: Ihre Ausrüstung schützt die Segler vor grimmiger Kälte und eisiger GischtFoto: VOR
An Bord von Mapfre: Ihre Ausrüstung schützt die Segler vor grimmiger Kälte und eisiger Gischt
  Stacey Jackson bei der Arbeit im Team Vestas 11th Hour RacingFoto: VOR
Stacey Jackson bei der Arbeit im Team Vestas 11th Hour Racing

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